Wie Flüchtlinge ihre Smartphones benutzen

Smartphone (Samsung S3)

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat eine Feldforschung/Studie zur Nutzung von Information Communication Technology (ICT) herausgegeben. In ihr wird aufgrund von Flüchtlingsbefragungen in Griechenland, Türkei und Jordanien aufgezeigt, welche Technik Flüchtlinge benutzen (und wie), um miteinander zu kommunizieren. Dazu ein paar Einblicke und persönliche Erfahrungen.

Durch die Website des CorporateLearningCamps habe ich von der Studie erfahren und sie mir durchgelesen. Bei betterplace lab gibt es eine kurze Zusammenfassung mit Empfehlungen sowie die Studie zum Herunterladen als PDF in Englisch:

Feldforschung und Studie: Wie ICT in der Flüchtlingskrise hilft

Ein paar Einblicke, die ich aus der Studie gezogen habe und die für Helfer in Deutschland hilfreich sein könnten:

  • Smartphones sind bei Flüchtlingen sehr weit verbreitet (z.B. fast 100 Prozent bei Syrern).
  • Fast alle Smartphones sind Android-Geräte.
  • Das Telefon ist oft „Familienbesitz“. Es gibt ein Smartphone in der Familie und das hat der Mann der Familie, auch wenn sich Jugendliche oder Kinder sogar besser damit auskennen.
  • Das Smartphone ist die einzige Möglichkeit, um mit Verwandten und Freunden zu kommunizieren.
  • Kaum jemand benutzt Email oder hat eine Emailadresse.
  • Nur wenige wissen, was eine Website ist, und dass es einen Browser gibt. Mit einer Adresse wie betterplace-lab.org können sie nichts anfangen.
  • Fast alle benutzen Facebook und Whatsapp – und zwar nahezu ausschließlich, d.h. keine anderen Apps (außer solche wie Foto/Video).
  • Facebook und Whatsapp wird in der „Peer-Kommunikation“ benutzt, d.h. es werden Nachrichten ausgetauscht mit einzelnen anderen Personen.
  • Whatsapp– oder Facebook-Gruppen werden so gut wie gar nicht benutzt.
  • Manche können die Smartphone-Tastatur nicht bedienen (wg. Sprache/Analphabetentum), so dass dann Sprachnachrichten versendet werden oder Telefonate über eine App geführt werden.

Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass das bei Flüchtlingen hier in Deutschland genauso ist (insbesondere, wenn die Flüchtlinge schon länger hier sind). Jedoch könnten ehrenamtliche Helfer überlegen, ob sie „ihren“ Flüchtlingen anbieten, mit ihnen über Whatsapp oder Facebook zu kommunizieren (mit vielen Vielleichts).

Bisher habe ich nur gelegentlich in einzelnen Tweets durchblicken lassen oder in persönlichen Gesprächen erzählt, dass ich hier in Selzen in Rheinhessen ein bisschen bei der Betreuung von Flüchtlingen unterstütze. Ich möchte die Studie und die Einblicke jedoch zum Anlass nehmen, ein paar persönliche Erfahrungen/Einschätzungen (die nicht allgemein und vermutlich nicht übertragbar sind) zu teilen:

  • Neutral fragen. Nicht jeder gibt gerne seine Telefonnummer einem Anderen oder Fremden. Das gilt sowohl für Flüchtlinge als auch für Helfer.
  • Tatsächlich scheint es so zu sein, dass es ein „Familien-Handy“ gibt und dass dies der Mann in der Familie hat.
  • Flüchtlinge bauen sich ein Netzwerk von Kontakten und Bekannten in Deutschland auf, mit denen sie telefonieren können, wenn sie eine Frage oder Hilfe haben (weil beispielsweise der Arzt, den sie vor ein paar Wochen in Deutschland kennenlernten, arabisch spricht).
  • Wenn die Kommunikation zwischen Helfer und Flüchtling zu einem wichtigen Thema stecken bleibt (weil Mimik/Gestik/Übersetzungsapp nicht reicht), rufen Flüchtlinge manchmal einen dieser Kontakten an, der als Übersetzer aushilft.
  • Es gibt Helfer, die kein Smartphone haben oder keine Apps auf ihrem Smartphone benutzen.
  • Viele Helfer, die ein Smartphone haben, benutzen kein Whatsapp und kein Facebook.
  • Manche Helfer haben einen Computer und nutzen E-Mail – aber in sehr unterschiedlicher Frequenz (u.U. alle paar Tage).
  • Collaboration Apps/Anwendungen zum Bearbeiten von Inhalten (Wiki, Google/Microsoft Docs) oder für Aufgabenplanung habe ich bisher noch gar nicht angetroffen.
  • Das Nutzungsverhalten aktueller ICT bei Helfern hängt vom Alter ab und davon, ob es sich um eine ländliche Gegend handelt (absolute Vermutung!).
  • Primäre Kommunikationsmittel bei Helfern sind Telefon und E-Mail (ggf. mit sehr großer Anzahl Empfänger in to: beziehungsweise cc:).

Wie geschrieben: Das sind persönliche Erfahrungen.

Als Übersetzungstool hat sich für mich der Microsoft Translator bewährt. Normalerweise sehe ich bei Flüchtlingen den Google Translator, den ich zwar schon auf dem Smartphone aber noch nicht ausprobiert habe. Ob sich eine Kommunikation per Textnachrichten in Whatsapp oder Facebook-Messenger und mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes bewähren würde, halte ich für zweifelhaft. Denn eine meiner Erfahrungen ist: Mimik und Gestik helfen sehr bei der Unterhaltung in Syrisch-Arabisch und Deutsch via Translator-App!

Warum schreibe ich das eigentlich? Ich würde mich freuen, mich dazu mit anderen auszutauschen zu können.

Welche Eindrücke und Erfahrungen habt Ihr zur Kommunikation mit Flüchtlingen und/oder unter ehrenamtlichen Helfern?

P.S. Weil es dazu passt, hier ein Video (via Blogrebellen)

 

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