Das Star Trek Universum stirbt!

Star Trek Beyond (Trailer-Screenshot)

Seit CBS und Paramount Ende letzten Jahres ein Gerichtsverfahren gegen die Fanfilm-Produktion Axanar (Google Suche) starteten, geht die Angst um bei vielen „Star Trek Fan“-Produktionen und bei Fans.

CBS hat die Fernsehrechte für Star Trek, und Paramount hat die Filmrechte für Star Trek. Jahrzehntelang duldeten CBS und Paramount die Fanproduktionen. Eine unausgesprochene Regel, auch aufgrund von inoffiziellen Quellen bei CBS und Paramount, lautete:

Solange Ihr keinen Profit macht, dulden wir Euch.

In den letzten Jahren stiegen Qualität und Anzahl der Fanproduktionen sowohl von Serien als auch von Filmen stetig an, nicht zuletzt aufgrund der technischen Entwicklung. Ein Meilenstein war der zwanzigminütige „Vorfilm“ Prelude to Axanar. Er sorgte für die Anschubfinanzierung auf Kickstarter. 100.000 Dollar, das Herzblut von vielen Star Trek Fans und von Leuten, die in der Film- und/oder „Star Trek“-Branche bereits gearbeitet hatten (darunter auch bekannte Schauspieler), sorgten für eine fulminante Dokumentation des vierjährigen Kriegs, der vor der Zeit der Originalserie stattfand und der nachfolgend mit Axanar verfilmt werden soll. Die „Schlacht von Axanar“ wird in der Original Serie („Raumschiff Enterprise“ in Deutschland) lediglich kurz erwähnt, aber die Verfilmung soll den kompletten Krieg zwischen Föderation und Klingonen aufzeigen – inklusive der Endschlacht von Axanar.

Fanfilme starten durch

Die Kickstarter-Kampagne für Axanar sammelte anstelle der anvisierten 100.000 Dollar insgesamt über 600.000 Dollar ein. Axanar war und ist ein herausragendes Beispiel für viele „Star Trek“-Fanproduktionen. Alle wurden qualitativ besser. Viele wurden so lang wie ein Spielfilm. Und manche wie „Star Trek Continues“ (Facebook) entwickelten sich zu kontinuierlichen, hochqualitativen Web-Serien:

Starring Vic Mignogna, Todd Haberkorn, Chuck Huber, Chris Doohan, Grant Imahara, Kim Stinger, Wyatt Lenhart and Michele Specht

Die Fanproduzenten von Axanar, die das Projekt vorantrieben, hatten Axanar Productions gegründet, um die steigenden Aufwände besser zu koordinieren, und auch um angeschaffte oder angemietete Ressourcen wie die Filmhalle unterzuvermieten,
um das Geld wieder in die Produktion fließen zu lassen. Die Schauspieler arbeiten für wenig Geld, viel weniger als sie für eine professionelle Produktion erhielten. Der „Kopf“ dahinter ist Alec Peters, der selbst seit Jahrzehnten Star Trek Fan ist und bei Filmproduktionen mitarbeitete. Manche stören sich daran, dass er und ein paar wenige Andere eine Aufwandsvergütung bekamen. Ich nicht. Soweit ich mich erinnere, erhielt Peters 2015 eine Aufwandsvergütung von etwa 20.000 oder 30.000 Dollar, während er Vollzeit für das Projekt arbeitete.

Axanar ist ein Symptom und nicht die Wurzel. Alle Fanfilme und -serien wurden besser und aufwändiger.

CBS und Paramount drehen durch

Doch gerade angesichts des Erfolgs von Axanar und dem 50-Jahre-Jubiläum von Star Trek sowie „Star Trek Beyond“ und dem Start einer kommenden neuen „Star Trek“-Serie von CBS traten CBS und Paramount mehr als kräftig auf die Bremse und verklagten Axanar Productions. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob J.J. Abrams (Regisseur u.a. von „Star Trek“ (2009) und „Star Trek Into Darkness“ (2012)) und Justin Lin (Regisseur u.a. von „Star Trek Beyond“ (2016)) CBS und Paramount von ihrer Klage hätten abbringen können („JJ Abrams Announces that Paramount to Drop Lawsuit!„). Doch das Verfahren geht weiter, und der Beginn des Gerichtsverfahren ist am 31. Januar 2017 („Axanar Productions’ Motion to Dismiss Denied„).

Im Juni veröffentlichten CBS und Paramount auf der Star Trek Website Star Trek Fan Film Guidelines, welche letztendlich fast alle Fanproduktionen zum Erliegen bringen dürften. Neben berechtigten Einschränkungen aus Markensicht gibt es nämlich insbesondere diese Punkte, die dafür sorgen werden:

  • Eine Fanproduktion darf nur kürzer als 15 Minuten sein für eine Story, oder insgesamt 30 Minuten für zwei Teile.
  • Keine weiteren Fortsetzungen, Episoden, Remakes.
  • Der Inhalt der Produktion darf keine Wiederholung oder Adaption einer „Star Trek“-Produktion oder eines -Clips sein.
  • Wenn eine Fanproduktion Uniformen oder Zubehöre verwendet, die kommerziell verfügbar sind, dann müssen sie auch offiziell gekauft werden und dürfen sie nicht selbst hergestellt (beispielsweise geschneidert) werden.
  • Alle Beteiligten müssen Amateure sein.
  • Die Beteiligten dürfen keine Entschädigung für ihre Teilnahme erhalten.
  • Keiner der Beiteiligten darf früher oder gegenwärtig ein Beschäftigter, Angestellter oder Beauftragter („currently or previously employed„) irgendeiner Star Trek Produktion sein.
  • Die Finanzierung darf 50.000 Dollar nicht überschreiten (z.B. Kickstarter, Indiegogo, Spende).
  • Für das Betrachten der Fanproduktion darf kein Geld bezahlt werden.
  • Die Fanproduktion darf nicht physisch verteilt werden (z.B. DVD, Blue Ray).

Diese von CBS und Paramount so gepriesenen Fan Film Guidelines brechen den Fanproduktionen das Genick. Nie dürften Schauspieler wie Tim Russ (Comander Tuvok), Nichelle Nicols (Nyota Uhura) oder Walter Koenig (Pavel Chekov) eine Rolle spielen, noch nicht einmal in einem kurzen Chameo-Auftritt. Auch ein Schauspieler, der noch nie etwas mit Star Trek zu tun hatte, dürfte – weil er Profi ist – nicht mitmachen. Ein professioneller Komponist, der beispielsweise den Score für Horror-Filme oder Thriller schreibt, aber noch nie mit Star Trek zu tun hatte, dürfte nicht mitmachen. Jemand, der an 10 Drehtagen als Komparse mitmacht, dürfte noch nicht einmal 50 Dollar als Entschädigung bekommen.

Die Folgen

Die Zukunft der Fanproduktionen ist ungewiss. Laufende Produktionen dürfen fertig gestellt werden. Viele überlegen noch, wie es dann weitergeht. Viele werden eingestellt. Manche wollen versuchen, ihren nächsten Film unter Berücksichtigung der Fan Film Guidelines zu erstellen. Doch viele Fanproduktionen werden eingestellt.

Das Star Trek Universum stirbt (Star Trek New Voyages)
Das Star Trek Universum stirbt (Website von Star Trek New Voyages)

Einer der großen Fans, James Cawley, hat jahrelang Fortsetzungen der Originalserie mit eigener Handlung produziert und dazu ein eigenes Filmset kreiert. Aus der Serie „Star Trek New Voyages“ wurde plötzlich Star Trek Original Series Set Tour – lizensiert von CBS und Paramount. Die Serie selbst ist eingestellt. Die Website von Star Trek New Voyages zeigt seit einiger Zeit eine Meldung, die mit ihrem schwarzen Hintergrund das Ende der Fanproduktion symbolisiert.

Noch stellt Star Trek Continues die aktuell produzierte Episode 7 fertig. Viele Schauspieler der Originalserie wie Michael Forest als Apollo hatten in der Serie Gast- oder sogar Hauptrollen. Die Rolle des Ingenieurs „Scotty“ spielt interessanter Chris Doohan, der Sohn des Schauspielers James Doohan aus der Originalserie. Doch die Zukunft der Serie ist ungewiss.

(Direktlink Star Trek Continues E06 “Come Not Between the Dragons”)

Eine gute Übersicht zu Fanproduktionen, Axanar und die Klage bietet dieses 11-minütiges Video (kompletter Text auf Reason.com).

Das Star Trek Universum stirbt

Es sind die Fanproduktionen, die das ursprüngliche Star Trek Universum hatten weiterleben lassen. Jahrelang, seit Einstellung von „Star Trek: Enterprise“, warteten die Fans auf weitere Folgen – als Film oder als Serie. Bereits mit der Serie Star Trek Enterprise waren viele unzufrieden, weil sie sich gegen Ende von dem Original-Handlungsstrang entfernte. Mit der Produktion von „Star Trek“ (2009) wurde ein ganzes Paralleluniversum eingeführt, in dem es Fakten und Handlungen gab, die dem Originaluniversum widersprachen, und die – aus Sicht des originalen Spock – logisch falsch waren. CBS und Paramount lassen das alte Star Trek Universum sterben, jedes Jahr ein Stück mehr. Und dann wundern sie sich, dass die Star Trek Fans nach Fanproduktionen gierten, welche die Gene-Roddenberry-Welt weiterleben lassen.

Als junger Jugendlicher habe ich den Samstagen entgegengefiebert, an denen es am frühen Abend die Originalserie gab („Star Trek: TOS“ – The Original Series). Ich brauchte etwas, bis ich mich an „Star Trek: TNG“ (The Next Generation) gewöhnte. Auch beim ersten Kinofilm zögerte ich etwas, über ihn zu urteilen. Und dann begann ich ihn zu lieben. So wie alle nachfolgenden Serien und Filme. Zunächst.

Weil ich das Star Trek Universum liebe. Weil es eine positive und nachdenkliche Sichtweise in sich trägt. Ich bewundere die Leute, die viel ihrer Zeit, ihrer Kraft und auch manchmal ihres Lebens in die „Star Trek“-Fanproduktionen einbrachten und (noch) einbringen.

Star Trek Beyond (Trailer-Screenshot)
Star Trek Beyond (Trailer-Screenshot)

CBS und Paramount entschlossen sich für einen neuen Umgang mit Star Trek und jetzt mit Fan-Filmen. Und ich mag überhaupt nicht, dass sie „The Dark Side“ wählten. Die bisherigen neuen „Star Trek“-Filme gefielen mir bei allem grundsätzlichen Unbehagen einigermaßen. Aber auch schon da empfand ich oft, dass es nur um Action, Show und Gags ging. Und dann sah ich die Trailer von „Star Trek Beyond“. Und ich fühlte dabei überhaupt nichts von Star Trek.

Ich sehe (ohne den Film selbst gesehen zu haben) ein Rapid-Action-Science-Fiction-Drama-Irgendwas aus irgendeinem Marvel Universum, in dem die Schauspieler zufällig Uniformen anhaben, die Star Trek Uniformen ähneln. Es fühlt sich einfach nicht mehr nach Star Trek an. Zumindest nicht nach dem Star Trek, das ich liebe. Es ist halt Irgendetwas wie all die anderen Rapid-Action-Irgendwas-Dramas (oder steht Action am Schluss?).

Dieselbe Action, derselbe Plot, dasselbe Nichts.

Technisch sehr, sehr gut gemacht, die Schauspielerleistungen sind sicherlich sehr gut. Vielen, gerade jüngeren Leuten wird dieses Irgendetwas gefallen, aber … es ist nicht mein Star Trek.

Das Star Trek Universum stirbt.

Renegages: The Series

Und während das Star Trek Universium stirbt, während CBS und Paramount ein anderes teures und doch mir nichtssagendes billiges Universum erschaffen, erheben sich die Renegaten in ihrem neuen, eigenen Universum:

Renegades: The Series

Bereits die erste Episode schlug ein. Viele Bekannte Schauspieler waren dabei, viele davon sind wieder bei Episode 2 und 3 dabei.

(Direktlink Trailer, Direktlink komplette Episode 1)

Denn nach dem furiosen Start mit der ersten Episode beginnt Renegades The Series jetzt mit der Postproduktion der Episoden 2 und 3.

The Dirty Dozen goes interstellar in this exciting new ongoing Sci Fi series about a group of rogues, rebels, and outcasts who find themselves faced with the greatest threat the Confederation has ever encountered. With a man known only as the Admiral (Walter Koenig) heading up Confederation Intelligence and Kovok (Tim Russ) a part of the Confederation’s clandestine Black Ops organization, they recruit Captain Lexxa Singh (Adrienne Wilkinson) and her rogue crew to do those missions that no one else can or will do. When the Confederation is threatened and standard protocol won’t work, it is up to this rag-tag group of Renegades to save them all.

(About Renegades)

Renegades: Walter Koenig und Nichelle Nichols (Quelle: Renegades)
Renegades: Walter Koenig und Nichelle Nichols (Quelle: Renegades)

Neben Walter Koenig (bekannt als Pavel Chekov im Original Star Trek Universum), Tim Russ (bekannt als Commander Tuvok in Voyager) und Adrienne Wilkinson (bekannt als Livia/Eve, Tochter von Xena) ist Nichelle Nichols (bekannt als Nyota Uhura im Original Star Trek Universium) dabei. Es wird das letzte Mal sein, dass Koenig und Nichols gemeinsam vor der Kamera stehen. Walter Koenig hat angekündigt, nach Renegades keine weiteren Rollen zu übernehmen.

Weitere Renegades-Schauspieler sind Terry Farrell (bekannt als Jadzia Dax in Deep Space Nine), Robert Beltran (bekannt als Commander Chakotay in Voyager), Gary Graham (bekannt als Detective Matthew Sikes in Alien Nation und als Ambassador Soval), Cirroc Lofton (bekannt als Jake Sisko in Deep Space Nine), Bruce Young (bekannt als Capt. Simon Banks in The Sentinel) und viele weitere!

Moment mal! Widerspricht das nicht den Star Trek Fan Film Guidelines von CBS und Paramount? Absolut. Nicht!

Denn nach der Klage gegen Axanar, dem absehbaren Schwenk von CBS und Paramount und schließlich den Star Trek Fan Film Guidelines verlässt Renegades das Star Trek Universum. Alle Hinweise auf Star Trek werden entfernt, es ist ein eigener Handlungsstrang in einem eigenen Renegades Universum.

So werden beispielsweise alle Rangabzeichen geändert. Aus der Föderation der Planeten wird die Konföderation. Die „Communicator“ bekommen ein ganz anderes Aussehen. Selbst die „vulkanischen Spock-Ohren“ von Tim Russ verschwinden. Im Renegades: The Requiem Teaser 1 sind in diversen Stellen (sicherlich vorläufige) Retuschierungen zu erkennen.

Ich finde es schade, dass Renegades zu diesem Schritt gezwungen wurden. Letztendlich werden alle anderen Fanproduktionen vor der Entscheidung stehen, diesem Schritt zu folgen oder ihre Produktion einzustellen. Denn mit den Fan Film Guidelines gibt es keine „Star Trek“-Fanproduktionen mehr, wie es sie früher einmal gab.

Doch ich freue mich umso mehr auf Renegades: The Series Episode 2 + 3 + …

Fundraising: Renegaten, erhebt Euch!

Damit die Episoden 2 und 3 auch fertig gestellt werden können, beteilige ich mich als Investor.

Ich werde im Gegenzug Zugang zum exklusiven Produktionsblog mit Insidermaterial und -informationen erhalten. Und ich bekomme ein gemeinsames Foto von Walter Koenig und Nichelle Nichols mit ihren Unterschriften (nein, es wird nicht verkäuflich sein).

Auf Indiegogo läuft die Finanzierungskampagne für die Postproduktion von Renegades: The Requiem.

A Sneak Peek of „The Requiem“

For the past few months, we have been in production on both parts of „The Requiem.“ Although we’ve still got a bit more to shoot, we want you to see what we’ve been working on, so we’ve put together this very rough compilation of our shoot for your viewing enjoyment. Here it is… the very first sneak peek of „The Requiem!“

Star Trek legends and accomplished sci-fi producers create an original science fiction series.

Das Finanzierungsziel liegt bei 60.000 Dollar. Heute, am dritten Tag der Indiegogo-Kampagne zur Finanzierung der Postproduktion von Renegades: The Requiem, sind bereits 50.141 Dollar finanziert. Die Kampagne läuft insgesamt einen Monat.

Das Star Trek Universum stirbt – aber die Konföderation lebt! Werde Renegat!

Go funding:

Renegades: The Requiem, post-production

Titelbildquelle: Star Trek Beyond Trailer #3 (2016) – Featuring „Sledgehammer“ by Rihanna – Paramount Pictures1


  1. Jetzt hoffe ich nur, dass ich für das Titelbild keine Abmahnung von Paramount bekomme.