Süße kleine Links braucht die Welt!

World Wide Web

Das World Wide Web, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Das sind die Abenteuer unzähliger Websiten, deren Autoren und Publizisten seit Jahrzehnten unterwegs sind, um fremde Menschen, fremde Inhalte, fremde Zivilisationen zu erforschen. Verknüpft durch süße kleine Links …

Nein, so ist es leider nicht mehr. Ganz World Wide Web ist von Plattformen wie Facebook und Apps wie Instagram besetzt. Ganz World Wide Web? Nein! Ein von unbeugsamen Autoren bevölkertes Dorf, die „Blogosphäre“, hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Autoren wie Hossein Derakhshan oder Thomas Pleil machen den kapitalistischen Legionären das Leben nicht leicht.

Das Netz als Ort der Debatte – das war einmal der schöne Traum, vielleicht in Ansätzen gelebt von Bloggern vor gut zehn Jahren. Die Klage, dass diese Utopie wohl weitgehend zerstört ist, ist bei weitem nicht neu, aber zumindest formuliert wurde dieses Problem auch auf dieser re:publica.

(Die süßen kleinen Links brauchen unsere Hilfe)

World Wide Web
World Wide Web

Und was mache ich?

Meine Gedanken, meine Inhalte, mein Castle. Meine Beiträge verstecke ich nicht exklusiv in Plattformen und Apps. Meine Publikationsstrategie:

  • Blog First. Wenn ich etwas Längeres schreibe (also mehr als etwa 200 oder 300 Wörter), dann schreibe und publiziere ich das zuerst in einem Blog. Fachliche Themen zu Kommunikation, Kollaboration, Productivity, Tools etc. kommen in das INJELEA-Blog. Persönliche Kolumnen, Essays, starke Meinungsartikel kommen in Den Schreibenden, kurze Mosereien kommen schon mal in Den Taumler. Wenn ich den Inhalt und den Stil für andere Plattformen wie Medium, Linkedin oder Facebook Notes für geeignet halte, dann veröffentliche ich die Artikel dort ebenfalls (auf Facebook eventuell zukünftig als Instant Articles), gegebenenfalls angepasst an Plattform und „Zielgruppen“. Aber: My Blog is my Castle.
  • Kuratieren und empfehlen. Alles, was ich in diesem Netz finde und für lesenswert halte, landet zunächst in meiner Pocket. Dort entscheide ich, was ich damit anfange: Doch nicht lesen, lesen, empfehlen via Pocket, auf Twitter oder Facebook oder Linkedin via Buffer teilen, nach Pinboard und Diigo. Außerdem landen themenbezogen Empfehlungen in drei Magazinen auf Flipboard: Communications and Collaboration, Office & Productivity und Hawaii Magazine.
  • Blogroll. Ab und zu treffe ich noch einmal auf eine. Ich habe auch welche: Eine Blogroll ist bei INJELEA, eine Rheinhessen-Blogroll und eine Hawai’i-Blogroll sind beim Entspannenden. Disclosure: Ich habe die Überarbeitung selbiger gerade in meine never-ending Todo-List (wieder einmal) aufgenommen (Nachtrag: Nur noch die Hawai’i-Blogroll ist noch fällig).
  • Lesenswertes. Was ich für besonders lesenswert halte, landet in meinen Lesezeichen, die ich etwa alle drei bis vier Wochen veröffentliche. Meistens (okay, eigentlich immer) ist es ein Rundumschlag aller möglichen und unmöglichen fachlichen und persönlichen Themen. Collaboration, Social Business und Productivity müssen meine Leser genauso ertragen (wenn sie denn wollen) wie Hawai’i und Star Trek. Die Lesezeichen erzeugt ein WordPress-Plugin automatisch jeden Sonntag aus meinem PinboardRSS-Feed, der aus Pocket heraus gefüttert via IFTTT wird. Alle drei bis vier Wochen packe ich alle Lesezeichen in einen einzelnen Beitrag und schubse ihn in das World Wide Web. Notiz am Rande: Ich habe irgendwann vor ein paar Jahren einmal für etwa 5 Dollar einen lebenslangen Pinboard-Account gekauft.
  • Fotos, Fotos, Fotos. Ich schieße gerne Fotos, entweder mit meiner Panasonic Lumix DMC-FZ200 oder meinem Smartphone. Sehr, sehr viele davon landen in meinem Flickr-Stream, dort habe ich seit Juli 2005 einen Account. Eigentlich würde ich ja gerne mehr wirklich social mit Flickr sein, aber …. Seit 1. Januar 2011 läuft mein Fotoprojekt „Meine 365“, zunächst auf Tumblr beim Taumler, seit 1. Januar 2015 in einem eigenen WordPress-Blog. Auf magische Art und Weise landen die 365er-Fotos auf Flickr, Facebook und Twitter. Fotos mit meiner Lumix landen oft außer auf Flickr noch bei Dem Entspannenden.
  • Instagram? Meinen Instagram-Account habe ich vor einigen Wochen reaktiviert – aber irgendwie werde ich nicht warm mit Instagram. Möglicherweise auch deswegen, weil mir das dann zu viel wird, wenn ich ihn ernsthaft nutzen wollte.
  • Creative Commons. Wann immer es mir möglich ist, stelle ich meine Inhalte (Texte, Fotos, Grafiken etc.) als Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung. Ich bin da nicht zimperlich. Wenn mich jemand anfragt, dann bekommt er/sie in der Regel Creative-Commons-Inhalte kostenlos für eine kommerzielle Verwendung, auch wenn das die Lizenz für den entsprechenden Inhalt ursprünglich nicht vorsieht (es sei denn, es geht um richtig viel Kohle, die derjenige/diejenige damit macht).

Das Netz gehört uns. Lasst es Euch nicht wegnehmen und einsperren!

Bekenntnisse eines Kaffee-Süchtigen

Kaffeetasse mit Kaffee drin

Heute ist wieder Freitag, der Tag, zu dem ich mir feierlich geschworen habe, als „Der Schreibende“ einen Artikel zu schreiben, wann immer und wenn immer ich Zeit, Lust und Laune habe.

Heute Morgen war mir keiner dieser drei Zustände gegeben. Heute Nachmittag genoss ich lieber Tom Gaebel, Frank Sinatra und das WDR-Funkhausorchester. Und die beste aller Ehefrauen machte mir einen schnöden wunderbaren Milchkaffee. Der Freitag Nachmittag ist prädestiniert für unser gemeinschaftliches Kaffeetrinken.

Und während ich der Facebook-Falle erlag („nur mal schnell in Facebook schauen“) stieß ich auf einen Lesetipp von Thomas Wiegold (Unbedingt (noch mal) lesen: ‚Drei Krieger‘ im Karfreitagsgefecht), der mich in den Artikel „Drei Krieger“ verführte. Und wie das manchmal so geht, während ich den schnöden wunderbaren Milchkaffee genoss, stieß ich durch ungezieltes Stöbern in demselben Blog auf das Kaffeekomplott. Daraus ließe sich doch einmal etwas Geschriebenes ableiten, dachte ich mir, und so rief ich den WriteMonkey („member of zenware family„) auf. Der mich mit einem seiner gefürchteten Sprüche begrüßte:

Make it as simple as possible, but no simpler.

Genau so muss Kaffee für mich sein. Ich halte es mit der Einfachheit. Kaffee muss einfach zu beschaffen und zu machen sein, und doch gleichfalls auch gut zu zelebrieren sein. Wenn ich für einen guten Kaffee stundenlang Vorbereitungen treffen muss, wenn ich stundenlang jahrelang eingeübte Kunstgriffe vollziehen muss und dabei sie mit ein paar Beschwörungen begleiten muss – dann vergeht mir der Spaß daran. Das Blöde ist jedoch, dass mir der Kaffee trotzdem gut bis sehr gut schmecken soll.

Nicht, dass ich es nicht schon versucht hätte. Aber ich bin nicht Kaffee-Profi genug (nämlich gar keiner), um wirklich mit einem vertretbaren Aufwand nachvollziehbar mehr als guten Kaffee zu produzieren. Ich trinke einfach gerne guten Kaffee. Oft kann ich jedoch noch nicht einmal sagen, warum der Kaffee gut schmeckt. Ich weiß nur, ob er mir schmeckt. Ich schätze, ich komme der Haltung des Kaffeekomplottautoren Christian Seiler recht nahe.

Mir ist das zu kompliziert. Ich habe mich mit Enttäuschungen abgefunden. Meine Haltung zum Kaffee ähnelt jener zum Wetter: Es ist zwar schön, wenn die Sonne scheint. Aber wenn es regnet, kann ich auch nichts daran ändern.

Piliani Kope Coffee Farm
Piliani Kope Coffee Farm
Kaffeebohnen auf der Piliani Kope Coffee Farm
Kaffeebohnen auf der Piliani Kope Coffee Farm

Ich versuche solche Gegenden zu vermeiden, die bekannt sind für ihr schlechtes Wetter. Aber auch auf Hawai’i regnet es ab und an. Woran ich auch nichts ändern kann. Seltsamerweise schmeckt mir Kaffee auf Hawai’i jedoch immer gut bis sehr gut. Besonders natürlich, wenn wir auf einer der Kaffeeplantagen wie der Piliani Kope Coffee Farm sind. Womit ich Euch wieder mein Lieblingsthema Hawai’i untergeschoben habe…

Aeropress
Aeropress
Kaffeefilterautomat
Kaffeefilterautomat

Hier in Deutschland, hier bei INJELEA stehen ein Jura-Kaffeevollautomat, ein Kaffeefilterautomat und ein Aeropress. Mit allen dreien geht das Kaffeemachen und -zelebrieren einfach und schnell. Ich schrecke auch nicht davor zurück, Zeugs wie Kardamon in den Kaffee zu tun. Für das Mahlen des Kaffees bin ich jedoch bereits zu ungeduldig (obwohl eine Kaffeehandmühle auf meiner Wunschliste steht). Manchmal schmeckt mir auch der Kaffee zuhause nicht. Das kann am Luftdruck, meiner Laune oder an irgendwelchen anderen nicht von mir zu verantwortenden Umständen liegen.

Glücklicherweise finde ich immer wieder jemanden, der mir einen sehr guten Kaffee macht. Der vor Beschwörungen nicht zurückschreckt, einfach Kaffeeprofi oder amibitionierter Kaffeeamateur ist oder vielleicht auch nur einen braunen Daumen hat.

Latte Machiato von Martin Seibert persönlich
Latte Machiato von Martin Seibert persönlich

Und dann denke ich mir:

Ich bin zwar kein Barista. Aber ich erkenne einen guten Kaffee, wenn ich ihn trinke.

Über Geburtstagsgeschenke und meine Wunschliste

Whisky und Marille et al.

Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Ich pflege keine Riesen-Feiern zu veranstalten. Fürs Wochenende hatte ich ein paar engere Freunde zum Feiern eingeladen. Es gab verschiedene Salate, und ich warf den Grill an.

Engine room: All engines full throttle, warp speed! Yes, Sir! (Broil King)
Engine room: All engines full throttle, warp speed! Yes, Sir! (Broil King)

Im Vorfeld, als ich die Freunde anrief und einludt, hörte ich dann oft Fragen wie „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?“ oder „Hast Du eine Wunschliste?“ Was mich früher nervte, als ich andere fragte, das antwortete ich dieses Mal so wie in den letzten Jahren bereits:

Ähm, nö. Ich habe eigentlich keinen Wunsch.

Auf Nachfragen bekannte ich dann, eine Amazon-Wunschliste zu haben. Genau genommen habe ich mehrere. Aber bis auf eine sind sie privat und dienen nur als Speicher für mich. Meine öffentliche Wunschliste ist dann für so seltene Fälle, wenn mir jemand etwas schenken will und (genau!) nach einer Wunschliste fragt. Darauf sind hauptsächlich Gadgets, die nicht dringend sind, die nützlich wären.

Ich kann mich noch an die Geburtstagsfeiern meine Eltern in den Siebzigern und den Achtzigern erinnern. Da gab es dann haufenweise Schüsseln, Teller, Platten, Vasen. Alles, was dann in den Schränken oder auf irgendwelchen Plätzen herumstand und doch nur Platz wegnahm. Thermoskannen waren auch mal schwer in. Meine Eltern waren beide – so wie fast alle Freunde und Bekannte – Arbeiter, die sich in Fünfzigern und Sechzigern hochgearbeitet haben in ihrer Arbeit. Ein Haus, ein Auto, die Wohnungseinrichtung, endlich mal ein Urlaub. Da waren es Anfangs genau die richtigen Geschenke, die man sich für den Haushalt nämlich nicht selbst kaufen musste.

Doch irgendwann hatten meine Eltern alles schon mal bekommen. Und bekamen sowas nochmal. Und nochmal. Das war dann schon mehr als lästig. Aber es war so etwas wie eine Geschenke-Kultur, gegen die kaum jemand zu verstoßen wagte. Irgendwann in den Achtzigern nahm „der Geschenke-Hype“ doch ab. Meine Mutter gab die Parole aus:

Nichts, was anstaubt.

Also nur Vergängliches, das man einfach mal genießen konnte. Gutscheine für den Blumenladen wurden immer gerne genommen, nachdem klar wurde: Für 20 Blumensträuße am Geburtstag gab es meist nicht genügend Vasen, und die Entsorgung nach wenigen Tagen war auch lästig. Zeugs zum Essen (haltbar!) und Trinken war auch okay. Aber meine Eltern wollten auch nicht wochenlang die ungarische Salami vertilgen (vor allem, weil das mein Vater dann alleine übernehmen musste). Irgendwann dann vor einigen Jahren gab es eine neue Parole:

Keine Geschenke!

Es gab immer wieder Unbelehrbare, die das ignorierten – auch meine Mutter. Inzwischen ist meine Mutter 81 Jahre jung und hält sich strikt daran (so ziemlich).

Jetzt endlich, mit 55 Jahren, stehe ich davor, auch die Parole „Keine Geschenke!“ auszugeben. Die allerbeste aller Ehefrauen und ich halten es unter uns schon länger so (und wir beide verstoßen hartnäckig immer wieder dagegen).

Aber der Kernpunkt ist der: Ich brauche nichts! Natürlich könnte ich mit der einen oder anderen Million etwas anfangen. Aber tatsächlich bin ich glücklich. Wenn ich etwas brauche, dann bin ich in der Lage, es mir zu kaufen. Klamotten, Gadgets. Zeugs. Wirklich teures Zeugs ist auch nichts, was zum Schenken dient. Ich bin der glücklichen Lage, mir das kaufen zu können, was ich brauche oder mir einmal gönne. Millionen Menschen sind nicht in der Situation.

Whisky und Marille et al.
Whisky und Marille et al.

Von meinen Gästen bekam ich beispielsweise:

  • Dalmore Highland Single Malt Scotch Whisky. Staubt garantiert nicht an. Der Schuldige und ich erinnern uns noch gerne mit Grauen an den Morgen nach einen Whisky-Abend, an dem …
  • Trio zum Trinken aus alter Marille, alte Haus-Zwetschge, Alte Williams-Christ-Birne (staubt garantiert nicht an). Eine wunderbare Überraschung.
  • Wasserkocher mit vorwählbarer Temperatur (aus meiner Wunschliste, ist ein Wasserkocher ein Gadget?). Wird regelmäßig genutzt, staubt also nicht an. Der alte Wasserkocher funktioniert noch einwandfrei und geht an eine Flüchtlingsfamilie in Selzen.

Das sind alles Sachen, die nicht anstauben. Nette Dinge, die ich entweder genieße (vor allem mit Freunden) oder die ich wirklich benutze. Aber eigentlich wirklich brauchen im Sinne von benötigen tue ich sie nicht. Ich freue mich darüber.

Aber für nächstes Jahr nehme ich mir vor, diese Parole auch für meine Freunde auszugeben.

Keine Geschenke! Ich habe keine Wünsche.

Gemeinsam an einem Abend eine Flasche Whisky zu vernichten, dafür braucht es keinen Geburtstag. Dafür reicht ein guter Freund.

P.S. Über den Whisky habe ich mich dennoch sehr gefreut. Jetzt müssen wir beide nur noch einen Termin den nächsten Whisky-Abend finden. Ich freue mich schon darauf. Mal sehen, wie der Morgen danach wird 😎

Sehr geehrter HerrIdefix

HerrIdefix (11.04.2016)

Sehr geehrter HerrIdefix,

leider musstest auch Du, unser @HerrIdefix, uns verlassen. 14 Jahre wurdest Du alt. Eigentlich hatte ich mich auf ein paar Jahre mehr eingestellt, denn Du und Dein Kumpel @Pupsylotta, hattet uns ja erst vor ein paar Jahren adoptiert.

Seit einigen Wochen schon ging es Dir immer schlechter, ohne dass wir die Ursache zusammen mit den Tierärztinnen herausfinden konnten. Letztes Jahr bereits hatten böse Tierärzte Dir in einer Operation Harnsteine entfernt. Zu Tierärzten hattest Du ja ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis. Du, als ein Herr, musstest Dich von fremden Nicht-Futterleuten angrabschen lassen. Das gefiel Dir gar nicht. Da konnten wir Dir noch so oft versichern, dass sie nur das Beste für Dich wollten. Dann immerhin hast Du Dich, zwar mit Gefauche aber ohne Beißen und Kratzen, gefügt.

HerrIdefix: Social-Business-Kater
HerrIdefix: Social-Business-Kater

Überhaupt, für so einen Herrn hast Du Dich erstaunlich genügsam gezeigt. Hatte Pupsylotta damals auf der Fahrt von Hamburg nach Schwabenheim uns die Ohren vollgejammert, so hast Du hochherrschaftlich geschwiegen. Für viele warst Du der Katzen-Herr im Hause, doch tatsächlich stecktest Du lieber zurück als dass es hektisch wurde. Pupsylotta war manchmal ziemlich rüpelhaft, so kam es mir vor. Aber dann ließest Du ihm halt das Futter, bevor es wirklich Zoff gab. Wenn Pupsylotta einen Platz wollte, dann nahm er ihn sich. Und Du machtest Platz.

Nur die oberen beiden Stockwerke auf dem Kratzbaum, der Terrassentisch, der Esstisch und vor allem der Schreibtisch, da bestandest Du auf Deinem Vorrecht. Okay, das war ja auch kein Problem – schließlich hatte Pupsylotta Höhenangst und nicht Du. Aber das waren Deine ganz persönlichen Reiche, die Du mit uns teiltest und nicht mit Pupsylotta. Nachdem Pupsylotta uns verlassen hatte, da konntest Du Dir alles wiedererobern. Aber fürs Erobern warst Du gar nicht der Typ. Du warst der stille Genießer. Die Contenance bewahren, das war Dein Ding. So war denn auch Deine Zärtlichkeit sehr sanft. Ein Herr bricht schließlich nicht in Freudensprünge aus.

Immer zurückhaltend … nun, eine Sache, da hast Du nicht mit Dir spaßen lassen. Du warst der Business-Kater. Ohne Pupsylotta hast Du Dich mir sehr intensiv zugewendet. Und was machtest Du also, wenn ich im Home Office war? Du hast Deine Rechte auf den Business-Schreibtisch und da auf die Social-Business-Decke vehement eingefordert. Das war auch so etwas wie ein Ritual. Solange ich noch in der Wohnung mit irgendetwas zugange war, dann hast du Dich irgendwo hingepflanzt, als ob Du da nicht mehr weggehen wolltest. Aber wehe, ich ging kurz ins Büro, machte den Rechner an, warf den Kaffeeautomaten an, sammelte meine Gadgets mal wieder ein und platzierte sie im Büro … aus dem vornehmen Gang wurde ein flotter Trab. Dann standest Du vor dem Schreibtisch und wartest Du auf mich. Oder Du sprangst direkt auf den Schreibtisch und setzte Dich auf die Business-Decke.

(Dem HerrIdefix sein Song auf YouTube: „Das Dschungelbuch“ – Probier’s mal mit Gemütlichkeit)

Decken waren sowieso Dein Ding. Immer mit Gemütlichkeit. Du legtest Dich einfach drauf. Das konnte auch schon mal eine Tischdecke sein. Oder ein Atztekenkalender. Manchmal kam Dein herrschaftlicher Schalk durch. Dann nahmst Du das iPad in Besitz. Oder Du überraschtest mich mit einer Maus-Besetzung. Oft sollte ich Dir Deine Öhrchen kraulen. Dann drücktest Du meine Hand immer tiefer.

In den letzten Wochen hast du die Anzeichen oft nicht abgewartet. Sobald ich die Bürotür öffnete, stürmtest Du hinein. Sogar heute Morgen noch, vor der Fahrt zum Tierarzt, trabtest Du ins Büro und warfst Dich auf die Decke.

Seit einigen Wochen wurdest Du aber auch immer leichter, zuletzt hattest Du nur etwas über vier Kilogramm. Dein Appetit war zwar noch da, aber das Futter machte Dich nicht mehr an. Depotspritzen mit Vitaminen, Schmerzmittel und was auch immer halfen nicht. Die Blutwerte waren okay, ein Grund ließ sich nicht finden. Die abrasierten Haare nach Deiner OP im letzten Jahr wuchsen auch nicht nach, das irritierte uns schon. Aber ich nahm’s sportlich und neckte Dich sogar. „Herr Nackischbauch“ frotzelte ich. Und Du schautest hochherrschaftlich darüber hinweg und lecktest mir zum Dank die Stirn.

Letzte Woche dann tastete Dich die Tierärztin dann doch noch mal ab und ertastete etwas. Nach dem Röntgen schien es klar: Ein Tumor. Für heute dann war die Operation angesetzt. Wir wussten nicht, ob der Tumor operabel sein würde. Vorhin dann rief die Tierärztin uns zu Dir und zeigte uns das böse Teil: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Keine Hoffnung für Dich. Die letzten Tage schon hattest Du immer weniger gefressen. Sogar die leckeren Dreamies, Fisch und Geflügel eigens für Dich besorgt, ignoriertest Du. Zuletzt konnten wir Dich nur noch zu handgefüttertem Rinderhackfleisch überreden. Ach, sehr geehrter lieber HerrIdefix.

Schweren Herzens sahen wir zu, wie die Tierärztin Dir die Spritze gab. Keine Hoffnung, nur noch Quälerei und Schmerzen hatten Dich erwartet.

Zurück von der Tierärztin öffnete ich die Wohnungstür und wartete auf Dein „tap, tap, tap“. Vergebens. Auch da bewahrtest Du immer Deine herrschaftliche Würde. Nur manchmal ließest Du durchblicken, dass Du Dich tierisch freutest. Manchmal sogar ließest Du Dich zu einem flotten Trab herab. Oft, so viel Gemütlichkeit musste sein, bliebst Du aber auch einfach auf dem Kratzbaum liegen. Dann, so Deine Erwartung, solle ich gefälligst zu Dir kommen. Dann blinzeltest Du mir entgegen, hieltest Du Hof, und dann – manchmal – schlecktest Du mir die Stirn.

Jetzt gehst Du über den Regenbogen. Sag Deinem Kumpel Pupsylotta schöne Grüße von mir.

Schlaf gut. Gute Nacht. Mach’s gut. Leb wohl.

Siehe auch: Fixi Mausebär – Seine letzte Reise #R.I.P

Flickr Fotoalbum „HerrIdefix – Social Business Kater„:

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Zeit ist irrelativ

Social Business in der post-industriellen Wirtschaft

Am 3. und 4. Mai bin ich in Freiburg zu den Portal Visions von United Planet. In den Vorjahren war dies eine Veranstaltung für die Kunden von United Planet, dieses Jahr sollen auch Neugierige und Interessierte angesprochen werden. Ich bin dabei mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion.

Heute ist der Abgabetermin für die Präsentation meines Vortrags. Die Präsentation war gestern schon fertig (natürlich, wie geplant…). Allerdings hatte sie einen Fehler: Sie bestand aus 59 Folien. Das an und für sich ist kein Fehler. Fehler sind ja nur Fehler im Kontext. Mein hauptsächlicher Vortragskontext sind 20 Minuten. Drei Folien pro Minute, das ist schon ein Film. Ich habe damit kein Problem, ich kenne die Folien ja schließlich 😎

Als mich United Planet für einen Vortrag anfragte, sagte ich gerne zu. Das mit den 20 Minuten hatte ich wohl verdrängt. Ich hatte meine Vorstellungen, was ich! denn wohl zu Social Business sagen will. Die „Zielgruppe“ sind Personen, die neugierig und interessiert an dem Thema sind, und Personen, die an konkreten Projekten interessiert sind. Da es bereits Sessions (ja, ich bin begrifflich barcampversaut) mit Projektberichten zu Social Business und Collaboration gibt, will ich einführen, einen Kontext herstellen und Vorgehen ableiten.

Social Business in der post-industriellen Wirtschaft

Irgendwann begann ich mit der Recherche und legte brav einiges in Zotero ab. Dann nahm ich Inhalte aus anderen meiner Präsentationen und begann ich zu konsolidieren. Alles zu meiner Story. Ach, es gibt so viel zu erzählen über Social Business. Über das Warum, das Wie. Und dann merkte ich irgendwann, dass das mit den 59 Folien und den 20 Minuten nicht passt.

Du kannst die Zeit nicht managen!

20 Minuten Vortrag, dann 10 Minuten für Diskussion. Das an sich ist für eine klassische Veranstaltung vom Verhältnis her ja schon okay. Aber 20 Minuten bleiben 20 Minuten, egal wie Du auch versuchst, die Zeit zu dehnen oder zu straffen. Zeit ist nicht managebar. Alles, was Du tun kannst, ist zu entscheiden, was Du mit der Zeit anfängst. Zu entscheiden, was Du reinpackst und was Du rauslässt. Zu entscheiden, wie Du die Zeit verbringst. Ob Du laberst oder schreist oder illustrierst oder redest oder wie Du es mischst. Die Zeit ist nicht relativ, aber das, was darin und wie es geschieht. Einen Großteil davon kannst Du entscheiden. Manch anderes entscheiden Andere. Oder das Schicksal. Es gibt kein Zeitmanagement, aber mit Deinem Aufgabenmanagement entscheidest Du über Deine Aufgaben, Deine Inhalte, Dein Leben, Dein Selbst.

It’s not the years in your life that count. It’s the life in your years. –Abraham Lincoln

Ich bin jetzt schon bei weniger als 50 Folien. Heute besteht meine Aufgabe darin, weiter das Wichtige zu identifizieren und den Rest wegzulassen. Meine Aufgabe besteht darin, zu raten, zu unterstellen, zu vermuten, zu kalkulieren, was für meine Gäste wichtig ist. Das ist meine Entscheidung, mit der ich richtig oder falsch liegen kann. Vielleicht bleibe ich zu oberflächlich, und die Gäste erwarten mehr „Butter bei die Fische“. Oder ich gehe zu tief, und die Gäste sind „lost“. Das ist wie im richtigen Leben, das ist das richtige Leben. Aber die Zeit kann ich nicht managen. Ich kann nur managen, worüber ich entscheiden kann.

Für meinen Vortrag entscheide ich über die Inhalte, die Folien, die Zahlen, die Art und Weise, wie ich die Story erzähle. Und meine Gäste entscheiden, ob ich ihre Erwartungen erfülle. Vielleicht erfülle ich die Erwartungen nicht, aber ich überrasche meine Gäste. Ich freue mich auf den Vortrag und lasse mich überraschen.

Die Referenten können ihre Präsentationen zum Download für die Teilnehmer freigeben. Können? Als Barcamper und Blogger ist das eher … selbstverständlich. Also habe ich mich dazu entschieden, alle Folien inklusive der nicht gezeigten in die Downloadversion zu packen. Da sind dann weitere Informationen drin. Klar, die sind ohne den eigentlichen Vortrag nicht vollständig. Aber ich gebe alle meine Quellen inklusive Link in meinen Folien an. Und in den zusätzlichen Folien sind beispielsweise zusätzliche Links. Und die zusätzlichen Folien sind sowieso nicht vergebens erstellt. Die nächste Präsentation kommt bestimmt.

Am zweiten Tag gleich morgens um 9:20 Uhr lasse ich mich überraschen bei der Expertenrunde zum Top-Thema Social Collaboration.

Experton Group AG; Frank Heuer/United Planet GmbH; Katrin Beuthner/ Frank Hamm/ 13. Stock Online Relations; Nicole Pingel

Da lasse ich mich von unserer Gruppe, den Fragen und den Antworten und der Diskussion überraschen. Da gebe ich das Managen ab.

Bildnachweis: Ford Europe: Ford’s ‘Universal car’; the Model T (CC BY-NC 2.0)

Schon vom Kohlrabi Timer gehört?

Kohlrabi

Ich schreibe seit 10 Minuten wieder einmal einen Schreibroulette-Artikel. Nun ja, eigentlich fange ich jetzt erst damit an. Die letzten 10 Minuten habe ich damit verbracht, Links für diesen Artikel zu sammeln und zwei Fotos zu machen. Jetzt lädt irgendwie diese Dropbox meine Fotos nicht hoch. Dann eben als Email.

Ich war also ziemlich unproduktiv. Obwohl ich mir einen Timer (Free Countdown Timer) gestellt habe, mit dem Audio-Player AIMP leise Entspannungsmusik von Aloha Joe’s Relaxation Island im Hintergrund laufen lasse. Die Musik von Joe gibt es eben nicht nur im Browser sondern auch (direkt als Stream für Deinen Audio-Player. Außerdem habe ich den SchreibAffen (WriteMonkey) im Vollbild geöffnet. Aber ich schweife ab und bin unproduktiv. Auf jeden Fall hätte ich mich eigentlich um die Links und Fotos am Schluss des Schreibens kümmern sollen. Nun ja.

AIMP (Relaxation Island)
AIMP (Relaxation Island)

Obwohl ich eigentlich (oh je, dieses Wort…) damit ziemlich beim Thema des Schreibroulette-Artikels bin. Beim Schreibroulette öffne ich meinen Feedreader, schnappe mir den ersten Artikel und schreibe über diesen Artikel das, was mir dazu einfällt (okay, ich habe heute geschummelt, da der mir nicht zusagte, ich habe mir den Artikel vom #productivity Paper.li gezogen). Ich habe einen Artikel von Ian Chandler „gezogen“, der die Pomodoro-Technik vorstellt: Hack the Pomodoro Technique to Boost Your Productivity. Ein Punkt, den Ian beschreibt, stößt mir da ziemlich auf:

The official video on the Pomodoro Technique homepage implies that it’s best for completing large tasks.

Immerhin beschreibt Ian noch, wie er sich auch tatsächlich längere Aufgaben vornimmt und dann in solchen 25-Minuten-Häppchen daran arbeitet. Überhaupt gefällt mir der Artikel recht gut, aber: Ich kann nicht Pomodoro!

Diese 25 Minuten sind mir fast immer zu kurz. Außerdem habe ich keinen wirklich guten Pomodoro-Timer (außer einen Küchenwecker) gefunden. Was mir fehlt, ist ein Kohlrabi Timer (wusstet Ihr übrigens, wie „Kohlrabi“ auf Englisch heißt?). So ein richtig großer Timer mit vieeeeeel längeren Arbeitsphasen … den bräuchte ich jetzt.

Kohlrabi
Kohlrabi

Ich würde ja gerne noch weiter schreiben. Aber ich war einfach unkonzentriert und unproduktiv. Mein 30-Minuten-Timer ist kurz vorm Ausrasten, weil eben die 30 Minuten um sind. Und ich muss diesen Text noch in Worpress rüberschieben und die Fotos und …

Roulette-Gelesenes

Schreibroulette

Dieser Artikel entstand als Schreibroulette. Eine Gewohnheit, die ich habe schleifen lassen, obwohl sie doch Spaß macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss.

Buchausleihe, mal was anderes

Kindle im Gras

Ich habe ein Kindle für das Lesen von Ebooks. Ebooks, das sind für mich die „richtigen“ Bücher aus dem Buchhandel oder auch PDF-Dateien aus allen möglichen Quellen. Per Email lässt sich nämlich jede PDF-Datei an den eigenen Kindle schicken. Also schicke ich beispielsweise Whitepaper, die nur aus Text bestehen, per Email an meinen Kindle. Die Konvertierung ist Kindle- und damit Amazonformat gelingt meistens recht gut.

Aber ich schweife ab. „Richtige“ Bücher, das sind nicht nur elektronische Bücher von Amazon sondern auch von anderen Online-Buchhändlern. Die bieten dann auch schon mal im entsprechenden .mobi-Format an. Eine solche Datei schicke ich dann nämlich ebenfalls per Email an meinen Kindle. Amazon konvertiert die Datei dann ebenfalls.

Aber ich schweife ab. Jedenfalls sind alle diese elektronischen Bücher aus dem Buchhandel „mir“. Was ich früher mit den richtigen „Totholz-Büchern“ machte, das Verleihen und Ausleihen von Büchern, das habe ich mit meinem Kindle bisher nicht gemacht.

Wobei ich glaube, dass das mit dem Kindle gar nicht geht. Ich habe aber schon einmal davon gelesen, dass es mit anderen Readern möglich ist. Auf Lesen.net las ich schon einmal irgendwann davon. Aber wie gesagt, mit dem Kindle geht das wohl nicht. Ich begebe mich aufs Glatteis, aber soweit mir bekannt geht das mit den Tolino- und den Kobo-Readern.

Es gibt nämlich Onleihe.net, wo man sich Ebooks ausleihen kann. Letztendlich sind dieser Onleihe dann viele Bibliotheken angeschlossen, auch Stadt-Bibliotheken. Ich erinnere mich an die 80er Jahre, als ich in der Stadtbibliothek von Mainz noch Bücher auslieh. Aber so eine klassische Bibliothek ist eben eine Einrichtung, zu der man hingehen muss zum Ausleihen.

Mit Onleihe.net benötigt man wohl (wie gesagt, ich bewege mich auf Glatteis) für fast alle Bibliotheken für die erste Ausleihe einen Bibliotheksausweis, den man in aller Regel (aber nicht immer) bei der Bibliothek vor Ort beantragen muss. Anschließend kann man sich dort online Bücher ausleihen.

Jetzt gibt es einen weiteren Anbieter neben Onleihe.net:

Dessen Betreiber, die die ekz-Gruppe mit ihrer divibib GmbH, bekommt nun ernsthafte Konkurrenz. Die weltweite Nummer 1 Overdrive setzt nach Deutschland über, die ersten namhaften Bibliotheken sind bereits im Boot.

Irgendwann werde ich das mal ausprobieren. Hm, da brauche ich wohl einen weiteren Ebook-Reader.

Übrigens: Kennt Ihr den Unterschied zwischen Mieten und Leihen?

Roulette-Gelesenes

Schreibroulette

Dieser Artikel entstand als Schreibroulette. Eine Gewohnheit, die ich habe schleifen lassen, obwohl sie doch Spaß macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss.

Nachrichten, die Klowände der Medien

Matratzen Test

Erinnert Ihr Euch noch an den Klowände-Skandal? Ach, war das ein Aufschrei. Jean-Remy von Matt echauffierte sich über diese Weblogs, die das Internet vollschrieben mit irgendwas. Irgendwas halt.

Nun, es gab da diese Kampagne „Du bist Deutschland“ mit der Jean-Remy von Matt die Medien vollschrieb. Voll auf positiv gestimmt sollte die Kampagne … ach, spielt das eine Rolle? Jedenfalls amüsierten und empörten sich viele „Weblogger“ in ihren „Weblogs“ über diese Kampagne. Und sie zogen über diese Kampagne her, und sie persiflierten und photoshopten sie.

Und Jean-Remy von Matt fand das gar nicht lustig. Jeder Hergekommene konnte was losmachen. Unverschämt. Dabei war doch diese „Du bist Deutschland“-Kampagne

… die größte gemeinnützige Kampagne aller Zeiten und ein riesiges Geschenk.

(Jean-Remy von Matt ist beleidigt)

Und der Dank war Miesepetrigkeit von Gruppen, „von denen man nichts besseres erwarten konnte„. Mit in der kurzen Aufstellung waren da die Weblogs:

  1. Von den Weblogs, den Klowänden des Internets. (Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern? Und die meisten Blogger sondern einfach nur ab. Dieser neue Tiefststand der Meinungsbildung wird deutlich, wenn man unter www.technorati.com eingibt: Du bist Deutschland.)

Das wiederum erzürnte diese „Weblogger“ gar sehr. So sehr, dass sich von Matt bei den „Klowänden des Internets“ entschuldigte.

Okay, es war ja eigentlich diese Werbebranche, die bellte. Und es waren die Blogger, die bellten. Ein Sturm im Wasserglas. Aber es war ein lustiger Sturm. Immerhin. Es schien ein wichtiges und dringendes Thema zu sein.

Wer darf eigentlich etwas in die Öffentlichkeit schreiben?

Und heute? Heute sind die Blogs Alltag. Nicht nur das, sie sind inzwischen gerade zu so verpönt, dass man sich fast schon wieder schämen muss, sich Blogger zu nennen. Denn entweder ist man im Establishment, dann ist man kein Blogger. Oder man ist Blogger, dann ist man bedeutungslos.

Doch die Medien, dürfen die denn das da reinschreiben in dieses Internet, was sie da so schreiben? Es gab eine Zeit, da hechelte ich den Nachrichten hinterher. Inzwischen langweilen mich Nachrichten nur noch. Sie betreffen mich nicht, sie sind oft viel zu aufgeregt geschrieben für etwas, das „Peanuts“ ist. Betrachte ich die Nachrichten, die es so in diesem Internet (oder in diesem TV) gibt, und ordne sie ein nach dem Eisenhower-Prinzip, dann sind sie für micht weder wichtig noch dringend. Eisenhower hat eine ganz einfache Art der Bearbeitung für solche Aufgaben vorgesehen: Ab in den Papierkorb.

Ich wünschte, ich hätte so einen Schalter „Ab in den Papierkorb“. Jedes Mal, wenn ich auf eine Nachricht treffe, dann ordne ich sie ein und … in 99 Prozent der Fälle würde ich auf diesen Schalter schlagen, hart und fest.

Blöd ist nur, dass 99 Prozent der Links in diesen Social Media auf solche Nachrichten verweisen. Irgendwie drehe ich mich im Kreis. Bloß, weil die Medien die Klowände vollschreiben.

Übrigens:

Matratzen Test

Heute landet der Aufruf der „Du bist Deutschland“-Kampagnenseite übrigens auf einer „Matratzen Test 2015“-Seite. Dürfen die das denn?

Operatives Handeln vs. Werte

Operatives Handeln versus Werte

Es ist Dienstag, und ich fahre mit dem ungeliebten Bus von Selzen zum Mainzer Hauptbahnhof. Immerhin brauche ich dadurch nicht umzusteigen, und ich sehe auch etwas von Mainz.

Beispielsweise sehe ich kurz vor den Uni-Kliniken zwei aufgestellte Plakatwände. Auf der linken Plakatwand ist Julia Klöckner zu sehen, wie sie sich etwas ansieht. Ein Slogan steht da:

Flüchtlingszahl reduzieren

Darunter steht noch:

Wissen, wer zu uns kommt. Entscheiden, wer bleiben darf. Zurückschicken, wer gehen muss.

Für mich ist das eine klare konkrete Aussage, was Klöckner tun will (oder tun lassen will).

Rechts davon auf der anderen Plakatwand ist Malu Dreyer zu sehen, wie sie ein Kind anlächelt. Das Mädchen lächelt zurück. Ein Claim steht da:

Offenheit

Für mich ist das eine klare konkrete Aussage, welche Haltung Dreyer vertritt.

Operatives Handeln versus Werte

Operatives Handeln versus Werte
Operatives Handeln versus Werte

Der Slogan „Flüchtlingszahl reduzieren beschreibt ein operatives Handeln. Warum Klöckner dieses Handeln will, lässt sich aus diesem Slogan nicht erkennen. Zu viele Begründungen, zu viele Werte können „dahinter“ stehen.

Dreyer lässt offen, was getan werden soll. Ihr Claim nagelt sie jedoch auch fest darauf, dass sie mit zukünftigem Handeln nicht gegen diesen Wert verstoßen sollte. Egal, wie die Umstände in einer Situation sind, gegen ihre Werte sollte sie nicht verstoßen (nicht, dass es keine Politiker und Menschen gäbe, die es nicht trotzdem täten).

Mir persönlich ist es mittel- bis langfristig wichtiger, welche Werte jemand oder eine Organisation vertritt, als welche konkreten Handlungen jemand durchführt. Wer ohne Werte oder ohne Bezug auf Werte handelt, der ist für mich unkalkulierbar. Diejenige Person, die so oder so handelt, wird in der gleichen Situation zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht ganz anders handeln. Denn vielleicht wird jemand Erwartungen an diese Person haben und konkret beanspruchen. Und diese Person wird den Umständen Rechnung tragen.

Beispielsweise den Umständen, dass ein Koalitionspartner oder ein Großteil der Wählerschaft Forderungen stellt. Dass jemand etwas will und nur dann die Stimme entsprechend abgibt … und wählt. Dass ein „Stakeholder“ seinen Pflock in den Boden rammt und sagt: „Ich will das so und so, ansonsten verlierst Du meine Unterstützung, oder ich mache Zoff!“.

Und das nennt man in der Gesellschaft und der Politik dann möglicherweise Populismus.

Wer jedoch Werte vertritt, der wird (oder sollte zumindest) authentisch bleiben. Okay, authentisch sind auch gewisse Politiker, von denen man weiß, dass sie immer populistisch sind. Dass sie immer dem Stimmenvieh mit ihrem Handeln oder ihren Forderungen nach dem Mund reden.

Doch mir sind Werte wichtiger als dumpfes Handeln, bloß weil ein konkretes Problem zwickt oder auch richtig weh tut. In der konkreten einzelnen Situation können mir die Werte von jemandem – gleich ob Politiker oder Führungskraft – weh tun, weil daraus sich konkrete Handlungen ableiten. Handlungen die mir weh tun. Aber so weh es mir auch tut, ich weiß warum. Und das Warum halte ich für gut oder für schlecht.

Das hat etwas mit Haltung, mit Werten und mit daraus abgeleitetem ethischem Handeln zu tun. Aber nur so herum funktioniert das mit der Ableitung.

Einen netten Slogan haben Sie da, Frau Klöckner.

Jetzt habe ich doch tatsächlich auf „Slogan“ und „Claim“ herumgeritten…

Der Claim ist mehr konstituierend und langfristiger angelegt. Ein Claim sollte über Jahre im Einsatz bleiben und feste Orientierung bieten. Er leitet sich aus der Mission des Unternehmens oder der Positionierung eines Produkts ab. Er hat die Aufgabe, den besonderen Geist der Mission/Positionierung auf einen kurzen signifikanten Nenner zu bringen und das entsprechende Feld zu besetzen. […]

Der Slogan ist mehr aktivierend und kann kurzfristiger angelegt sein. Im Extremfall könnte ein Slogan nur für einen Einsatztag gelten. „Slogan“ kommt aus dem Schottischen und bedeutet frei übersetzt soviel wie „Schlachtruf“.

( Klaus Schmidbauer: Feiner Unterschied zwischen Slogan und Claim )

Manchmal kann aber auch nachhaltiges Handeln gewisse Werte vermuten lassen. Beispielsweise so, dass mich eine Bundeskanzlerin ziemlich positiv überrascht.

Wohingegen ich zunehmend weniger überrascht bin vom Handeln zweier Parteien, von denen man vermuten könnte, sie würden sich von christlichen Werten wie Barmherzigkeit leiten lassen – wo doch schließlich das „Christlich“ in ihrem Parteinamen enthalten ist.

Bus, Zug, S-Bahn, Straßenbahn oder Auto?

Lesen im Bus

Bus, Zug, S-Bahn, Straßenbahn oder Auto?

Gestern war ich in Wiesbaden bei einem Kunden. Früher war es für mich selbstverständlich, mit dem Auto nach Wiesbaden zu fahren – vor allem als ich noch in Wiesbaden arbeitete. Eine dreiviertel Stunde brauchte ich meistens länger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln als mit dem Auto.

Jetzt wohne ich in Selzen und fahre ich nicht regelmäßig nach Wiesbaden. Mit dem Auto kann ich zwar schneller sein, aber das hängt sehr vom Verkehr ab. Und die Parkgebühren in Wiesbaden sind … auf jeden Fall teurer als beispielsweise in Ingelheim. Letztens zahlte ich im Parkhaus der „Neuen Mitte Ingelheim“ für 80 Minuten 20 Cent. In Wiesbaden kostet die erste Stunde bereits 3 Euro.

Inzwischen stehen mir außer komplett mit dem Auto mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, wie ich nach Wiesbaden fahren kann.

Selzen – Nackenheim – Mainz – Wiesbaden

Mit dem Auto nach Nackenheim. Umsteigen. Von Nackenheim mit dem Zug nach Mainz (Hauptbahnhof oder Römisches Theater). Umsteigen. Von Mainz mit dem Zug oder der S-Bahn nach Wiesbaden Hauptbahnhof. Umsteigen. Von dort aus mit dem Bus bis zum Kunden, zur Veranstaltung, zum Stammtisch.

Drei Mal umsteigen. 12 Kilometer mit dem Auto, danach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Reisezeit je nach Verbindung: Insgesamt etwa 75 Minuten.

Selzen – Hechtsheim – Mainz – Wiesbaden

Mit dem Auto bis nach Hechtsheim zur P+R-Haltestelle. Umsteigen. Von Hechtsheim mit der Straßenbahn bis zum Mainzer Hauptbahnhof. Umsteigen. Von Mainz mit dem Zug oder der S-Bahn nach Wiesbaden Hauptbahnhof. Umsteigen. Von dort aus mit dem Bus bis zum Kunden, zur Veranstaltung, zum Stammtisch.

Zwei Mal umsteigen. 12 Kilometer mit dem Auto, danach Parkplatzsuche (weil der P+R-Parkplatz normalerweise voll ist), danach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Reisezeit je nach Verbindung: Insgesamt etwa 75 Minuten.

Selzen – Mainz – Wiesbaden

Mit dem Bus bis zum Mainzer Hauptbahnhof. Umsteigen. Von Mainz mit dem Zug oder der S-Bahn nach Wiesbaden Hauptbahnhof. Umsteigen. Von dort aus mit dem Bus bis zum Kunden, zur Veranstaltung, zum Stammtisch.

Zwei Mal umsteigen. Nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Reisezeit je nach Verbindung: Insgesamt etwa 75 Minuten.

Die Qual der Wahl?

Preislich ist die Variante „Selzen – Mainz – Wiesbaden“ am attraktivsten. 4,15 Euro von Haustür bis zum Kunden, keine Parkgebühren, Umsteigen nur an den Hauptbahnhöfen in Mainz und Wiesbaden. Für die Umwelt am schonendsten.

Diese Variante wählte ich auch gestern, aber ich werde nur selten darauf zurückgreifen. Nächsten Dienstag beispielsweise werde ich vermutlich mit dem Auto zum P+R-Parkplatz in Hechtsheim, anschließend mit der Straßenbahn zum Mainzer Hauptbahnhof fahren – und dann einen Tag im Coworking M1 verbringen.

Eigentlich würde ich ja gerne mit dem Bus fahren, aber der Fahrkomfort ist … unterirdisch. Das Fahrerlebnis mit einem Bahnbus über Land „bietet“ mir einfach zu viel Erlebnisse im ständigen Wechsel:

Ich habe Verständnis dafür, dass die Busfahrer äußerst zügig fahren, weil sie den Fahrplan einhalten müssen. Doch die Fahrerei ist ein ständiges starkes Beschleunigen und Abbremsen, ein Auf und Ab, und ein ständiges starkes Kurven. Dazu kommt je nach Fahrzeugbau ein starkes Wippen und Wirbeln. Je nach Uhrzeit habe ich möglicherweise auch keinen Sitzplatz.

Gerade aber solche Reisezeiten nutze ich, auch nur wenige Minuten, zum Lesen mit meinem Kindle. Und ehrlich gesagt, meine Gleichgewichtsorgane sorgen bei diesem Un-Komfort für noch mehr Unwohlsein.

Ich habe keinen Bock auf Achterbahn beim Lesen.

Es läuft wohl weiterhin auf eine Mischung aus Zug, S-Bahn und Auto hinaus. Und gelegentlich am Wochenende mit Auto und Straßenbahn.