Bus fahren mit der Bahn: Bezahlen wie im letzten Jahrtausend – Ein Rant über die Beförderungsbedingungen des ORN

Die Busverbindungen mit Omnibusverkehr Rhein-Nahe (ORN) hier in Selzen sind gar nicht mal so schlecht. Mit dem Bus bin ich je nach Verbindung in 30 bis 45 Minuten am Mainzer Hauptbahnhof. 30 Minuten mit dem Auto sind inklusive Parken im Parkhaus und zum Bahnhof gehen kaum zu schaffen. Im Berufsverkehr sowieso nicht. . Und der Bus hält direkt auf dem Bahnhofsplatz. Der Bus fährt je nach Tageszeit und Wochentag alle 45 bis 60 Minuten.

Alles super, oder?

Nicht, wenn es um das Bezahlen geht. Da komme ich mir wie im letzten Jahrtausend vor.

  • Ticket online kaufen? Gibt es nicht.
  • Ticket per App kaufen (ich weiß, ist ja auch online): Gibt es nicht.
  • Ticket bargeldlos kaufen: Gibt es nicht.
  • Ticket mit einem Geldschein über 10 Euro bezahlen: Ähm… teilweise. Bezahlen geht, Wechselgeld gibt es nicht.

Wenn ich mich also kurzfristig zu einer Busfahrt entschließe oder entschließen muss, und halt nur ein paar kleine Münzen und einen Zwanzig- oder einen Fünfzig-Euro-Schein im Haus habe (oder zwei Zehn-Euro-Scheine), dann bin ich gekniffen.

  • Denn als Kunde soll ich das Fahrgeld möglichst abgezählt entrichten.
  • Geldbeträge über 10 Euro müssen nicht gewechselt werden – also auch nicht, wenn ich eine Tageskarte mit zwei Zehn-Euro-Scheinen bezahlen will.
  • Ein- oder Zwei-Cent-Stücke im Betrag von mehr als 5 Cent müssen auch nicht angenommen werden – also auch nicht, wenn ein Ticket 4,40 Euro kostet und ich höflicherweise 3 Zehn-Cent-Stücke sowie 5 Zwei-Cent-Stücke hinlege.

Na ja, so schlimm ist das allerdings, denn ich bekomme eine Empfangsbescheinigung über den zuviel entrichteten Betrag. Den Betrag kann ich bei einer benannten Stelle abholen (die mir aber bisher kein Fahrer genau nennen konnte). Ich kann mir den Betrag sogar nach einem Antrag überweisen lassen! Und wenn ich das nicht will, darf ich – natürlich – nicht mitfahren.

Ist also alles ganz einfach. Ich bekomme schließlich mein Geld. Nur fahre ich meistens für eine Zugverbindung zum Mainzer Hauptbahnhof, und bei Umsteigezeiten von deutlich weniger als 10 Minuten ist das illusorisch, irgendwo abzuholen. Alternativ kann ich natürlich extra mal einfach so nach Mainz fahren, meinen Geldbetrag abholen und dann wieder zurückfahen. Kostet mit Bahnkarte auch nur 8,80 Euro. Wenn ich die nicht passend (bis zu 10 Euro) habe – kann ich mir ja eine Empfangsbescheinigung geben lassen und gleich beide Beträge während meiner etwa 90 minütigen Rundreise auszahlen lassen.

Na ja, ich wohne halt auf dem Land – und ORN ist halt ein kleines Busunternehmen auf dem Land?

Pustekuchen! ORN ist ein Tochterunternehmen der Regio DB, die wiederum der Deutschen Bahn gehört. Der Deutschen Bahn, die mit Zügen und weit über 200 Sachen durch die Deutschen Lande fährt. Und mit dem Bus sogar von Ingelheim zum Flughafen Hahn – aber nicht, wenn man große Schein hat oder bargeldlos bezahlen will.

Haus- und Sondertarife der ORN (Omnibusverkehr Rhein-Nahe), Tarifbestimmungen ORN Haustarif (PDF, 156.63KB) gültig ab 01.01.2018:

(5) Das Fahrgeld soll möglichst abgezählt entrichtet werden. Das Fahrpersonal ist nicht verpflichtet, Geldbeträge über 10,- € zu wechseln und Ein- oder Zwei-Cent-Stücke im Betrag von mehr als 5 Cent sowie erheblich beschädigte Geldscheine und Münzen anzunehmen.
(6) Wenn der Fahrpreis nicht abgezählt entrichtet wird und das Fahrpersonal nicht wechseln kann, erhält der Fahrgast eine Empfangsbescheinigung über den zu viel entrichteten Betrag. Diesen Betrag kann er bei der ihm vom Fahr- oder Aufsichtspersonal benannten Stelle gegen Vorlage der Bescheinigung abholen; auf Antrag wird der Betrag überwiesen. Ist der Fahrgast mit dieser Regelung nicht einverstanden, kann er von der Beförderung ausgeschlossen
werden.

PDF-Dateien kann die Bahn übrigens auch mit falscher Seitenausrichtung und nur mit Text als Grafiken zum Download anbieten. Vollkommen kostenlos, dazu braucht man kein Kleingeld

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