Spielt ruhig #PokemonGo – ich bleibe bei #RheinhessenGo

PokemonGo (Bildquelle: Video Pokémon Go Deutschland)

Der neueste heiße Sch*** ist Pokémon Go. Das macht vermutlich richtig Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Doch momentan halte ich es eher wie Wissenssucher Falk Hedemann („Warum ich kein Early Adopter mehr bin„):

Mir persönlich ist das alles viel zu viel geworden. Quasi jede Woche müsste man einem neuen Hype nachrennen, wenn man hipp bleiben will. Das frisst mir einerseits zu viel meiner Zeit und andererseits sehe ich in vielen aktuellen Hypes für mich persönlich auch keinen Nutzen. […] Und erzählt mir doch bitte nicht, dass ich die Kontrolle über mein Leben verloren habe, wenn ich Snapchat nicht verstehe! Das Gegenteil ist der Fall: Wer jedem Hype hinterherläuft hat die Kontrolle über sein Leben verloren!

Nintendo wirbt mit dem SpruchNichts wie raus und Go!

Das mache ich schon seit langem. Vor einiger Zeit habe ich einen Trend für mich entdeckt, den ich derzeit so richtig auslebe: Entspannen, am besten mit #RheinhessenGo: Einfach rein ins Rheinhessen, sich auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaft einlassen. Sich überraschen lassen und auch gerne einmal von Rehkitzen überfallen lassen.

Nichts wie Rheinhessen und Go! #RheinhessenGo

Da trifft man auf Bauern, Wanderer, Winzer, Jogger, Flüchtlinge … Menschen eben. Da gibt es wahnsinnige Landschaften, eine wundervolle Pflanzenwelt und jede Menge Monster. Und manchmal, wenn man Glück hat, dann fühlt man sich fast im Reservat, bereits wenn man von der Terrasse raus guckt.

Eule - putzend und starrend

Eule - putzend und starrend

Flieger, grüß mir die Sonne!

Großer Sand

Katharinenkirche und Oppenheim

Turmfalken Selzen 22.06.16

Der Rehkitz-Überfall

Mauerschwalben in Stadecken

Pferdekoppeln bei Stadecken

Reh in den Weinbergen

Hummel in Rheinhessen

Pilgerweinberg - Weingarten

Turmfalkennest in Selzen 07.06.16

Futter im Turmfalkennest 25.05.16

Selztalwanderung

Pferde bei Köngernheim

133 Unser großes schwarzes Hausmonster

Vielleicht, vielleicht reizt es mich doch irgendwann. Aber bis dahin:

An alle PokemonGoer, Prismaer, Snapchatter und XYZer: Ich bin raus.

Titelbildquelle:

Distanz: 48,3 Kilometer. Dauer: 5 Stunden 12 Minuten …

Spass beim Joggen

Ich bin definitiv kein Läufer sondern ein Jogger. Auch als Jogger schätze ich mich eher langsam ein. Wenn ich dann die Ansage der Runtastic-App höre, bin ich schon mal etwas frustiert. Dann komme ich wieder zurück, ziehe meine Laufschuhe aus und schlürfe meinen Kaffee.

Doch so manchmal stelle ich mir beim Joggen vor …

  • Sicherstellen, dass die Medienwiedergabe auf „Volle Lautstärke“ steht
  • Augen auf beim Joggen
  • Auf entgegenkommende Wanderer, Jogger, Winzer, Bauern achten
  • Kurz, bevor sie auf gleicher Höhe mit mir sind, eine MP3-Datei abspielen
  • Bewundernde Blicke einfangen

Bevor die gemerkt haben, dass ich total ausgepowert und erst eine halbe Stunde unterwegs bin und das nur eine Aufnahme ist, habe ich mich an denen hechelnd vorbeigeschleppt.

(Direktlink zum Audioboo)

P.S. In der letzten Zeit habe ich hier nicht viel geschrieben. Das lag wohl unter anderem daran, dass ich sehr viel entspannt habe.

Fotoalbum Joggen in Rheinhessen auf Flickr

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Joggen, Schreiben und #SunriseRun

Joggen, Schreiben und #SunriseRun: Über Selzen

Heute morgen endlich wieder Joggen. Wie sehr hatte ich das vermisst. Im letzten Jahr hatte ich zwei längere Verletzungspausen und habe ich danach einfach nicht mehr zu einem vernünftigen Rythmus gefunden. Die Feiertage waren eine willkommene Entschuldigung (okay, eine Ausrede), um das Joggen etwas „auszusitzen“. Anfang Januar dann erwischte mich ein heftiger grippaler Infekt, an dem ich immer noch ein bisschen knabbere. Heute morgen dann zauderte ich also etwas. Um kurz nach 8 Uhr dann endlich: Raus!

Der Sonne entgegen

Was für eine Erlösung! Der Körper war schwach, doch der Geist war willig. Die ersten paar Meter waren heftig, besonders als ich aus Selzen hinaus die Weinberge hinauf trottete – der Sonne entgegen. Aber es war kalt (etwa +2 Grad Celsius), und vor allem der eisige Wind machte mir zu schaffen. Dazu kam, dass ich keine Laufhandschuhe anhatte. „Die brauche ich doch nicht, so kalt ist es doch nicht!“ hatte ich mir Mut gemacht. Doch an den eisigen Wind hatte ich nicht gedacht.

Joggen, Schreiben und #SunriseRun: Über Selzen
Joggen, Schreiben und #SunriseRun: Über Selzen

Immerhin hatte ich damit den Vorteil, dass ich das Smartphone recht schnell aus dem Oberarmhalfter holen und damit fotografieren konnte. Die Handschuhe hätte ich dazu ausziehen müssen. Es war kalt, windig, und mein Körper war mehr als unwillig. Zu lange pausiert, zu viel über die Feiertage gegessen, zu faul gewesen. Die ersten 1.000 Meter waren … schwierig.

Doch ich hatte Gesellschaft. Dort ein paar Schafe, viele Greifvögel, zwei oder drei Fasane, jede Menge zwitschernde Vögel. Die froren wohl auch, aber die Sonne wärmte so langsam – und ich kam aus dem eisigen Wind heraus zwischen die Weinreben.

Im Flow

Irgendwann kam ich dann in den Trott hinein, in dem ich das Laufen selbst gar nicht mehr richtig wahrnahm sondern gleichzeitig die Umwelt auf mich einwirken ließ und in dem mein Hirn knetete. So nenne ich das, wenn mir alle möglichen Gedanken hochpoppen. Gedanken, die sich im Untergrund entwickeln, und die dann in so einer Situation hochkommen. Das Hirn fängt dann an, Verknüpfungen zu bilden, an die ich bewusst gar nicht gekommen wäre.

Joggen, Schreiben und #SunriseRun (Rehe)
Joggen, Schreiben und #SunriseRun (Rehe)

Ich genoss das Wechselspiel aus Impulsen („Triggern“) aus der Umwelt (wie dem plötzlichen Auftauchen von ein paar Rehen) und manchmal absurden und manchmal sehr konkreten Knetkügelchen, die mein Hirn abschoss.

Manch einer würde wohl sagen, ich wäre „im Flow“. Ich sage dazu „Mein Hirn knetet“. Ich lief und lief und lief – und mein Hirn knetete. Eigentlich hatte ich nur eine kleine Runde drehen wollen, um einfach einmal wieder anzufangen. Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt, gefolgt von einem zweiten und von vielen weiteren Schritten.

Und plötzlich bog ich irgendwie doch nicht ab. Plötzlich lief ich weiter. Ich lief einfach.

Joggen, Schreiben und #SunriseRun
Joggen, Schreiben und #SunriseRun

Plötzlich war ich weiter gelaufen, als ich vorhatte. Zurück wieder durch Selzen an die Selz und dort entlang. Und dann noch einen Schlenker nach links über die Kirchstraße von der anderen Seite auf den Friedhof.

Joggen, Schreiben und #SunriseRun: Friedhof
Joggen, Schreiben und #SunriseRun: Friedhof

Ich war angekommen.

Schreiben

Letztes Jahr habe ich in meinen Blogs geschrieben. Aber es waren meist Artikel des Schreibenden. In meinem Hauptblog, dem INJELEA-Blog waren es bis auf Ausnahmen eher „Verlegenheitsartikel“. Längere und vor allem recherchierte Artikel zu den Themen Collaboration, Intranet, Social Business, Enterprise 2.0, Public Relations waren selten.

In meinen Blogs kam ich nicht in den Flow. Ich war unstet, unsicher und ungeduldig zugleich. Woanders hatte ich ein paar Dinge publiziert, aber gerade mein „Artikelschreiben“ hatte irgendwie gelitten.

Mit den Vorsätzen ist das ja so eine Sache. Eigentlich hatte mir der grippale Infekt genügend Zeit für ein paar Blogartikel im INJELEA-Blog gegeben, aber ich war unstet, unsicher und ungeduldig zugleich. Ich war letztes Jahr beim Schreiben nicht im Flow, und im Januar auch noch nicht wirklich. Aber ich habe Pläne (ach was!?). Okay, ich plane. Ich werde wieder schreiben, regelmäßig. Denn das Schreiben liebe ich schließlich. Und es muss auch nicht zwingend das INJELEA-Blog sein für fachliche Artikel. Vor kurzem habe ich dann auch einen Auftrag angenommen, für den ich mehrererere Artikel schreiben werde.

Nächste Woche fange ich an. Ganz bestimmt 😀

Reflektieren, Lernen und Planen beim Laufen #SunriseRun

Heute morgen war es endlich wieder soweit. Sogar mehr als fünf Kilometer schaffte ich beim Joggen. Nach zwei langen verletzungsbedingten Zwangspausen fing ich im August wieder an zu laufen. Die Kondition ist dahin, und derzeit schaffe ich es maximal ein Mal in der Woche. Doch das Joggen ist mehr als Joggen.

Beim Joggen schalte ich ab und genieße die Landschaft, die Pflanzen und die Tiere. Nicht lange jedoch und mein Kopf fängt an, Gedanken zu kneten. Der Wiederanfang im August fiel mir schwer, aber genau auf so etwas will ich nicht verzichten:

I think this is an overlooked pleasure in this busy world, and one of the best times to both reflect on the lessons of yesterday and strategically think about the day that lies ahead.

As the sun peeks over the horizon, we are all sitting in front of a clean slate. The day ahead presents us with a canvas of unlimited potential and no mistakes. Do you think of it this way? Do you take time to ponder the decisions of days gone by and deliberately determine ways to improve? If you do not take the time to reflect on days gone past, decisions made, opportunities both exploited and missed…how can you realistically expect to improve your leadership skills?

( Chris R Stricklin: Leadership Lessons on a #SunriseRun )

SunriseRun: Sunrise
SunriseRun: Sunrise

Chris R Stricklin ist Soldat, genauso wie John E. Michel und viele andere, die auf General Leadership bloggen. Leadership? Soldaten? Sind das dort nicht diese Betonköpfe, die rumschreien und ihre Untergebenen herumkommandieren?

Ja, die gibt es auch. Aber viele dieser „herumschreienden Betonköpfe“ sind Leader und nicht nur Kommandierende. Wer Offizier war, der sollte wissen, dass wir unser Leben niemandem anvertrauen möchten, der uns nicht freiwillig und gerne folgt. Leadership ist etwas, das früher als angeboren verstanden wurde. Ich glaube, dass zwar eine gewisse Befähigung dazu gehört (ob genetisch oder sozialisiert sei dahingestellt), dass Leadership aber gelernt werden kann.

Warum sonst sollten sich auch die ganzen Offizierschulen dieser Welt die Mühe machen, Offiziere nicht nur mit Wissen vollzustopfen sondern auch sie zu Offizieren auszubilden? In modernen Streitkräfte sollte kein Platz für Betonköpfe sein, auch wenn es sie immer noch gibt und sie sich immer wieder (leider zu gut) durchwurschteln. Genauso, wie das auch viele Betonköpfe in der „freien Wirtschaft“ tun.

Gute Führer (oooooooh, dieses Wort im Deutschen) sind nicht gut (für ihre Organisation, die Gemeinschaft, das Team), weil sie eine Position oder eine Funktion inne haben. Oder weil sie am lautesten per Order Mufti schreien. Oder weil sie die ihnen vorgegebenen „Objectives“ per Druck und EPa auf ihre Mitarbeiter, Teamkollegen und Kameraden durchdrücken. Oder weil sie sich situativ am besten durchwurschteln. Gute Führer sind agil und vereinigen viele Eigenschaften und viel Können, um das Team rollenorientiert voranzubringen.

Ziel ist es, das Team und die Einzelperson, zu befähigen, einen guten Job zu machen. Das Konzept der agilen Führung kommt aus der Softwarebranche. Im Kern definiert es Rollen anstatt Funktionen. Die Führungskraft ist also nicht Hauptabteilungsleiter, sondern hat die Rolle des Scrum Masters. Dies ist der Hauptunterschied: Führung wird auf diese Art und Weise entpersonalisiert. Der Rolle sind Aufgaben zugeschriebe. Es ist nicht die Person, die kraft einer Funktion Macht ausübt.

( Svenja Hofert: Eine kurze Geschichte der Führung )

Nein, das wird jetzt keine Abhandlung darüber, was das für Eigenschaften sind, und was ein guter Offizier und guter Führer im Allgemeinen können soll. Doch ich bemerke, dass viele Offiziere wie Stricklin und Michel schon lange aus dem Bild des taffen, distanzierten Offiziers heraustraten und offen kommunizieren. Das bedeutet in unserer Zeit, dass sie auch bloggen und twittern. Sie wurden zu einer „Marke“, indem sie ihre Reputation aufbauten. Ihre Reputation bauten und bauen sie auch auf, indem sie Erfahrungen weitergeben und Erfahrunen austauschen – beispielsweise wie Stricklin über Führung:

Half of our time should be reflecting on our decisions gone by, the second and third order effects of those decisions and indecisions and strategic-level thinking about the future of both our organization and ourselves. Now, this may sound selfish, but who most benefits from your refinement of your leadership skills? Arguably you, but also the organization that pays you to be a leader.

Daraus lässt sich nicht nur für Leadership etwas ableiten sondern auch im Allgemeinen über das Arbeiten: Es geht nicht nur um das Ausführen, die „Execution“. Es geht auch darum, Getanes oder Erlebtes zu reflektieren, daraus zu lernen und und dann (neu) zu planen. Ich schaffe das mit am Besten beim Joggen. Deswegen hat mir das Joggen in den Laufpausen dieses Jahr so gefehlt. Genau deswegen (Stricklin):

I can get lost with my thoughts while conditioning my body for the adventure which lies ahead. It is my personal 45 minute get-away wherever I am in the world. It is where I mentally write my next article and determine how my leadership style needs to evolve. It is where I pat myself on the back for successes, and kick myself in the rear for opportunities not fully engaged. It is the time I slow my jog as a reward for good leadership and punish bad decisions with sprints longer than I should.

Heute morgen beim Laufen habe ich den Sonnenaufgang gesehen. Ich habe auf Selzen geschaut, meinen Schatten gesehen und reflektiert.

SunriseRun: Zwischen den Feldern
SunriseRun: Zwischen den Feldern
SunriseRun: Selzen
SunriseRun: Selzen

Dann traf ich eine ältere Lady, die ihren Hund an der Selz spazieren führte. Wir unterhielten uns eine kurze Weile und sprachen über die Schafe, die manchmal viel zu schnelle Welt, und darüber, dass Vielen Aufregung vor Nachdenken geht.

SunriseRun: Schafe
SunriseRun: Schafe

Beim Joggen finde ich die Ruhe zum Reflektieren, Lernen und Planen.

Wie findet Ihr die Ruhe dazu – oder braucht Ihr dazu keine Ruhe?

P.S.: Das Auspowern macht mir zwar Spaß, aber wäre ich wirklich ein Läufer, wäre ich ein Emil Zátopek. Allerdings ein sehr langsamer Zátopek.

Re: Warum ich blogge und was den Reiz am Schreiben für mich ausmacht

Bloggen und Joggen

Jan Pötzscher stellt sich die Frage, warum er bloggt und was den Reiz am Schreiben für ihn ausmacht. Zumindest die erste Frage habe ich mir schon des öfteren auch gestellt und sie immer wieder für mich beantwortet. Zumindest zwei Mal habe ich sie auch in meinem INJELEA-Blog beantwortet:

Mein Blog ist mein Themenspeicher, mein Gewissen, mein Kumpel. Deswegen blogge ich über Fachliches und über Persönliches. Mein Blog bin ich.
Mein Blog hat mich mit Personen und Freunden bekannt gemacht. Danke, mein Blog.

(Und warum bloggen Sie?)

Damals, früher… wollte ich ausprobieren, wie das Installieren eines Content Management Systems bei einem Hoster so geht. Ein paar Tage stellte ich fest, dass ich bloggte. Aber da war es schon zu spät. Ich habe wahnsinnig viel durch das Bloggen gelernt, und das ist heute noch so. Denn das Bloggen ist nicht nur das Schreiben von Artikeln, sondern es sind das Lesen, das Recherchieren, das Kommentieren, der Austausch, das “Über den Tellerrand schauen”, das Treffen und das Kennen lernen von Menschen. Wie wäre es damit: Weil es Spaß macht.

(Ein Stöckchen in der Blogosphäre – Best Blog Award?)

Jetzt könnte ich mich zurücklehnen und auf Jans Artikel verweisen, denn meine Ansichten entsprechen recht gut dem, was er beschrieben hat. Vier seiner Aussagen jedoch möchte ich aus meiner Sicht betrachten.

Ich blogge also bin ich

Im Laufe der Jahre sind meine Blogs der Ausdruck meines Selbst geworden. Zumindest dessen, was ich darüber raus lasse. Aber ich hoffe, dass sie recht gut mein Selbst ausdrücken, weil sie auch zu einem Teil meines Selbst geworden sind. Manche Themen, manche Meinungen müssen einfach raus. Mein Batteriechef hat mir vor vielen Jahren einmal gesagt, ich sei ein junger aufstrebender Offizier, der noch sehr introvertiert sei. Das mit dem jungen aufstrebenden Offizier hat sich dann irgendwann erledigt. Seit ich 2005 mit dem Bloggen anfing, half und hilft mir das Bloggen mich auszudrücken und mich auch zu äußern. Das Starten eines Blogs ist wie das Öffnen einer Tür um einen winzigen Spalt. Und irgendwann war meine Tür weit offen.

Das Schreiben und der Schreibstil

Ich kann auch objektiv, sachlich, neutral, berichtend. Aber in meinen persönlichen Blogs schreibe ich aus meiner Haltung heraus und beziehe Stellung. Gleichzeitig hilft mir das Beschäftigen mit einem Thema, viele und andere Aspekten zu betrachten und zu beleuchten. Oft habe ich einen Gedanken, der durch einen “Vorfall” getriggert wird. Ein anderer Blogartikel, ein Zeitungsartikel, ein Video, ein Buch, ein Treffen, ein… Manchmal rattert es im Kopf plötzlich irgendwann los. Dieses Beschäftigen und dieses Schreiben kneten den Kopf ungemein.

Auf die Größe kommt es nicht an

Ich hatte einen Traum. Ich wollte ein A-Blogger werden und Kohle wie Heu scheffeln. Ja, daran hatte ich auch einmal gedacht. Ich hatte zu Beginn auch einmal mit Werbung in meinem Blog rumgespielt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das mein Beschäftigen, Schreiben und Kneten verdirbt. Diese meine persönlichen Blogs (INJELEA-Blog, Der Schreibende, Der Entspannende, Der Taumler und gewissermassen @fwhamm) sind eben genau dieses: Persönliche Blogs. Reichweite, Größe spielen nur insofern eine Rolle als dass ich dadurch mein Netzwerk und meinen Tellerrand vergrößere und auch meine Sichtweisen überprüfe. Selbst beim INJELEA-Blog als mein “fachliches Blog” hat sich durch meine Selbstständigkeit daran nur wenig geändert. Das könnte anders sein. Aber Bloggen ist mein Kneten.

Es gibt kein Richtig und kein Falsch

Jeder hat seine Meinung und seine Ansichten. Meinungen und Ansichten können nicht falsch sein. Objektiver Journalismus ist für mich nicht möglich, denn bereits die Auswahl eines Themas ist Ausdruck von Meinung(en) und Ansicht(en). Innerhalb von Kulturkreisen gelten bestimmte Meinungen und Ansichten als “unerwünscht”. Aber diese Grenzen zu überschreiten braucht es verdammt viel Abweichung. Zumindest innerhalb der Blog-Kulturen, in denen ich mich bewege. Aber ich versuche, wenn auch mit wenig Einfluss, meinen Einfluss innerhalb unserer Kulturen geltend zu machen. Und das gestehe ich anderen ebenfalls zu. Und wer glaubt, dass es objektive und unverfallbare Wahrheiten in der Wissenschaft gibt, der möge daran denken, dass der Apfel vielleicht doch einmal nach oben fällt. Nur weil das bisher noch nicht passiert ist, muss das nicht bedeuten, dass er das auch zukünftig nicht macht.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Bloggen einmal auszuprobieren, sich heranzuwagen und etwas Zeit dafür zu opfern.

Ich kann nur jedem empfehlen, diesen Bloggen einmal auszuprobieren, sich heranzuwagen und etwas Zeit dafür zu opfern.

Ich könnte jetzt diesen Artikel beenden und hätte ein gutes Gefühl. Doch mein Kopf knetet gerade, und da muss etwas raus.

Beispielsweise der Umstand, dass das Bloggen nicht nur aus dem Schreiben besteht. Auch nicht nur aus dem gezielten Recherchieren. Bloggen ist eine Grundhaltung des Erforschens, des sich Beschäftigens, des Knetens, des Herauslassens und das Weitergebens. Und dass das wieder einfließt in das Denken, Bloggen und Handeln von anderen und von einem selbst.

Alleine die Absicht, über etwas zu bloggen, verändert die Wirklichkeit und die Verknüpfungen.

Warum ich jogge? Weil ich blogge. Und ich blogge, weil ich jogge.

Freitag ist ein Jogging-Tag. Außerdem ist Freitag ein Bloggen-Tag für den Schreibenden. An beides halte ich mich nicht sklavisch. Heute morgen jedenfalls hatte ich beides vor. Als ich dann loslief dauerte es nicht lange, bis mein Kopf anfing zu kneten. Beim Joggen weiß ich oft nicht, welchen Weg ich nehme. Es gibt äußere Einflüsse wie das Wetter oder die zur Verfügung stehende Zeit, die mir einen Rahmen setzen. Und dann laufe ich los. In meinem Kopf rumort es, ich nenne es das Kneten. Meine Gedanken springen hin und her bis ich dann einen Gedanken festhalte und ihn knete. So wie heute morgen der Gedanke des Bloggens über das Bloggen, weil Jans Artikel sich in meinem Kopf eingenistet hatte und ich mir das Bloggen für heute vorgenommen hatte.

Kreuzung beim Joggen
Kreuzung beim Joggen

Beim Joggen verarbeite ich einerseits Gedanken, andererseits sorgt das Joggen dafür, dass Gedanken hochpoppen. Manchmal komme ich beim Joggen an eine Wegkreuzung. Plötzlich ist sie da und ich muss mich entscheiden. Heute morgen beispielsweise habe ich mich dafür entschieden, die Kreuzung zu überqueren.

Abbiegen beim Joggen
Abbiegen beim Joggen

Ich hätte aber auch einen anderen Weg nehmen können. Manchmal sieht die Kreuzung wie ein Hindernis aus, aber sie ist es gar nicht. Ein anderer Weg sieht vielversprechend aus, ist es aber nicht – oder doch. Oft stellt sich eine andere Perspektive erst nach dem Betrachten oder dem Annehmen als besser oder schlechter als die andere heraus. Wenn ich das immer vorher wüsste, dann bräuchte ich mich nicht entscheiden.

Manchmal laufe ich auch auf einem Weg und biege ab in die Weinberge. Oder ins freie Feld. Dann kommen mir plötzlich neue Gedanken, oder auch nicht.

Ich kann meinen Kopf ein kleines bisschen anschubsen, in die eine oder andere Richtung zu kneten. Aber irgendwie läuft das Kneten doch zu einem Großteil unbewusst ab und führt oft zu überraschenden Ergebnissen.

Heute stürmten wieder vor mir Rehe aus den Weinbergen. Fasanen. Feldhasen. Zwitschernde Vögel. Raben. Das Rufen der Kuckucke. Winzer, die die Weinrebentriebe schneiden und biegen. Und immer wieder beeinflussten das Joggen und das Denken meine Gedanken und meinen Weg.

Und plötzlich siehst Du etwas Wunderbares. Ohne das Joggen hättest Du es verpasst. Genau so ist und geht das mit dem Bloggen.

Kälbchen kurz nach der Geburt im Selztal zwischen Köngernheim und Selzen
Kälbchen kurz nach der Geburt im Selztal zwischen Köngernheim und Selzen

Flickr Fotoalbum „Joggen und Bloggen“ (Diashow, Karte)

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Auf dem Lande in Rheinhessen

Rehe im Rudel

Wenn Du joggen gehst und

  • Du nach 200 Meter in den Feldweg einbiegst,
  • Du nach weiteren 150 Metern die Weinberge hinauf schnaufst,
  • vor Dir ein Rudel von acht Rehen aus dem Weinberg quer über den Weg stürmt,
  • Du ständig Feldhasen aufscheuchst,
  • Du zunächst nicht sicher bist, ob es kleine Rehe oder große Feldhasen sind,
  • Du den Greifvögeln auf den Pfosten im Weinberg vertraulich zunickst,
  • die Autobahnen keine Autobahnen sondern Laufwege der Feldmäuse sind,
  • die Winzer die Pflanzentriebe zurechtschneiden und -biegen,
  • Du denselbem Rehen im Feld später zuwinkst,
  • die Treckerfahrer dir vergnüglich zuzwinkern,
  • der Fasan sich aus Büschung heraus lauthals über Deine Störung beschwert,
  • Du später auf der Terrasse den Turmfalken in den Baumkronen zuschaust,

Turmfalke

dann lebst Du auf dem Lande in Rheinhessen.

Nachtrag (11.04.2015), Leseempfehlung: Dorfliebe!

Heute ist einer dieser Tage

Heute morgen wachte ich auf und dachte: “Heute ist einer dieser Tage”. Einer der Tage, an denen ich morgens müde und unkonzentriert bin. An denen ich mich am liebsten hinlegen und schlafen würde. Ein Tag, an dem ich mich dann doch mit einem Seufzen aus dem Bett bequeme und ins Bad gehe.

Dann unterhalten wir – die allerbeste aller Ehefrauen, der @HerrIdefix und @Pupsylotta – uns, und so langsam nehme ich die Welt wieder wahr. Und die in Wirklichkeit gar nicht so banalen Gespräche auf Twitter und Facebook erhöhen den Aufmerksamkeitsfaktor ebenfalls langsam aber sicher. Ein viertel Liter Wasser, der erste Kaffee. Verabschieden von @diemanuela.

Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt, um wieder ins Bett zu sinken und zu träumen und zu schlafen. Doch mein Hirn hat bereits an Fahrt aufgenommen. Der Kalender ist vielversprechend: Keine Termine bis in den späten Nachmittag… oh nein, doch. Heute morgen ist ein Artikel für den Schreibenden fällig. Ich habe mir vorgenommen, jeden Freitag Morgen einen Artikel zu schreiben. Blöd, aber was soll’s. Und danach soll ich angeblich Joggen vorgehabt haben, sagt mein Kalender.

Jetzt rotiert mein Hirn. Gedanken über meinen gestrigen Vortrag in Düsseldorf über Social Business ploppen hoch. Xing-Kontakte anfragen, die Präsentation hochladen, verschicken. Lauter Kleinigkeiten. @Persephone176 hat Schnupfen. Eigentlich klappte es wieder gut mit dem Laufen bei ihr. Mist, jetzt ist der Gedanke wieder da. Ich wollte joggen. Langsam droht mein Hirn in die Dämmerkeit abzusinken, wie sie draußen herrscht. Regen, der Himmel ist bedeckt. Eigentlich kein Laufwetter, außer man will halt und ist motiviert und findet beim Laufen weitere Gedanken.

Der Nachmittag ist irgendwie gedanklich schon verplant. Ich entscheide mich dazu, mein Morgenritual zu verschieben bis nach dem Joggen. Kurze Blicke auf meinen Todoist und meinen Terminkalender, sagen mir: Junger alter Mann, das ist okay. Fast pünktlich zur Uhrzeit in meinem Terminkalender setze ich mich an den Tisch, klappe mein Macbook auf – oh, alles sofort da – und starte auf Deezer Andreas Vollenweiders “Behind the Gardens”. Das habe ich schon in den Achtzigern gehört während ich an meiner Diplomarbeit schrieb. Ich starte ByWord und Tomighty. Der Pomodoro-Timer läuft los, und meine Finger auf der Tastatur ebenfalls.

@HerrIdefix schaut mich schräg von der Seite und vorwurfsvoll an und ich schreibe jetzt darüber. Es reicht. Für einen dieser Tage habe ich genug geschrieben – für heute morgen zumindest. Egal, was der Timer sagt.

Laufschuhe auf der Lauer auf der Mauer
Laufschuhe auf der Lauer auf der Mauer

Jetzt muss ich nur noch die Kurve fürs Joggen bekommen. Es regnet.

Ein Gutes hat dieses Denken an Joggen: Ich denke an Steffen Büffels Run for Carmen. Viel Glück und Erfolg, Steffen!