Jan Pötzscher stellt sich die Frage, warum er bloggt und was den Reiz am Schreiben für ihn ausmacht. Zumindest die erste Frage habe ich mir schon des öfteren auch gestellt und sie immer wieder für mich beantwortet. Zumindest zwei Mal habe ich sie auch in meinem INJELEA-Blog beantwortet:

Mein Blog ist mein Themenspeicher, mein Gewissen, mein Kumpel. Deswegen blogge ich über Fachliches und über Persönliches. Mein Blog bin ich.
Mein Blog hat mich mit Personen und Freunden bekannt gemacht. Danke, mein Blog.

(Und warum bloggen Sie?)

Damals, früher… wollte ich ausprobieren, wie das Installieren eines Content Management Systems bei einem Hoster so geht. Ein paar Tage stellte ich fest, dass ich bloggte. Aber da war es schon zu spät. Ich habe wahnsinnig viel durch das Bloggen gelernt, und das ist heute noch so. Denn das Bloggen ist nicht nur das Schreiben von Artikeln, sondern es sind das Lesen, das Recherchieren, das Kommentieren, der Austausch, das “Über den Tellerrand schauen”, das Treffen und das Kennen lernen von Menschen. Wie wäre es damit: Weil es Spaß macht.

(Ein Stöckchen in der Blogosphäre – Best Blog Award?)

Jetzt könnte ich mich zurücklehnen und auf Jans Artikel verweisen, denn meine Ansichten entsprechen recht gut dem, was er beschrieben hat. Vier seiner Aussagen jedoch möchte ich aus meiner Sicht betrachten.

Ich blogge also bin ich

Im Laufe der Jahre sind meine Blogs der Ausdruck meines Selbst geworden. Zumindest dessen, was ich darüber raus lasse. Aber ich hoffe, dass sie recht gut mein Selbst ausdrücken, weil sie auch zu einem Teil meines Selbst geworden sind. Manche Themen, manche Meinungen müssen einfach raus. Mein Batteriechef hat mir vor vielen Jahren einmal gesagt, ich sei ein junger aufstrebender Offizier, der noch sehr introvertiert sei. Das mit dem jungen aufstrebenden Offizier hat sich dann irgendwann erledigt. Seit ich 2005 mit dem Bloggen anfing, half und hilft mir das Bloggen mich auszudrücken und mich auch zu äußern. Das Starten eines Blogs ist wie das Öffnen einer Tür um einen winzigen Spalt. Und irgendwann war meine Tür weit offen.

Das Schreiben und der Schreibstil

Ich kann auch objektiv, sachlich, neutral, berichtend. Aber in meinen persönlichen Blogs schreibe ich aus meiner Haltung heraus und beziehe Stellung. Gleichzeitig hilft mir das Beschäftigen mit einem Thema, viele und andere Aspekten zu betrachten und zu beleuchten. Oft habe ich einen Gedanken, der durch einen “Vorfall” getriggert wird. Ein anderer Blogartikel, ein Zeitungsartikel, ein Video, ein Buch, ein Treffen, ein… Manchmal rattert es im Kopf plötzlich irgendwann los. Dieses Beschäftigen und dieses Schreiben kneten den Kopf ungemein.

Auf die Größe kommt es nicht an

Ich hatte einen Traum. Ich wollte ein A-Blogger werden und Kohle wie Heu scheffeln. Ja, daran hatte ich auch einmal gedacht. Ich hatte zu Beginn auch einmal mit Werbung in meinem Blog rumgespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das mein Beschäftigen, Schreiben und Kneten verdirbt. Diese meine persönlichen Blogs (INJELEA-Blog, Der Schreibende, Der Entspannende, Der Taumler und gewissermassen @fwhamm) sind eben genau dieses: Persönliche Blogs. Reichweite, Größe spielen nur insofern eine Rolle als dass ich dadurch mein Netzwerk und meinen Tellerrand vergrößere und auch meine Sichtweisen überprüfe. Selbst beim INJELEA-Blog als mein “fachliches Blog” hat sich durch meine Selbstständigkeit daran nur wenig geändert. Das könnte anders sein. Aber Bloggen ist mein Kneten.

Es gibt kein Richtig und kein Falsch

Jeder hat seine Meinung und seine Ansichten. Meinungen und Ansichten können nicht falsch sein. Objektiver Journalismus ist für mich nicht möglich, denn bereits die Auswahl eines Themas ist Ausdruck von Meinung(en) und Ansicht(en). Innerhalb von Kulturkreisen gelten bestimmte Meinungen und Ansichten als “unerwünscht”. Aber diese Grenzen zu überschreiten braucht es verdammt viel Abweichung. Zumindest innerhalb der Blog-Kulturen, in denen ich mich bewege. Aber ich versuche, wenn auch mit wenig Einfluss, meinen Einfluss innerhalb unserer Kulturen geltend zu machen. Und das gestehe ich anderen ebenfalls zu. Und wer glaubt, dass es objektive und unverfallbare Wahrheiten in der Wissenschaft gibt, der möge daran denken, dass der Apfel vielleicht doch einmal nach oben fällt. Nur weil das bisher noch nicht passiert ist, muss das nicht bedeuten, dass er das auch zukünftig nicht macht.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Bloggen einmal auszuprobieren, sich heranzuwagen und etwas Zeit dafür zu opfern.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Bloggen einmal auszuprobieren, sich heranzuwagen und etwas Zeit dafür zu opfern.

Ich könnte jetzt diesen Artikel beenden und hätte ein gutes Gefühl. Doch mein Kopf knetet gerade, und da muss etwas raus.

Beispielsweise der Umstand, dass das Bloggen nicht nur aus dem Schreiben besteht. Auch nicht nur aus dem gezielten Recherchieren. Bloggen ist eine Grundhaltung des Erforschens, des sich Beschäftigens, des Knetens, des Herauslassens und das Weitergebens. Und dass das wieder einfließt in das Denken, Bloggen und Handeln von anderen und von einem selbst.

Alleine die Absicht, über etwas zu bloggen, verändert die Wirklichkeit und die Verknüpfungen.

Warum ich jogge? Weil ich blogge. Und ich blogge, weil ich jogge.

Freitag ist ein Jogging-Tag. Außerdem ist Freitag ein Bloggen-Tag für den Schreibenden. An beides halte ich mich nicht sklavisch. Heute morgen jedenfalls hatte ich beides vor. Als ich dann loslief dauerte es nicht lange, bis mein Kopf anfing zu kneten. Beim Joggen weiß ich oft nicht, welchen Weg ich nehme. Es gibt äußere Einflüsse wie das Wetter oder die zur Verfügung stehende Zeit, die mir einen Rahmen setzen. Und dann laufe ich los. In meinem Kopf rumort es, ich nenne es das Kneten. Meine Gedanken springen hin und her bis ich dann einen Gedanken festhalte und ihn knete. So wie heute morgen der Gedanke des Bloggens über das Bloggen, weil Jans Artikel sich in meinem Kopf eingenistet hatte und ich mir das Bloggen für heute vorgenommen hatte.

Kreuzung beim Joggen
Kreuzung beim Joggen

Beim Joggen verarbeite ich einerseits Gedanken, andererseits sorgt das Joggen dafür, dass Gedanken hochpoppen. Manchmal komme ich beim Joggen an eine Wegkreuzung. Plötzlich ist sie da und ich muss mich entscheiden. Heute morgen beispielsweise habe ich mich dafür entschieden, die Kreuzung zu überqueren.

Abbiegen beim Joggen
Abbiegen beim Joggen

Ich hätte aber auch einen anderen Weg nehmen können. Manchmal sieht die Kreuzung wie ein Hindernis aus, aber sie ist es gar nicht. Ein anderer Weg sieht vielversprechend aus, ist es aber nicht – oder doch. Oft stellt sich eine andere Perspektive erst nach dem Betrachten oder dem Annehmen als besser oder schlechter als die andere heraus. Wenn ich das immer vorher wüsste, dann bräuchte ich mich nicht entscheiden.

Manchmal laufe ich auch auf einem Weg und biege ab in die Weinberge. Oder ins freie Feld. Dann kommen mir plötzlich neue Gedanken, oder auch nicht.

Ich kann meinen Kopf ein kleines bisschen anschubsen, in die eine oder andere Richtung zu kneten. Aber irgendwie läuft das Kneten doch zu einem Großteil unbewusst ab und führt oft zu überraschenden Ergebnissen.

Heute stürmten wieder vor mir Rehe aus den Weinbergen. Fasanen. Feldhasen. Zwitschernde Vögel. Raben. Das Rufen der Kuckucke. Winzer, die die Weinrebentriebe schneiden und biegen. Und immer wieder beeinflussten das Joggen und das Denken meine Gedanken und meinen Weg.

Und plötzlich siehst Du etwas Wunderbares. Ohne das Joggen hättest Du es verpasst. Genau so ist und geht das mit dem Bloggen.

Kälbchen kurz nach der Geburt im Selztal zwischen Köngernheim und Selzen
Kälbchen kurz nach der Geburt im Selztal zwischen Köngernheim und Selzen

Flickr Fotoalbum „Joggen und Bloggen“ (Diashow, Karte)

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6 thoughts on “Re: Warum ich blogge und was den Reiz am Schreiben für mich ausmacht

  1. Hallo Frank,

    vielen Dank für den sehr „intimen“ Beitrag und den Link auf meinen Post. Ich kannte Dich bislang „nur“ als Social Business Blogger und bin daher sehr positiv überrascht über diese Seite von Dir.

    Und alles, was Du geschrieben hast, kann ich nur bestätigen!

    VG Jan

    1. Hallo Jan,

      mir geht es ähnlich: Als Blogger kannte ich Dich bisher auch noch nicht 🙂

      Das ist auch das Schöne am Bloggen: Dass man sich darüber besser kennen lernt.

      Viele Grüße aus Rheinhessen
      Frank

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