Denn die Kompliziertheit ist dem Verständlich sein sein Feind

Verständlichkeit (Flesch-Wert)

Ein subjektiv-komplizierter Text, nicht recherchiert, und aus dem Bauch heraus geplappert.

Bei schwierigem und kompliziertem Text kommt es schon mal zu Widersprüchen oder Fehlern. Das erfordert aktives Beschäftigen mit dem Text. Oder das Komplizierte wird einfach nicht verstanden, weil Viele nur einfach verstehen.

Wer etwas nicht versteht, der wird dem Urheber des Komplizierten nicht vertrauen. Wer leicht, sehr leicht oder sogar extrem leicht schreibt, der wird verstanden. Wer verstanden wird, und wer einfache Lösungen postuliert, dem wird vertraut. Denn wenn das Postulierte nicht eintritt, dann war es die Schuld von anderen. Denn es ist ja ganz einfach.

Vielleicht ist es also tatsächlich ganz einfach, warum Demagogen und Populisten so schnell und so verbreitet auf dem Vormarsch sind. Nicht nur das Vertrauen in argumentative, begründete und ausgewogene Texte und sonstige Inhalte sinkt nach meinem Eindruck. Auch das Vertrauen in Menschen, die derart schreiben und reden, sinkt.

Machen wir uns nichts vor: Ein Großteil der Bevölkerung in den „entwickelten Ländern“ wie USA oder Deutschland versteht nur leicht verständlichen Text. Viele Politiker und Experten, die an sich begründet und ausgewogen zu einem Urteil kommen mögen, jedoch schwafeln verschachtelte Text (so wie ich jetzt) und halten mehrstündige Reden. Fachwörter, Passivformen und umgekehrter Satzbau sind weitere Nägel auf den Sarg der Verständlichkeit. Meine Lehrer brachten mir in der Schule“SPO“ bei: Subjekt – Prädikat – Objekt. Fertig. Heutzutage ist „OPS“, kombiniert mit Passivformen und verschachtelten Sätzen, Nebensätzen, Einklammerungen und wasweißichallesnichtnoch, in Mode. Hört Euch nur mal die Nachrichten in Fernsehen und Hörfunk mit ihren Passivista (Evangelisten der Passivformen) an.

Und dann lese ich auch noch solche „Konstrukte“:

Denn: Demokratie lebt von Vertrauen: Zum Beispiel dem Vertrauen, dass Politiker nicht vornehmlich ihre eigenen Interessen, sondern die der Bürger vertreten, oder dem Vertrauen darauf, persönlich vorankommen zu können, fair bezahlt zu werden, im Alter abgesichert zu sein – egal ob Mann oder Frau, und natürlich lebt die Demokratie auch nur, wenn Vertrauen in ihre Institutionen, in die Medien und – natürlich – die Wirtschaft besteht und auf der anderen Seite solches Vertrauen nicht durch Lügen, Verschwörungstheorien oder Hass systematisch angegriffen wird.

Zwei Doppelpunkte in einem Satz, drei Stricke, viele Kommas und ein passiv angegriffenes Vertrauen. Ein willkürlich ausgewähltes Lesbarkeitstool wirft einen Flesch-Lesbarkeitsindex aus:

Das ergibt einen Flesch-Wert von 23.

Da braucht mein Hirn schon ein paar Sekundenbruchteile zum Kneten. Und das, obwohl ich grundsätzlich einen Flesch-Wert von weniger als 21 zu ertragen geeignet sein könnte (das musste jetzt sein!)

Ich komme nicht umhin, mir den gesamten Artikel „Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 3: Was PR-Leute tun könnten“ in dem willkürlich ausgewählten Lesbarkeitstool analysieren zu lassen.

Ihr Text besteht aus 137 Sätzen mit 2280 Wörtern, wovon 1024 verschiedene. Sie haben total 4484 Silben benutzt (Endsilben auf -e zählen nicht).

Das ergibt einen Flesch-Wert von 24.

Für die Leseleichtigkeit (erforderliche Bildung für gutes Verständnis) eines allgemeinen deutschen Textes gilt in der Regel:
81  bis  100 extrem leicht (5. Klasse)

71  bis  80 sehr leicht (6. bis 8. Klasse)

61  bis  70 leicht (Abschlussklasse)

41  bis  60 durchschnittlich (Sek, FOS, Berufsschule)

31  bis  40 etwas schwierig (Mittelschule)

21  bis  30 schwierig (Matura, Abitur)

bis  20 sehr schwierig (Hochschulabschluss)

Immerhin: Der erste Artikel der Serie ergibt mit dem willkürlich ausgewählten Lesbarkeitstool einen Flesch-Wert von 37. Doch schon der zweite Artikel sinkt auf einen Wert von 22. Um Thomas Pleil zu lesen, muss einer (oder eine) also mindestens Abiturista sein.

Mir ist klar, dass Texte nicht immer für jeden leicht lesbar sein können oder sogar müssen. Pleils Artikelserie zielt wohl kaum auf Schüler in der fünften Klasse. Doch sein Text war für mich Anlass, über seine acht und eine Ideen zu sinnieren. Bei der zweiten Idee stolpere ich kurz. Doch nein, sie greift nicht ganz das, was mir fehlt. Es fehlt die zehnte Idee.

10. Verständlich kommunizieren

Gerade Kommunikationsprofis (zu denen ich PR-Leute einzuteilen geneigt bin), Politiker und Fachleute stehen in der Verantwortung, verstanden zu werden. Sie sollen nicht nur „Plastikdeutsch“ vermeiden, sondern sie sollen auch gut verständlich kommunizieren. Gerade bei Politikern sehe ich eine Schere:

  • Entweder sie kommunizieren zu einfach, zu reduziert und zu kurz. Wenn dann auch noch alternativ oder nicht faktische Falschheit dazu kommt, entsteht jemand wie Trump.
  • Oder sie kommunizieren zu kompliziert, zu ausufernd und zu lang. Wenn dann auch noch alternativ oder nicht faktische Falschheit dazu kommt, entsteht jemand wie … Castro oder Honecker vielleicht.

Kommunikationsprofis neigen zum Ersten, Fachleute neigen zum Zweiten. Politiker neigen entweder zum Ersten oder zum Zweiten, wobei sie oft weder das Erste noch das Zweite sind.

PR-Leute bzw. Kommunikationsprofis, Politiker und Fachleute sollten gut verständlich und mit ausgewogener Argumentation kommunizieren, um Polarisierung entgegenzuwirken, Vertrauen zu schaffen und damit das öffentliche Klima zu verbessern.

P.S.: Sind Lehrer eigentlich auch Kommunikationsprofis?

P.P.S.: Bis zum „P.S.“ komme ich mit dem willkürlich ausgewählten Lesbarkeitstool immerhin auf einen Flesch-Wert von 42. Und das, obwohl ein Zitat von einem PR-Mann und Kommunikationsprofi enthalten ist.

Augen auf und geradeaus! #BloggerFuerFluechtlinge

Augen auf und geradeaus!

Ich bin ein ganz normaler Mensch, dem es nicht egal ist, wie mit anderen Menschen umgegangen wird.

Ich will Augen öffnen. Niemand soll wegschauen und später behaupten, er hätte von nichts gewusst. Und außerdem sei es ja gar nicht so schlimm gewesen. Das ist mein Land, und deswegen halte ich meine Augen auf. Deswegen schaue ich nicht weg.

Viele derjenigen, die heute die deutsche Staatsbürgerschaft haben, waren selbst einmal neu in diesem Land. Oder ihre Eltern. Oder ihre Großeltern. Sie kamen beispielsweise zum Ende des zweiten Weltkriegs oder danach aus den ostdeutschen Gebieten, weil … ja, was denn eigentlich? Waren sie politisch Verfolgte? Wirtschaftsflüchtlinge? Mein Schwiegervater “machte” in den fünfziger Jahren “rüber” aus der DDR in die BRD. Wer im “Saargebiet” lebte, hätte ebenso Franzose wie Deutscher werden können. Die Bayern hätten sich in ihrem Freistaat lieber alleine wohlfühlen können (wobei das anscheinend manchen auch heute so geht). Preußen war nicht Deutschland. Deutschland ist ein künstliches Konstrukt, das seine Entstehung der Geschichte und dem Erbfeind-Franzosen Napoleon schuldet.

Ich selbst habe einen “Migrationshintergrund”. Mein Ururgroßvater kam wie viele andere als Gastarbeiter aus Italien nach Hessen zum Bau der Odenwaldbahn zwischen 1868 und 1882.

Es wurden sehr viele Italiener beim Bau der Odenwaldbahn beschäftigt. Sie hatten große Erfahrung im Anlegen von Gebirgsbahnen und waren billigere Arbeitskräfte als ihre deutschen Kollegen. Einige blieben nach dem Bahnbau hier und ließen ihre Familien nachkommen. Meist arbeiteten sie als Steinmetze, Maurer, Straßenarbeiter und Steinbrecher. Aus den damaligen „Gastarbeitern“ wurden nach einer Generation deutsche Bürger!

(Das Mühltal im Odenwald: Die Odenwaldbahn)

Bin ich deswegen ein “schlechter” oder “kein richtiger Deutscher”? Sind nur diejenige, die nur Vorfahren aus Deutschland haben, “richtige Deutsche”? Was ist mit den Vorfahren, die vor 1871 in einem der vielen Bünde oder Fürstentümer lebten? Was ist ein “richtiger Deutscher”? Sollte nicht eine “bessere” Frage sein, wer ein “richtiger Demokrat” ist, wer sich auf dem Boden des Grundgesetzes und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt? Wer freundlich, höflich und hilfsbereit ist? Mein Ururgroßvater war ein armer Hund, der im Odenwald sein Glück fand. Heutzutage würde man ihn wohl als dreckigen Gastarbeiter oder Wirtschaftsflüchtling bezeichnen.

Das Boot ist voll? Wer hat womit seinen Platz im Boot verdient?

Wir und Ihr (ja, IHR) haben es jahrzehntelang zugelassen, dass Diktatoren und andere “Schlechtmenschen” in ihren Ländern die Menschenrechte mit Füßen traten. Jahr für Jahr sorgen wir “Deutsche” mit unserer Wirtschafts- und Außenpolitik dafür, dass Menschen aus Angst aus ihrem Land flüchteten. Wir liefern Waffen in Länder, aus denen dann Menschen flüchten. Und Ihr wundert Euch, dass sie das tun? Nein, Menschen verlassen ihre Heimat nicht aus Jux und Dollerei und weil sie meinen, im Schlaraffenland bekommen Sie Geld in den Rachen geworfen.

Blogger für Flüchtlinge

Nein. Flüchtlinge sind Menschen, die verzweifelt sind und Hilfe benötigen.

Die Aktion #BloggerfuerFluechtlinge möchte nicht nur Nähe, Toleranz und Aufmerksamkeit schaffen sondern auch Spenden sammeln für die Menschen, die aktuell vor Krieg und Hunger in unser Land fliehen und unsere Hilfe benötigen.

Auf Betterplace.org könnt Ihr helfen.

Jeder von uns muss seine Augen aufhalten und geradeaus blicken. Wir dürfen keine Augen verschließen oder einfach nur wegschauen, wenn es um Menschen geht. Weder wenn andere Menschen schlecht behandelt werden noch wenn Menschen leiden müssen. Wie wir andere Menschen behandeln definiert uns als Gesellschaft. Wir als Gesellschaft dürfen es daher nicht dulden, dass dumpfe Vorurteile oder Teilnahmslosigkeit unsere Gesellschaft, unsere Werte und unsere Menschlichkeit zerstören. Deswegen:

Augen auf und geradeaus!

Und für Bürger, die sich um alles Mögliche sorgen aber nicht um Menschlichkeit, habe ich etwas zum Nachlesen:

#Landesverrat an unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung

FDGO -Landesverrat

Der Generalbundesanwalt Harald Range ermittelt gegen zwei Redakteure und Journalisten von Netzpolitik.org wegen Landesverrats und stellt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung auf den Kopf.

In meinem Studium der Wirtschaftswissenschaften hatte ich ein paar Semester “Recht”, doch ich bin kein Jurist. Ich kann aber lesen, mir Gedanken machen, Schlüsse ziehen und Fragen stellen, denn ich bin Nexialist.

Was ist eigentlich “Landesverrat”?

(1) Wer ein Staatsgeheimnis

  1. einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt oder
  2. sonst an einen Unbefugten gelangen läßt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen,

und dadurch die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(Strafgesetzbuch (StGB) § 94 Landesverrat)

Nach meinem Kenntnisstand und meiner Vermutung haben Markus Beckedahl und Andre Meiste kein Staatsgeheimnis einer fremden Macht oder deren Mittelsmänner mitgeteilt oder es an einen Unbefugten gelangen lassen (aber da kann ich mich natürlich sehr irren, vielleicht weiß Range mehr). Vielmehr beziehen sich die Ermittlungen darauf, dass die beiden ein vermeintliches Staatsgeheimnis öffentlich bekannt gemacht haben sollen (gemäß Schreiben „§ 94 Abs. 1 Nr. 2“).

Dies hätte jedoch mit dem Vorsatz erfolgen müssen, die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen. Vorsatz? Markus Beckedahl? Andre Meiste? Die journalistischen Hüter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung?

Hä?????????

In den fraglichen Veröffentlichungen geht es um den Verfassungsschutz (Geheimer Geldregen: Verfassungsschutz arbeitet an „Massendatenauswertung von Internetinhalten“ (Updates), Geheime Referatsgruppe: Wir enthüllen die neue Verfassungsschutz-Einheit zum Ausbau der Internet-Überwachung (Updates)). Und die Information, dass der Verfassungsschutz (unser Inlandsnachrichtendienst) diese Einheit zum Mitlesen von Individualkommunikation im Inneren der BRD aufbaut, hat die “Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland” herbeigeführt?

Das ist für mich vollkommen unverständlich. Wieso kann diese Tatsache (das Wissen um den Aufbau einer neuen Abhör-Einheit beim Inlandsnachrichtendienst) so gefährlich sein für die äußere Sicherheit? Das Wissen um die Existenz der NSA und sogar deren Tätigkeiten ist doch schließlich auch nicht gerade gefährlich, das hat uns Range doch selbst mehr als hinreichend vorgeführt. Und ich kann mir bei schlimmstem Vorsatz keinen schweren Nachteil durch das Wissen um eine weitere Einheit unseres Verfassungsschutzes vorstellen.

Und überhaupt, was ist denn ein Staatsgeheimnis?

(1) Staatsgeheimnisse sind Tatsachen, Gegenstände oder Erkenntnisse, die nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind und vor einer fremden Macht geheimgehalten werden müssen, um die Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden.
(2) Tatsachen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder unter Geheimhaltung gegenüber den Vertragspartnern der Bundesrepublik Deutschland gegen zwischenstaatlich vereinbarte Rüstungsbeschränkungen verstoßen, sind keine Staatsgeheimnisse.

(Strafgesetzbuch (StGB) § 93 Begriff des Staatsgeheimnisses)

Worin kann also der schwere Nachteil durch die Tatsache, dass und wie diese Truppe aufgebaut wird, bestehen? Welchen Nachteil gibt es da? Oder sollen wir das Herrn Range einfach so mal glauben, weil er das sagt. Denn mehr darf er vermutlich nicht sagen, weil dieser schwere Nachteil vermutlich auch ein Staatsgeheimnis ist? Dann würde Range vermutlich sogar zum Landesverräter. Das wollen wir schließlich nicht.

Andererseits kann dieser Nachteil gar nicht soooo schwer sein. Denn ansonsten hätte der Verfassungsschutz wesentlich höhere Sorgfalt walten lassen und die Informationen als “Geheim” oder “Streng geheim” klassifiziert. So aber war diese Tatsache lediglich als “Verschlusssache – vertraulich” eingestuft. Ich war ein paar Jährchen beim Militär. Da geht es wirklich um die äußere Sicherheit. Was ich dort alles an VS-Vertraulich oder VS-NfD Eingestuftes gesehen habe, das war BlaBlaBla. Wirklich Geheimes war auch als Geheim eingestuft. Punkt. Eine vertrauliche Verschlusssache kann schädlich sein („Als VS-VERTRAULICH eingestuft werden VS, deren Kenntnis durch Unbefugte den Interessen oder dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder abträglich oder für einen fremden Staat von Vorteil sein könnte„) – na und? Eine „Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland“ hört sich für mich nach einem ganz anderen Kaliber an! Warum war das Zeug nicht als Geheim oder Streng geheim klassifiziert? Warum wurde in Kauf genommen, dass es da zur Gefahr eines schweren Nachteils für die … (worauf will ich da vermutlich hinaus?)

Im Kern geht es aber gar nicht um Landesverrat. Vielmehr sollten wir eine Diskussion führen, ob diese “neue Einheit zum Ausbau der Internet-Überwachung” gegen die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung verstößt! Ob diese Einheit überhaupt ein Staatsgeheimnis sein kann! Aber derartige Diskussionen führen die Bundesregierung und ihre Organe seit langem nicht (mehr).

Generalbundesanwalt Harald Range gab im Fall der NSA-Spitzeleien gegen weitere Regierungsmitglieder vor einer Woche sein Nichtstun bekannt, weil “gerichtsfeste Beweise” fehlten.

Herr Range, welche “gerichtsfesten Beweise” haben Sie dafür dass

  • die Veröffentlichung mit dem Vorsatz geschah, die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen,
  • die Veröffentlichung eine „Gefahr eines schweren Nachteils für die äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland herbeigeführt hat und
  • die neue inlandsnachrichtendienstliche Einheit und deren Tätigkeiten auf dem Boden und in dem Rahmen unserer freiheitlich-demokratische Grundordnung sind?

Wenn Sie dann irgendwann (ich gewöhne mich an Ihr Ermittlungstempo …) über solche gerichtsfesten Beweise verfügen, dann sollten Sie tatsächlich weiter ermitteln.

Dann aber sollten Sie auch an der Ermittlung gerichtsfester Beweise arbeiten, wieso so wichtige und mit der Gefahr eines schweren Nachteils für unsere Republik verbundenen Unterlagen nur als Verschlusssache – Vertraulich“ klassifiziert waren.

FDGO -Landesverrat
FDGO -Landesverrat

Ich habe geschworen, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Ich habe ein paar Jahrzehnte Praxis in dieser Republik, und die Ausbildung dieser Republik hat mich zu einem Staatsbürger in Uniform gemacht. Auch wenn ich diese Uniform nicht mehr trage, bin ich Bürger dieser Republik und trete für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ein, weil ich sie richtig gut richtig und gut finde. Und ich erkenne eine Schieflage.

Wenn Bürger zu Verrätern werden, läuft etwas grundfalsch in unserer Demokratie.

(Petra Sorge: Es läuft etwas grundfalsch in der Demokratie)

Herr Range, Sie sollten ermitteln. Bei Ihnen und bei Ihren Freunden. Ich wittere #Landesverrat.

Nachtrag

Peter Schaar, ehemaliger Bundesdatenschutzbeauftragter, teilt meine Zeifel am „Staatsgeheimnis“: netzpolitik.org: Abgründe des Landesverrats oder Angriff auf den Rechtsstaat?

Willkommen im Meer #EinBuchfuerKai

Willkommen im Meer

Im Oktober 2011 lernte ich Kai-Eric Fitzner über die JamCamp-Bustour kennen. Ich glaube, danach begegneten wir uns noch ein oder zwei Mal. Kein enger Kontakt, nein.

  • Nachtrag 21.05.2015: Amazon unterstützt mit und lässt dem Autor und seiner Familie seinen Print-Buch- und eBook-Erlösanteil zukommen! (Post auf Facebook, schaut in die Kommentare)
  • Nachtrag 22.05.2015: Das gedruckte Buch ist jetzt auch da
  • Nachtrag 23.05.2015: Jetzt mit Literaturkritik (siehe unten, ha!)

Aber Kai habe ich als einen sympathischen Typen in Erinnerung, der offen ist für Andere und für Anderes, und der einfach locker ist. Und irgendwie glaube ich, er ist der Typ, der irgendwie immer ein Schmunzeln oder zumindest einen Hauch von Schalk in seinen Augenwinkeln hat. Soweit ich ihn halt kenne, aber so ist mein Eindruck von ihm.

Immer mal wieder „begegneten“ wir uns in diesem Internet. Auch immer mal wieder tauchte er in meiner Timeline auf Facebook. auf. Vor einigen Tagen rüttelte mich dort ein Post auf, als seine Frau mit seinem Account darüber schrieb, dass Kai im Krankenhaus sei. Probleme mit dem Herzen. Gestern kam dann die Information, dass er gegen den Tod kämpft. Neben diesem Schlag belastet die Familie, dass Kai sich erst vor kurzem selbstständig gemacht hat.

Seine Frau bat zur Unterstützung durch den Kauf von Kais Buch „Willkommen im Meer (Amazon.de)„:

Soziales Netzwerken war immer eines von Kais großen Themen, vielleicht kann es uns jetzt helfen. Ich bitte euch alle – kauft sein Buch, wenn es euch gefällt – verschenkt es, schreibt in euren Blogs darüber, erzählt es weiter, teilt den link… – helft mir es bekannt zu machen!

Gestern Abend bestellte ich das Buch, am Freitag kommt es mit der Post. Nach dem Kauf bot Amazon an, mit dem Buch schon einmal in einer Leseprobe zu starten. „Was solls“, dachte ich. Blöd nur, dass solche Leseproben irgendwann einmal ausgelesen sind.

Jetzt lege ich meinen Kindle zur Seite und schreibe ich diesen Artikel. Die Handlung des Buchs war mir erst einmal unklar. Aber Kai baut eine Atmosphäre und den Protagonisten und seine Familie auf. Und mir gefällt, wie es geschrieben ist. Ständig habe ich das Gefühl, da sind zwischen den Zeilen das Schmunzeln und der Schalk in Kais Augenwinkeln.

Ich weiß nicht, ob ich es zeitlich schaffe, das Buch auf dem Kindle bis zum Freitag fertig zu lesen. Wahrscheinlich bin ich heute Abend fertig, trotz eines längeren Termins. Und am Freitag? Kommt das gedruckte Buch. Irgendein Geburtstag ist ja immer.

Wenn Ihr also mal wieder ein gutes Buch lesen wollt (ja, ich habe es noch nicht fertig gelesen…), oder jemandem eines schenken wollt, dann macht Kai und seiner Familie eine Freude:

Willkommen im Meer (Amazon.de)

Johannes Korten hat gestern zunächst darüber gebloggt (Der Tod ist ein Arsch) und dann eine Seite für Kai, seine Familie und sein Buch angelegt. Und falls Ihr Kai und/oder seine Familie kennt, oder einfach so, dann schaut Euch die Seite an.

Ich möchte aber auch zu unbürokratischer, finanzieller Unterstützung* für die Familie aufrufen. Nach Rücksprache und in enger Abstimmung mit Kai’s Frau Raja habe ich ein Konto eingerichtet, auf das ihr Geld überweisen könnt. Ich werde über alle Eingänge hier Rechenschaft ablegen und einmal täglich alles eingegangene Geld an Raja weiterleiten.

Und wenn Ihr mögt, dann unterstützt die Familie. Mehr dazu auf der Seite

#einBuchfuerKai (Artikel von Johannes Korten)

Nachtrag (21.05.2015):

Auf Twitter könnt Ihr Euch den „Flauschstorm“ mit dem entsprechenden Hashtag anschauen:

#einBuchfuerKai (Top)#einBuchfuerKai (Live)

Auf Amazon steht Kais Buch „Willkommen im Meer“ seit gestern auf Platz 1:

Willkommen im Meer (Amazon-Bestseller)
Willkommen im Meer auf Platz 1 (Amazon-Bestseller)

Das gedruckte Buch ist da (22.05.2015)

Obwohl mit Standardversand bestellt kam das Buch Freitags gegen 18:00 Uhr per Kurierdienst. Vielleicht musste es erst noch gedruckt werden 😉

Willkommen im Meer (Buch)
Willkommen im Meer (Buch)

Literaturkritik (23.05.2015)

Für viel mehr war auf Twitter kein Platz. Braucht es auch nicht. Falls Ihr wirklich mehr darüber erfahren wollt: Lest es 🙂

Bewertung: *****
(fünf von fünf Punkten)

Oettinger: Bankrotterklärung eines Nicht-Politikers

Günter Oettinger auf der Hannovermesse

Im Interview bei Futurezone.at (Oettinger will Vorratsdaten-Neuauflage bis Ende 2016) leistet sich Günther Oettinger eine Bankrotterklärung. Ansonsten hat er nach meiner Einschätzung als Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft auch bisher nichts anderes geleistet als Bankrotterklärungen.

Im Interview kommt Futurezone.at auf den Punkt der Netzneutralität:

Sie sind für Netzneutralität, fordern aber Ausnahmen, etwa für selbstfahrende Autos und Notrufsysteme. Das will auch die Telekommunikationsindustrie. Dabei würde doch keine Firma lebenswichtige Systeme von einer Internetverbindung abhängig machen.

Welche Meinung, welche Ansicht hat also der Politiker Oettinger? Wie kommt Oettinger auf Ausnahmen für die Netzneutralität, wie begründet er sie? Wieso also vertritt er als Politiker, der vom Souverän Volk bezahlt wird, eine bestimmte Position?

Diese Argumente werden mir von den Autobauern genannt.

Nein, Oettinger hat keine Argumente. Er redet Argumente einer Wirtschaftsbranche nach. Er sagt nicht, er habe sich aufgrund mehrerer Argumente und Argumentationen aus unterschiedlichen Quellen ein Bild, eine Meinung und eine Position erarbeitet.

Oettinger verschleiert das noch nicht einmal mit einem Hinweis, seine Berater hätten alle Argumente analysiert und hätten ihm aufgrund dieser Analyse eine Position erarbeitet. Nein. Oettinger übermittelt ganz offen, dass er keine Argumente habe und brauche, weil die Autobauer sie ihm ja geliefert hätten.

Offenbar ist Oettinger das dann zu offen(sichtlich), denn er schiebt noch schnell einen Allgemeinplatz hinterher:

Die Beweislast liegt selbstverständlich bei denen, die solche Dienste anbieten wollen.

Doch kurz darauf offenbart Oettinger seine innere Haltung erneut. Futurezone möchte wissen, wie er zu den Gegenargumenten steht:

Was sagen Sie zu den Gegenargumenten?
Ich muss nicht verteidigen, was nicht benötigt wird. Ich bin selber ein normaler Bürger und will auch für mich möglichst viel Neutralität.

Günter Oettinger auf der Hannovermesse
Günter Oettinger auf der Hannovermesse (Quelle: European Commission, Audiovisual Services

Die Autobauer geben ihm Argumente, worauf er eine Position einnimmt und alle Gegenargumente für ihn unnötig sind. Und weil Gegenargumente unnötig sind, will er die Netzneutralität der Autobauer für sich als „normaler Bürger“.

Oettingers ist so blind, dass er es nicht einmal bemerkt. Es ist, als ob er sein Leben lang eine Brille trägt, die seinen Blick rund um die Uhr verzerrt. Oettinger sieht nur die Schatten und nicht die Wirklichkeit.

Ich hatte einen Traum

Ich hatte einen Traum, einen tief in der Demokratie verwurzelten Traum – eines Tages würde Europa zu seiner Überzeugung stehen und sie leben. Dass alle Argumente gleichgewichtig unabhängig von ihrer Herkunft sind. Egal, ob sie von einem Armen oder einem Reichen, einem Arbeitslosen, einem Verein oder einem Unternehmen sind. Dass in einer Demokratie das Volk herrscht und nicht Teile des Volkes herrschen. Dass die Volksvertreter und ihre Organe im Auftrage ihres gesamten Souveräns Argumente abwägen und dann entscheiden.

Notizen am Rande

  • Oettinger, Politiker und Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, hat als Person des öffentlichen Lebens keine eigene Website (zumindest keine, die innerhalb von ein paar Minuten zu finden gewesen wäre). Auch eine Aussage.
  • Als Bürger der Europäischen Union musste ich mich mit meinen persönlichen Daten registrieren, um ein offizielles Foto des Kommissars für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, in akzeptabler Auflösung herunterzuladen. Auch eine Aussage.

Bildquelle

Nachtrag: Lesehinweis

Gedanken über Geschichte, den Krieg und Flüchtlinge

Jüdischer Friedhof bei Hahnheim

In den letzten Monaten dachte ich sehr oft an das Thema “Flüchtlinge”, das immer wieder in den Medien auftauchte. Mit den Medien meine ich nicht nur die klassischen Mainstream-Medien sondern auch meine Mainstream-Medien wie Twitter oder Facebook oder Blogs. Auf dem BarCamp Rhein-Neckar habe ich das Thema aufgeschnappt, wie mit Freifunk in einem Flüchtlingsheim WLAN zur Verfügung gestellt werden kann. Ich habe das gleiche Thema, glaube ich, auch für ein Flüchtlingsheim in Mainz irgendwann einmal gehört.

Ich selbst schwanke immer noch von der Bezeichnung “Asylheim” und “Flüchtlingsheim”, doch in meinem Inneren halte ich inzwischen die Bezeichnung Flüchtlingsheim für die bessere Bezeichnung. Früher, da war das für mich einfach. Es gab das Asylrecht. Punkt. Aber die Welt hat sich gewandelt. Was viele unter dem Begriff “Wirtschaftsflüchtlinge” abtun, ist Armut, Gefahr, Lebensgefahr. Wir sollten in Deutschland von dem hohen Roß herunterkommen, dass wir uns unseren Wohlstand geschaffen haben und “die anderen” sich eine Scheibe von unserem Wohlstand abschneiden wollen. “Wir” haben diesen Wohlstand nicht zuletzt deswegen, weil wir eine Exportnation sind. Auch Waffen exportieren. Oder günstig in anderen Ländern der “Dritten Welt” produzieren lassen.

Flüchtlinge haben oft nichts als ihr nacktes Leben und ein paar ärmliche Klamotten. Als ob das erstrebenswert wäre, um in eine ungewisse Zukunft zu reisen?

Apropos Flüchtlinge: Viele haben vergessen, dass ein Großteil der Bundesbevölkerung selbst einmal Flüchtling war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Hunderttausende, Millionen aus den Ostgebieten und hatten oft nur ihr nacktes Leben und ein paar ärmliche Klamotten. Es gab ähnliche Vorbehalte und auch feindliche Gefühle derjenigen, die plötzlich mit anderen zusammenleben mussten. Wir sind in den Jahrhunderten ein Volk von Flüchtlingen und einem Misch-Masch aus verschiedenen Völkern geworden.

Ich freue mich über Vielfalt. Auch ich habe Berührungsängste, Unsicherheit, Unwissenheit. Aber deswegen gegen “die anderen” zu wettern oder sogar ein Flüchtlingsheim anzustecken? Ist es so weit mit unserem christlichen Abendland gekommen? Zählt das Neue Testament nur noch als Antiquariat in irgendeiner Bibliothek, um von Forschern voller Ehrfurcht betrachtet zu werden?

Geschichte ist lebendig, wenn man sie ernsthaft betrachtet und versucht, daraus zu lernen. Es gibt keine einfache Ursache-Wirkung-Beziehung, auch nicht rückblickend auf die Geschichte. Aber wie viel Leid haben scheinbar normale gutbürgerliche “Volksdeutsche” über andere Menschen gebracht – weil sie anders sind? Hitlers willige Vollstrecker waren überall. Sie ließen oder wollten sich dazu machen. Und heute? Schauen viele nur auf sich selbst und nicht auf die Geschichte. Weil sie nicht lernen oder argumentieren wollen. Sie schnappen sich das, was ihnen passt, und bauen sich ihre kleinkarierte Welt.

Heute morgen beim Joggen kam ich am jüdischen Friedhof bei Hahnheim vorbei. Nein, eigentlich richtete ich es ein, dass ich dorthin lief und da eine Pause zu machen und mir etwas Nachdenklichkeit zu gönnen. Ich gehe gerne auf Friedhöfe. Durch sie können wir etwas lernen. Jüdische Friedhöfe haben keine Grabsteine aus den vierziger Jahren. Meistens reichen die Datumsangaben für das Todesjahr nicht über die Zwanziger hinaus. Die Angehörigen des jüdischen Volks waren Flüchtlinge, und “wir” hatten sie aufgenommen. Sie waren unsere Gäste über Jahrhunderte, doch wir haben sie nie als Gäste behandelt. Wir haben sie immer gerne als Sündenbock hergenommen – oft deswegen, weil sie das taten, was die “Deutschen” nicht machten wollten oder durften. Und dann hassten wir sie, dass sie erfolgreich waren. Wer weiß schon, dass viele “deutsche” Erfolgsmarken wie Hertie oder Dresdner Bank aus jüdischen Gründern entstanden?

Der jüdische Friedhof bei Hahnheim ist relativ klein, er scheint mehr zu verwittern als zu bleiben. Der Gedenkstein am Ende des rechteckigen Friedhofs verwittert so stark, dass ich den Text nicht mehr entziffern konnte. Irgendetwas mit Panzer, Nazi, Hahnheim. Ich nahm mir ein paar Minuten zum Nachdenken und für ein paar Fotos. Später, ein paar hundert Meter weiter und an der Selz, nahm ich mir die Zeit für einen Audioboo.

Geschichte ist zum Lernen und nicht zum Abheften da. Und Geschichte ist nie einfach. Vielleicht heften viele sie deswegen doch ab. Schade.

Mein Audioboo zum Nachhören.

Flickr Fotoalbum „Jüdischer Friedhof bei Hahnheim“ (Diashow)

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Willkommen im Hochtechnologieland Deutschland!

Es gibt einen Nationalen IT-Gipfel. Telekomunternehmen versprechen mantraartig gefühlt jede Woche den Ausbau ihrer DSL- und Mobilfunknetze. Werbungen zu Media-, Entertain-, DSL-, LTE und anderen Netzangeboten oder netzaffinen Angeboten bombardieren den Bürger in Print, Rundfunk, TV und sogar in diesem Internetz. Wir sind im Hochtechnologieland Deutschland.

Ich wohne in Selzen, ein Dorf mit weniger als zweitausend Einwohner. Diese Gegend von Rheinhessen liegt mitten im Einzugsgebiet des Rhein-Main-Gebietes. Das belegen mir der Berufsverkehr, die Grundstückspreise und die Mieten. Ich wohne also mitten im Hochtechnologieland Deutschland.

Also alles gut?

Die Entwicklung unseres Hochtechnologielandes hängt wie global gesehen eigentlich jedes Land im Wesentlichen von der Entwicklung dieses Digitalen ab. Manche bezeichnen dieses Digitale auch als dieses #Neuland. Und wann immer es in Deutschland um etwas Neues geht, dann ist Widerstand angesagt und erste Bürgerpflicht – vor allem für die Manager und die Politiker.

In Deutschland ist dann das Digitale oft eine Glaubensfrage. Es wird entweder vergöttert oder verteufelt. Im zermürbenden Kampf um ein modernes und wettbewerbsfähiges Arbeiten versagt dann womöglich die deutsche Elite und platziert uns auf einem Abstiegsplatz. Da wird reflexartig verzögert, gehadert und verrissen.

Hilfreich dazu ist es, dass in Deutschland – und daher besonders beim Digitalen – alles hundertprozentig sein muss. Alles muss rechtlich geklärt und vor allem abgesichert sein. Das macht die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg holprig in Hinsicht auf Verschlüsselung, Datenschutz, Datensicherheit, Vertraulichkeitsklauseln. Gleichzeitig werden tagtäglich Unmengen an unverschlüsselten Emails mit Dokumentanhängen zwischen Unternehmen und/oder Agenturen ausgetauscht. Paradox? Nicht, wenn es um den Glauben geht.

Denn dass die Inhalte sonst niemand sieht, ist mit Sicherheit eine Glaubensfrage. Mit der Arbeit und deren Zukunft ist es ebenso eine Glaubensfrage. Befragungen, Studien, eigene Erfahrungen über den Zustand der Arbeit in unserer von Taylorismus geprägten, ja erfundenen Arbeitswelt zählen nicht, solange der Glaube dem nicht entspricht. Wir sind nicht rückständig, wir sind das Land der Dichter, Denker, Ingenieure und Erfinder. Wir gehen voran.

Nur nicht im Digitalen.

Ich habe einen 16 MBit/s-Tarif im Hochtechnologieland Deutschland. Tatsächlich liefert die DSL-Vermittungsstelle nur 9964 Kbit/s. Bis vor ein paar Monaten waren es noch über sagenhafte 12 MBit/s. Bei dem Versuch, eine Klärung durch meinen Internet-Serviceprovider (ISP) zu erwirken sagte der Techniker: “Kann vorkommen, gemäß Tarif sind es ja nur bis 16 MBit/s. Wenn Sie nur 6 MBit/s bekommen, können Sie sich mal wieder melden.”

Einkaufserlebnis Bäcker

Ein typischer Kommunikationsvorgang, den ich in den letzten Jahren immer einmal wieder erlebte, entweder selbst oder durch Erzählungen von Freunden und Bekannten:

  1. Gehe zum Bäcker
  2. Bestelle ein Pfund Brot (für Gen Y: 1 Pfund = 500 g)
  3. Bekomme 350 g
  4. Beschwere Dich
  5. Erhalte die Antwort “Aber da auf dem Schild steht doch: BIS zu 500 g
  6. Frage nach, warum das Brot denn nur halb so groß wie das 1-Pfund-Brot ist
  7. Erhalte die Antwort: “Ich kann Ihnen leider nicht garantieren, ob und wie sehr der Teig aufgeht
  8. Frage nach: “Die vorbestellten Brötchen möchte ich noch abholen
  9. Erhalte die Antwort: “Geht nicht, die Lieferung mit der Backmischung kam nicht. Stau auf der Autobahn. Aber Sie haben immerhin schon bezahlt
  10. Wundere Dich

Nur, dass es nie beim Bäcker ist. Da funktioniert das auch nicht. Der Bäcker verliert seine Kunden, er bekommt eine Klage an den Hals, sein Ruf ist ruiniert. Aus. Knocked Out. Bei den ISPs ist das Tagesgeschäft. Und wir Hochtechnologiebürger ertragen das seit Jahren – weil es bei keinem ISP wirklich besser ist. Mal ist das Netz grundsätzlich nicht ausgebaut, mal ist gerade irgendein Funkmast ausgefallen, mal… egal. Wir sind glücklich mit DSL 100 MBit/s und LTE… in ein paar Jahren, wenn andere Unternehmen und andere Staaten bereits im Gigabereich sein werden.

Willkommen im Hochtechnologieland Deutschland.

Beim Bäcker bin ich als Kunde und Bürger wenigstens noch König. Bis es den vor lauter BSP (Bäcker-Serviceprovider) auch nicht mehr gibt.

Nachtrag: Der Netzökonom Holger Schmidt liefert drei Wochen später dazu ein paar Zahlen: Deutschland fällt im Breitband-Wettbewerb zurück.

Ich habe nichts zu verbergen (SR 30)

Eigentlich wäre (schon wieder) CIO.de für das Schreibroulette dran. Aber ich nehme mir die Freiheit, CIO.de einfach zu überspringen. Ich habe die Freiheit, dies zu tun. Ich habe ja nichts zu verbergen.

Was aber wäre, wenn ich, nein nicht ich… wenn ein Programm aufzeichnen würde, was wann in meinen Feeds landet. Das wird dann 6 Monate aufbewahrt, und wenn ein Polizist meint, ich würde etwas Falsches getan haben, dann sieht er das. Ohne jeglichen Richtervorbehalt. Dann wird mir das auch noch vorgeworfen, dass ich nicht über diesen bestimmten Artikel geschrieben habe. Oder dass ich davon gewusst habe und das als Indiz dient, weswegen ich jetzt etwas getan habe.

Vor 6 Monaten wusste ich noch nicht, dass ich heute etwas Bestimmtes getan habe. Ich wusste auch damals nicht, dass ich aufgrund dieses Artikels jetzt so oder so handeln würde. Ich weiß auch heute nichts mehr von dem Artikel. Aber im Protokoll steht: Herr Hamm hat den Artikel damals in seinem RSS-Posteingang gehabt. Deswegen baut sich eine Indizienkette auf, weswegen ich heute beispielsweise jemanden beleidigt habe. Beispielsweise den Politiker, über den in dem Artikel von damals berichtet wurde.

Aber ich habe ja nichts zu verbergen.

Im Dritten Reich gab es viele Aufsichtspersonen. Solche von der Polizei. Der Gestapo. Der SS. Die Blockwarte. Ich wage mich auf ein sehr dünnes Eis, denn Vergleiche oder politische Analogien zum Dritten Reich sind immer…verpönt. Aber ich habe ja nichts zu verbergen in einem Staat mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung.

Nehmen wir an, in einem solchen autoritären Staat müsste jeder beim Verlassen seiner Wohnung sein Protokoll selbst ausfüllen.

  • 03.02.2014 11:25:04 Ich verlasse die Wohnung in Selzen, setze mich in den Bus 660 nach Mainz.
  • 03.02.2014 12:05:43 Ich verlasse den Bus und betrete den Hauptbahnhof Mainz.
  • 03.02.2014 12:10:17 Einsteigen in ICE 4711, Sitzplatz 26 in Wagen 21 nach Berlin
  • 03.02.2014 19:05:12 Spreche mit einer Person, die mich nach der Uhrzeit fragt. Hat sich identifiziert als Herr Walther Maier, wohnhaft in Berlin…

Fünf Monate später werde ich zum Verhör abgeholt. Herr Maier hat ein Plakat mit Parolen verschmiert, ist angeklagt wegen Volksverhetzung. Niemand glaubt mir, dass er mich nur nach der Uhrzeit gefragt hat. Ich weiß nicht, wieso Herr Maier das getan hat und warum mir niemand glaubt. Aber ich habe nichts zu verbergen. Noch am selben Tag werde ich in Schutzhaft genommen.

Sicher, ein autoritärer Staat. Jeder von uns wird aufschreien bei diesem Szenario. Aber in einem Staat mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung soll es ganz normal sein, dass das alles notiert wird. Die Vorratsdatenspeicherung ist ganz normal rechtstaatlich. Wir haben nichts zu verbergen. Das, was fünf Monate später passiert, das kann gar nicht passieren. Vollkommen illusorisch.

Jetzt. Noch.

Aber jetzt hat bisher noch niemand wirklich nachgewiesen, dass die Vorratsdatenspeicherung wirklich hilft. Aber sie könnte und würde, sagen ein paar Experten. Irgendwann werden sie das beweisen können, weil sie die Vorratsdatenspeicherung benutzen können, um eine Indizienkette aufzubauen. In einem Strafverfahren vieleicht sogar. Und aufgrund der Indizienkette werden sie mich verurteilen. Weil ein Herr Maier angerufen hatte. Oder dessen Webseite ich versehentlich aufgerufen hatte.

Aber wir alle haben ja nichts zu verbergen.

Jetzt. Noch.

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„Die Rende ist sischer“ (SR 45)

Wohin die Reise die alten Menschen zur Rente führt, weiß ich nicht. Ich werde bald einer von ihnen sein, und ich weiß es auch nicht. In 15 Jahren werde ich etwas schlauer sein.

Sehr gut kann ich mich noch an den Spruch von “Nobbi” Norbert Blüm erinnern. In seinem hessischen Akzent betonte er in einer ganzen Kampagne, dass die Rente sicher sei. Ich habe es selbst erlebt, damals in den Achtzigern. Vielleicht war der hessische Akzent auch nur der von politischen Kabarettisten. Dabei war damals schon der demographische Wandel absehbar. Nun, so richtig wusste ich das damals nicht. Durchschaut habe ich das erst recht schon nicht, das tue ich jetzt auch noch nicht.

Was mir aber schon länger klar ist, ist die grundsätzliche Fragestellung, ob die Rente in Deutschland umlagefinanziert oder kapitalgedeckt sein sollte. Auch Bert Rürup, der “Erfinder” der Rürup-Rente, geht in seinem Artikel auf FAZ.net darauf ein. Und auf vieles Andere, was die Frage der Rente seit den Zeiten Bismarcks betrifft. Ob Rürup jetzt wirklich ein genialer Rentenanalyst und vor allem -politiker ist, weiß ich nicht. Ich glaube jedoch, dass er mit einigem von dem, was er sagt, Recht haben dürfte.

Die Umlagefinanzierung entstand in den Fünfzigern, als eigentlich kein Kapital mehr da war. Das Wirtschaftswunder war noch nicht da, und es war kein Geldtopf mehr da, aus dem man die Rente zahlen konnte. Die Generationen davor hatten der älteren Generation das Alt-Werden ermöglicht, indem es Großfamilien gab. Großeltern wurden in der Großfamilie weiter ernährt. Heutzutage müssten nicht drei sondern oft fünf Generationen in einer Großfamilie leben. Doch das Arbeitsleben lässt so etwas schon lange nicht mehr zu. Familien werden auseinandergerissen, weil der Sohn oder die Tochter einen Job in einer anderen Stadt bekommt. Weil das Studium weit, weit weg ist. Weil der nächste Job noch weiter weg ist. Die Älteren sitzen zu Hause und müssen von der Gesellschaft versorgt werden. Und sie müssen Rente bekommen, weil sie nicht mehr in der Großfamilie mitversorgt werden.

Die umlagefinanzierte Rente hatte ihre Berechtigung, denn sie funktionierte irgendwie viele Jahre lang. Inzwischen ist das anders. Zunächst einmal verkaufen immer noch unsere Regierungen die Vollbeschäftigung als Programm und Ziel, das demnächst irgendwann wieder erreicht werden wird. Vollbeschäftigung, damit sind nur ein paar Millionen Arbeitslose gemeint. Und diese vielen Vollbeschäftigten bezahlen die Rente derjenigen, die über 67 oder 70 oder 63 sind – je nach gerade opportuner oder unbedingt gerade noch durchziehbarer Maßnahme.

Immer weniger Beschäftigte müssen aus ihrem Lohn immer mehr Älteren deren Rente zahlen. Im Zeitalter der Automatisierung und Robotisierung und Globalisierung beschleunigt sich das. Das kann nicht gut gehen. Irgendwann haben das ein paar Leute sogar in den Regierungen soweit zugegeben, dass sie Programme wie die “Riester-Rente” oder die “Rürup-Rente” aufgelegt haben. Die waren gerade noch der Wahl-Bevölkerung verkaufbar. Und gleichzeitig als dynamische Maßnahme von dynamischen, der Bevölkerung nur Gutes wollenden, Politiker verkaufbar.

Wir Wähler wollen aber nicht mehr zahlen. Wir wollen nichts davon hören, dass es so nicht mehr funktioniert. Aber das Umlageverfahren, entstanden als Generationenvertrag vor einigen Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg, funktioniert nicht mehr. Uns jetzigen Wählern aber egal. Diejenigen, die die 40 oder 50 überschritten haben, hoffen es noch irgendwie bis zur Rente mit Beschäftigung zu schaffen und dann irgendwie über die Runden zu kommen. Die jetzt noch jüngeren wollen schon gar nichts davon hören, sie müssten außer den monatlichen Zwangsabgaben zur gesetzlichen Rente auch noch privat vorsorgen.

Habe ich damals auch nicht. Dennoch habe ich irgendwie ein paar Sachen gemacht, die mich hoffen lassen: Wenn ich irgendwann in Rente gehe, dann schaffe ich das vermutlich. Wenn keine Was-Auch-Immer-Krise dazwischen kommt und meine Rente das Papier nicht wert ist, das mir jedes Jahr auf dem Auszug Sicherheit vermitteln soll.

Ich weiß auch keine Lösung. Ich glaube, dass es eine Mischung aus Umlage- und Kapitalfinanzierung geben sollte. Dass jeder auch selbst für sein Alter vorsorgen muss. Dass aber viele das nicht wollen und Politiker, die so etwas sagen, sehr schnell nicht wählen. Weswegen die Politiker ein herrschendes Rentensystem nicht wirklich grundsätzlich anfassen.

Genauso wie das bestehende Wirtschaftssystem, das auf Leistung und Lohn ausgelegt ist. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist meiner Meinung nach ein Ansatz, den zu verfolgen es sich lohnen könnte. Das lässt sich aber vermutlich nicht durchsetzen. Weder von Wähler- noch von Politikerseite.

Eine Gesellschaft wie die des Star Trek-Universums, in denen die Wirtschaft gänzlich anders funktioniert und die Menschen etwas tun, weil sie es wollen und nicht, weil sie so etwas wie Geld dafür erhalten, ist für mich immer noch Science Fiction, weil ein Wirtschaftsfaktor kein Faktor sondern eine widerwillige Unbekannte ist: Der Mensch, Wähler und kurzfristiger Egoist.

Das richtige Rentensystem ist ein Konjunktiv.

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