Augen auf und geradeaus! #BloggerFuerFluechtlinge

Ich bin ein ganz normaler Mensch, dem es nicht egal ist, wie mit anderen Menschen umgegangen wird.

Ich will Augen öffnen. Niemand soll wegschauen und später behaupten, er hätte von nichts gewusst. Und außerdem sei es ja gar nicht so schlimm gewesen. Das ist mein Land, und deswegen halte ich meine Augen auf. Deswegen schaue ich nicht weg.

Viele derjenigen, die heute die deutsche Staatsbürgerschaft haben, waren selbst einmal neu in diesem Land. Oder ihre Eltern. Oder ihre Großeltern. Sie kamen beispielsweise zum Ende des zweiten Weltkriegs oder danach aus den ostdeutschen Gebieten, weil … ja, was denn eigentlich? Waren sie politisch Verfolgte? Wirtschaftsflüchtlinge? Mein Schwiegervater “machte” in den fünfziger Jahren “rüber” aus der DDR in die BRD. Wer im “Saargebiet” lebte, hätte ebenso Franzose wie Deutscher werden können. Die Bayern hätten sich in ihrem Freistaat lieber alleine wohlfühlen können (wobei das anscheinend manchen auch heute so geht). Preußen war nicht Deutschland. Deutschland ist ein künstliches Konstrukt, das seine Entstehung der Geschichte und dem Erbfeind-Franzosen Napoleon schuldet.

Ich selbst habe einen “Migrationshintergrund”. Mein Ururgroßvater kam wie viele andere als Gastarbeiter aus Italien nach Hessen zum Bau der Odenwaldbahn zwischen 1868 und 1882.

Es wurden sehr viele Italiener beim Bau der Odenwaldbahn beschäftigt. Sie hatten große Erfahrung im Anlegen von Gebirgsbahnen und waren billigere Arbeitskräfte als ihre deutschen Kollegen. Einige blieben nach dem Bahnbau hier und ließen ihre Familien nachkommen. Meist arbeiteten sie als Steinmetze, Maurer, Straßenarbeiter und Steinbrecher. Aus den damaligen „Gastarbeitern“ wurden nach einer Generation deutsche Bürger!

(Das Mühltal im Odenwald: Die Odenwaldbahn)

Bin ich deswegen ein “schlechter” oder “kein richtiger Deutscher”? Sind nur diejenige, die nur Vorfahren aus Deutschland haben, “richtige Deutsche”? Was ist mit den Vorfahren, die vor 1871 in einem der vielen Bünde oder Fürstentümer lebten? Was ist ein “richtiger Deutscher”? Sollte nicht eine “bessere” Frage sein, wer ein “richtiger Demokrat” ist, wer sich auf dem Boden des Grundgesetzes und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt? Wer freundlich, höflich und hilfsbereit ist? Mein Ururgroßvater war ein armer Hund, der im Odenwald sein Glück fand. Heutzutage würde man ihn wohl als dreckigen Gastarbeiter oder Wirtschaftsflüchtling bezeichnen.

Das Boot ist voll? Wer hat womit seinen Platz im Boot verdient?

Wir und Ihr (ja, IHR) haben es jahrzehntelang zugelassen, dass Diktatoren und andere “Schlechtmenschen” in ihren Ländern die Menschenrechte mit Füßen traten. Jahr für Jahr sorgen wir “Deutsche” mit unserer Wirtschafts- und Außenpolitik dafür, dass Menschen aus Angst aus ihrem Land flüchteten. Wir liefern Waffen in Länder, aus denen dann Menschen flüchten. Und Ihr wundert Euch, dass sie das tun? Nein, Menschen verlassen ihre Heimat nicht aus Jux und Dollerei und weil sie meinen, im Schlaraffenland bekommen Sie Geld in den Rachen geworfen.

Blogger für Flüchtlinge

Nein. Flüchtlinge sind Menschen, die verzweifelt sind und Hilfe benötigen.

Die Aktion #BloggerfuerFluechtlinge möchte nicht nur Nähe, Toleranz und Aufmerksamkeit schaffen sondern auch Spenden sammeln für die Menschen, die aktuell vor Krieg und Hunger in unser Land fliehen und unsere Hilfe benötigen.

Auf Betterplace.org könnt Ihr helfen.

Jeder von uns muss seine Augen aufhalten und geradeaus blicken. Wir dürfen keine Augen verschließen oder einfach nur wegschauen, wenn es um Menschen geht. Weder wenn andere Menschen schlecht behandelt werden noch wenn Menschen leiden müssen. Wie wir andere Menschen behandeln definiert uns als Gesellschaft. Wir als Gesellschaft dürfen es daher nicht dulden, dass dumpfe Vorurteile oder Teilnahmslosigkeit unsere Gesellschaft, unsere Werte und unsere Menschlichkeit zerstören. Deswegen:

Augen auf und geradeaus!

Und für Bürger, die sich um alles Mögliche sorgen aber nicht um Menschlichkeit, habe ich etwas zum Nachlesen:

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