2014 wird ein schlimmes Jahr für die IT-Security (SR 305)

Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse? Was treibt ihn dazu, was er ist? Nein, ich trete hier nicht in die Fußstapfen von John Locke, Thomas Hobbes oder Jean-Jacques Rousseau. Und ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass der Mensch von Natur aus gut oder böse ist. Ich glaube, dass ein Mensch genetisch etwas mitbekommt und durch die Sozialisation so wird, wie er ist. Wobei die Sozialisation nie aufhört, aber deren Einfluss im Laufe der Jahrzehnte immer geringer wird.

Merkwürdig, schon wieder bin ich bei gut und böse. Dabei lese ich nur einen Artikel über Bedrohungsszenarien – in der IT. Oder besser gesagt im Bereich von Mobilgeräten und Personenrechnern. Personal Computer (PC) wäre eindeutig auf Windows (oder früher DOS) geprägt, aber gemeint sind Rechner im persönlichen Einsatz am Arbeitsplatz, zu Hause oder unterwegs. Die Trennung Mobilgerät und Personenrechnern ist bereits fikiv, denn was sonst ist ein iPad oder Android-Tablet anderes als ein Personenrechner? Was anderes ist ein Smartphone als ein Personenrechner, mit dem man telefonieren kann? Und mit meinem MacBook Air und meinem Windowsrechner kann ich auch telefonieren.

Jedenfalls sagt der Artikel im Wesentlichen aus, dass Kriminelle (und da immer öfter organisierte kriminelle Vereinigungen) die neuesten technischen Entwicklungen aufs Korn nehmen. Wie erstaunlich. Da gibt es etwas Neues, für das es noch keine so richtig durchgängigen schützenden Maßnahmen gibt. Und prompt stürzen sich die bösen Menschen darauf. Wer hätte das gedacht. Menschen, die auf ihren Vorteil aus sind und dabei keine oder geringe Rücksicht auf Gesetze nehmen, machen das doch eigentlich immer. Und schon seit Jahrhunderten schließen sich solche Menschen zusammen, damit sie als Teil einer Summe Vorteile haben.

Smartphones und Tablets sind auf dem aufsteigenden Ast. Also werden sie zur Zielscheibe. NFC (Near Field Communication) wird seit zwei oder drei Jahren ganz viel Tolles vorausgesagt. Jetzt soll es dieses Jahr aber wirklich durchstarten. Also starten die Bösen gleich mit. Logisch. Der Anteil der PCs nimmt weiter ab, andere Geräte werden öfters verkauft. Also fokussieren sich die Bösen bei dem verbleibenden aber geringer werdenden Anteil auf Dinge, die noch nicht ausgereizt sind: Betriebssystem, BIOS, Stacks.

Und über allem tront die Cloud. Die wunderbare im Wachstum begriffene neue… genau: Natürlich nehmen sich die Bösen die Cloud ins Visier. Also Alles in Allem nichts überraschendes.

Nur die Frage, ob diese Bösen von Natur aus Böse sind oder dazu erzogen wurden, die weiß ich immer noch nicht zu beantworten. Ich bin der Ansicht, die Bösen sind egoistisch und haben sich aufgrund einer SWOT-Analyse für die Laufbahn entschieden, die ihnen die größten Vorteile versprach.

Die Guten haben sich für eine andere Laufbahn entschieden, weil ihre SWOT-Analyse ein anderes Ergebnis auswarf. Egal ob gut oder böse, die wenigsten Erfolgreichen sind dumm und nur aus Versehen erfolgreich geworten. Wobei das auch eine Rolle spielen mag. In der Politik beispielsweise… aber das ist eine andere Geschichte.

Gut oder Böse ist das Ergebnis einer SWOT-Analyse

Roulette-Gelesen in 2 Minuten, Roulette-Geschrieben in 18 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Optimist wird man nicht (SR 330)

Entweder man ist Optimist oder ist es nicht. Optimist zu sein ist eine Haltungsfrage, eine Kulturfrage. Man wird kein Optimist. Irgendwann entscheidet man sich, Optimist zu sein.

Wieder also der Harvard Business Manager mit einem Rezeptartikel. Manager brauchen so etwas anscheinend. Oder solche, die es werden wollen. Diesmal erklärt Elisabetz Ross Kanter, wie man optimistisch wird. Irgendwie wird man auch Manager heutzutage und ist es nicht. Es braucht Rezepte, am Besten eine To-Do-Liste, die man abhaken kann. Dann ist man fertig und Manager oder Optimist. Oder beides.

Für mich ist es kein Vorgang, keine Prozesskette des Optimist werdens. Ich schaue mir meine Umwelt und mich an, und dann entscheide ich mich. Entweder ich bin Optimist, oder ich bin es nicht. Irgendwann überprüft man seine Entscheidung und entscheidet neu. Aber wer sich entscheidet, Optimist zu sein, der ist es. Es ist wie die “selbsterfüllende Prophezeiung”. Eigentlich ist es nicht wie eine sondern es ist eine. Denn mit dieser Entscheidung nehme ich eine innere Haltung an, die auch nach außen strahlt.

Ich habe mich irgendwann dazu entschieden, Optimist zu sein. Wann immer ich über diese Entscheidung nachgedacht habe, habe ich sie erneut getroffen. Deswegen lautet mein Motto auch “IN Jedem Ende Liegt Ein Anfang” (INJELEA). Denn auch als Optimist weiß ich, dass ich nicht immer oben bin mit meinem Kopf. Manchmal tauche ich mit dem Kopf unter Wasser, weil mich etwas runter zieht. Aber wäre ich kein Optimist, dann müsste ich aufgeben, dann bräuchte ich nicht länger zu schwimmen. Wenn eine Welle meinen Kopf unter Wasser spült, dann glaube ich daran bei aller Furcht, die mich befallen kann, dass mein Kopf wieder hoch kommt und ich wieder zu Atem komme.

Wenn ich kein Optimist bin, dann muss ich mich sinken lassen, dann muss ich mich fallen lassen. Und das lasse ich nicht zu. Dazu glaube ich zu sehr an dieses Universum, an meine Frau, an meine Freunde, an meine “Gefährten”, die mich in diesem Universum begleiten. Ich genieße dieses Universum bei allen Schwächen und Fehlern, die es hat.

Dazu brauche ich keine To-Do-Liste von einem Professor. Aber vielleicht habe ich auch vor ein paar Jahrzehnten genau so eine Liste gelesen. Oder ein Lehrer hat mir davon erzählt. Oder mein Batteriechef. Oder ein Freund.

Irgendwie sind diese Listen für mich auch für etwas gut. Denn jedes Mal, wenn ich eine solche Liste lese (und mich darüber aufrege oder sie lächerlich mache), dann entscheide ich mich neu. Kein Bedauern, bestenfalls ein kurzes Innehalten. Ich bin hoffnungsloser Optimist – immer und überall. Weil ich mir sage: “Ich bin Optimist”.

IN Jedem Ende Liegt Ein Anfang.

Roulette-Gelesen in 3 Minuten, Roulette-Geschrieben in 15 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Ach, Googlen ist ja so bequem (SR 345)

Patrick Beuth ist mir in den letzten ein bis zwei Jahren immer wieder aufgefallen. Die Zeit schon länger. Jetzt habe ich mal wieder etwas aufgeschnappt, das in mein Universum passt. NSA, Suchen, Privatsphäre. Aber wichtig ist das über den Tellerrand schauen.

Ja, die Suchmaschine DuckDuckGo ist gegen die NSA genauso anfällig wie Google, Facebook, Microsoft und Co. Gegen die bösen Jungs hilft sie auch nicht. Trotzdem versuche ich immer mal wieder von den großen Jungs wie Google, Facebook, Microsoft und Co. wegzukommen. Leider klappt das nicht besonders gut. Die großen Jungs sind einfach zu bequem für mich zu nutzen.

Genau da liegt aber auch der Haken bei den Großen: Sie bieten Dienste an für die große weite Welt. Je größer der Marktanteil eines solchen großen Jungen (oder Mädels…bevor der #Aufschrei kommt) ist, desto mehr ist der Dienst eben auch für die große Masse gemacht. Mal ganz ehrlich: Trotz der vielen kleinen Wehwechen von Google Mail ist das Teil immer noch sehr praktisch. Gaaaaanz einfach. Und vor allem die Filter…die benutzen wahrscheinlich nur zehn Prozent aller Googlemailer. Ich schon.

Und diese zehn Prozent sind immer noch so viele Benutzer, dass es sich für Google lohnt oder gelohnt hat, solche oder ähnliche „Features“ einzubauen. Gerade aufgrund der NSA-Diskussionen bin ich schon sehr am überlegen, ob ich meinen Google Apps for Business Account nicht doch kündige und umsteige. Aber der ist so schön bequem, ich bin so bequem. Schuldig in allen Punkten.

Bei der Suchmaschine droht sich in meinem Fall eine Änderung an. Es ist nicht so, dass die anderen viel bessere Ergebnisse leisten oder die Benutzerfreundlichkeit die von Google übersteigt. Auch sind sie, wie DuckDuckGo nicht weniger (zumindest potentiell) NSA verseucht. Wenn dessen Chef Weinberg die Schlüssel schon der NSA gegeben hätte: Würde er das wirklich in einem Interview zugeben? Oder eine Pressemitteilung raushauen (also ein Statusupdate oder Tweet)? Ich glaube nicht, dass er sich das leisten könnte mit Rücksicht auf seine Gesundheit (Waterboarding soll ja momentan nicht mehr so in sein, aber wer weiß).

Doch vor ein paar Wochen passierte etwas: Von Neugier getrieben ging ich auf DuckDuckGo und, weil ich so in Laune war, installierte ich die Suchmaschine in meinem Firefox. Seitdem passiert es häufig, dass ich in der Adresszeile das „g“ vor der Suche vergesse (Instant…irgendwas-Plugin, das kann verschiedene Suchen mit Kurzkommandos). Und weil ich so in Laune damals war, hatte ich glatt übersehen, dass DuckDuckGo jetzt meine Standardsuche ist.

Seitdem suche ich immer mal wieder versehentlich mit DuckDuckGo. Und immer öfter mal gar nicht versehentlich. Denn das Blöde mit der Googlesuche ist die Personalisierung. Besonders, seit ich auf mein Google-Plus Profil achte und auf dieses ganze Universum. Social Graph Search Engine Mechanism Optimization oder so. Bloß bekomme ich eben vermehrt in der Suchergebnisliste solche Treffer von Leuten, die ich kenne. Die sowieso das Schreiben, was ich weiß, und wonach ich eigentlich nicht suche. Das kann ganz nett sein.

Aber ich bin in einer Filterbubble gefangen. Bequemlichkeit hin oder her. Das ist eine Funktion, die ich immer weniger mag und brauchen kann. Ich will etwas suchen, was außerhalb meines Tellers ist. Deswegen werde ich jetzt einfach konsequenterweise DuckDuckGo als Suchmaschine benutzen.

Weil das nämlich wirklich bequem ist. Weil ich wirkliche Informationen von da draußen, aus anderen Universen bekomme. Wenn ich schon nicht der NSA entkommen kann, dann will ich wenigstens etwas davon haben.

Ich kündige meine Suchmaschine.

Roulette-Gelesen in 2 Minute, Roulette-Geschrieben in 18 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Zurechtfinden in der Gesellschaft (SR 360)

Teddy lebt seit 46 Tagen in Kanada und schreibt über sein Einleben in einem anderen Land (so vermute ich). Er fragt sich, ob die geraden Hausnummern auf der einen und die ungeraden Hausnummern auf der anderen Straßenseite sind.

Die Frage hat er inzwischen beantwortet. Es ist wie bei uns in Deutschland. Doch es hätte anders sein können. Die Sache mit der Organisation von Straßen scheint eine kleine Sache zu sein. Doch es gibt viele Möglichkeiten, ein System aufzubauen. In Mannheim beispielsweise sind die Straßen wie ein Schachbrett aufgebaut mit Buchstaben in der horizontalen und Nummern in der vertikalen Richtung. Eine Straße heißt dann beispielsweise G4. Kein Dichter, kein berühmter Bürger als Straßenname. Einfach streng logisch.

Zumindest in der Innenstadt. Wer in der Innenstadt Mannheims aufwachsen würde und die ersten Jahre nicht heraus käme, der wäre auf Erzählungen und Berichte der Erwachsenen angewiesen. “Weißt Du, da draußen ist das mit den Straßen anders. Letztens habe ich einen Bericht gelesen…”. Das Kind würde grübeln und es vielleicht vollkommen abwegig finden. Denn woher soll man schließen, wo man ist und wohin man will, wenn man in einer Doktor-Schubert-Straße ist? Die da draußen sind seltsam.

In der Mainzer Innenstadt hätte man als Kind zumindest so etwas wie ein minimales Orientierungssystem. Die Straßenschilder parallel zum Rhein sind blau, und die Straßenschilder, die vom Rhein weg führen, sind rot. Oder ist es umgekehrt? Selbst ich, der ich in nur etwa 20 Minuten mit dem Auto in der Mainzer Innenstadt bin, weiß es jetzt nicht. Es ist mir nicht so wichtig. Aber früher, als ich die unterschiedlichen Farben der Straßenschilder zum ersten Mal bemerkte, habe ich lange gegrübelt und den Grund dafür nicht herausgefunden. Irgendwann (damals gab es noch kein Google) erzählte es mir jemand.

“Wir machen das hier genau so”, “Also das steht zwar nirgendwo, aber gegen 15 Uhr treffen wir uns von der Abteilung in der Kaffeeküche”, “Um Himmels Willen, du kannst doch nicht einfach zum Managing Director von dem anderen Geschäftsbereich gehen”. Das sind Verhaltensweisen “wie man das so macht”. In den letzten 20 bis 30 Jahren hat man versucht, diese Dinge in Dokumente zu fesseln.

Aber eine Kultur lässt das nicht mit sich machen, denn die Menschen sind die Kultur. Eine Kultur besteht aus geschriebenen und aus ungeschriebenen Gesetzen. Oft sehen wir nur die Spitze des Eisberges und fragen uns: Warum ist die Spitze jetzt genau so, und was verbirgt sich darunter?

Deswegen ist es so schwierig, als sich Fremdling, Neuling oder Besucher in einer Kultur zurechtzufinden. Es wird einfacher, wenn man die Unterhaltungen von anderen mithören oder mitlesen kann. Wenn man Fragen stellen kann. Wenn man Freunde oder gute Bekannte hat, die einem die Kultur erklären kann. Und diese Freunde oder Bekannte und Du selbst formen die Kultur. In Deiner Stadt, Deinem Land, Deinem Unternehmen.

Deswegen ist es so wundervoll, sich mit den anderen Personen einer Kultur über die Kultur zu unterhalten. Oder über Aufgaben. Und dabei zu lernen und dabei selbst Informationen und Wissen weiterzugeben.

Früher nannte man es Lagerfeuer, später war es die Küche oder die Kneipe von nebenan. Jetzt ist es ein Social Network.

In der Küche, am Strand, in der Vereinskneipe oder im Enterprise Social Network virtuell und doch ganz lebensnah im Unternehmen.

Roulette-Gelesen in 1 Minute, Roulette-Geschrieben in 18 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Einfach nur verrückt (SR 375)

Hach, welch ein wundervolles Roulette: Strand, Wellen, Surfen, Beach Boys, Hokulea und die Legende Eddie Aikau. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Hawaii-Fan bin?

Es sind wieder einmal irgendwelche Surfwettbewerbe auf Hawaii. Auf Hawaii oder in Hawaii? Also Hawaii steht für den U.S.-Bundestaat und für die größte Insel der Inselkette, die deswegen auch “Big Island” genannt wird. “In Hawaii” dürfte dann für “in dem Bundesstaat” stehen, und “auf Hawaii” dürfte dann für “auf der Insel Hawaii” stehen. Korrekterweise muss ich also sagen, dass es wieder Surftwettbewerbe in Hawaii gibt, denn die im Artikel von “Trailblazer Hawaii” genannten finden “auf Oahu” statt. Oahu ist die drittgrößte Insel des Bundesstaates nach Hawaii (Big Island) und Maui, danach folgt Kauai. Oahu ist die bevölkerungsreichste mit über einer Million Einwohnern und hat mit Honolulu die bekannteste Stadt des Bundesstaates.

Auf Oahu jedenfalls… hm, das ist jetzt vertrackt. Denn die Surfwettbewerbe finden ja nicht auf der Insel sondern auf dem Wasser vor der Insel statt… egal. Auf Oahu finden die meisten Surfwettbewerbe des Bundesstaates und der Inselkette statt, weil vor der (oder heißt es “an der”) Nordküste Oahus die größten, geilsten, gewaltigsten Wellen branden. 10 Füße hohe, 20 Füße hohe, 30 Meter Füße hohe (vertrackt, diese amerikanischen Maße…) Wellen im Winter sind da einfach nur da, um gesurft zu werden. Übrigens: 3 Füße entsprechen etwa 1 Meter.

Wir waren bislang im April oder Mai oder September oder Oktober in Hawaii und auf Hawaii. Da sind die Wellen nicht ganz so gewaltig aber immer noch… groß, geil und gewaltig. Ich selbst bin immerhin ein jahrelang geübter, fast professioneller… Wellenzuseher. Am liebsten am Strand liegen, Mai Tai oder Blue Hawaiian in der Hand und Manuela im Arm, so könnte ich den ganzen Tag einfach nur genießen.

Ihr merkt schon, ich bin ein bisschen Hawaii-verrückt. Aber es legt sich wieder irgendwann. Besonders schlimm ist es bei und mit mir in Hawaii und auf Oahu und auf einer der anderen Hawaiianischen Inseln (im Englischen schreibt man Hawaiian ja groß, echt vertrackt…), oder ein paar Jahre nach einem Hawaiibesuch. Dann nimmt meine Verrücktheit etwas ab, um spätestens ein halbes Jahr vor meiner (okay, unserer…) nächsten Hawaiireise wieder besonders schlimme Symptome zu verursachen. Unsere nächste Hawaiireise ist im April.

Da meine Verrücktheit wieder ein kleines, klitzekleines Bisschen angestiegen ist, gerate ich derzeit immer wieder ständig aus dem Häuschen. Schuld daran sind Blogs, Magazine und Facebook. Es gibt nun einmal leider einige, um nicht zu sagen viele Blogs in Hawaii und auf Hawaii (oder Oahu oder…), viele Magazine (die man online sehen kann) und dann noch einige Personen und Institutionen, die sich in (oder sagt man “auf”) diesem Facebook tummeln. Alle zusammen versorgen mich mit einem konstanten Strom vollkommen großer, geiler und gewaltiger Nachrichten aus Hawaii (oder heißt das jetzt “von Hawaii”?).

So wie das Blog “Trailblazer Hawaii”. Manchmal sind die Artikel nur kurz, manchmal sind sie länger, so wie das eben nun einmal ist. Die Lage verschlimmern tut allerdings die Besonderheit vieler dieser Artikel im Gegensatz zu Artikeln in trögen beispielsweise deutschen Blogs, Magazinen oder Facebook Status-Updates: Fotos.

Ich werde vermutlich dieses Mal (also im April) ebenfalls ein oder zwei oder ein paar mehr Bilder auf Hawaii, in Hawaii, auf Maui von Hawaii schießen. Und Ihr werdet sie und meine Kommentare einfach nur ertragen müssen oder meinen RSS-Feed kündigen müssen oder mich entfolgen müssen oder mich entfreunden müssen. Das ist das Leben.

Oder Ihr rächt Euch dann einfach nächstes oder spätestens übernächstes Jahr mit großen, geilen, gewaltigen Stories und Fotos von Hawaii. Weil Ihr es einfach nicht mehr aushalten werdet und Euch von der Ursache meiner Verrücktheit höchstpersönlich überzeugen müsst.

Ihr tut mir sooo leid. Denn anschließend werdet Ihr dieselben Symptome bekommen wie ich.

Roulette-Gelesen in 3 Minuten, Roulette-Geschrieben in 21 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Mein Leben ist kein Projekt (SR 390)

Was unterscheidet erfolgreiche Menschen von anderen? Was macht Menschen erfolgreich? Halvorson beschreibt neun Punkte, die es knacken lassen. Danach weiß man, wie man erfolgreich wird.

Doch man ist eben nicht jeder. Vor allem bin ich nicht jeder, der sich einen Artikel gefallen lässt wie diesen auf dem Harvard Business Manager. Der Artikel selbst ist gar nicht so sehr problematisch für mich. Aber mich frisst es an, wenn ich einen Link im RSS-Reader öffne, um dann festzustellen: Die Seite ist nur ein kurzer Lead-In in Deutsch, danach geht es mit einem Link auf den eigentlichen Artikel – und der ist in Englisch.

Nicht, dass ich mit dem Englisch ein Problem habe. Ich habe ein Problem damit, wie hier eine Erwartung nicht erfüllt wird, meine Erwartung. Ich erwarte einen Artikel über neun Punkte zum Erfolg. Wer will das nicht… und dann auch noch einfach in Deutsch. Und dann kommt allgemeines BlaBla und dann: Ein Link. Dann der eigentliche Artikel: In Englisch. Das hätte sich der Harvard Business Manager sparen können. Oder glauben sie dort, dass sie so wenig erfolgreiche Leser haben, dass diese kein Englisch können? Deswegen der Artikel? Aber da steht doch nichts über Sprache drin… ach, ein kleiner Rant musste jetzt sein.

Außerdem wollt Ihr jetzt vermutlich wissen, wie Ihr erfolgreich sein könnt oder wie Ihr das anstellen solltet. Und ich labere etwas und erfülle Eure Erwartungen nicht. Na gut.

Aber… der Artikel beschreibt Allgemeinplätze und meint heroisch, das sei jetzt wissenschaftlich oder durch Umfragen oder durch Erkenntnisse ganz klar geworden. Ja, die Erde ist rund. Könnte das mal bitte jemand beweisen?

Ziemlich gleich beim Einstieg in Halvorsons Artikel werde ich ein Gefühl nicht los: Es geht um die Definition eines Projektes namens Leben. Ja, ein Leben hat einen definierten Anfang (auch wenn sich die Ärzte da immer noch um ein paar Tage vertun), aber es hat kein definiertes Ende. Es hat – für mich jedenfalls – kein definiertes Ziel beziehungswiese keine definierten Ziele. Mein Leben ist kein Ponyhof. Aber genau das ist das Dynamische an meinem Leben. Mein Leben ist mein Ziel. Ich habe Werte, eine eigene Moral (eingebettet in die Moral der Gesellschaften, an denen ich teilnehme) und ich glaube an ein Ethikkonzept.

Aber mein Leben hat nur sich selbst als Ziel. Ich mag es nicht mein Leben darüber zu definieren, welche Erfolge ich damit erreiche. Wie auch in dem Artikel angesprochen gibt es schon lange die Fragestellung: Was sind die Gene und was ist die Sozialisation an einem Leben? Was ist genetisch determiniert und was ist und wird geprägt durch die Gesellschaft (Eltern, Freunde, Schule, Freunding). Und nein, ich lasse mich nicht auf eine Prozentzahl ein. Aber ich glaube, dass ich auf einem Weg bin, der zwar genetisch anfing und der durch die Gesellschaften geprägt wurde. Und ich glaube, dass ich diesen Weg gehen kann, so wie ich will. Mein Wille besteht. Ich weiß, dass ich nicht unabhängig bin, aber ich glaube daran, dass ich entscheiden kann. Und das tue ich.

Und meine Entscheidungen bestehen weniger in Zielen, die ich klar definiere. Es sind eher die Wege, für die ich mich entscheide. Ich bin ein Optimist, und deswegen schaue ich auch über den Tellerrand. Auch das mit dem “über den Tellerrand schauen” steht irgendwo in dem Artikel, wenn auch anders formuliert. Ich glaube für mich sogar, dass das ein ganz wichtiges Element meines Lebens ist, meines Fortschritts: Ständig über den Tellerrand schauen und lernen.

Routinen sind für mich wichtig, um Gewohnheiten zu entwickeln und in mein Leben einzubauen. Ein Großteil unseres Lebens besteht aus Routinen. Doch diese Routinen fesseln uns nicht (oder sollten es zumindest nicht). Wir selbst enscheiden uns für unsere eigenen Routinen, für unsere Wege, für unser Netz.

Dieses Netz gibt uns die Sicherheit und die Freiheit, das Netz neu zu knüpfen, Routinen zu verändern, Routinen aufzugeben, und neue Routinen aufzunehmen. Dieses Netz gibt uns die Freiheit, über den Tellerrand zu schauen und uns frei zu entscheiden.

Solange wir selbst uns für unsere Routinen und unser Netz entscheiden, solange sind wir frei und erfolgreich.

Roulette-Gelesen in 6 Minuten, Roulette-Geschrieben in 21 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Der Mitarbeiter ist König (SR 405)

Der Kunde ist König“ heißt es in Deutschland. Das sieht man inzwischen auch an der Arbeitswelt. Weniger Kunden, weniger Könige bedeuten weniger Fußvolk. Das Fußvolk wird entlassen, wenn die Kunden, die Aufträge weniger werden. Oder wenn die Unternehmenberatung des CEOs Vertrauen sagt: „Die Gemeinkosten müssen 20 Prozent runter“. Das ist kurzsichtig gedacht. Es muss heißen: Der Mitarbeiter ist König.

Mitarbeiter kommen und gehen. Sicherlich ist es auch oft so, dass der Mitarbeiter aus eigenem Wunsch geht. Oft ist es aber auch so, dass das Unternehmen entweder ganz konkret Mitarbeiter aufgrund strategischer oder kostenmäßiger Überlegung „entsorgt“ – oder die Umfeldbedingungen schafft, aufgrund derer der Mitarbeiter sich für einen anderen Chef entscheidet.

Zunächst einmal sollte kein Mitarbeiter so gehen, dass er unwirsch und mit schlechten Gedanken auf seinen Arbeitgeber und sein Umfeld geht. Unternehmen müssen endlich anerkennen, dass sie Mitarbeiter als Ressource betrachten und im Falle sinkender Nachfrage auch an dieser Ressource Einsparmaßnahmen vornehmen. Doch der ehemalige Mitarbeiter ist auch Kunde, er ist auch Botschafter des Unternehmen – auch nach seinem Weggang.

Deswegen sollten Unternehmen diese „Ressource“ auch so behandeln: Als jemand, der wertvoll für das Unternehmen (hoffentlich) war und es auch zukünftig sein kann. Beispielsweise, wenn ein ehemaliger Kollege eine fachliche Frage hat („Du, wie war das damals, wie habt Ihr das gemacht?“). Oder wenn für einen möglichen Auftrag der Kontakt zu einem potentiellen Großkunden oder Lieferanten hilfreich wäre – und ausgerechnet der ehemalige Mitarbeiter jetzt in diesem anderen Unternehmen arbeitet und den Kontakt zum Entscheidungsträger herstellen kann (oder er selbst der Entscheidungsträger ist).

Möglicherweise gibt es aber auch wieder mehr Aufträge, mehr Kunden oder mehr Bedarf an Mitarbeitern mit genau diesem Know-How. Daher sollte das Unternehmen bereits zum Weggang eines Mitarbeiters die Basis gelegt haben, dass dieser möglicherweise auch wieder kommen möchte. Als wieder wertvolle Ressource.

Mitarbeiter sind bereits als Mitarbeiter wertvoll als Kunde, als Netzwerk (weil er einen Kommilitonen kennt, der jetzt bei einem wichtigen Technologielieferanten arbeitet) und als Botschafter. Als Social Media vor ein paar Jahren aufkam und es um das neue Rollenverständnis der PR ging (zumindest einigen PRlern), da kam die Idee des Mitarbeiters als PR-Botschafter des Unternehmens auf. Das sehe ich immer noch so. Ein Mitarbeiter ist ein Aushängeschild des Unternehmens. Wie oft erlebe ich im Bekanntenkreis, dass die Erzählungen von Bekannten und Freunden mir mein Bild von Unternehmen und deren Produkten und Leistungen prägen.

Wenn ein Unternehmen es versäumt, seine Mitarbeiter zu „Mitarbeiterlebzeiten“ zu integrieren, zu fördern und gut zu behandeln, der bekommt es zu spüren – auch wenn es das gar nicht bemerkt. Und nach der Mitarbeiterzeit wirken diese Employee Relations weiter, womöglich bis über den Pensions- oder Rentenantritt hinaus.

Heutzutage gibt es weit mehr Möglichkeiten als Mitarbeiterzeitschriften, die drei Mal im Jahr an die Pensionäre verschickt werden. Enterprise Social Networks können jede Menge unterschiedliche Netzwerke abbilden und unterstützen. Mit Lieferanten bei wichtigen Ausschreibungen oder Produktentwicklungen. Mit Kunden als Feedbacknetzwerk über Support, Produkt und Unternehmen. Oder mit aktiven, mit ehemaligen oder mit gerade nicht aktiven Mitarbeitern.

Gebt dem Mitarbeiter endlich ein Netzwerk!

Roulette-Gelesen in 6 Minuten (inkl. Video), Roulette-Geschrieben in 21 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Tristesse (SR 420)

Heute bin ich stark verunsichert und fühle ich mich gleichzeitig herausgefordert. Das Schreibroulette hat mir einen Artikel von Marten Lorenzen ausgeworfen:

… ein erfolgreicher Mensch Mitte Zwanzig, und dieses Blog ist mir gewidmet. Hauptprotagonist bin ich und die Themen, die mich interessieren. Seien das nun Musik, Literatur, Meinungsmist oder Sensibelchen-Probleme.

Marten scheint heute, in der Mitte der Woche bereits, ziemlich frustriert. Es ist Januar, er fühlt sich kraftlos, es ist eine “dunkle, kalte, nutzlose Jahreszeit”. Deswegen wohl schleppt er sich durch die Woche. Ich weiß nicht, was ihm der freundliche Doktor um die Ecke oder ein gut Gelaunter empfehlen würde. Ich weiß auch nicht, ob er sich überhaupt etwas empfehlen lassen möchte.

Solche Launen kenne ich jedenfalls, aber jedenfalls auch als Launen, die mir kurzfristig einmal – gerade in Winterzeiten – die Laune zu verderben drohen. Ich könnte auch heute in solch eine Laune verfallen, denn die letzten Wochen waren wettermäßig von trägen Temperaturen zwischen zwei und zehn Grad oder von einer dichten Wolkendecke oder von häufigem Regen oder von allem gleichzeitig geprägt. Heute kommt dazu, dass ich gesundheitlich angeschlagen bin. Meine Nasenschleimhäute sind geschwollen, ich habe Kopfschmerzen, die Augen tränen, ich habe Muskelkater und Gliederschmerzen zugleich, und ich fühle mich wie unter einer Gedankenwatte. Ob das jetzt Anzeichen für eine Erkältung, eine Grippe oder einer Nahrungsunverträglichkeit ist…

Soeben beim Lesen war ich stark irritiert, denn Martens Artikel scheint aufgrund einer Suchabfrage auf WordPress.com rund um die Themen Hirntumor und Krebs von meinem Schreibroulette erfasst und mir ausgeworfen worden zu sein. Das baut beim Versuch, unter einer Gedankenwatte zu denken, nicht gerade auf. Doch gerade in diesen Minuten schimmert die Sonne durch die Wolkendecke, heute morgen bereits hatte sie mich heftig begrüßt. Außerdem habe ich ein paar Aufgaben, auf die ich mich wirklich sehr freue. Nur dass mein gesundheitlicher Zustand jede Bewegung – ob gedanklich oder körperlich – mir zäh erscheinen lässt.

Aber das alles kann mir keinen Grund für düstere Gedanken liefern. Ich lasse mich einige Minuten durchhängen, genieße dieses Gefühl von “mir ist diese Welt egal”. Nur um festzustellen, das mir diese Welt nicht egal ist. Ich bin halt doch ein Optimist. So ein paar Minuten durchhängen ist für mich kein Durchhängen sondern nur ein Ausruhen, ein Kräfte und Gedanken fassen, um mich wieder auf den Weg nach oben durch die Gedankendecke zu machen.

Schade, Marten, dass Du Dich so schleppst. Ich kann das einerseits sehr gut verstehen, andererseits will ich das für mich nicht zulassen. Dafür gibt es zu viele Gedanken, Gegenden, Ponyhöfe, Tiere und Menschen zu entdecken. Vielleicht lege ich mich jetzt einmal ein paar Minuten hin und nehme einen “Nap”. Und dann stehe ich wieder auf. Ich bin halt ein Optimist und lasse mir meine Laune nicht verderben. Zumindest nicht für lange.

Das Leben ist kein Ponyhof

Roulette-Gelesen in 1 Minuten, Roulette-Geschrieben in 17 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Business-Tablets (SR 435)

Also genau genommen geht es um Tablet-Betriebssysteme: iOS, Android und Windows. Außerdem um BYOD (Bring Your Own Device) und wie sicher und gut und angenehm das alles sei.

Sind Tablets jetzt eigentlich überhaupt für den Business-Einsatz geeignet? Das erinnert mich an diese Spielzeuge, mit denen man nichts Vernünftiges machen konnte. Wisst Ihr noch, damals? Ja, den PC meine ich. Letztendlich spielte die Frage keine Rolle, die Anwender entschieden sich für ein “Ja”. Was die IT davon hielt, war lange Zeit zweitrangig. Die Anwender, also die Mitarbeiter, fanden die Einsatzzwecke für die Kästen, und dann waren sie plötzlich überall.

So ist es auch mit den Tablets. BYOD oder nicht, wenn Mitarbeiter die Dinger einsetzen können (und wenn sie wollen, dann werden sie können), dann werden die Unternehmens-ITs und die Anbieter eine Lösung finden. Egal wie holprig es am Anfang sein wird. Je mehr Nutzen desto mehr wird die Adaptionsgeschwindigkeit zunehmen. Und zunächst wird das Betriebessystem keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. So war es schon immer. Wie gut auch immer die Technik selbst ist, so sehr bestimmen die (Be)Nutzer und das Marketing die Akzeptanz. So war es beim MacBook (Pro), beim iPhone, beim…

Erinnert Ihr Euch noch an den Kampf um die Videorekordersysteme? Ich war von der Technik des Video 2000 Systems überzeugt. Betamax war mir zu anspruchsvoll, und VHS war sowas von rückständig (beispielsweise ließ sich die Kassette nicht umdrehen). Erst gab es die meisten Filme in der Videothek in VHS (Betamax sowieso nicht), und irgendwann gab es es nur noch Video 2000-Leerkassetten und dann… Geschichte.

Wenn ich mir den Bericht auf den Augen zergehen lasse, dann ist seine Kernaussage: Alles ist offen, jedes System hat seine Vorteile und seine Nachteile. Ich aber weiß, welches Betriebssystem sich durchsetzen wird: Dasjenige, das in drei Jahren mehr als 50 Prozent Marktanteil hat. Und zwar jeweils im Consumer- und im Businessbereich. So einfach ist es.

Bis dahin ist mir das sowieso egal. Ich nehme das, was mir den größten Nutzen bietet und am meisten Spaß macht. Klar, ich habe gut Reden, ich bin selbstständig und kann selbstherrlich entscheiden. Aber in den vergangenen dreißig Jahren habe ich es noch nie anders gemacht.

Wir Anwender, wisst Ihr, wir finden einen Weg.

Roulette-Gelesen in 7 Minuten, Roulette-Geschrieben in 15 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Randy Pausch (SR 450)

Heute morgen ist mein zweites Schreibroulette. In meinem Feedreader stand als oberstes ein Artikel von Stephan List im Toolblog. Lustigerweise hatte ich den entsprechenden Tweet von Stephan gerade retweetet. Im Artikel geht es um das Zeitmanagement von Randy Pausch.

Im Hintergrund läuft auf Last.fm Musik von Andreas Vollenweider. Hier in Byword schreibe ich drauf los. Eigentlich will ich losschreiben, aber ich finde keinen Anfang. Das mag daran liegen, dass ich an meinen Vater denken muss. Mein Vater starb vor eineinhalb Jahren an einem Glioblastom. Elf Monate kämpfte er einen Kampf, der nicht zu gewinnen war. Randy Pausch kämpfte ebenfalls einen Kampf, der aber vielleicht zu gewinnen gewesen wäre. Er hatte Bauchspeichelkrebs, ebenfalls ein sehr aggressiver Krebs.

Randy Pausch war ein Professor mit vielen Amibitonen und vielen Interessen. Eines seiner Themen war das Zeitmanagement. Das entsprechende Video auf Stephan Lists Seite habe ich vor längerem schon einmal gesehen, genauso wie Randy Pauschs “Final Lecture”. Das war lange, bevor mein Vater an Krebs erkrankte. Dennoch hatte mich Randy Pauschs letzte Vorlesung ergriffen. Professoren bekommen oft die Gelegenheit einer letzten Vorlesung, um sich zu verabschieden. Normalerweise ist dies jedoch eine Verabschiedung aus dem aktiven Forschungs- oder Vorlesungsleben und nicht, um sich aus dem Leben an sich zu verabschieden.

Bei Randy Pausch war zu diesem Zeitpunkt klar, dass er nicht mehr lange leben würde (so meine Erinnerung). Er hielt keine klassische Vorlesung über ein Forschungsthema oder über ein wissenschaftliches Thema. Sein Thema waren Träume, seine Träume. Was er erreichen wollte und wie er es erreichen wollte. Er hatte eine für mich humoristische und doch – oder auch gerade deswegen – sehr bewegende Art. Er sprach beispielsweise von Captain James T. Kirk, den er dann irgendwann tatsächlich getroffen hatte (William Shatner).

Ich kannte auch einmal einen Captain James Kirk. “Mein” Captain Kirk war damals bei der NATO und prüfte mich bei TacEvals (Tactical Evaluation) zu meinen Fähigkeiten und Reaktionen als Feuerleitoffizier. Er war ein harter aber gerechter Prüfer. Was mich aber sehr beeindruckt und auch geprägt hat, war seine Sichtweise. Sie war nicht absolut sondern von Verständnis und Lehre geprägt. Er erfasste nicht nur meine Fehler sondern er fragte mich auch, warum ich so oder so entschieden hatte. In dem einen oder anderen Fall hat mir das (beziehungsweise meine Antwort) die Bewertung gerettet. Im Ernstfall hätte ich vielleicht ein NATO-Flugzeug fälschlicherweise abgeschossen, aber durch die anschließende Manöverkritik lernte ich sehr viel und fühlte mich viel besser für den Ernstfall gerüstet.

In meiner Tätigkeit als Feuerleitoffizier führte ich eine Kampfbesatzung, die unter meiner Führung mit Radargeräten und Raketen feindliche Flugzeuge abwehren sollte. Die jährlichen TacEvals waren die “Krönung”, auf die wir uns monatelang vorbereiteten. Für mich als zu Beginn 22-Jährigem war das eine große Herausforderung. Meine Kameraden halfen mir mit ihrer Erfahrung. Kameraden, das waren Vorgesetzte, Gleichgestellte und Untergebene. Sie halfen mir mit technischen Einschätzungen, mit Führungseinschätzungen aber auch damit, wie man seine Besatzung auf Prüfungen vorbereitet. Sie halfen mir zu planen und zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht.

Mir fiel es am Anfang schwer, anscheinend (für mich) wichtige Aufgaben liegen zu lassen und andere Aufgaben vorzuziehen. Was ich aber im Laufe der Zeit lernte, war, dass die Basis zu legen oft wichtiger ist als ein kurzfristiges Ziel zu erreichen. Ein Ziel zu erreichen ist oft nur ein kurzes Aufatmen und bringt weder wirklichen Spaß noch wirklichen Erfolg. Manchmal muss man grundsätzliche Dinge einfach tun, auch wenn etwas liegen bleibt. Damit man gerüstet ist für die Zukunft. Manchmal muss man auch etwas vorziehen, weil das mehr Spaß macht als tröge Aufgaben. Die Kunst zu wissen, was wann warum zu tun ist… ich glaube, das erkennt man erst am Ende.

Randy Pausch hat möglicherweise diese Kunst in seinem Leben gewonnen, zumindest hatte ich den Eindruck. Bei meinem Vater glaube ich dies ebenfalls, auch wenn er ein sehr stiller und eher introvertierter Mensch war.

Auf die Kunst zu wissen, was wann warum zu tun ist. Ich hoffe, sie am Ende zu erkennen.

Roulette-Gelesen in 4 Minuten, Roulette-Geschrieben in 21 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?