Schon vom Kohlrabi Timer gehört?

Kohlrabi

Ich schreibe seit 10 Minuten wieder einmal einen Schreibroulette-Artikel. Nun ja, eigentlich fange ich jetzt erst damit an. Die letzten 10 Minuten habe ich damit verbracht, Links für diesen Artikel zu sammeln und zwei Fotos zu machen. Jetzt lädt irgendwie diese Dropbox meine Fotos nicht hoch. Dann eben als Email.

Ich war also ziemlich unproduktiv. Obwohl ich mir einen Timer (Free Countdown Timer) gestellt habe, mit dem Audio-Player AIMP leise Entspannungsmusik von Aloha Joe’s Relaxation Island im Hintergrund laufen lasse. Die Musik von Joe gibt es eben nicht nur im Browser sondern auch (direkt als Stream für Deinen Audio-Player. Außerdem habe ich den SchreibAffen (WriteMonkey) im Vollbild geöffnet. Aber ich schweife ab und bin unproduktiv. Auf jeden Fall hätte ich mich eigentlich um die Links und Fotos am Schluss des Schreibens kümmern sollen. Nun ja.

AIMP (Relaxation Island)
AIMP (Relaxation Island)

Obwohl ich eigentlich (oh je, dieses Wort…) damit ziemlich beim Thema des Schreibroulette-Artikels bin. Beim Schreibroulette öffne ich meinen Feedreader, schnappe mir den ersten Artikel und schreibe über diesen Artikel das, was mir dazu einfällt (okay, ich habe heute geschummelt, da der mir nicht zusagte, ich habe mir den Artikel vom #productivity Paper.li gezogen). Ich habe einen Artikel von Ian Chandler „gezogen“, der die Pomodoro-Technik vorstellt: Hack the Pomodoro Technique to Boost Your Productivity. Ein Punkt, den Ian beschreibt, stößt mir da ziemlich auf:

The official video on the Pomodoro Technique homepage implies that it’s best for completing large tasks.

Immerhin beschreibt Ian noch, wie er sich auch tatsächlich längere Aufgaben vornimmt und dann in solchen 25-Minuten-Häppchen daran arbeitet. Überhaupt gefällt mir der Artikel recht gut, aber: Ich kann nicht Pomodoro!

Diese 25 Minuten sind mir fast immer zu kurz. Außerdem habe ich keinen wirklich guten Pomodoro-Timer (außer einen Küchenwecker) gefunden. Was mir fehlt, ist ein Kohlrabi Timer (wusstet Ihr übrigens, wie „Kohlrabi“ auf Englisch heißt?). So ein richtig großer Timer mit vieeeeeel längeren Arbeitsphasen … den bräuchte ich jetzt.

Kohlrabi
Kohlrabi

Ich würde ja gerne noch weiter schreiben. Aber ich war einfach unkonzentriert und unproduktiv. Mein 30-Minuten-Timer ist kurz vorm Ausrasten, weil eben die 30 Minuten um sind. Und ich muss diesen Text noch in Worpress rüberschieben und die Fotos und …

Roulette-Gelesenes

Schreibroulette

Dieser Artikel entstand als Schreibroulette. Eine Gewohnheit, die ich habe schleifen lassen, obwohl sie doch Spaß macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss.

Wenn Rituale zu Routinen werden

Bloggen im Baristaz

Heute morgen steht im Kalender etwas von “Blogartikel schreiben”. Eigentlich meinte ich damit ja ein Schreibroulette, das ich schon lange nicht mehr mache. Buh!

Heute morgen aber will ich wieder. Rituale (oder auch Routinen) sind für mich etwas Wichtiges, was mit beim Konzentrieren hilft, und das mir hilft, nichts zu vergessen. In letzter Zeit jedoch klicke ich Erinnerungen an Rituale einfach mal weg. Dieses Wegklicken wurde selbst zum Ritual. Nein, eigentlich nur zur Routine. Denn ein Ritual ist für mich etwas, das ich bewusst und konzentriert tue. Eine Routine ist für mich etwas, was ich so nebenbei erledigt, weil es auf einer “To-Do-Liste” steht.

Mein Schreibroulette sieht eigentlich vor, dass ich mir den neuesten Artikel in meinem Feedreader vornehme und etwas dazu “runterschreibe”. Doch heute nehme ich mir meine Pocket vor, denn genau darin befindet sich als neuester Artikel “Tony Robbins’ Morning Routine” von Stephanie Postles. Wie gesagt, mir ist die Bezeichnung “Rituale” lieber. Stephanie hat eine Routine, mit dem sie bewusst in den Tag startet. Ich habe mein Morgenritual, das bei mir in letzter Zeit zur Routine verkam. Ein paar Punkte zum Abhaken, Denken ausgeschaltet.

Grübeln an der Bahnböschung bei Braunschweig
Grübeln an der Bahnböschung bei Braunschweig

Rituale erleichtern mir, nichts zu vergessen. Aber eigentlich will ich damit auch Dinge, Handlungen bewusster und regelmäßig tun – damit sie zur Haltung werden. Und da habe ich doch mehr und mehr versagt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in letzter Zeit zu viel grübelte (nein, keine Angst …) über den Sinn des Lebens. Die Antwort kenne ich, natürlich. Aber sie verschleiert mir die Frage(n). So ist das auch mit den Ritualen, die zur Routine verkommen. Die Antwort steht da irgendwie, aber der Sinn von Frage und Antwort steht da nicht.

Das Meditieren habe ich irgendwann einmal “versucht”, aber so richtig intensiv und ernsthaft dann doch nicht. Vielleicht sollte ich doch … dieses Wochenende einfach einmal meine Rituale und Aufgaben hinterfragen, neu aufsetzen. Und wenn ich schon dabei bin, dann auch einmal über ein paar andere Dinge grübeln. Mein “fachliches Profil” empfinde ich als nicht scharf genug. Als nicht wirklich aussagekräftig. Anderen geht es vermutlich auch so, das scheint sich mir aus Fragen zu erschließen.

Gerade lese ich “How (and Why) SpaceX Will Colonize Mars von Tim Urban (bitte, bitte alle Teile lesen, auch die anderen über Tesla und Elon Musk!). Ein Monsterartikel über SpaceX und vor allem Elon Musk dahinter. So sehr Monster, dass ich mir den Artikel als Ebook gönnte und ihn mir herunterludt. Tim stellt in Frage, dass Neil Armstrong wirklich einen ”giant leap for mankind“ unternahm, als er da so auf den Mond stolperte. Es ist eher ein ”Step“, ein Schritt auf dem Weg zu einem wirklichen Leap.

Das Laufen lernt man durch einzelne Schritte und durch das Wiederaufstehen nach dem Hinfallen. Momentan fühle ich mich als etwas hingefallen oder zumindest als gestolpert. Also werde ich wieder ein paar Schritte machen und wieder ausprobieren, wie das so mit dem Laufen geht. Ein Schritt nach dem anderen.

Und nach dem Lesen von Stephanies Artikel schreibe ich jetzt als ersten Schritt eine Beta meines Morgenrituals:

  • Aufwachen, jeden Tag von Montag bis Freitag zur selben Uhrzeit und jeden Samstag/Sonntag zur gleichen Uhrzeit
  • Den Wecker weg vom Bett
  • Meine Gymnastik nehme ich wieder auf, direkt nach dem Aufstehen und den ersten Minuten im Bad
  • Ein paar Minuten der entspannten Konzentration (als Autogenes Training oder als Meditation, mal sehen)
  • Den Kalender checken, damit ich keinen Termin am Morgen verpasse
  • Mein Journal schreiben mit Gedanken über Erlebnisse und den vergangenen Tag
  • Meine Inboxen (Gmail, Outlook, Messenger etc.) durchgehen und abarbeiten (LASAA: Löschen, Archivieren, Spam, Antworten, Aufgabe)
  • Meine Tagesplanung machen
  • Timeboxes im Kalender einrichten und später mit Pomodoros fressen
  • Eat the Frog

Am Abend stelle ich mir bewusst den Wecker und lege ich mir die Klamotten für den nächsten Morgen bereit. Meinen Workout (Joggen) plane ich nicht nur sondern ziehe ich ihn durch. Gyms waren noch nie mein Ding. Ich habe das zwar mal probiert, aber ich ziehe die freie Natur vor – und die Möglichkeit, direkt vor Ort, zu Hause oder wo auch immer, zu joggen. Mein Ritual am Wochenende … werde ich wohl so ähnlich wie diese erste Beta gestalten.

Was mich übrigens an Todoist stört (obwohl ich das Teil an sich für meine persönliche Aufgabenplanung und -abarbeitung schätze), ist, dass ich den Erfolg so nicht jederzeit sehe. Also, welche Aufgaben ich heute schon erledigt habe. Die Aufgaben werden abgehakt und verschwinden. Da fehlt mir das unmittelbare Erfolgserlebnis.

Habt Ihr Rituale oder Routinen? Wie sehen die aus?

P.S. Zeitlich habe ich angesichts der eingeplanten Zeit für einen Blogartikel fast eine Punktlandung hingelegt. Und das, obwohl ich keinen Timer oder Pomodoro-Timer laufen ließ. Benutzt Ihr Timer/Pomodoro-Timer für Aufgaben?

Nachgetreten: Meine Arbeitsumgebung

Wissensarbeit im Baristaz in Mainz

Heute ist Freitag. In meinem Kalender stehen für jeden Freitag zwei Termine fest drin: Einer fürs Joggen am Freitag und einer fürs Bloggen am Freitag. Doch jetzt sitze ich in Mainz im Baristaz.

Freitag morgens jogge ich normalerweise und blogge ich anschließend als Der Schreibende. Es gibt immer einmal Ausnahmen, beispielsweise bei Veranstaltungen oder für eine Arbeit, die erledigt werden muss. Mein Jogging-Blogging-Ritual hält mich nicht von Arbeit ab, ich halte sie lediglich so flexibel, dass ich – als Wissensarbeiter – auf meine Umwelt und meine Wünsche reagieren kann.

Heute Morgen beispielsweise fuhr ich Die Manuela um acht Uhr zum Bahnhof. Sie nutzt den Brückentag und fährt übers Wochenende eine Freundin und ehemalige Arbeitskollegin besuchen. Also plante ich mir meinen Freitag Morgen anders ein: Vom Bahnhof aus fuhr ich in die Theater-Tiefgarage in Mainz. Der Plan sah vor: Über den Wochenmarkt spazieren und gegen 9:30 Uhr im Ballplatzcafé frühstücken, anschließend ins Baristaz zum Bloggen und Arbeiten. Zwar liebe ich es, wenn ein Plan funktioniert.

Frühstücken im Café Extrablatt am Wochenmarkt in Mainz
Frühstücken im Café Extrablatt am Wochenmarkt in Mainz

Aber ich liebe es auch, einen Plan anzupassen oder umzuwerfen. Ich setzte mich draußen an einen Tisch vom Café Extrablatt mit Blick auf den Wochenmarkt und frühstückte. Dann erledigte ich meine Einkäufe. Und jetzt gegen 11 Uhr sitze ich im Baristaz an der Römerpassage, habe meinen Plantronics Backbeat Pro auf und höre Musik während ich blogge. Um 12 Uhr erwarte ich Besuch. Pia bekam heute Morgen über Facebook mit, dass ich in der Stadt bin, und wir verabredeten uns für einen Kaffee. Danach werde ich hier im Baristaz arbeiten. Denn im Baristaz gibt es kostenloses WLAN. Ich habe sogar einen Account bei dem Anbieter Hotsplots, so dass ich nicht auf einen Zettel mit dem Login angewiesen bin.

Mein Blog “Der Schreibende” ist für mich auch wie eine Kolumne, mit der ich Dinge und Themen verarbeite. Für mich übt ein solches “freies” Blog einen besonderen Reiz des Schreibens aus. Dieses Blog und die Freiheiten der Flexibilität sind Teile meiner Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter #Blogparade. Als ich mit diesem Artikel begann, wusste ich noch nicht, wohin er mich führt. Doch er ist wie das Joggen Teil meiner für mich oft ziemlich perfekten Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter (Blogparade von Bastian Wilkat, mitmachen noch bis 17. Mai).

Ich genieße das Privileg, ziemlich frei planen und handeln zu können, was meine Wissensarbeit betrifft. Nein, nicht immer. Aber ziemlich oft. Ich genieße das und weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich weiß auch, dass es Tage gibt, an denen ich fast keine dieser Flexibilität habe. Aber ich bin glücklich und zufrieden, dass unterm Strich eine sehr positive Bilanz entsteht.

Meine Frau meinte heute morgen im Auto, wie das wohl wäre, wenn wir am Wochenende den Jackpot gewinnen würden. Öfters nach Hawai’i fliegen. Ein neues Auto (der Golf hat fast die 200.000 km erreicht). Ein Haus hier und ein Haus auf Hawai’i… STOP!

Wir wollen gar kein Haus. Wir wollen Flexibilität. Wenn wir ein neues Auto kaufen würden, dann wollte ich einen Tesla. Aus Prinzip. Aber eigentlich wollen wir Mobilität. Ein eigenes Haus verpflichtet. Wir sind jetzt etwa Mitte Fünfzig, und irgendwann werden wir unsere Gedanken und Pläne über unser Altern konkretisieren. Ein eigenes, womöglich viel zu großes Haus gehört nicht dazu. Unser jetziges Zuhause hat eine Terrasse, ein einzelnes Stockwerk, einen Park direkt nebenan, Natur in “Walking Distance”, total nette Vermieter. In fünf bis zehn Jahren ist die Mobilität vielleicht sogar so weit, dass wir uns nur noch bei Bedarf ein selbstfahrendes Taxi rufen. Oder einen Tesla für den Ausflug übers Wochenende holen.

Und solange ich arbeite, gehört zur perfekten Arbeitsumgebung Flexibilität. Arbeiten im Café oder auf der Terrasse oder im Bürozimmer zuhause oder in einem Coworking-Space. Nicht immer aber unterm Strich. Egal, ob ich als selbstständiger Freiberufler oder als selbstständiger Angestellter wissensarbeite.

So. Mein Macbook hat noch 94% Akku. Es ist kurz vor High Noon. Gleich kommt Pia. Ich bin dann mal wech aus diesem Internet. Aber nicht für lange. Als Wissensarbeiter gehört dieses Internet zu meiner perfekten Arbeitsumgebung. Immer. Überall. Wenn ich will. Und wenn nicht? Klick.

Entspannt produktiv

Relax

Frösche quaken da rechts von mir, dazu zwitschern ein paar Vögel. Ein Bach ist leise im Hintergrund zu hören. War das nicht gerade ein Specht? Flötenmusik mit irgendetwas, das sich wie ein Klavier anhört, dringen zu mir von vorne durch. Plötzlich mischen sich Zykaden ein.

Nein, ich bin nicht irgendwo in höheren Sphären. Ich sitze hier an meinem Macbook zuhause. Die Augen habe ich geschlossen. Ruhig durchatmend und mit geschlossenen Augen tippe ich auf der Tastatur Gedanken, die mir gerade dazu einfallen, was ich höre. Ich höre “Relax Music” und “Nature Sounds”.

Ich glaube, es war Anfang letzten Jahres, als ich auf diese… Musik- und Geräuschstile aufmerksam wurde. In meinem Bestreben, mehr über “Productivity” einerseits und “Ausgewogenheit” andererseits zu erfahren und auch anzuwenden, las, sah und hörte ich immer mehr davon. Die Idee hinter dieser “Geräuschkulisse” ist einerseits, zu mehr innerer Ruhe und Fokussierung zu gelangen, und andererseits, gerade dadurch entspannter, konzentrierter und produktiver zu “arbeiten”.

Mit der klassischen Bedeutung des Wortes “Arbeit” habe ich ja so meine Probleme. Ich sehe alles als Arbeit an, was irgendwie Energie beziehungsweise Kalorien verbraucht, und was eine bestimmte Zielsetzung verfolgt. Das kann die Arbeit für ein Unternehmen sein, das kann aber auch das – jetzt wechselt übrigens das Zwitschern zum Meeresrauschen – Pflanzen eines Baumes sein oder der Jogging-Lauf im Selztal. Für mich hängt Arbeit mit einer angenehmen Atmosphäre und “Gerne tun” zusammen.

Mich in eine solche Atmosphäre zu versetzen gelingt mir, wenn ich mich einerseits von der Außenwelt etwas abkanzele und ich mir andererseits entspannende Musik oder Geräusche anhöre, die sozusagen im Hintergrund vor sich hin dümpeln. So hörte ich mir stundenlang die Harfenmusik von Andreas Vollenweider an, während ich meine Diplomarbeit schrieb. Das war… Ende der Achtziger. Damals musste man sich für so etwas die entsprechenden CDs oder Platten (die gab es damals noch) kaufen.

Heute gibt es dieses Internet. Ich hatte irgendwann vor unserem Umzug nach Selzen alle CDs eingelesen und als MP3 auf einer Festplatte. Jetzt zusätzlich auf meinem Server. Der Begriff Server ist natürlich etwas ältlich und bei weitem nicht so hip wie “Network Attached Storage (NAS)”. Und der liefert mir das auch mit Plex beispielsweise dann, wenn ich irgendwo anders bin. Ich kann also “meine eigene” Entspannungsmusik quasi überall in der Welt hören. So wie jetzt. Aber ich habe auch von Sonos eine Sonos:Connect und eine Sonos:Play:3 (oder wie schreibt man diese Marketingquälereien eigentlich?). Dann wäre da noch Spotify. Außerdem kann ich über Sonos und Tunein auf alle möglichen Internetradiosender zugreifen. Beispielsweise auf Klassik Radio.

Damit wäre ich wieder bei Entspannungsmusik und -geräuschen. Denn Klassik Radio hat inzwischen nicht nur einen “Sender” sondern mehrere Kanäle. Klassik Radio Smooth liefert ruhige Musik. Opera… Opernmusik halt. New Classics modernere Klassikmusik. Klassik Radio Nature… yeah! Naturgeräusche. Alle paar Minuten wechseln die dann von verschiedenen Szenerien. Wald. Wasserfall. Am Meer. Und gerade eben höre ich wieder einen leise trillernden Vogel der via Sonos aus den Lautsprechern der Home-Theatre-Anlage beruhigend auf mich einwirkt.

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Oder ich gehe auf Youtube und suche nach Relax Music oder Nature Sounds. Selbstverständlich kann ich mir diese mehrstündigen Werke im Browser anhören – und vor allem ansehen. Kaminfeuer war gestern. Heute schaut und hört man sich so Zeugs wie “8 hours Nature Sounds-Birds Singing- Waterfall-Birdsong-Sound of Water-Relaxation-Meditation” mit der Youtube-App über das Amazon Fire TV an. Oder lädt es sich mit Clipgrab als MP3 herunter (natürlich nur, wenn es legal ist…). Das ist nämlich dann auf dem Rechner selbst ohne WLAN oder Internet. Auf allen meinen Rechnern liegen in einem Owncloud-Verzeichnis im Ordner “Relax” verschiedene MP3- und OGG-Dateien mit entspannender Musik und entspannenden Geräuschen. Die habe ich entweder fix und fertig aus diesem Internet heruntergeladen oder mir wie auf Nature Sounds selbst gemixt und dann heruntergeladen.

Dann höre ich mir so Zeugs im Hintergrund an, schließe die Augen, entspanne mich, konzentriere mich. Und schreibe mit geschlossenen Augen einen Artikel darüber wie ich mit geschlossenen Augen mit Nature Sounds und Relax Music  entspannend, ablenkungsfrei und fokussiert über Nature Sounds und Relax Music schreibe.

The Fog – Nebel des Grauens

Heute morgen fällt mir John Carpenters grauenhaftes Meisterstück ein. Erfrischend hell erschien mir der Himmel, erfrischend… weiß.

Doch jetzt, wo ich einigermaßen wach und mit Coffein gedopt bin, fühle ich das Grauen in mir. Die Luft ist feucht und klamm, die Pflanzen trinken den Nebel. Heute ist Freitag, in meinem Kalender steht für 8:30 Uhr ein Eintrag, der mich an mein regelmäßiges Joggen erinnert soll und tut. Ich weiß, dass ich demnächst in dieses weiße Grauen stolpern soll. Doch die Motivation ist gering, sehr gering.

Zu sehr lockt die Versuchung, mich einfach wieder ins Schlafzimmer zu tapern und ins Bett zu sinken. Zu sehr lockt die Versuchung, mich auf Twitter, Facebook und Co. zu vergessen. Doch diese Woche hatte ich noch kein Jogging-Lauf. Außerdem sitze ich hier am Tisch schon komplett mit Laufklamotten ausgestattet. Dieser Trick wirkt immer. Wenn ich erst einmal die Laufklamotten anhabe, dann laufe ich auch. Am besten funktioniert es, wenn ich am Abend zuvor bereits meine laufklamotten im Schlafzimmer griffbereit hinlege. Das vergaß ich gestern abend… vermutlich willentlich.

So aber weiß ich, das weiße Nebel-Grauen steht mir bevor. So langsam gewöhne ich mich an diesen grauenhaften Gedanken. Ich beginne mich zu strecken, die Muskeln auszuprobieren, ob sie denn wirklich noch da und einsatzbereit sind. Letzteres eher weniger, aber im gesunden Geist wohnt ein gewohnheitsmäßiger Sadist, der zu quälen den Körper ihm ein inneres Bedürfnis ist. Von unserer Terrrasse aus kann ich einige Meter weit blicken, doch sobald ich aus der Wohnung gegangen sein und nur wenige Meter bis am Ortsrand zurückgelegt haben werde, dann werde ich in diese Suppe laufen. Wer weiß, was mich dort erwartet außer dem Grauen vor dem weißen Nebel.

Es ist wie immer: Kleine Schritte ermöglichen das Laufen. So habe ich mir einen Pomodoro-Timer Tomighty auf 35 Minuten gestellt und gestartet. 35 Minuten lang zwinge ich mich zu nichts anderem als zum Denken und Schreiben. Manchmal schließe ich die Augen und schreibe blind.

HerrIdefix - The Guard of iPad

@HerrIdefix bewacht mein iPad gegen mögliche Ablenkungsversuche mit Twitter, Facebook und Co. Aus dem Hintergrund beruhigt mich das Gemurmel und Geschirrklappern aus dem virtuellen Coffee Shop Coffity.

Byword - Nebel des Grauens

Byword bietet mir nichts außer der Tastatur und einer grauenhaften hellgrauen Fläche zum Schreiben. Nichts lenkt mich ab außer dem Gedanken an das Grauen. The Fog – Nebel des Grauens – erwartet mich.

Es der 31. Oktober. Es ist Halloween – Die Nacht des Grauens steht bevor.

Nachtrag

Der Nebel hat sich zurückgezogen. Vorläufig. Wer weiß, was mich heute abend erwartet…

304/365 Auf dem Rückzug: The Fog - Nebel des Grauens

Wie die Spinne im Netz

Seit längerem beschäftige ich mich mit Produktivität im Büro, im Team, als Person. Die “Productivity-Bewegung” hat in den letzten Jahren eine Vielzahl von Blogs, Ratgebern und Evangelisten hervorgebracht – die äußerst produktiv sind. Aber so einfach ist das mit der Produktivität nicht.

Ratschläge dazu, wie man produktiv sein kann und soll, gibt es in diesen Artikeln, Büchern, Magazinen zuhauf (beispielsweise dem Productive! Magazine). Sehr schnell wurde auch den produktivsten Protagonisten klar, dass es nicht nur um Produktivität im Sinne von Effizienz geht, also das Maximieren des Outputs bei gegebenem Input. Sondern es ist nicht nur wichtig wieviel sondern auch was man produziert. Das Richtige zu tun oder zu lassen bestimmt letztendlich mehr über die Produktivität als die Menge.

Also fühle ich mich gestärkt wie eine Spinne im Netz sitzend und verharrend. Überlegend. Sinnierend. Was packe ich an, um was kümmere ich mich, was tue ich wofür. Alles ganz einfach. Nein, das ist es eben nicht. Ich versuche, die Spinne zu sein, jeden Tag. Aber es gibt so viel Ablenkung und so viel Versuchung.

Beispielsweise die Versuchung, einfach etwas zu produzieren und sich in der Produktion dabei zu verlieren. Schreiben um des Schreibens willen. Wow, 5.000 Zeichen hat der Artikel schon! Wow, 20 Aufgaben habe ich für heute schon aus meiner ToDo-Liste abgehakt. Schwups, schon wieder bin ich in der Produktivitätsfalle. Mehr, mehr, mehr! Schneller, schneller, schneller! Weiter, weiter, weiter!

Aber irgendwie glaube ich nicht, dass die Spinne sich um jede Fliege, die in der Nähe rumfliegt, kümmert. Sie muss erst einmal ihr Netz bauen. Dann kommt ein heftiger Windstoß, oder ein blöder Mensch kommt dagegen, verklebt sich. Schon ist das Netz beschädigt. Außerdem ist es wahrscheinlich nicht so sehr wichtig, wie groß das Netz ist, sondern wo das Netz geknüpft ist. Es sollte nicht zu heftigen Winden ausgesetzt sein. In der Nähe sollten nicht zu viele Netze von anderen Spinnen sein. Und dann muss die Spinne geduldig sein. Und dann…

Irgendwie fühle ich mich wie so eine Spinne, die ihr Netz knüpft. Eigentlich sogar mehrere Netze für mehrere Sphären. Zu diesen Sphären gehören Geschäftsfelder wie Social Business aber auch persönliche Sphären wie Bekanntschaften außerhalb diese Netzes namens Internet (oder auch innerhalb oder auch sowohl als auch). Die Netze lassen sich oft gar nicht mehr so richtig auseinanderhalten.

Und ständig muss ich entscheiden, wo ich welche Netze wie baue. Und wie lange ich darauf hoffe, dass sich etwas/jemand darin verfängt. Eigentlich ist das ja ganz einfach, sich in den Produktivitätsmodus zu begeben:

  1. Think Thrive, Not Just Survive
  2. Invest More, Not Less
  3. Be a Realistic Optimist
  4. Don’t Toil In Isolation; Reach Out
  5. Think “I Can Do It,” Not “I Must.”

( Jan Bruce auf Forbes: 5 Productivity Hacks (Or, How To Stop Hating Work) )

Produktivtät hat also auch sehr viel mit der inneren Einstellung zu tun. Aber die Ablenkungen sind groß, die tradierte Erwartungshaltung projeziert sich wie von selbst auf die innere Haltung: “Schreib viel, baue größere Netze, baue mehr Netze!”

So funktioniert unsere tayloristische Gesellschaft nun einmal. Nur so manchmal sagt die Spinne im Netz: “Ich glaube, das reicht jetzt. So ist es gut.”

Und deswegen höre ich jetzt auf bei rund 3.500 Zeichen.

P.S.: Nicht, dass ich Euch als Fliegen betrachte, die in meinem Netz… 😀

Meine Rezepte für Produktivität

Produktivität wird GROß geschrieben, SEHR GROß. Selbstverständlich in der Industriegesellschaft, in der Dienstleistungsgesellschaft und jetzt auch in der Informations- und Kreativgesellschaft. Doch was bedeutet Produktivität und wie werde ich produktiv?

Produktivität ist für mich nicht nur, bei gegebenem Input (bei mir als Selbsständigem im wesentlichen Zeit) den Output quantitativ zu dessen. Es geht auch darum, das Richtige zu produzieren. In einer tayloristischen Welt ist das gar nicht schwer: Der Prozess, der Input und der Output stehen fest. Es geht nur noch um die Menge des Outputs.

Doch in unserer Informations- und Kreativgesellschaft geht es zusehens darum, etwas Anderes oder etwas komplett Neues zu schaffen. Wie viel davon dann produziert wird, ist nicht mehr sooo relevant, wie das früher noch der Fall war. Selbst beim Buchdruck gibt es inzwischen die Möglichkeit, sich ein Buch „On Demand“ drucken zu lassen. Ganz einfach, weil die Produktionsmöglichkeiten dermaßen flexibel wurden, dass die Fixkosten oder Gemeinkosten oft eine nur geringe Rolle spielen.

Und bei einem PR-Konzept, einem Konzept für die Einführung einer Social Software? Wieviele DIN A4-Seiten sollen es denn sein?

Oder soll das Konzept nicht viel sondern richtig und gut sein? Was ist gut? Das, was der Auftraggeber erwartet, oder das, was ich ihm am liebsten verkaufen will?

Auf jeden Fall geht es darum, dass sich in der neuen Gesellschaft, der Quartärgesellschaft (in Anlehnung an den Quartärssektor in der Wirtschaft), die Produktion von einer Routinetätigkeit hin zu einer kreativen Tätigkeit entwickelt. Immer mehr Wissensarbeiter (Peter Drucker lässt grüßen…) gibt es in der Wirtschaft und in der Gesellschaft.

Der Mensch lebt nicht nur von der Routine allein. Doch wie werde ich als Wissensarbeiter produktiv?

Für mich sind das meine Rezepte zur Produktivität:

  • Fokus Ich konzentriere mich auf meine Tätigkeit. Ich kann nicht nebenbei etwas „erzeugen“ während ich nebenbei noch meine Mails checke oder im Multitasking zwischen Hausarbeit, Telefonieren, Social Media wechsle.
  • Isolation: Dazu isoliere ich mich. Alle Benachrichtigungen aus. Kein Twitter, kein „Email-Pling“, kein Telefonanruf. Wenn ich im Büro sitze und an etwas fokussiert und konzentriert arbeiten will, dann schließe ich die Tür.
  • Pausen: Ich gestehe, dass ich viel zu selten Pausen einhalte. Wenn ich im Flow bin, dann kenne ich nur wenige zeitliche Grenzen. Andererseits nutze ich die Pomodoro-Technik inzwischen, um meine Arbeits- und Pausenphasen zu steuern. Die klassischen 25 Minuten sind mir zu kurz, ich stelle meinen Timer auf zwischen 35 und 45 Minuten. Mittags versuche ich eine längere Pause einzuhalten.
  • Schlaf: Ich merke schnell, wenn ich mehrere Tage hintereinander spät ins Bett gegangen und früh aufgestanden bin.
  • Joggen, Spazieren gehen, Rumsitzen und Duschen: Das brauche ich zum Abschalten und Träumen. Da kommen mir die besten Ideen zu Themen, an denen ich arbeite.
  • Lesen: Lesen, lesen, lesen. Gerne auch Querbeet. Mein RSS-Reader, Flipboard, Twitter, Facebook und Co. liefern mir viele Ideen.
  • Musik: Seltsamerweise höre ich selbst beim konzentrierten Arbeiten gerne Musik. Ich kann beispielsweise elektronische Harfenmusik von Andreas Vollenweider sehr gut hören beim Schreiben eines Konzeptes oder eines Artikels. Hardrock dagegen…
  • Regelmäßig und vernünftig essen: Okay, das klappt nicht immer. Gerade seit etwa zwei Monaten habe ich unregelmäßig gegessen. Allerdings helfen mir Rituale und Planungen auch dabei, so dass ich immer mein Müsli-Erinnerung bekomme.

Wie schafft Ihr es, produktiv zu sein?

Nachtrag (22.08.2014): Kaffee habe ich vergessen 🙁

Mehr zum Lesen:

Der Feind in meinem Bett: Schlummern

Es gibt Leute, die stellen ihren Wecker eine halbe Stunde oder noch mehr vor ihrer Aufwachzeit, weil sie einfach mehr Zeit brauchen zum Wachwerden. Ich kenne da jemanden…

Es gibt Leute, die stellen ihren Wecker eine halbe Stunde früher oder eine ganze Stunde früher als sie eigentlich bräuchten. Wenn er dann das erste Mal summt, rappelt oder schrillt, dann wird alle paar Minuten auf die Schlummertaste gedrückt.

Ich habe so gut wie nie geschlummert (außer ganz bewusst mal z.B. am Wochenende). Das liegt vielleicht an meiner Jugend, wo ich mit dem Zug in die Schule musste und mir die Zeit viel zu kostbar war, um den Wecker eine halbe Stunde vorzustellen. In der Bundeswehrzeit war da auch nichts mit “einfach mal umdrehen”, vor allem weil ich auch nachts zu Kontrollen rausmusste. Eine halbe Stunde oder mehr weniger Schlaf war einfach zu wenig Schlaf.

Und irgendwie habe ich das später beibehalten. Letzten Monat hat sich ein Schlummern mal eingeschlichen, weil ich keinen Wecker mehr gestellt hatte und mit meiner Frau aufstand… oder doch etwas später. So als Selbstständiger ist das eine Versuchung. Doch ich bemerkte dann, wie sich das Schlummern ohne Schlummertaste immer mehr einschliff.

Also stelle ich mir wieder den Wecker. Wenn er summt, stehe ich auf. Punkt.

Wenn ich unterwegs bin und im Hotel übernachte, dann stelle ich mir ebenfalls den “Wecker” pünktlich. Pünktlich bedeutet für mich, dass ich rückrechne von dem Zeitpunkt an, zu dem ich aus dem Zimmer muss (bzw. irgendwo anders sein muss). Duschen, Zähne putzen, anziehen, meine “Productivity-Morgenroutine” (Aufgabenmänätschmänt, Nachrichten), Telefonieren mit der allerbesten aller Ehefrauen, Reserve.

Damit ich den “Wecker” (also das Smartphone und/oder das iPad) nicht überhöre und nicht doch in Versuchung gerade, wähle ich einen fürchterlichen Weckton aus. Möglichst laut und schrill. Es soll Leute geben, die das ganz fürchterlich finden. Ich finde das wunderbar, wenn der Wecker losschrillt (na ja…). Und wenn ich eben woanders bin und/oder auf gar keinen Fall verschlafen darf, dann stelle ich den Wecker weit außerhalb meiner Reichweite hin. Auf dass ich auf gar keinen Fall in Versuchung gerate, den Wecker (oder das Smartphone) ganz auszuschalten. So weit weg, dass ich auf jeden Fall aufstehen muss.

So bekämpfe ich den Feind in meinem Bett. Denn dieser Feind “Schlummern” in meinem Bett klaut mir wache Minuten oder Schlafminuten – so oder so, auf beides will ich nicht verzichten.

Roulette gelesenes: Genug geschlummert (SR173)

Arbeiten – Swim at your own Risk

Früher, da war alles einfach. Zur Arbeit pendeln, um neun Uhr anfangen, um siebzehn Uhr aufhören, nach Hause pendeln. Der Boss sagte, wo es lang ging und was bis wann zu arbeiten war. Feierabend, Wochenende und Urlaub waren privat. In der Bank hatte man Anzug zu tragen, im Büro mindestens Stoffhose und Hemd. Der Schreibtisch war das Arbeitszuhause.

Heute ist die Welt kompliziert. Zu Hause arbeiten, Home Office, unterwegs arbeiten, im Urlaub klingelt der Boss mit dem Telefon und schickt der Kunde Emails, ich muss selbst über die nächste Arbeitstätigkeit entscheiden. Schlafanzug, Bademantel, Jogging-Anzug. Wo, wann und wie ich arbeite, entscheide ich.

Zwei Extreme; die Realität liegt heutzutage für viele irgendwo dazwischen. Doch die Freiheiten, die nicht jeder möchte, nehmen zu. Viele Arbeiter wollen gar nicht anders als in dem alten Modell zu arbeiten. Andere wollen das Extrem im Bademantel mittags zwischen Schnitzel und Kaffee.

Immer mehr Arbeiter sind Wissensarbeiter, auch wenn sie es selbst vielleicht gar nicht wissen. Als Angestellter, als selbstständiger Handwerker, als Berater, als Arbeiter am Fließband. Heutzutage ändert sich die Umwelt für Unternehmen und für Arbeiter oft so schnell, dass nur eines bleibt: Schnell Wissen aneignen und generieren für das Unternehmen und das eigene persönliche (Karriere)Wohl. Der Heizungsmonteur rennt bei meiner Mutter im Keller mit dem Smartphone herum auf der Suche nach Wissen über die richtigen Teile und die richtige Montage. Das Wissen wird dann gleich noch an die Kollegen weitergegeben. Unterwegs arbeiten. Ich sitze auf der Terrasse und schreibe ein Konzept für einen Kunden. Zu Hause arbeiten. Im Zug noch schnell eine Email schreiben und den Kunden mit wichtigen Informationen versorgen – die Informationen liegen zu Hause auf dem eigenen Server, im Netz, im Speicher des Tablets oder im Kopf anderer Menschen.

Die Welt ist im Wandel und die Versuchung ist groß. Mal schnell zur Abkühlung in die Fluten stürzen und die Sonne genießen. Der Absturz kommt schnell – sei es in der Badehose, im Bademantel, im Schlafanzug. Die eigene Entscheidung über Ort, Zeit und Umstände des Arbeitens bedeutet auch eigenes Risiko darüber, was funktioniert und was nicht. Ich beispielsweise weiß, dass nichts versuchender und verdammenswerter ist als morgens einen Kaffee reinzuziehen und dann im Schlafanzug am Esstisch mit der Arbeit anzufangen. Die eigene Kleidung und die Umgebung suggerieren mir, dass es ja nicht so ernst ist mit dem Arbeiten. Also nach dem Prüfen der Emails werde ich sofort… ein Link zieht mich zu Facebook, der nächste auf Twitter, danach kommt ein lustiges Video auf YouTube. Zwei Stunden später hänge ich weinend über dem fünften Kaffee und beklage mich, dass ich so viel zu arbeiten habe.

Der Schlafanzug und der Bademantel sind Signale für den eigenen Kopf, dass keine Arbeitszeit ist. Gleichzeitig dient jede Ablenkung dazu, diese Ansicht noch weiter zu bestätigen. Die Ehefrau nimmt mich sowieso nicht ernst, wenn ich im Schlafanzug ernsthaft arbeite(n will – und ob sie mich ansonsten generell ernst nimmt… das ist eine anderes Thema). Munter bespricht sie bereits den Ausflug am Wochenende während ich doch eigentlich diesen wichtigen Artikel für den Kunden… und das auf Termin in einer Stunde.

Für mich funktioniert es viel besser, wenn ich morgens aufstehe, mich im Bad fertig mache, ich danach frühstücke, ich am Esstisch vielleicht noch meinen Tag plane und ich dann ins Büro zehn Meter weiter gehe. Angezogen mit Hose und Hemd. Kein Jogging-Anzug aber auch kein Business-Anzug. Legere Bürokleidung, vielleicht etwas lockerer als im Büro in einem Unternehmen. Musik wähle ich gezielt nach meiner Tätigkeit aus. Je konzentrierter ich arbeite, um so ruhiger und leiser die Musik. Jetzt beispielsweise dudeln die Eagles leise im Hintergrund. Bei einem Konzept oder der Vorbereitung einer Präsentation ist die Musik aus. Instant Messaging wie Skype oder Lync sind ebenfalls aus oder auf “Beschäftigt” gesetzt. Benachrichtigungen und Ton sämtlicher Rechner wie PC, Macbook und Smartphone sind aus. “Schatz, ich gehe jetzt arbeiten im Büro” und die Türe schließen bedeutet für meine Frau, dass ich arbeite und nicht gestört werden will. Jede noch so willkommene Störung reißt mich für ein paar Minuten aus der Konzentration. Auf der Terrasse wagt sie es hingegen durchaus, mich anzusprechen.

Es gibt auch die lockere Büroumgebung: Auf der Terrasse, im Park nebenan, im Café in der Stadt. Aber diese Freiheit nehme ich mir nur, wenn die Arbeit dazu passt. Ein paar Emails checken, RSS-Feeds stöbern, Facebook oder Twitter durchstreifen, mit Zite oder Flipboard vermeintliche oder wichtige Nachrichten gewinnen, Themen recherchieren, das Netz durchstreifen. Das geht dann. Doch bereits das Durchlesen längerer Artikel verschiebe ich auf eine ruhigere Umgebung, dann arbeite ich beispielsweise die Inhalte in meiner Pocket-Leseliste durch. Doch manchmal fällt mir die Decke auf den Kopf. Email, Social Media, Instant Messaging und Voice over IP können das Schwatzen und Austauschen mit anderen nicht ersetzen. Manchmal muss ich einfach nur raus. Manchmal auch, weil unser Kater @HerrIdefix meine Signale ignoriert und die Tastatur belegt.

Signale setzen für mich und andere sowie Fokussieren sind für mich die zwei wesentlichen Faktoren, mit denen ich es recht gut schaffe als Selbstständiger meine Arbeit, meine Umgebung und vor allem mich zu kontrollieren. Und doch stelle ich immer einmal wieder fest: “Widerstand ist zwecklos, Du hast keine Kontrolle über das Biest, das Du selbst freigelassen hast!” Aber ich versuche es, immer wieder. Es ist ein ständiger Kampf. Meistens bin ich erfolgreich und ringe das Biest nieder. Zur Belohnung gönne ich mir eine Runde Facebook.

Swim at your own risk

Die Freiheit im Bademantel ist nahezu grenzenlos. Aber es gibt keinen Life Guard, keinen Wächter, der mich aus dem Strudel oder aus dem Bademantel zieht. Es sind meine Verantwortung und meine Entscheidung, wie ich mit der Freiheit umgehe. Egal ob ich selbstständig oder angestellt zu Hause oder unterwegs arbeite – niemand schaut mir jede Minute über die Schulter und stürmt notfalls ins Wasser, um mich zu retten. Swim at your own Risk.

Die wunderbare Welt des Monotaskings

Multitasking ist immer noch bei vielen “in”. Viele Aufgaben quasi gleichzeitig erledigen, das ermöglicht mehr in weniger Zeit zu tun. Doch tatsächlich verbraucht die “Task Switching Time” die vermeintlich mehr gewonnene Zeit mehr als auf.

Früher, da gab es DOS. DOS war einfach. DOS war gut. Dann gab es Windows. Das war besser, weil es mehr Fenster gab und man mit der Maus so richtig schnell hin und her schubsen konnte. Doch eigentlich war DOS besser. Denn das Hin- und Herschubsen kostete Zeit. Nicht nur das Greifen mit und nach der Maus. Auch das gedankliche Weglegen der einen und das Greifen nach der anderen Aufgabe. Daran hat sich nichts geändert. Das Weg- oder Rüberschalten selbst kostet auch Zeit.

In meinem Studium lernte ich, dass es dieses Multitasking gab. Das konnten damals nur die Großrechner. Sogar für mehrere Benutzer gleichzeitig. Später konnten es auch die PCs, die Personal Computer. Angeblich, denn ich lernte dann auch, dass die Prozessoren heftig damit beschäftigt waren, die Verteilung der Prioritäten und der Zeiten festzulegen und zu verwalten. Und vor allem war ich damit beschäftigt, ständig zwischen den schönen bunten Fenstern ständig hin und her zu schalten. Da die Email. Da das Forum. Okay, das waren bei mir dann Foren in CompuServe. Also eigentlich gar nicht wirklich geeignet für Multitasking. So schnell waren die Verbindungen und das Rechenzentrum in Columbus einfach nicht.

Apropo einfach. Am Anfang war das noch einfach. Es gab noch nicht viele Aufgaben, die ich parallel bearbeiten konnte. Also nicht, dass ich das nicht gekonnt hätte. Aber es gab einfach noch nicht so viele Programme, die eine Aufmerksamkeit von mir verlangten. Angefangen hat es mit diesen Intranets. Novell mit seinen File Shares war das Intranet so vieler Unternehmen. Die hatten auch das DR DOS übernommen. Novell NetWare war der Hammer. Bis Microsoft aus seinen Einzelrechnerklammern entwuchs.

So richtig Multitasking wurde es dann mit dem bösen Internet. Microsoft hat es verschlafen, davon hat es sich nie wirklich erholt. Damit kam vor allem dieses Email in die Unternehmen. Mit Outlook hat Microsoft lange Zeit noch mitgespielt. Aber dann. Nachrichten Websites. “Richtige” Foren. Tausende Websites. Hunderttausende. Immer mehr. Microsoft dachte, der Internet Explorer wäre das Internet. Noch mehr Multitasking durch ICQ, IRC und was auch immer. Blogs. RSS. Und jetzt wird das immer schlimmer durch dieses Social Business mit Social Intranet und Social Collaboration. “Mir reichen die Hunderte Emails pro Tag schon! Was soll ich denn noch alles machen?!”

Die Gegenbewegung nennt sich “Productivity” oder “Focus”. Es geht darum, dass das menschliche Gehirn nicht wirklich multitasken kann. Eins nach dem Anderen. So wie der Mensch isst. Einen Kloß nach dem anderen. Bei zweien, spätestens dreien verschluckt er sich. Er muss die Klöße zum Kauen ständig rumpacken, erst in die eine, dann in die andere Backe. Dazwischen kurz drauf rumkauen. Nächster Kloß.

Vor lauter Multitasking weiß ich nicht mehr, ob sich “isst” noch mit eszet oder schon mit… also mit Doppel-S schreibt (Die Schere im Kopf hat zugeschlagen. SS sagt und schreibt man einfach nicht).

Studien, Berichte, Artikel. Unzählige Indizien und Beweise dafür, dass der Mensch beim Multitasken ineffizient ist. Und ich behaupte: Er tendiert dadurch (durchs Multitasken) auch zur Ineffiktivität. Denn er oder sie konzentriert sich aufs Umschalten und aufs möglichst schnelle Erledigen von Aufgaben. Auf’s schnelle Abarbeiten derselbigen. Ob das dann die richtigen sind…

Ich aber habe dem Multitasking abgeschworen. Ich mache zur selben Zeit immer nur eine Sache. Die richtige. Hochkonzentriert monotaske ich hocheffizient und ohne jede Ablenkung. Ich teile mir meine Zeitscheiben auf am Morgen. Ich trage Termine in meinen Kalender ein und bin knallhart. Wenn da steht “Von 10 bis 11 Uhr einen Artikel im Blog schreiben” dann tue ich das. Sonst aber nichts. Gnadenlos schotte ich mich ab und tue genau eine Sache. Ich bin gut darin.

Soweit die Theorie. Blöd ist nur das mit den Schnittstellen. Der Mensch hat ein paar Schnittstellen. Die sieben Sinne auf jeden Fall. Das Internet dürfte dann der Achte sein. Die Katze beschwert sich, sie habe noch kein Futter gehabt seit der letzten Fütterung um 8 Uhr. Es ist 8:30 Uhr. Es sind sogar zwei Katzen, die sich lautstark beschweren. Das Gehör lässt sich nicht abschalten. Die Tür sich schließen schon. Ist Kaffeedurst ein menschlicher Sinn? Zumindest zwingt er mich, die Tür zu öffnen auf dem Weg zum Kaffeeautomaten. Das Auge… sieht die Katzen, das Ohr setzt seine Tätigkeit des Hörens fort. Der Kaffeeduft… fantastisch.

PLING!

Ich habe vergessen, die Benachrichtigung auszuschalten. Ich finde den Aus-Schalter nicht. Kein Wunder, ist es doch nicht irgendein Programm des Windows-Rechners (das Synonym für menschliches Pseudo-Multitasking) sondern das eines des Macbooks… oder vielleicht doch des iPads? Oder des… Da ein Programm, dort noch eines, dort noch der Browser. Email, Instant Messaging, Benachrichtigung durch das Task Management. Doch nicht nur, dass die Anzahl der Schnittstellen zugenommen hat, auch die “Schnittstellen-Hubs” aka (also known as) Devices werden immer mehr. Ich wünschte, ich könnte alle Benachrichtigungen über alle Devices aka Geräte hinweg gleichschalten und vor allem ausschalten. Den Windowsrechner auszuschalten ist einfach. Ton auf aus. Monotasking an. Das iPad habe ich vergessen. Das Smartphone auf dem Sideboard auch. Ständig springe ich von Hub zu Hub auf der Jagd nach dem heiligen Gral des Monotaskings.

Es gibt da so wundervolle Programme für den Mac und für Windows, um dieses Internet zu kappen. Zwecklos und vor allem mit großem zusätzlichem Tasking verbunden, wenn es mehrere dieser Hubs aka Devices gibt. Und selbst wenn: Ich brauche dieses Internet für die Recherche für das Konzept, für die Präsentation oder einfach nur, um meiner Freundin aka Frau aka @diemanuela ein lustiges Video von YouTube zu schicken. Das lässt sich nicht vermeiden. Könnte doch auf YouTube auch das geniale Video für meine Präsentation liegen. Ich kann YouP… YouTube einfach nicht abschalten. Das Risiko ist zu groß.

Die Hubs, die Schnittstellen und die “Kanäle” lassen sich nicht mehr einfach blockieren. Email ist nicht nur genau für dies und YouTube genau für das da. Sich selbst zu kasteien und alles abzuschalten ist zur undenkbaren Option geworden. Die Umwelt ist zu unserem Betriebssystem geworden. Wir können sie nicht abschalten, ohne uns selbst auszuschalten.

Die Geister, die ich rief…

Wir sind in einer wunderbaren vernetzten Welt, die es uns unmöglich macht, Ruhe und Konzentration zu finden. In meiner Auszeit im Frühjahr 2011 war mir das noch irgendwie gelungen. Jetzt fürchte ich um mein Monotasking.

Doch eigentlich ich fürchte nicht um mein Monotasking sondern um meinen Willen. Das Aufhören mit dem Rauchen war einfach. Am 8. August 2000 hörte ich einfach auf. Ganz oder gar nicht. Von bis zu zwei Päckchen auf null. Das war eine für mich einfache Frage des Willens. Aber nur mal gelegentlich eine Fluppe… das konnte ich nicht. Da habe ich lieber damit aufgehört, das war einfacher.

Die Umwelt kann ich nicht so einfach abschalten. Wir Menschen definieren uns durch unsere Umwelt. Doch diese Umwelt ist nicht einfach, sie ist vielfach mehrfach. Sie zwingt uns ihren Willen zum Multitasking auf. Dagegen können wir nur mit einem starken Willen halten. Werkzeuge, Tools für vermeintliche Freiheit von unserer Umwelt sind sinnlos. Die Umwelt sind wir. Widerstand ist zwecklos.

Doch unser Wille ist alles, was uns bleibt. Wir müssen uns konzentrieren. Dafür brauchen wir unseren Willen. Doch wenn wir uns auf unseren Willen konzentrieren, können wir außer unseren Willen noch etwas anderes dulden, können wir noch etwas andereres tun? Wir müssen lernen, mit unseren Geistern umzugehen.

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