Wie Flüchtlinge ihre Smartphones benutzen

Smartphone (Samsung S3)

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat eine Feldforschung/Studie zur Nutzung von Information Communication Technology (ICT) herausgegeben. In ihr wird aufgrund von Flüchtlingsbefragungen in Griechenland, Türkei und Jordanien aufgezeigt, welche Technik Flüchtlinge benutzen (und wie), um miteinander zu kommunizieren. Dazu ein paar Einblicke und persönliche Erfahrungen.

Durch die Website des CorporateLearningCamps habe ich von der Studie erfahren und sie mir durchgelesen. Bei betterplace lab gibt es eine kurze Zusammenfassung mit Empfehlungen sowie die Studie zum Herunterladen als PDF in Englisch:

Feldforschung und Studie: Wie ICT in der Flüchtlingskrise hilft

Ein paar Einblicke, die ich aus der Studie gezogen habe und die für Helfer in Deutschland hilfreich sein könnten:

  • Smartphones sind bei Flüchtlingen sehr weit verbreitet (z.B. fast 100 Prozent bei Syrern).
  • Fast alle Smartphones sind Android-Geräte.
  • Das Telefon ist oft „Familienbesitz“. Es gibt ein Smartphone in der Familie und das hat der Mann der Familie, auch wenn sich Jugendliche oder Kinder sogar besser damit auskennen.
  • Das Smartphone ist die einzige Möglichkeit, um mit Verwandten und Freunden zu kommunizieren.
  • Kaum jemand benutzt Email oder hat eine Emailadresse.
  • Nur wenige wissen, was eine Website ist, und dass es einen Browser gibt. Mit einer Adresse wie betterplace-lab.org können sie nichts anfangen.
  • Fast alle benutzen Facebook und Whatsapp – und zwar nahezu ausschließlich, d.h. keine anderen Apps (außer solche wie Foto/Video).
  • Facebook und Whatsapp wird in der „Peer-Kommunikation“ benutzt, d.h. es werden Nachrichten ausgetauscht mit einzelnen anderen Personen.
  • Whatsapp– oder Facebook-Gruppen werden so gut wie gar nicht benutzt.
  • Manche können die Smartphone-Tastatur nicht bedienen (wg. Sprache/Analphabetentum), so dass dann Sprachnachrichten versendet werden oder Telefonate über eine App geführt werden.

Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass das bei Flüchtlingen hier in Deutschland genauso ist (insbesondere, wenn die Flüchtlinge schon länger hier sind). Jedoch könnten ehrenamtliche Helfer überlegen, ob sie „ihren“ Flüchtlingen anbieten, mit ihnen über Whatsapp oder Facebook zu kommunizieren (mit vielen Vielleichts).

Bisher habe ich nur gelegentlich in einzelnen Tweets durchblicken lassen oder in persönlichen Gesprächen erzählt, dass ich hier in Selzen in Rheinhessen ein bisschen bei der Betreuung von Flüchtlingen unterstütze. Ich möchte die Studie und die Einblicke jedoch zum Anlass nehmen, ein paar persönliche Erfahrungen/Einschätzungen (die nicht allgemein und vermutlich nicht übertragbar sind) zu teilen:

  • Neutral fragen. Nicht jeder gibt gerne seine Telefonnummer einem Anderen oder Fremden. Das gilt sowohl für Flüchtlinge als auch für Helfer.
  • Tatsächlich scheint es so zu sein, dass es ein „Familien-Handy“ gibt und dass dies der Mann in der Familie hat.
  • Flüchtlinge bauen sich ein Netzwerk von Kontakten und Bekannten in Deutschland auf, mit denen sie telefonieren können, wenn sie eine Frage oder Hilfe haben (weil beispielsweise der Arzt, den sie vor ein paar Wochen in Deutschland kennenlernten, arabisch spricht).
  • Wenn die Kommunikation zwischen Helfer und Flüchtling zu einem wichtigen Thema stecken bleibt (weil Mimik/Gestik/Übersetzungsapp nicht reicht), rufen Flüchtlinge manchmal einen dieser Kontakten an, der als Übersetzer aushilft.
  • Es gibt Helfer, die kein Smartphone haben oder keine Apps auf ihrem Smartphone benutzen.
  • Viele Helfer, die ein Smartphone haben, benutzen kein Whatsapp und kein Facebook.
  • Manche Helfer haben einen Computer und nutzen E-Mail – aber in sehr unterschiedlicher Frequenz (u.U. alle paar Tage).
  • Collaboration Apps/Anwendungen zum Bearbeiten von Inhalten (Wiki, Google/Microsoft Docs) oder für Aufgabenplanung habe ich bisher noch gar nicht angetroffen.
  • Das Nutzungsverhalten aktueller ICT bei Helfern hängt vom Alter ab und davon, ob es sich um eine ländliche Gegend handelt (absolute Vermutung!).
  • Primäre Kommunikationsmittel bei Helfern sind Telefon und E-Mail (ggf. mit sehr großer Anzahl Empfänger in to: beziehungsweise cc:).

Wie geschrieben: Das sind persönliche Erfahrungen.

Als Übersetzungstool hat sich für mich der Microsoft Translator bewährt. Normalerweise sehe ich bei Flüchtlingen den Google Translator, den ich zwar schon auf dem Smartphone aber noch nicht ausprobiert habe. Ob sich eine Kommunikation per Textnachrichten in Whatsapp oder Facebook-Messenger und mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes bewähren würde, halte ich für zweifelhaft. Denn eine meiner Erfahrungen ist: Mimik und Gestik helfen sehr bei der Unterhaltung in Syrisch-Arabisch und Deutsch via Translator-App!

Warum schreibe ich das eigentlich? Ich würde mich freuen, mich dazu mit anderen auszutauschen zu können.

Welche Eindrücke und Erfahrungen habt Ihr zur Kommunikation mit Flüchtlingen und/oder unter ehrenamtlichen Helfern?

P.S. Weil es dazu passt, hier ein Video (via Blogrebellen)

 

Spielt ruhig #PokemonGo – ich bleibe bei #RheinhessenGo

PokemonGo (Bildquelle: Video Pokémon Go Deutschland)

Der neueste heiße Sch*** ist Pokémon Go. Das macht vermutlich richtig Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Doch momentan halte ich es eher wie Wissenssucher Falk Hedemann („Warum ich kein Early Adopter mehr bin„):

Mir persönlich ist das alles viel zu viel geworden. Quasi jede Woche müsste man einem neuen Hype nachrennen, wenn man hipp bleiben will. Das frisst mir einerseits zu viel meiner Zeit und andererseits sehe ich in vielen aktuellen Hypes für mich persönlich auch keinen Nutzen. […] Und erzählt mir doch bitte nicht, dass ich die Kontrolle über mein Leben verloren habe, wenn ich Snapchat nicht verstehe! Das Gegenteil ist der Fall: Wer jedem Hype hinterherläuft hat die Kontrolle über sein Leben verloren!

Nintendo wirbt mit dem SpruchNichts wie raus und Go!

Das mache ich schon seit langem. Vor einiger Zeit habe ich einen Trend für mich entdeckt, den ich derzeit so richtig auslebe: Entspannen, am besten mit #RheinhessenGo: Einfach rein ins Rheinhessen, sich auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaft einlassen. Sich überraschen lassen und auch gerne einmal von Rehkitzen überfallen lassen.

Nichts wie Rheinhessen und Go! #RheinhessenGo

Da trifft man auf Bauern, Wanderer, Winzer, Jogger, Flüchtlinge … Menschen eben. Da gibt es wahnsinnige Landschaften, eine wundervolle Pflanzenwelt und jede Menge Monster. Und manchmal, wenn man Glück hat, dann fühlt man sich fast im Reservat, bereits wenn man von der Terrasse raus guckt.

Eule - putzend und starrend

Eule - putzend und starrend

Flieger, grüß mir die Sonne!

Großer Sand

Katharinenkirche und Oppenheim

Turmfalken Selzen 22.06.16

Der Rehkitz-Überfall

Mauerschwalben in Stadecken

Pferdekoppeln bei Stadecken

Reh in den Weinbergen

Hummel in Rheinhessen

Pilgerweinberg - Weingarten

Turmfalkennest in Selzen 07.06.16

Futter im Turmfalkennest 25.05.16

Selztalwanderung

Pferde bei Köngernheim

133 Unser großes schwarzes Hausmonster

Vielleicht, vielleicht reizt es mich doch irgendwann. Aber bis dahin:

An alle PokemonGoer, Prismaer, Snapchatter und XYZer: Ich bin raus.

Titelbildquelle:

Distanz: 48,3 Kilometer. Dauer: 5 Stunden 12 Minuten …

Spass beim Joggen

Ich bin definitiv kein Läufer sondern ein Jogger. Auch als Jogger schätze ich mich eher langsam ein. Wenn ich dann die Ansage der Runtastic-App höre, bin ich schon mal etwas frustiert. Dann komme ich wieder zurück, ziehe meine Laufschuhe aus und schlürfe meinen Kaffee.

Doch so manchmal stelle ich mir beim Joggen vor …

  • Sicherstellen, dass die Medienwiedergabe auf „Volle Lautstärke“ steht
  • Augen auf beim Joggen
  • Auf entgegenkommende Wanderer, Jogger, Winzer, Bauern achten
  • Kurz, bevor sie auf gleicher Höhe mit mir sind, eine MP3-Datei abspielen
  • Bewundernde Blicke einfangen

Bevor die gemerkt haben, dass ich total ausgepowert und erst eine halbe Stunde unterwegs bin und das nur eine Aufnahme ist, habe ich mich an denen hechelnd vorbeigeschleppt.

(Direktlink zum Audioboo)

P.S. In der letzten Zeit habe ich hier nicht viel geschrieben. Das lag wohl unter anderem daran, dass ich sehr viel entspannt habe.

Fotoalbum Joggen in Rheinhessen auf Flickr

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Manchmal bekommst Du das, was Du nicht möchtest

Brille auf Bank

Heute morgen sammele ich meine Laufklamotten, mich und meine Gadgets. Dann schnappe ich mir die Brille zum Laufen. Meine „normale“ Gleitsichtbrille mit automatischem Dunkelwerden nehme ich dazu nicht. Beim Laufen brauche ich einfach nur Fernsicht und außerdem die Brille mit einem festeren Halt.

Zwischendurch nervt mich mein Smartphone, das irgendwie unsäglich langsam ist. „Boot tut gut“ denke ich mir und starte das Gerät neu. Fertig. Runtastic auf dem Smartphone starten. Runtastic will Zugriff auf GPS? Okay, da hast Du es. Fertig. Raus aus der Wohnung, Laufschuhe an, Runtastic sagen, dass ich jetzt loslaufe. Und … los.

Die Sonne scheint, ich fühle mich großartig. Nach ein paar hundert Metern realisiere ich, dass es irgendwie so dunkel ist – trotz des strahlenden Sonnenscheins. Und dann merke ich, dass ich die falsche Brille aufhaben. Umdrehen? Nein. Also setze ich die Brille ab und nehme sie aufgrund fehlender Tasche einfach in die Hand. Blöd, das stört schon. Aber jetzt habe ich sie halt nunmal dabei und muss damit klarkommen.

Irgendetwas summt vor mir und kommt innerhalb ein paar Sekundenbruchteilen auf mein Gesicht zu. Mein Mund ist geschlossen, ich atme durch die Nase ein … und habe das Flugvieh in der Nase. Meine Nase bitzelt. Ich drücke. Hoffentlich ist die Fliege tot. Ein paar Meter weiter merke ich, dass die Nase juckt. Ich drücke. Ich schnäuze durch das bewusste Nasenloch aus. Ich laufe weiter. Ich traue mich nicht, stark durch die Nase einzuatmen. Aber das Vieh ist wohl tot, ich habe es in der Nase und muss damit klarkommen.

Brille auf Bank
Brille auf Bank

Beim Laufen schieße ich ein paar Fotos von den Weinbergen. Irgendwann lockt eine Bank im Sonnenschein mit einem schönen Ausblick auf die Weinberge und auf Selzen. Ich setze mich, lege die blöde Brille neben mich und nutze die Gelegenheit, um mein 365er Foto per Mail hochzuladen. Nur schnell ein Betreff, zwei Tags und die Blog-Mailadresse … Wo, VERD***T noch mal ist die automatische Vervollständigung der Mailempfänger? Nicht da. Ich erinnere mich an den Neustart und die merkwürdige Frage von Runtastic nach der Standortberechtigung. Egal, dann eben jetzt kein 365er verschicken. Damit muss ich klarkommen.

Manchmal bekommst Du das, was Du nicht möchtest.

Und nicht immer kannst Du das bekommen, was Du möchtest.

So wie bei dem heutigen Lauf geht es mir immer mal wieder im Leben. Aber das ist nunmal das Leben. Damit komme ich schon klar 😎

You Can’t Always Get What You Want

So, und jetzt setze ich aus Protest einfach mal dieses blöde Smartphone zurück. Das bekommst Du jetzt von mir, Du blödes Ding, ob Du willst oder nicht.

Gesucht: Tipps für neuen Monitor

Monitortipps

Ich überlege, mir einen neuen, aktuelleren und etwas größeren Monitor anzuschaffen, an dem dauerhaft mein HP Desktop und zeitweise mein HP Spectre x360 oder gelegentlich mein iPad hängt. Mein jetziger Monitor ist etwa 6 alt, der neue sollte vermutlich auch etwa solange halten.

Vielleicht könnt Ihr mir ein paar Tipps geben, bevor ich mich auf die weitere Suche begebe. Dazu ein paar Hintergründe/Fragen:

  • Einsatz: Officeanwendungen, Browser, Videos schauen, aber keine Videobearbeitung, kein Gaming.
  • Auflösung: Derzeit brauche ich nur Full HD (mehr können meine momentanen Geräte nicht), aber ist es vielleicht sinnvoll, jetzt schon einen 4K-Monitor zu holen?
  • Größe: 24 Zoll halte ich für sinnvoll, mein jetziger hat 21 Zoll. Mehr würde einfach zu wuchtig wirken im kleinen Büro bei mir.
  • Anschlüsse: Mind. 3 HDMI. Sollte ich auf weitere Anschlüsse wie Displayport wg. Zukunftsfähigkeit achten?
  • Format: Typischerweise das normale Widescreen (wohl 16:9). Inzwischen gibt es Monitore im 21:9-Format. Für das „Fensterln“ wäre das vielleicht sinnvoll, aber wie verträgt sich das mit der üblichen Grafikauflösung Full-HD (gibt es da spezielle Treiber?), sollte ich derzeit die Finger davon lassen?
  • Verstellbarkeit: Der Monitor sollte sich in Höhe und Neigung verstellen lassen.
  • Split Screen und PIP: Ich sehe da für einen Office-Monitor eigentlich keinen besonderen Wert für mich. Oder sehe ich das nur nicht?
  • Lichtstärke: Der Monitor steht vor dem Fenster, ich habe Gegenlicht. Worauf sollte ich da achten?
  • Preisobergrenze 350 Euro

Gibt es, worauf ich besonders achten sollte? Habt Ihr sonst noch Hinweise?

Habt oder kennt Ihr einen Monitor, den Ihr mir empfehlen könnt?

Über die Fragmentierung der Kommunikation

Danke. Das wollte ich auch schon immer mal drüber reden.

Warum ich das alles schreibe? Meine Frau sagt gerne, wen sie mir ein Problem auftischt und ich sofort nach einer Lösung suche: “Ich will nur drüber reden, ich will keine Lösung”.

Genau. Ich wollte nur mal drüber reden.

(Alexander Kluge, warum er über die Fragmentierung der Kommunikation schreibt: Kanal voll)

Als Freiberufler kommt gefühlsmäßig alle zwei Monate eine neue Plattform dazu, insbesondere im Messaging-/Chat-Bereich. Im persönlichen Bereich (Freunde/Hobby/AGs) bleibt es gefühlt besonders chaotisch, da werden Kettenmailthreads immer noch gerne genommen, um Informationen zu streuen oder Aktivitäten zu koordinieren. Oder besonders Fortgeschrittene haben irgendwann für den Kreis Mailinglisten eingeführt. Gelegentlich wird über andere Möglichkeiten diskutiert und doch kaum etwas geändert, weil keiner den anderen etwas Neues vorschreiben will oder kann, weil ja welche dagegen sind (oder nur dann, wenn alle wollen). Und dann bilden sich einzelne Arbeitsgruppen auf Whatsapp, Facebook, Telegram. Wobei das gleiche auch immer noch gerne im Unternehmensumfeld genommen wird.

Für mich als Freiberufler und Privatperson ist das Thema eines allumfassenden Archivs (Danke für den Hinweis, Bernd Gewehr) sehr, sehr verlockend, weil die Kommunikation auch pro Thema/Arbeitskreis/Kunde plattformübergreifend hin und her springt. Heute Whatsapp, morgen Facebook, übermorgen dann doch wieder E-Mail. Oder jemand hat eine ganz wichtige Idee und spricht jemandem eine Sprachnachricht. Früher auf den Anrufbeantworter (der doch nie antwortete), später dann auf die Sprachbox. Heute wird auch gerne mal WhatsApp genommen, um eine Sprachnachricht loszuwerden. Ja, mich erreicht Ihr damit. Und ich Euch. Aber später?

Für „offizielle Inhalte“ bleibt als Rettung immer E-Mail, irgendwann. Aber meistens ist es eben nicht das Problem offizieller Inhalte sondern das kleiner Absprachen zur Organisation oder irgendwelcher Ideen und Hinweise. Nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten ploppt das Thema wieder hoch. Da stellt sich eine Idee, ein Hinweis, eine Absprache als kriegsentscheidend heraus. und jeder fragt sich: Wo hat das wer wann noch mal erwähnt, da hat doch mal…? Und keiner weiß, ob das Medium Mailingliste, Whatsappgruppe-/Nachricht, Facebook-Message/-Gruppe, Slackkanal/-nachricht oder was auch immer war.

Google ist ein einziges riesengroßes #Fail, weil es nur Webseiten durchsucht.

Google für alles

Die Suche hängt immer noch von einem riesengroßen löchrigen dezentralen Index ab: Den Köpfen der Leute. Der Kopf, der es dann wüsste, ist nach Murphy’s Law mindestens in Urlaub.

Ich habe das hier verbloggt, damit Ihr das hier von Facebook wiederfindet (also mit Google), wenn ich in Urlaub bin.

Trekonomics: The Economics of Star Trek (Inkshares)

Trekonomics

Selten war meine Vorfreude auf ein Buch so groß wie die auf Trekonomics, das ich auf Inkshares finanzierte.

Dem einen oder anderen dürfte nicht entgangen sein, dass ich Science Fiction Fan im allgemeinen und Star Trek Fan im besonderen bin. Irgendwie (die Wege eines Vulkaniers sind unergründlich) stieß ich im Juli letzten Jahres auf entweder zuerst Inkshares oder zuerst auf Trekonomics.

Inkshares

Inkshares ist eine Crowdfunding-Plattform und gleichzeitig ein Verlag. Also wie Kickstarter für Bücher, bloß mit etlichen Leistungen für Autoren (siehe FAQ).

We’re a book publisher that has readers, not agents or editors, decide what we publish. We publish any work that successfully hits a pre-order threshold on our platform. By “publish” we mean that we edit, design, print, distribute, and market books. You can find our funded books here.

Trekonomics

Man nehme „Star Trek“ sowie „Economics„, mache sich Gedanken darüber und ein Buch daraus:

Trekonomics from Inkshares on Vimeo.

Jedenfalls stieß ich auf das Buchprojekt Trekonomics von Manu Saadia aka @trekonomics. Als Trekkie und Fan von Isaac Asimov faszinieren mich die Überlegungen, wie eine Volkswirtschaft, nein, die Wirtschaft eines Planetenverbundes, der United Federation of Planets, ohne Geld funktionieren könnte oder auch müsste angesichts des Überflusses („Abundance“) von Energie und dadurch via Replikatoren der Dinge.

…it no longer seemed so important whether the world was Adam Smith or Karl Marx. Neither made very much sense under the new circumstances.

  • Isaac Asimov, I, Robot

Ich entschloss mich, das Buch zu finanzieren. Als Crowdfunder bin ich ja sozusagen ein Investor und als solcher ein Stakeholder. Eine der Aspekte des Stakeholder-Konstrukts ist es übrigens, dass eine Person oder Organisation mehrere Stakeholder-Rollen innehaben kann. So bin ich weiterhin Stakeholder des Projekts in meinen Rollen als Kunde, Leser und Fan.

Einen guten Einblick in die Motivation Manus liefert der Artikel auf Tech Insider „If you grew up like me, then you’d be a Trekkie too“ (ausführlicher in der Einführung auf Inkshares).

Auch wenn ich in meiner Familie niemanden hatte, der unter dem Dritten Reich, der Gestapo oder gar Buchenwald zu leiden hatte, so sah ich doch Ähnlichkeiten in meiner Entwicklung. Auch ich war vom Kalten Krieg geprägt, er brachte mich dazu, der Bundeswehr beizutreten und eine Offizierlaufbahn einzuschlagen. Gleichzeitig war ich immer der Ansicht, dass es nicht „das Böse“ gibt (das kann ich mir nicht verkneifen: Das wäre möglicherweise eher etwas für Star Wars Fans). Auch die Vulkanier Klingonen (was hat mich da nur geritten) waren einmal, in der Originalserie (Star Trek: The Original Series (TOS), „das Böse“, „die Roten“. Doch schon in TOS deutete sich eine differenzierte Sichtweise an. Medaillen haben immer mehr als zwei Seiten.

Gerade in unserer Zeit, in der in der Wirtschaft eine Entwicklung weg von der reinen Hierarchielehre hin zu System- und Netzmodellen stattfindet, werden immer öfter Besitztümer und Statussymbole hinterfragt. Was wird wichtiger, wenn die Unternehmen immer mehr mit Kollaboration anstelle Wettbewerb agieren? Mit Communities, Rollen und Circles? Was macht das aus unserer Gesellschaft?

Was geschieht beispielsweise, wenn wir eine saubere und grenzenlose Kernfusion haben? Wenn wir tatsächlich den Mars kolonisiert haben und auf Rohstoffe anderer Planeten des Sonnensystems oder gar des Kuipergürtels zugreifen können? Was ist uns dann wichtig?

A lot has changed in three hundred years. People are no longer obsessed with the accumulation of ‚things‘. We have eliminated hunger, want, the need for possessions.

(Memory Apha Wikia: Money)

Nicht, dass ich glaubte, das mit meinen jetzigen 55 Jahren noch einmal erleben zu dürfen. Aber was wäre die Zukunft ohne das Denken darüber?

Trekonomics kommt am 31. Mai in den Buchhandel. Ihr könnt es auf Inkshares kaufen, oder auf Amazon.com oder Amazon.de (derzeit beide nur als Hardcover) vorbestellen.

Als Investor genieße ich gewisse Privilegien und habe mein E-Book-Exemplar bereits heruntergeladen. Doch ich werde es nicht antasten, denn mein „book has been shipped!

Your item arrived at our USPS facility in LOS ANGELES, CA 90009 on May 8, 2016 at 1:08 am. The item is currently in transit to the destination.

Weitere Inkshares

Interessanterweise bekam ich von Inkshares für bestimmte Aktionen (erstes Funding, erster Kommenter etc.) weitere „Credits“. So habe ich mir dann nach und nach weitere Bücher gekauft oder sie finanziert („funded“).

Murder at the Veterans’ Club (currently funding)

A 258-page mystery book:

When the newest member of Eric Peterkin’s London club is found stabbed to death, Eric throws himself into a quest for the truth: missing nurses, mistaken identity, morphine addiction, shell shock … the Great War is over, but the memories remain….

The Life Engineered (funded)

A 150-page science-fiction book by JF Dubeau:

Can our robot descendants avoid repeating the mistakes of humanity?

Ein wunderbarer Science Fiction, den ich sehr genossen habe. Demnächst wird JF Dubeau ein Folgebuch platzieren.

Unscalable (funded)

A 100-page startups book by Charlie Guo:

Unscalable uncovers Silicon Valley’s lesser-known backstories of failure and achievement. Interviews (GitHub, Zenefits, DoorDash and more) showcase eclectic strategies and experiments, revealing the long and unpredictable road to startup success.

Abomination (gekauft)

A 400-page historical-fantasy book by Gary Whitta:

Inspired by my love of medieval history, mythological fantasy, and good old-fashioned monster stories.

Gary Whitta ist Screenwriter (z.B. Book of Eli, After Earth, Rogue One: A Star Wars Story) und bezeichnet sich als „now, maybe, a novelist„.

Ageless (gekauft)

A 280-page science-fiction book by Paul Inman:

A woman faces the ultimate question: Is eternal life a gift or a curse?

Süße kleine Links braucht die Welt!

World Wide Web

Das World Wide Web, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Das sind die Abenteuer unzähliger Websiten, deren Autoren und Publizisten seit Jahrzehnten unterwegs sind, um fremde Menschen, fremde Inhalte, fremde Zivilisationen zu erforschen. Verknüpft durch süße kleine Links …

Nein, so ist es leider nicht mehr. Ganz World Wide Web ist von Plattformen wie Facebook und Apps wie Instagram besetzt. Ganz World Wide Web? Nein! Ein von unbeugsamen Autoren bevölkertes Dorf, die „Blogosphäre“, hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Autoren wie Hossein Derakhshan oder Thomas Pleil machen den kapitalistischen Legionären das Leben nicht leicht.

Das Netz als Ort der Debatte – das war einmal der schöne Traum, vielleicht in Ansätzen gelebt von Bloggern vor gut zehn Jahren. Die Klage, dass diese Utopie wohl weitgehend zerstört ist, ist bei weitem nicht neu, aber zumindest formuliert wurde dieses Problem auch auf dieser re:publica.

(Die süßen kleinen Links brauchen unsere Hilfe)

World Wide Web
World Wide Web

Und was mache ich?

Meine Gedanken, meine Inhalte, mein Castle. Meine Beiträge verstecke ich nicht exklusiv in Plattformen und Apps. Meine Publikationsstrategie:

  • Blog First. Wenn ich etwas Längeres schreibe (also mehr als etwa 200 oder 300 Wörter), dann schreibe und publiziere ich das zuerst in einem Blog. Fachliche Themen zu Kommunikation, Kollaboration, Productivity, Tools etc. kommen in das INJELEA-Blog. Persönliche Kolumnen, Essays, starke Meinungsartikel kommen in Den Schreibenden, kurze Mosereien kommen schon mal in Den Taumler. Wenn ich den Inhalt und den Stil für andere Plattformen wie Medium, Linkedin oder Facebook Notes für geeignet halte, dann veröffentliche ich die Artikel dort ebenfalls (auf Facebook eventuell zukünftig als Instant Articles), gegebenenfalls angepasst an Plattform und „Zielgruppen“. Aber: My Blog is my Castle.
  • Kuratieren und empfehlen. Alles, was ich in diesem Netz finde und für lesenswert halte, landet zunächst in meiner Pocket. Dort entscheide ich, was ich damit anfange: Doch nicht lesen, lesen, empfehlen via Pocket, auf Twitter oder Facebook oder Linkedin via Buffer teilen, nach Pinboard und Diigo. Außerdem landen themenbezogen Empfehlungen in drei Magazinen auf Flipboard: Communications and Collaboration, Office & Productivity und Hawaii Magazine.
  • Blogroll. Ab und zu treffe ich noch einmal auf eine. Ich habe auch welche: Eine Blogroll ist bei INJELEA, eine Rheinhessen-Blogroll und eine Hawai’i-Blogroll sind beim Entspannenden. Disclosure: Ich habe die Überarbeitung selbiger gerade in meine never-ending Todo-List (wieder einmal) aufgenommen (Nachtrag: Nur noch die Hawai’i-Blogroll ist noch fällig).
  • Lesenswertes. Was ich für besonders lesenswert halte, landet in meinen Lesezeichen, die ich etwa alle drei bis vier Wochen veröffentliche. Meistens (okay, eigentlich immer) ist es ein Rundumschlag aller möglichen und unmöglichen fachlichen und persönlichen Themen. Collaboration, Social Business und Productivity müssen meine Leser genauso ertragen (wenn sie denn wollen) wie Hawai’i und Star Trek. Die Lesezeichen erzeugt ein WordPress-Plugin automatisch jeden Sonntag aus meinem PinboardRSS-Feed, der aus Pocket heraus gefüttert via IFTTT wird. Alle drei bis vier Wochen packe ich alle Lesezeichen in einen einzelnen Beitrag und schubse ihn in das World Wide Web. Notiz am Rande: Ich habe irgendwann vor ein paar Jahren einmal für etwa 5 Dollar einen lebenslangen Pinboard-Account gekauft.
  • Fotos, Fotos, Fotos. Ich schieße gerne Fotos, entweder mit meiner Panasonic Lumix DMC-FZ200 oder meinem Smartphone. Sehr, sehr viele davon landen in meinem Flickr-Stream, dort habe ich seit Juli 2005 einen Account. Eigentlich würde ich ja gerne mehr wirklich social mit Flickr sein, aber …. Seit 1. Januar 2011 läuft mein Fotoprojekt „Meine 365“, zunächst auf Tumblr beim Taumler, seit 1. Januar 2015 in einem eigenen WordPress-Blog. Auf magische Art und Weise landen die 365er-Fotos auf Flickr, Facebook und Twitter. Fotos mit meiner Lumix landen oft außer auf Flickr noch bei Dem Entspannenden.
  • Instagram? Meinen Instagram-Account habe ich vor einigen Wochen reaktiviert – aber irgendwie werde ich nicht warm mit Instagram. Möglicherweise auch deswegen, weil mir das dann zu viel wird, wenn ich ihn ernsthaft nutzen wollte.
  • Creative Commons. Wann immer es mir möglich ist, stelle ich meine Inhalte (Texte, Fotos, Grafiken etc.) als Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung. Ich bin da nicht zimperlich. Wenn mich jemand anfragt, dann bekommt er/sie in der Regel Creative-Commons-Inhalte kostenlos für eine kommerzielle Verwendung, auch wenn das die Lizenz für den entsprechenden Inhalt ursprünglich nicht vorsieht (es sei denn, es geht um richtig viel Kohle, die derjenige/diejenige damit macht).

Das Netz gehört uns. Lasst es Euch nicht wegnehmen und einsperren!

Bekenntnisse eines Kaffee-Süchtigen

Kaffeetasse mit Kaffee drin

Heute ist wieder Freitag, der Tag, zu dem ich mir feierlich geschworen habe, als „Der Schreibende“ einen Artikel zu schreiben, wann immer und wenn immer ich Zeit, Lust und Laune habe.

Heute Morgen war mir keiner dieser drei Zustände gegeben. Heute Nachmittag genoss ich lieber Tom Gaebel, Frank Sinatra und das WDR-Funkhausorchester. Und die beste aller Ehefrauen machte mir einen schnöden wunderbaren Milchkaffee. Der Freitag Nachmittag ist prädestiniert für unser gemeinschaftliches Kaffeetrinken.

Und während ich der Facebook-Falle erlag („nur mal schnell in Facebook schauen“) stieß ich auf einen Lesetipp von Thomas Wiegold (Unbedingt (noch mal) lesen: ‚Drei Krieger‘ im Karfreitagsgefecht), der mich in den Artikel „Drei Krieger“ verführte. Und wie das manchmal so geht, während ich den schnöden wunderbaren Milchkaffee genoss, stieß ich durch ungezieltes Stöbern in demselben Blog auf das Kaffeekomplott. Daraus ließe sich doch einmal etwas Geschriebenes ableiten, dachte ich mir, und so rief ich den WriteMonkey („member of zenware family„) auf. Der mich mit einem seiner gefürchteten Sprüche begrüßte:

Make it as simple as possible, but no simpler.

Genau so muss Kaffee für mich sein. Ich halte es mit der Einfachheit. Kaffee muss einfach zu beschaffen und zu machen sein, und doch gleichfalls auch gut zu zelebrieren sein. Wenn ich für einen guten Kaffee stundenlang Vorbereitungen treffen muss, wenn ich stundenlang jahrelang eingeübte Kunstgriffe vollziehen muss und dabei sie mit ein paar Beschwörungen begleiten muss – dann vergeht mir der Spaß daran. Das Blöde ist jedoch, dass mir der Kaffee trotzdem gut bis sehr gut schmecken soll.

Nicht, dass ich es nicht schon versucht hätte. Aber ich bin nicht Kaffee-Profi genug (nämlich gar keiner), um wirklich mit einem vertretbaren Aufwand nachvollziehbar mehr als guten Kaffee zu produzieren. Ich trinke einfach gerne guten Kaffee. Oft kann ich jedoch noch nicht einmal sagen, warum der Kaffee gut schmeckt. Ich weiß nur, ob er mir schmeckt. Ich schätze, ich komme der Haltung des Kaffeekomplottautoren Christian Seiler recht nahe.

Mir ist das zu kompliziert. Ich habe mich mit Enttäuschungen abgefunden. Meine Haltung zum Kaffee ähnelt jener zum Wetter: Es ist zwar schön, wenn die Sonne scheint. Aber wenn es regnet, kann ich auch nichts daran ändern.

Piliani Kope Coffee Farm
Piliani Kope Coffee Farm
Kaffeebohnen auf der Piliani Kope Coffee Farm
Kaffeebohnen auf der Piliani Kope Coffee Farm

Ich versuche solche Gegenden zu vermeiden, die bekannt sind für ihr schlechtes Wetter. Aber auch auf Hawai’i regnet es ab und an. Woran ich auch nichts ändern kann. Seltsamerweise schmeckt mir Kaffee auf Hawai’i jedoch immer gut bis sehr gut. Besonders natürlich, wenn wir auf einer der Kaffeeplantagen wie der Piliani Kope Coffee Farm sind. Womit ich Euch wieder mein Lieblingsthema Hawai’i untergeschoben habe…

Aeropress
Aeropress
Kaffeefilterautomat
Kaffeefilterautomat

Hier in Deutschland, hier bei INJELEA stehen ein Jura-Kaffeevollautomat, ein Kaffeefilterautomat und ein Aeropress. Mit allen dreien geht das Kaffeemachen und -zelebrieren einfach und schnell. Ich schrecke auch nicht davor zurück, Zeugs wie Kardamon in den Kaffee zu tun. Für das Mahlen des Kaffees bin ich jedoch bereits zu ungeduldig (obwohl eine Kaffeehandmühle auf meiner Wunschliste steht). Manchmal schmeckt mir auch der Kaffee zuhause nicht. Das kann am Luftdruck, meiner Laune oder an irgendwelchen anderen nicht von mir zu verantwortenden Umständen liegen.

Glücklicherweise finde ich immer wieder jemanden, der mir einen sehr guten Kaffee macht. Der vor Beschwörungen nicht zurückschreckt, einfach Kaffeeprofi oder amibitionierter Kaffeeamateur ist oder vielleicht auch nur einen braunen Daumen hat.

Latte Machiato von Martin Seibert persönlich
Latte Machiato von Martin Seibert persönlich

Und dann denke ich mir:

Ich bin zwar kein Barista. Aber ich erkenne einen guten Kaffee, wenn ich ihn trinke.

Über Geburtstagsgeschenke und meine Wunschliste

Whisky und Marille et al.

Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Ich pflege keine Riesen-Feiern zu veranstalten. Fürs Wochenende hatte ich ein paar engere Freunde zum Feiern eingeladen. Es gab verschiedene Salate, und ich warf den Grill an.

Engine room: All engines full throttle, warp speed! Yes, Sir! (Broil King)
Engine room: All engines full throttle, warp speed! Yes, Sir! (Broil King)

Im Vorfeld, als ich die Freunde anrief und einludt, hörte ich dann oft Fragen wie „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?“ oder „Hast Du eine Wunschliste?“ Was mich früher nervte, als ich andere fragte, das antwortete ich dieses Mal so wie in den letzten Jahren bereits:

Ähm, nö. Ich habe eigentlich keinen Wunsch.

Auf Nachfragen bekannte ich dann, eine Amazon-Wunschliste zu haben. Genau genommen habe ich mehrere. Aber bis auf eine sind sie privat und dienen nur als Speicher für mich. Meine öffentliche Wunschliste ist dann für so seltene Fälle, wenn mir jemand etwas schenken will und (genau!) nach einer Wunschliste fragt. Darauf sind hauptsächlich Gadgets, die nicht dringend sind, die nützlich wären.

Ich kann mich noch an die Geburtstagsfeiern meine Eltern in den Siebzigern und den Achtzigern erinnern. Da gab es dann haufenweise Schüsseln, Teller, Platten, Vasen. Alles, was dann in den Schränken oder auf irgendwelchen Plätzen herumstand und doch nur Platz wegnahm. Thermoskannen waren auch mal schwer in. Meine Eltern waren beide – so wie fast alle Freunde und Bekannte – Arbeiter, die sich in Fünfzigern und Sechzigern hochgearbeitet haben in ihrer Arbeit. Ein Haus, ein Auto, die Wohnungseinrichtung, endlich mal ein Urlaub. Da waren es Anfangs genau die richtigen Geschenke, die man sich für den Haushalt nämlich nicht selbst kaufen musste.

Doch irgendwann hatten meine Eltern alles schon mal bekommen. Und bekamen sowas nochmal. Und nochmal. Das war dann schon mehr als lästig. Aber es war so etwas wie eine Geschenke-Kultur, gegen die kaum jemand zu verstoßen wagte. Irgendwann in den Achtzigern nahm „der Geschenke-Hype“ doch ab. Meine Mutter gab die Parole aus:

Nichts, was anstaubt.

Also nur Vergängliches, das man einfach mal genießen konnte. Gutscheine für den Blumenladen wurden immer gerne genommen, nachdem klar wurde: Für 20 Blumensträuße am Geburtstag gab es meist nicht genügend Vasen, und die Entsorgung nach wenigen Tagen war auch lästig. Zeugs zum Essen (haltbar!) und Trinken war auch okay. Aber meine Eltern wollten auch nicht wochenlang die ungarische Salami vertilgen (vor allem, weil das mein Vater dann alleine übernehmen musste). Irgendwann dann vor einigen Jahren gab es eine neue Parole:

Keine Geschenke!

Es gab immer wieder Unbelehrbare, die das ignorierten – auch meine Mutter. Inzwischen ist meine Mutter 81 Jahre jung und hält sich strikt daran (so ziemlich).

Jetzt endlich, mit 55 Jahren, stehe ich davor, auch die Parole „Keine Geschenke!“ auszugeben. Die allerbeste aller Ehefrauen und ich halten es unter uns schon länger so (und wir beide verstoßen hartnäckig immer wieder dagegen).

Aber der Kernpunkt ist der: Ich brauche nichts! Natürlich könnte ich mit der einen oder anderen Million etwas anfangen. Aber tatsächlich bin ich glücklich. Wenn ich etwas brauche, dann bin ich in der Lage, es mir zu kaufen. Klamotten, Gadgets. Zeugs. Wirklich teures Zeugs ist auch nichts, was zum Schenken dient. Ich bin der glücklichen Lage, mir das kaufen zu können, was ich brauche oder mir einmal gönne. Millionen Menschen sind nicht in der Situation.

Whisky und Marille et al.
Whisky und Marille et al.

Von meinen Gästen bekam ich beispielsweise:

  • Dalmore Highland Single Malt Scotch Whisky. Staubt garantiert nicht an. Der Schuldige und ich erinnern uns noch gerne mit Grauen an den Morgen nach einen Whisky-Abend, an dem …
  • Trio zum Trinken aus alter Marille, alte Haus-Zwetschge, Alte Williams-Christ-Birne (staubt garantiert nicht an). Eine wunderbare Überraschung.
  • Wasserkocher mit vorwählbarer Temperatur (aus meiner Wunschliste, ist ein Wasserkocher ein Gadget?). Wird regelmäßig genutzt, staubt also nicht an. Der alte Wasserkocher funktioniert noch einwandfrei und geht an eine Flüchtlingsfamilie in Selzen.

Das sind alles Sachen, die nicht anstauben. Nette Dinge, die ich entweder genieße (vor allem mit Freunden) oder die ich wirklich benutze. Aber eigentlich wirklich brauchen im Sinne von benötigen tue ich sie nicht. Ich freue mich darüber.

Aber für nächstes Jahr nehme ich mir vor, diese Parole auch für meine Freunde auszugeben.

Keine Geschenke! Ich habe keine Wünsche.

Gemeinsam an einem Abend eine Flasche Whisky zu vernichten, dafür braucht es keinen Geburtstag. Dafür reicht ein guter Freund.

P.S. Über den Whisky habe ich mich dennoch sehr gefreut. Jetzt müssen wir beide nur noch einen Termin den nächsten Whisky-Abend finden. Ich freue mich schon darauf. Mal sehen, wie der Morgen danach wird 😎