Deswegen will ich kein Paydirekt: Mein Warenkorb und meine Lieferadressen gehören mir! #privacy

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Blindzahlen

Paydirekt macht kräftig Wirbel für sein deutsches Online-Bezahlverfahren, das beispielsweise gegen Paypal, Apple Pay und andere internationale Platzhirsche bestehen soll. Auch die Sparkassen wollen Paydirekt anschieben (Handelsblatt). Das ist auch kein Wunder, denn:

Paydirekt (Eigenschreibweise: paydirekt) ist ein Online-Bezahlverfahren deutscher Banken und Sparkassen. Es wird von der Paydirekt GmbH betrieben

(Seite „Paydirekt“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Oktober 2017, 11:29 UTC. (Abgerufen: 13. November 2017, 10:00 UTC))

Doch Paydirekt kommt irgendwie nicht zu Potte. Dennoch: Ich will endlich in Deutschland bequem, schnell, einfach, sicher mobil und möglichst überall bezahlen. Deswegen habe ich mir vor längerem bereits Paydirekt einmal angesehen. Von einem Bezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen erwarte ich, … vor allem, dass es träge, umständlich und teuer ist. Doch das zu prüfen, dazu kam es bei mir nicht. Denn bevor ich einen Vertrag für ein Bezahlverfahren abschließen, will ich wissen, was mich vertraglich und hinsichtlich des Datenschutzes erwartet.

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Daran erinnerte ich mich soeben, als ich den Tweet von @electro_banker kommentierte:

Denn was ich über die AGB und die Datenschutzbestimmungen von Paydirekt herausfand, und was auch heute so noch auf der Website steht, das gefällt mir gar nicht.

AGB? Nein!

Auf der Suche nach den AGB war ich schon vor längerem auf der Website von Paydirekt. Heute habe In der Fußzeile der Website von Paydirekt verlinkt der Text „Rechtliche Hinweise und AGB“ auf den URL „https://www.paydirekt.de/agb/index.html„. Dort würde ich jetzt vor allem die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Paydirekt GmbH erwarten (siehe Impressum).

Allgemeine Geschäftsbedingungen (abgekürzt: AGB) sind im Rechtswesen alle für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, die eine Vertragspartei (der Verwender) der anderen Vertragspartei (dem Vertragspartner) bei Abschluss eines Vertrages stellt.

(Seite „Allgemeine Geschäftsbedingungen (Deutschland)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. August 2017, 11:31 UTC. (Abgerufen: 13. November 2017, 09:49 UTC))

Doch die Seite hat lediglich den Titel „Datenschutzbestimmungen„. Der Text der Seite beginnt auch nur mit der Überschrift (erste Ebene) „Hinweise zum Datenschutz.“ Keine Hinweise auf AGBs, Vertragsbedingungen. Auch die vier Links auf PDF-Dateien in der rechten Sidebar geben mir keinen Hinweis auf AGBs:

  • Teilnahmebedingungen
  • Datenschutzinformationen
  • Vorvertragliche Informationen
  • Vergleichsfassung Teilnahmebedingungen

Soweit, so schlecht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Paydirekt GmbH keine AGBs hat. Da ich nicht die Absicht habe, einen Vertrag mit Paydirekt GmbH einzugehen, ist das für mich nachrangig. Ob sie ihre AGBs auch auf der Website zur Verfügung stellen muss, mögen andere klären können, wie beispielsweise Thomas Schwenke (Kann man wegen fehlender AGB abgemahnt werden?).

Darum will ich keinen Vertrag mit Paydirekt eingehen: Datenschutzbestimmungen

Dann lese ich mir also die Datenschutzbestimmungen durch. Unter „2. Laufender Betrieb von paydirekt“ finde ich bei „2.1 Durchführung von Zahlungen und Rückerstattungen“ Informationen darüber, was die Paydirekt GmbH bei Zahlungen speichert.

Die paydirekt GmbH erhebt und speichert die Transaktionsdaten von paydirekt-Zahlungen. Die Transaktionsdaten umfassen die Transaktionsreferenz und die Transaktions-ID sowie Informationen zum Warenkorb, die die paydirekt GmbH vom Händler erhält, sofern er dies unterstützt.

[…]

Im Fall von paydirekt-Zahlungen mit verkürztem Kaufprozess übermittelt die paydirekt GmbH die von dem Teilnehmer hinterlegten Liefer- und Rechnungsadressen an den Händler, aus denen der Teilnehmer die gewünschte Adresse auswählen kann.

(Hervorhebung von mir)

Moment mal! Ich will einfach nur bezahlen, und der Dienstleister will meine Warenkörbe und meine Lieferadressen? Was geht Paydirekt an, was ich kaufe? Und wohin ich das liefern lasse? Warum speichert Paydirekt das? Na ja, ist ja nur, wenn der Händler das unterstützt… aber woher weiß ich das? Und selbst wenn: Ich will das nicht!

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!

Immer wieder habe ich in den letzten 20 Jahren von der Politik gehört, dass dieses Internet doch nicht anders behandelt werden darf wie „das richtige Leben“. Man stelle sich das mal vor: Ich überweise mit einem Überweisungsträger oder sogar per Online-Banking 96,64 € und schreibe in den Verwendungszweck außer der Rechnungsnummer noch rein:

  • Was ich alles gekauft habe (Produktbezeichnung, möglicherweise noch die Beschreibung wie Farbe)
  • Die jeweilige Menge
  • Der jeweilige Betrag
  • Die Lieferadresse

Nein, das kommt nicht in Frage.

Und dann steht unter „2.2 Betrugsprävention und -verfolgung“ noch:

Außerdem greift die paydirekt GmbH zur Vermeidung von Betrugsfällen auf die Dienste der Risk.Ident GmbH (im folgenden „Kooperationspartner“) zurück. Der Kooperationspartner erhebt und verarbeitet mit Hilfe von Cookies und anderen Tracking-Technologien Daten zur Ermittlung des beim Registrierungsprozess für paydirekt sowie ggf. bei der Nutzung der Händler-Webseite verwendeten Endgeräts sowie weitere Daten über die Nutzung der Händler-Webseite. Eine Zuordnung zu einem bestimmten Teilnehmer durch den Kooperationspartner erfolgt dabei nicht.

(Hervorhebung von mir)

So, so. Ich verstehe, dass Paydirekt Betrügereien vermeiden will. Aber das geht mir alles zu weit. „Andere Tracking-Technologien“ ist so schön generisch. Mit Profiling und Hash-Werte lässt sich alles mögliche tracken über alle möglichen Websites hinweg. So, so. Der Kooperationspartner nimmt keine Zuordnung vor – aber was macht Paydirekt mit meinen Daten? Welche Daten fließen zwischen dem Kooperationspartner und Paydirekt? Und in welche Richtung?

Nein, auch das alles schreckt mich ab.

Deswegen will und werde ich Paydirekt nicht benutzen. Denn mein Warenkorb und meine Lieferadressen gehören mir!

2 Replies to “Deswegen will ich kein Paydirekt: Mein Warenkorb und meine Lieferadressen gehören mir! #privacy”

    1. Die müssen wohl wirklich ziemlich verzweifelt sein bei Paydirekt. Und unverschämt ist die Vorgehensweise auch noch. Was ich mich bei der Sparkassen-Sache frage: Haben die mit Paydirekt auch einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung geschlossen…

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