Süße kleine Links braucht die Welt!

World Wide Web

Das World Wide Web, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Das sind die Abenteuer unzähliger Websiten, deren Autoren und Publizisten seit Jahrzehnten unterwegs sind, um fremde Menschen, fremde Inhalte, fremde Zivilisationen zu erforschen. Verknüpft durch süße kleine Links …

Nein, so ist es leider nicht mehr. Ganz World Wide Web ist von Plattformen wie Facebook und Apps wie Instagram besetzt. Ganz World Wide Web? Nein! Ein von unbeugsamen Autoren bevölkertes Dorf, die „Blogosphäre“, hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Autoren wie Hossein Derakhshan oder Thomas Pleil machen den kapitalistischen Legionären das Leben nicht leicht.

Das Netz als Ort der Debatte – das war einmal der schöne Traum, vielleicht in Ansätzen gelebt von Bloggern vor gut zehn Jahren. Die Klage, dass diese Utopie wohl weitgehend zerstört ist, ist bei weitem nicht neu, aber zumindest formuliert wurde dieses Problem auch auf dieser re:publica.

(Die süßen kleinen Links brauchen unsere Hilfe)

World Wide Web
World Wide Web

Und was mache ich?

Meine Gedanken, meine Inhalte, mein Castle. Meine Beiträge verstecke ich nicht exklusiv in Plattformen und Apps. Meine Publikationsstrategie:

  • Blog First. Wenn ich etwas Längeres schreibe (also mehr als etwa 200 oder 300 Wörter), dann schreibe und publiziere ich das zuerst in einem Blog. Fachliche Themen zu Kommunikation, Kollaboration, Productivity, Tools etc. kommen in das INJELEA-Blog. Persönliche Kolumnen, Essays, starke Meinungsartikel kommen in Den Schreibenden, kurze Mosereien kommen schon mal in Den Taumler. Wenn ich den Inhalt und den Stil für andere Plattformen wie Medium, Linkedin oder Facebook Notes für geeignet halte, dann veröffentliche ich die Artikel dort ebenfalls (auf Facebook eventuell zukünftig als Instant Articles), gegebenenfalls angepasst an Plattform und „Zielgruppen“. Aber: My Blog is my Castle.
  • Kuratieren und empfehlen. Alles, was ich in diesem Netz finde und für lesenswert halte, landet zunächst in meiner Pocket. Dort entscheide ich, was ich damit anfange: Doch nicht lesen, lesen, empfehlen via Pocket, auf Twitter oder Facebook oder Linkedin via Buffer teilen, nach Pinboard und Diigo. Außerdem landen themenbezogen Empfehlungen in drei Magazinen auf Flipboard: Communications and Collaboration, Office & Productivity und Hawaii Magazine.
  • Blogroll. Ab und zu treffe ich noch einmal auf eine. Ich habe auch welche: Eine Blogroll ist bei INJELEA, eine Rheinhessen-Blogroll und eine Hawai’i-Blogroll sind beim Entspannenden. Disclosure: Ich habe die Überarbeitung selbiger gerade in meine never-ending Todo-List (wieder einmal) aufgenommen (Nachtrag: Nur noch die Hawai’i-Blogroll ist noch fällig).
  • Lesenswertes. Was ich für besonders lesenswert halte, landet in meinen Lesezeichen, die ich etwa alle drei bis vier Wochen veröffentliche. Meistens (okay, eigentlich immer) ist es ein Rundumschlag aller möglichen und unmöglichen fachlichen und persönlichen Themen. Collaboration, Social Business und Productivity müssen meine Leser genauso ertragen (wenn sie denn wollen) wie Hawai’i und Star Trek. Die Lesezeichen erzeugt ein WordPress-Plugin automatisch jeden Sonntag aus meinem PinboardRSS-Feed, der aus Pocket heraus gefüttert via IFTTT wird. Alle drei bis vier Wochen packe ich alle Lesezeichen in einen einzelnen Beitrag und schubse ihn in das World Wide Web. Notiz am Rande: Ich habe irgendwann vor ein paar Jahren einmal für etwa 5 Dollar einen lebenslangen Pinboard-Account gekauft.
  • Fotos, Fotos, Fotos. Ich schieße gerne Fotos, entweder mit meiner Panasonic Lumix DMC-FZ200 oder meinem Smartphone. Sehr, sehr viele davon landen in meinem Flickr-Stream, dort habe ich seit Juli 2005 einen Account. Eigentlich würde ich ja gerne mehr wirklich social mit Flickr sein, aber …. Seit 1. Januar 2011 läuft mein Fotoprojekt „Meine 365“, zunächst auf Tumblr beim Taumler, seit 1. Januar 2015 in einem eigenen WordPress-Blog. Auf magische Art und Weise landen die 365er-Fotos auf Flickr, Facebook und Twitter. Fotos mit meiner Lumix landen oft außer auf Flickr noch bei Dem Entspannenden.
  • Instagram? Meinen Instagram-Account habe ich vor einigen Wochen reaktiviert – aber irgendwie werde ich nicht warm mit Instagram. Möglicherweise auch deswegen, weil mir das dann zu viel wird, wenn ich ihn ernsthaft nutzen wollte.
  • Creative Commons. Wann immer es mir möglich ist, stelle ich meine Inhalte (Texte, Fotos, Grafiken etc.) als Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung. Ich bin da nicht zimperlich. Wenn mich jemand anfragt, dann bekommt er/sie in der Regel Creative-Commons-Inhalte kostenlos für eine kommerzielle Verwendung, auch wenn das die Lizenz für den entsprechenden Inhalt ursprünglich nicht vorsieht (es sei denn, es geht um richtig viel Kohle, die derjenige/diejenige damit macht).

Das Netz gehört uns. Lasst es Euch nicht wegnehmen und einsperren!

Schon vom Kohlrabi Timer gehört?

Kohlrabi

Ich schreibe seit 10 Minuten wieder einmal einen Schreibroulette-Artikel. Nun ja, eigentlich fange ich jetzt erst damit an. Die letzten 10 Minuten habe ich damit verbracht, Links für diesen Artikel zu sammeln und zwei Fotos zu machen. Jetzt lädt irgendwie diese Dropbox meine Fotos nicht hoch. Dann eben als Email.

Ich war also ziemlich unproduktiv. Obwohl ich mir einen Timer (Free Countdown Timer) gestellt habe, mit dem Audio-Player AIMP leise Entspannungsmusik von Aloha Joe’s Relaxation Island im Hintergrund laufen lasse. Die Musik von Joe gibt es eben nicht nur im Browser sondern auch (direkt als Stream für Deinen Audio-Player. Außerdem habe ich den SchreibAffen (WriteMonkey) im Vollbild geöffnet. Aber ich schweife ab und bin unproduktiv. Auf jeden Fall hätte ich mich eigentlich um die Links und Fotos am Schluss des Schreibens kümmern sollen. Nun ja.

AIMP (Relaxation Island)
AIMP (Relaxation Island)

Obwohl ich eigentlich (oh je, dieses Wort…) damit ziemlich beim Thema des Schreibroulette-Artikels bin. Beim Schreibroulette öffne ich meinen Feedreader, schnappe mir den ersten Artikel und schreibe über diesen Artikel das, was mir dazu einfällt (okay, ich habe heute geschummelt, da der mir nicht zusagte, ich habe mir den Artikel vom #productivity Paper.li gezogen). Ich habe einen Artikel von Ian Chandler „gezogen“, der die Pomodoro-Technik vorstellt: Hack the Pomodoro Technique to Boost Your Productivity. Ein Punkt, den Ian beschreibt, stößt mir da ziemlich auf:

The official video on the Pomodoro Technique homepage implies that it’s best for completing large tasks.

Immerhin beschreibt Ian noch, wie er sich auch tatsächlich längere Aufgaben vornimmt und dann in solchen 25-Minuten-Häppchen daran arbeitet. Überhaupt gefällt mir der Artikel recht gut, aber: Ich kann nicht Pomodoro!

Diese 25 Minuten sind mir fast immer zu kurz. Außerdem habe ich keinen wirklich guten Pomodoro-Timer (außer einen Küchenwecker) gefunden. Was mir fehlt, ist ein Kohlrabi Timer (wusstet Ihr übrigens, wie „Kohlrabi“ auf Englisch heißt?). So ein richtig großer Timer mit vieeeeeel längeren Arbeitsphasen … den bräuchte ich jetzt.

Kohlrabi
Kohlrabi

Ich würde ja gerne noch weiter schreiben. Aber ich war einfach unkonzentriert und unproduktiv. Mein 30-Minuten-Timer ist kurz vorm Ausrasten, weil eben die 30 Minuten um sind. Und ich muss diesen Text noch in Worpress rüberschieben und die Fotos und …

Roulette-Gelesenes

Schreibroulette

Dieser Artikel entstand als Schreibroulette. Eine Gewohnheit, die ich habe schleifen lassen, obwohl sie doch Spaß macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Email-Bindestrich zerstört werden muss.

Zurück in die Gegenwart: Nutze die Tastatur, Scotty!

Logitech-Keyboard (darkened)

Heute wagte ich es. Bereits seit einigen Wochen habe ich auf meinem alten Desktop-Rechner Windows 10. Der alte Racker läuft damit erstaunlich performant und stabil. Auch auf meinem neuen Notebook – einem HP Spectre x360 – ist Windows 10. Windows 10 hat eine Spracherkennung. Ich war so Trekkie.

Und heute, an diesem Freitag, wollte ich meine Gewohnheit wiederaufleben lassen, einmal in der Woche – eben an einem jeden Freitag – im Blog des Schreibenden einen Blogartikel zu schreiben und zu veröffentlichen. Irgendwie dachte ich daran, einmal nicht die Tastatur zu benutzen. Sind nicht immerhin Jahrzehnte seit OS/2 Warp vergangen, wo es wenn auch nicht besonders erfolgreich bereits eine Spracherkennung und -steuerung gab? Damals war die Hardware bei weitem nicht so mächtig wie heute. Also probierte ich die Windows-Spracherkennung mit dem alten Desktop-PC und dem Notebook aus.

Zumindest war das meine Absicht. Aber beide Rechner waren wenig begeistert. Die Mikrofone (meiner Webcam des Desktop-PCs und das eingebaute Mikrofon, genauer gesagt sind es sogar zwei, meines Notebooks) wurde klaglos erkannt. Doch der Desktop-Rechner reagierte irgendwie nicht auf mein Kommando „Zuhören starten“. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass mein Rechner wohl überfordert oder komplett falsch konfiguriert sei. Auch irgend so ein Training half da nicht. Ich las brav den ersten Satz vor, und … dann wartete ich auf den nächsten Satz. Ich wiederholte den Satz und … wartete.

Irgendwann wurde es mir zu bunt, und ich wechselte zum Notebook. Das schließlich ist zwar kein Surface Book (das war mir dann doch deutlich zu teuer), aber ein I7-Core-Skylake-Irgendwas sollte doch mit der Spracherkennung und -steuerung zurecht kommen. Auch da verweigerte sich zunächst das Spracherkennungstraining. Aber anscheinend hatte ich diesmal Glück. Plötzlich kam der zweite Satz. Und der dritte Satz. Dann der vierte Satz. Und dann irgendwann … reagierte der Rechner bei einem Satz nicht mehr. Nach mehreren Versuchen mit diesem blöden Satz ging es dann wieder weiter. Gefühlt 50 Sätze und 10 miese Erkennungsversuche später verkündete mir das Trainingsprogramm, dass jetzt alles gut und alles wunderbar und meine Stimme super sei.

Windows 10 Spracherkennung
Windows 10 Spracherkennung

Und dann: „Zuhören starten“. Nichts. Zig Mal Nichts. Also in dieses Internet mit der Tastatur und gesucht.

Jetzt zuhören

Zumindest seit Windows 7 scheint die Übersetzung in den Programmen und auch im Web ständig auf „Zuhören starten“ zu bestehen. Diverse Foreneinträge überzeugten mich allerdings, dass der Computer mir „jetzt zuhören“ müsse.

Endlich. Konnte ich. Ein Diktat. Starten.

Dachte ich. Nun ja, ich startete. Dieser Computer missverstand mich prächtig. Konsonanten und Vokale waren irgendwie ähnlich – aber die Wörter in etwa der Hälfte der Fälle nicht. Nach einer halben Stunde hatte ich noch keinen einzigen Satz diktiert.

Jetzt habe ich meinen Schreibaffen („WriteMonkey„) offen und tippe meine Absätze, Sätze, Wörter und Buchstaben klassisch mit der Tastatur rein. Reinfall. Anders kann ich das nicht bezeichnen. Dabei war ich als Trekkie so hoffnungsvoll. Es hätte so schön sein können. Nachdem ich meinen Text diktiert gehabt hätte, hätte ich frohgelaunt die eingesparte Zeit investiert und mir lächelnd die legendäre Szene aus Star Trek IV angeschaut.

Bei der Übergabe neuer Technologie an einen Plexiglashersteller
Scotty spricht in die Computermaus
Scott: „Computer? Hallo Computer …?“
Doktor Nichols: „Da ist die Tastatur.“
Scotty: „Tastatur, wie rückständig!“

(Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart)

Tastatur? Wie rückständig! Und wir träumen davon, dass unsere Autos in wenigen Jahren vollkommen selbstständig fahren.

Ich bin wieder in der Gegenwart angekommen.

Warum ich mich gegen Scrivener entscheide

In den letzten Tagen habe ich mit mir gehadert. Zum Zusammenstellen und Schreiben hatte ich mir überlegt, zukünftig auf Scrivener zu setzen. Beispielsweise für unser Buch “Einmal Maui und zurück”. Doch je mehr ich mich mit Scrivener beschäftigte, desto unentschiedener wurde ich.

Scrivener ist ein tolles Teil, um Recherche, Organisation und Schreiben für vielfältige Zielsetzungen zu unterstützen: Blogartikel, Kurzgeschichten, Romane… und sicherlich auch unser Fotobuch. Bis zu einem bestimmten Punkt könnte ich Scrivener einsetzen. Das Fotobuch selbst dann zusammenzusetzen und mit Fotos zu bestücken, dafür sehe ich Scrivener nicht – schließlich geht es dann nicht mehr ums Schreiben.

Aber: Scrivener ist nicht mehrplattformfähig. Sicherlich, es gibt eine Mac-Version, und es gibt eine Windows-Version. Ich kann die Texte eines Projektes mit Simplenote oder einem Verzeichnis synchronisieren. Ich kann die Texte in Markdown schreiben und dann auf dem iPad bearbeiten (z.B. mit Byword oder Writing Kit).

Aber: Die Scrivener-Projekte werden nicht synchronisiert. Mehrfach lese ich darüber, dass man das auch nicht mit Dropbox und Kollegen machen sollte. Denn ein Scrivener-Projekt besteht aus einem Verzeichnisbaum mit unterschiedlichen Dateien, die nur in Gänze zu einem bestimmten Zeitpunk einen konsistenten Zustand des Projekts darstellen. Also Notizen, Schlagworte etc. sind dann eben nicht in Simplenote oder einem synchronisierten Verzeichnis abgebildet. Es sei denn, ich synchronisiere das komplette Projektverzeichnis beispielsweise mit Dropbox.

Doch wenn ich beispielsweise ein Projekt auf dem Mac geöffnet und bearbeitet habe, dann aber nur die Klappe schließe, und dann später in Windows das Projekt öffne… dann besteht die Möglichkeit, dass ich einen alten Stand öffne oder sogar beim Bearbeiten Inhalte überschreibe. Es gibt keine eingebaute Konflikt-Behandlung. Genau genommen wäre es sogar wichtig, dass es gar nicht zu Konflikten kommt, weil Scrivener das verhindert. Doch Scrivener ist von der Konstruktion eine Einzelplatzversion. Das ganze Synchronisierungsgedöns ist aufgepfropft.

In IT-sprech: Scrivener müsste Transaktionen unterstützen, und das müsste eben über verschiedene Plattformen und Rechner geschehen.

So aber habe ich keine Lust, mögliche Konflikte erst Tage später festzustellen und Versionen zu vergleichen und zu konsolidieren – wenn es mir dann überhaupt auffällt.

Was ich brauche, ist ein rechnerübergreifendes “System”, das mir keine Probleme verursacht. Ein solches System jedoch scheint es für Autoren gar nicht zu geben. Kollaboration ist schon einmal gar nicht vorgesehen (“Ich habe Dir eine Anmerkung an Kapitel 7 geschrieben”). Wie bekomme ich also beispielsweise @diemanuela dazu, gegenzulesen? Ohne dass ich mit Kopien arbeite, die ich Google Drive oder Evernote rüberschiebe? Und dann wieder einbaue, wenn Tage später Änderungen kommen? Wenn ich den entsprechenden Absatz schon wieder umgeschrieben habe?

Das ist nicht besser als Email-Kollaboration wie vor zwanzig Jahren…

Was also tun? Fürs erste fange ich wieder von vorne an und überlege mir noch einmal, was ich eigentlich brauche:

  • Eine Ablage für ausgewählte Fotos ja Tag (oder Kapitel-Intro). In Frage kommen für uns: Eigentlich nur ein geteiltes Verzeichnis in unserer Owncloud. Nur dann werden die Fotos (und die bearbeiteten Fotos) über mehrere Rechner zweier Benutzer synchronisiert. Und darin kann ich dann auch die Fotos direkt bearbeiten.
  • Für jeden Tag auf Maui einen Text (oder für ein Intro-Kapitel), den @diemanuela und ich gemeinsam bearbeiten können. In Frage kommen für uns: Textdateien, LibreOffice Texte, Google Drive/Docs, Evernote.
  • Eine Struktur, mit der ich den Aufbau des Buchs abbilde. Das wird dann eine Verzeichnisstruktur in der Owncloud und gegebenenfalls eine weitere Abbildung der Struktur in Google Drive, Evernote… sein.
  • Eine Aufgabenverwaltung (offene Punkte, Texte überarbeiten, Fotos bearbeiten, Materialen besorgen, Tools und Plattformen evaluieren). Das wird Todoist sein, denn darin haben @diemanuela und ich sowieso bereits unsere Aufgaben.

Werkzeuge

Das wird also ein Sammelsurium verschiedener Tools und Regeln. Und weil das eben mehrere Tools und Dateien sind, komme ich um das “Zusammenfriemeln” des Buchs am Ende nicht herum. Darüber mache ich mir dann demnächst bei Gelegenheit Gedanken (Reminder: In Todoist anlegen!). Nachdem ich unser gemeinsames Framework aufgesetzt habe.

Wie Ihr den idealen Blogartikel schreibt

Der ideale Blogartikel
Frank Hamm (Blogger)
Frank Hamm (Blogger)

Vor neun Jahren startete ich mein erstes Blog, das INJELEA-Blog. Es war mehr ein technisches Experiment denn der bewusste Start ins Bloggen. Zu Beginn wusste ich noch nicht einmal, was Bloggen ist. Geschweige denn, wie man den idealen Blogartikel schreiben sollte. Neun Jahre später bin ich ein wenig schlauer.

Glücklicherweise gibt es nämlich Leute, die noch schlauer als ich sind. Kevan Lee schreibt in “The anatomy of the perfect blog post: Length, headline, images and more”, dass ich dazu eigentlich nur sieben Elemente benötige:

  1. Der Titel (Headline) mit sechs Wörtern
  2. Die Geschichte zum Einstieg
  3. Weniger Zeichen pro Zeile am Beginn
  4. Ein Bild
  5. Untertitel, Untertitel, Untertitel
  6. Inhalt und 1.500 Wörter
  7. O-Töne (Soundbites)

Also probiere ich das einmal mit meinen Worten und meiner Art aus. Ich erwarte Page Impressions wie verrückt, Verlinkungen und Social Mentions wie wahnsinnig. Ich weiß, das werdet Ihr mir gönnen und mir dabei helfen.

Titel mit sechs Wörtern

Der Titel soll, nein muss einprägsam sein und aus maximal sechs Wörtern bestehen. Drei zu Beginn, drei am Ende, dazwischen am besten keine (die werden sowieso ignoriert). Unnötige Füllwörter und langatmige Beschreibungen gehören nicht in den Titel. Außerdem habe ich sowieso nur etwa 55 Zeichen, denn mehr zeigt Google auf einer Suchergebnisseite vom Titel sowieso nicht an.

Der Titel sollte einer von acht Titelstrategien folgen. Eine davon verwende ich für diesen Artikel:

5. How to – “How to Create a Perfect Blog Post”

Erfüllt und abgehakt (auch wenn es im Englischen einfacher ist). Den URL (ja, den URL, denn es heißt nicht die Uniform Resource Locator) halte ich kurz. Und ich verspreche viel (wovon ich weiß, dass ich es wahrscheinlich sowieso nicht halten werde, aber das Versprechen klingt gut).

Die Geschichte zum Einstieg

Storytelling” ist wichtig, das war auch schon vor “Content Strategy” so. Das Storytelling macht neugierig und verbindet den Leser mit dem Schreiber. Ich erzähle von meinen Anfängen, von meiner Unkenntnis. Das macht mich schwach und Euch mitleidend.

Ich setze darauf, dass Ihr nach der ergreifenden Anfangsgeschichte aus lauter Mitleid weiterlest. Der persönliche Draht des Lesers zum Schreiber ist wichtig, deswegen füge ich auch noch ein Foto von mir gleich zu Beginn in den Artikel ein. Dieses Foto hat aber noch einen weiteren Zweck.

Weniger Zeichen pro Zeile am Beginn

Der erste Absatz entscheidet über Wohl und Wehe des Artikels. Darüber, ob Ihr, die Leser, weiterlest. Das Foto ist ein visuelles Element. Visuelles zieht immer (mehr als reiner Text).

Doch wichtig ist dabei besonders, dass damit im ersten Absatz weniger Zeichen pro Zeile sind als im Rest des Artikels. Das Foto macht die Spalte schmaler und die Zeilen kürzer. Außerdem verwende ich Fettschrift für den ersten Absatz. Fette Buchstaben benötigen mehr Platz. Also noch weniger Zeichen pro Zeile.

Damit könnt Ihr viel schneller entscheiden, ob Ihr weiterlesen wollt. Kürzere Zeilen sind schneller zu scannen und helfen Euch bei Eurer Entscheidung. Dass Ihr diesen Absatz lest, beweist mir, dass ich Erfolg damit habe.

Ein Bild

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte (zu der Wortanzahl komme ich gleich). Lee geht nicht mehr explizit darauf ein auf dieses Element für den idealen Blogartikel. Das macht aber nichts. Visuelles zieht immer, also pappe ich einfach das Foto von meinem Macbook und dem Artikelentwurf in WordPress noch einmal hinein.

Der ideale Blogartikel
Der ideale Blogartikel (Frank Hamm)

Das verbindet uns (hoffentlich), denn ihr bemitleidet mich bei der Monsteraufgabe des idealen Blogartikels noch mehr, weil Ihr mich mitten bei der Arbeit erwischt.

Untertitel, Untertitel, Untertitel

Untertitel (oder auch Überschriften) helfen dem Leser (also Euch), den Inhalt zu scannen. Gerade in diesem Online-Internet scannen die Menschen einen Artikel, auch wenn sie ihn eigentlich lesen wollen. Doch Überschriften (oder auch Untertiel) helfen Euch bei der Entscheidung, ob Ihr die nächsten Absätze lest oder gleich zum nächsten Abschnitt springt. Möglicherweise verschafft Ihr Euch auch einen ersten Überblick und springt dann genau zu dem Abschnitt, der Euch wichtig und/oder interessant erscheint.

Inhalt und 1.500 Wörter

So ganz ohne Inhalt geht es denn doch nicht. Wenn ich Euch einen Artikel mit 100 Wörtern hinwerfe, dann… konkurriere ich vielleicht mit der Bild. Oder ich müsste gleich eine Klickstrecke mit “KlickiBuntiFotos” oder etwas wie heftig.co machen. Doch ich unterstelle Euch, dass Ihr

  • wirklich an fachlichem Inhalt interessiert seid
  • strukturiert lesen wollt
  • gleich unterschiedliche Inhaltstypen erkennen wollt

Dazu helfe ich Euch mit

  • Listen
  • Zitaten
  • Fettschrift
  • Kurzen Absätzen
  • Visuellen Elementen (okay, da hapert es hier etwas)

Lee führt an, dass es schon 1.500 Wörter in einem Blogartikel sein sollten, damit er wirklich bis zum Ende gelesen und geteilt wird. Ich dachte bislang, dass gerade längere Artikel nicht gelesen und vor allem nicht geteilt werden. 700 Wörter sollten es auf jeden Fall sein – und die habe ich bis hierhin.

O-Töne (Soundbites)

Seid Ihr noch da? Dann bekommt Ihr jetzt von mir einen O-Ton.

Längere Artikel werden eher verbreitet und in den sozialen Medien geteilt als kürzere Artikel.

Dieser O-Ton und die Länge dieses Artikels verleiten Euch daher jetzt, einem CTA (“Call To Action”) nachzugeben und den zweiten O-Ton als Tweet abzusetzen (bitte!):

[Tweet „Es gibt ein einfaches Rezept für den idealen Blogartikel!“]

Extras

Lee geht noch auf vier weitere Punkte ein:

  1. In einen Blogartikel gehört ein “Call To Action” (siehe oben)
  2. Visueller Inhalt ist essentiell (hatten wir auch schon, siehe oben)
  3. “Sharing Buttons” müssen sein, also Buttons, um den Artikel auf Twitter, Facebook etc. zu teilen (siehe unten)
  4. Der Pfad in dem URL muss kurz und lesbar sein (ist er, ich habe ihn gekürzt)

Ein weiteres Extra ist für Lee der Tag, an dem der Blogartikel veröffentlicht wird. Blogartikel werden am Wochenende wesentlich öfter geteilt als Blogartikel unter der Woche. Klar, weil am Wochenende die Konkurrenz kleiner ist. So wie heute.

Finaler Call To Action

Kevan Lee schreibt in seinem idealen Blogartikel wesentlich mehr Wörter und hat wesentlich mehr visuelle Elemente. Trotzdem hoffe ich, dieser Blogartikel gefällt Euch und kommt Eurem Ideal vom idealen Blogartikel einigermaßen nahe.

Trotzdem solltet Ihr den originalen, idealen Blogartikel nicht versäumen:

Kevan Lee: The anatomy of the perfect blog post: Length, headline, images and more

P.S. Den Link zu Lees Artikel habe ich natürlich absichtlich erst am Ende gebracht. Denn so ideal ist mein Blogartikel wahrscheinlich doch nicht, und Ihr wärt bestimmt schon vorher abgesprungen. Oder?

Finaler finaler CTA: Und wenn Ihr schon einmal hier unten angelangt seid, dann könnt Ihr den Artikel gleich noch teilen. Denn „Sharing is caring!“ 🙂

Wir schreiben dann mal schnell ein Buch

Einmal Maui und zurück

Einmal Maui und zurück – drei Wochen auf den Hawai’i-Inseln Maui und Lana’i, jede Menge Fotos, ein paar Blogartikel und das war’s dann. Das kann es doch nicht gewesen sein.

Wir, @diemanuela und @fwhamm hatten einen wunderbaren Urlaub, sahen viel, erlebten viel und trafen Freunde. Die Tweets, Facebook Updates und Blogartikel aber verschwinden früher oder später im digitalen Vergessen. Dazu kommt, dass wir Freunde haben, die dem Digitalen und vor allem dem Social Media weniger als wir zugeneigt sind. Und dann sind da unsere Eltern, die dieses Internet nur aus Erzählungen kennen. Außerdem sollte jeder die Möglichkeit haben, unsere Erfahrungen “in einem Rutsch” und einem Paket durchzulesen und durchzusehen, um somit sich später einmal voller Neugier nach Hawai’i zu begeben. Ein paar Freunde und Bekannte haben wir bereits angesteckt (Euch erwischen wir auch noch…).

Selbst wenn wir inzwischen ziemlich digitalisiert sind, so verdammen wir nicht das Medium “Buch”. Im Gegenteil: Ein Buch ist eine sehr schöne Sache, um sich sequentiell von einer Geschichte mitreißen zu lassen oder einem Thema zu nähern. Und zwar unabhängig davon, ob derjenige lieber digitial liest (Ebook) oder analog liest (gedrucktes Buch). Bei uns ist das Thema eben Hawai’i.

Also schreiben wir dann mal schnell ein Buch, damit wer auch immer an unseren Erlebnissen und den Inseln Maui und Lana’i teilnehmen kann. Wir wollen, dass unsere Freunde und Bekannte und noch Unbekannte sich einen Eindruck von Hawai’i und unserer Zeit dort verschaffen können. Unsere Zielsetzung ist nicht der Gewinn sondern das Buch, gedruckt und als Ebook (im Übrigen finde ich solche w-Ort-v-Ergewaltigungen b-Lödsinnig). Wir wollen bis im Herbst ein Reistetagebuch über unsere Hawai’i-Reise fertig haben, damit wir und andere sich das Buch gedruckt oder als Ebook kaufen können. Damit Ihr Euch das gedruckte Reisetagebuch unter den Weihnachtsbaum legen könnt und wir unseren Freunden. Wir werden womöglich den größten Teil des Umsatzes dieses Reisetagebuchs selbst machen, weil wir es unseren Eltern, Freunden und Bekannten schenken. Aber: Es geht hier ums Prinzip.

Ich weiß nur wenig über dieses Ding namens Self-publishing. Dass man sein Ebook über Dienste auf verschiedenen Plattformen anbieten kann. Dass man auch gedruckte Bücher selbst anbieten kann, ohne dass man zuvor hunderte davon kaufen muss. Dass das Wie irgendwo in diesem Internet und in Ebooks steht. Ein paar Artikel oder auch Seiten wie die Self-Publisher-Bibel habe ich schon gefunden. Ich habe noch jede Menge Fragen offen wie die nach dem Format oder den Tools. Ich gehe davon aus, dass es auf viel Recherche und viel Ausprobieren hinauslaufen wird.

Einmal Maui und zurück
Einmal Maui und zurück

Aber der Würfel ist umgefallen, wir schreiben ein Reisetagebuch:

Einmal Maui und zurück – drei Wochen auf den Hawai’i-Inseln Maui und Lana’i

Man müsste mal… etwas ausschreiben.

Als Schreiber versage ich oft. Einfachste Regeln vergesse ich, wenn ich im Tran meine Buchstaben aus den Händen in die Tastatur schüttele. Ein Beispiel hierfür ist, dass ich eine Abkürzung benutze ohne sie zuvor erläutert oder definiert zu haben.

Mann und Frau möge mir verzeihen, aber ich bin nun einmal manchmal ein leidenschaftlich nachlässiger Schreiber. Doch einem Profi sollte klar sein, dass er dies nicht machen sollte. Es ist dem Leser gegenüber einfach unhöflich, seinem Aküfi nachzugeben und ein Wort in den Schreib- und Leseraum zu werfen, so dass der Leser keine Gelegenheit bekommt, sich auf die Bedeutung dieses Wortes mental vorzubereiten.

Denn letztendlich kann kein Schreiber voraussehen, wer denn sein Geschriebenes lesen wird. Fachjargon und Abkürzungen sind kapu (somit hätte ich zumindest dem Leser die Möglichkeit verschafft, sich mittels Klicken auf den Link gescheiter zu machen). Abkürzungen, das habe ich vor meiner ersten Thesis vor ein paar Monaten gelernt (also in den Achtzigern), gehören zur Eindeutigkeit geklärt.

Wer also einen Aküfi hat, der hat ein Abrzungsfimmel-Problem. Oder aber besser gesagt: Seine Leser. Auch und gerade in Onlinemedien auf Websiten von und für Fachpublikum gehören Abkürzungen definiert. Denn schließlich gibt es Leute, die per Link oder Suche plötzlich auf einem Artikel landen. Es wäre nicht nur unhöflich sondern auch nachlässig, eine Abkürzung ohne Erläuterung oder Definition zu verwenden. Denn der Leser könnte sich entschließen, solchiges nicht zu bleiben sondern umgehend wieder zu verschwinden.

Bei mir war in diesem einen Artikel die Schmerzgrenze bei dem dritten Punkt umgehend erreicht, als da plötzlich vom ADC die Rede war. Ich las zunächst ADAC und war etwas verwundert. Mann und Frau mögen mir verzeihen, dass ich aufgrund des Mediums Horizont.net (nein, ich schreie Euch einfach nicht mit Großbuchstaben an und verwende deutsche Rechtschreibung – bereits der Punkt vor dem “net” tut mir leid) nicht sofort rückschloss, wovon da die Rede war. Auch wenn ich manchmal kreativ zu werden drohe, so war mir diese Abkürzung dennoch nicht geläufig. Ich las weiter… Noch vier Mal kam dieses “ADAC” ohne zweites “A”.

Also überwand ich meinen Ärger, und kurz vorm Abspringen wandte ich mich an dieses Wikipedia auf der Suche nach ADC. Ich empfand die Art und Weise dennoch und gerade deswegen als unhöflich. Ich bin dann einfach weitergegangen. Aber eigentlich…

Man müsste mal… etwas ausschreiben.

Dabei ging es doch nur um “Next/Re:Publica: Pflichtbesuch für Kreative und Verlagsmanager”.

Aber für den Chefredakteur nicht seine Zielgruppe ich wohl war. Oder so.

Bin ich ein „Schreiber“?

Ich schreibe seit 2005 in meinem INJELEA-Blog. Inzwischen noch in einigen anderen Blogs oder Webauftritten. Ich schreibe Emails, Berichte, Konzepte, Präsentationen. Seit Jahrzehnten schreibe ich. Doch bin ich ein “Schreiber”?

Heute morgen fand ich in meiner Pocket einen Artikel, den ich wie für mich geschrieben fand.

Kannst Du Dich selbst einen “Schreiber” nennen, wenn Du derzeit nicht schreibst?

[ Can You Call Yourself a “Writer” if You’re Not Currently Writing? ]

Ali Luke findet, man sei ein “Schreiber” selbst wenn man eine lange Pause hat. Ali empfiehlt drei Stufen, wie man zum Schreiben zurückfindet. Nun, da geht es wohl eher um umfangreichere, längere Projekte wie dem eines Buches, und nicht um das Schreiben von Blogartikeln.

Wann also ist man ein “Schreiber”? Ich vermute, Ali bezieht das auf jemanden, der längere Geschichten, Short Stories oder Bücher schreibt. Jemand, der ein Werk erstellt, das nicht nur aus 5.000 Zeichen besteht. Vielleicht ein Sachbuch über den Urknall. Oder eine Geschichte mit 100.000 Zeichen beispielsweise, die von dem Weg eines jungen Auswanderes in ein fernes Land erzählt, von seinen Niederlagen und seinen Erfolgen, und von dem Happy End (okay, das war “nur” ein Drehbuch – wirklich “nur”?).

Ich erinnere mich an meine Anfänge als Offizieranfänger bei der Luftwaffe. Damals hatten wir die Haltung, Offizier sei kein Beruf sondern eine Berufung. Es ist eine Frage der Haltung und danach, was man ist – nicht (nur), was man tut. Ich habe mich nie dem Eid von damals entbunden gefühlt. Ausflug Ende.

Jetzt sitze ich hier vor dem Editor, klimpere in die Tasten und schreibe einen Blogartikel für und als “Der Schreibende”. Bin ich deswegen ein “Schreiber”? Was unterscheidet einen “Schreiber” von einem “Autor”? Ist letzterer ein beruflicher “Schreiber”? Oder ist das nur ein Synonym? Möglicherweise ist “Autor” die Bezeichnung für einen “Schreiber”, der damit teilweise oder ganz seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdient. Dann bin ich ganz gewiss kein Autor.

Muss ich ein Buch schreiben, um ein “Schreiber” zu sein? Wie lange muss ein Buch sein? Wieviele Kapitel muss es dafür haben? Muss es gedruckt sein (okay, Ihr kennt mich vielleicht…)? Wie lange darf der Schreibende für das Schreiben des Buches gebraucht haben? Wie lange müssen die Kapitel sein? Reichen Kapitel mit 3.000 oder 4.000 Zeichen? Muss ein Lektorat erfolgen? Muss das Buch verkauft werden (wie oft?)?

Seit 2005 schreibe ich ein Buch, das inzwischen über zweieinhalbtausend Kapitel (aka Artikel) hat, und es ist noch lange nicht fertig. Dort gibt es immer mal wieder so wie momentan eine Pause. Letzten Dezember habe ich ein weiteres Buchprojekt begonnen, und ich weiß nicht, wie lange und wie groß oder klein es werden wird. Ob das eine Kurzgeschichte bleiben wird oder ein epochales Werk (okay, das wird es mit Sicherheit nicht). Die drei Wochen Pause darin sind sicherlich akzeptabel. Seit zwei Jahren schreibe ich ein lückenhaftes Journal, das niemand außer mir zu Gesicht bekommt. Auf Satzbau und Grammatik lege ich darin einen manchmal eher symbolhaften Wert.

Aber ich schreibe. Ich habe immer schon gerne geschrieben. Meine Bücher sind nie fertig. Ich arbeite nicht mit Manuskripten für meine Bücher, aber ich schreibe. Es ist eine Frage der Haltung.

Ich bin ein Schreiber.

Automatisierung – der Beton der Unternehmen (SR 240)

Gerade eben hat ein Automatisierungsteufel zugeschlagen. Mitten im Editieren kam der Prompt des Java-Updates und verlangte den Login eines Administrators. Blöd, dachte ich mir. Da gibt es die Automatisierung des Updates, damit immer alles schön auf dem neuesten Stand ist und damit ich Anwender mich nicht selbst drum kümmern muss, und dann zerhaut es mir meinen Fokus beim Arbeiten und damit meine Produktivität.

Und das, kurz nachdem ich mit meinem Schreibroulette begonnen hatte und Simone Jansons Artikel über die fragwürdige Automatisierung gelesen hatte. In meinem Fall ist dieses automatische Update gut gemeint für die Maschine, aber für den Menschen schlecht gemacht. Ich möchte nicht mitten in meiner Arbeit unterbrochen werden. Und einmal ehrlich: Wie oft passiert es Euch, dass mitten beim Tippen, Mauszeigern irgend so ein prompt hochkommt und Euch aus Eurer Arbeit rausreißt?

Ähnlich passiert es mir manchmal, wenn ich aufgrund einer Automatisierung überrascht werde. Ich benutze beispielsweise Buffer, um hauptsächlich Tweets über eine Warteschlange irgendwann automatisch auf Twitter zu veröffentlichen. Mein Gedanke dabei ist, meine Follower nicht mit einem Stakkato von Tweets innerhalb von wenigen Minuten zu belästigen. Andererseits gibt es Follower, die sind nicht unbedingt dann online sondern eher am Nachmittag.

Doch diese Automatisierung hat seine Tücke: Wenn ich nämlich zum Veröffentlichungszeitpunkt offline bin (beispielsweise, um konzentriert an etwas zu arbeiten). Wenn dann jemand eine Frage hat, muss er/sie lange auf meine Antwort warten. Glücklicherweise zumindest ist die Einrichtung von Buffer sehr einfach. Das ist ein weiterer Punkt bei der Automatisierung. Manchmal wird auf Teufel komm raus an der Effizienz geschraubt, da werden zig Arbeitsstunden reingesteckt, um auch noch die kleinste Aufwandeinsparung vermeintlich rauszuholen. Wenn ich bei so mancher meiner Automatisierungsversuche zur Effizienzsteigerung meinen ROI berechnent würde…Nein, diese Diskussion möchte ich jetzt nicht lostreten.

Manchmal versuche ich mich an einer Automatisierung auch gar nicht mit dem unbedingten Ziel einer Effizienzsteigerung. Es geht mir um das Lernen. Ich probiere etwas aus, mache Fehler (okay, ganz, ganz selten…) und lerne daraus. Wenn der „Return“ dann auch noch den „Invest“ übertrifft: Gut. Aber da ist die Effizienz eine willkommene Nebenwirkung.

Und was ist, wenn diese Automatisierung geändert werden muss? Wie komme ich überhaupt darauf, dass da etwas suboptimal oder sogar verkehrt läuft? Schließlich läuft der automatische Prozess einfach so vor sich hin. Irgendwann sage ich mir: Das habe ich schon immer so gemacht, so ist das gut, und so bleibt es. Ich habe ja auch einen Aufwand reingesteckt, damit irgendwelche Automaten diesen Prozess automatisch abarbeiten. Der muss sich erst einmal bezahlt machen. Das Einführungsprojekt hat einen dreistelligen Aufwand an Personentagen gekostet, das muss der Prozess erst einmal herausholen. Von den monetären Aufwänden ganz zu schweigen. Und dann kommt irgend so ein Heini und blubbert etwas von:

Chef, das sollten wir mal überdenken. Mir ist da etwas aufgefallen, als ich mich mit jemandem in meinem Netzwerk ausgetauscht habe!

So ein Störenfried! Automatisierungen sind optimierte Prozesse, die von selbst laufen. Da fließt all unser Wissen und das von Experten rein. Und dann kommt irgend so ein Besserwisser und meint, er könne alles umkrempeln.

Andererseits, vielleicht will ich genau das: Das meine Mitarbeiter mit- und nachdenken. Dass sie über den Tellerrand schauen und sich austauschen. Mir aufzeigen, wie es effizienter geht. Und außerdem: Wer sagt denn, dass die in Beton gemeißelte Automatisierung, unser liebgewonnener Prozess, überhaupt noch das Richtige macht? Vielleicht sollten wir etwas nicht schneller, besser, weiter machen sondern vielleicht ganz anders. Oder gleich: Eine ganz neue Idee mit ganz anderen Prozessen umsetzen. Dann brauche ich auch noch Mitarbeiter, die ganz anders denken können.

Jetzt bin ich also in der Unternehmenswelt gelandet. Dabei ging es Simone wohl eigentlich nur um die Hinterfragung persönlicher Automatisierungen. Aber so ist das manchmal: Über den Tellerrand geschaut, und schon hat man sich und andere in Frage gestellt.

Effizienz auf Teufel komm raus.

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Vereine, Clubs oder Unternehmen? (SR 255)

Der Kommunikationschef und Chefredakteur der “Mitglieder”zeitung des ADACs Michael Ramstetter hat gelogen und betrogen. Wen wundert’s? Mich nicht.

Seit ein paar Jahren schon frage ich mich, was der ADAC eigentlich ist. Ein Club? Ein Verein? Eine riesige Ansammlung von Mitgliedern, die basierend auf Gegenseitigkeit einen gemeinsamen Zweck verfolgen? Ich bin vor über 25 Jahren aus dem ADAC ausgetreten. Ich war “Mitglied”. Tatsächlich aber habe ich knallhart abgewogen, was mich mein Versicherungsbeitrag (“Mitgliedsbeitrag”) kostete und welche Vorteile ich davon hatte.

Ich habe jedes Jahr meine Versicherungsprämie gezahlt und darauf gehofft, dass ich eine Panne habe. Einmal hatte ich eine Panne. Da kam dann zufällig ein Kamerad vorbei, der sich “mit Autos auskannte” und der mir den Wagen wieder flott machte. Es war eine große Enttäuschung, wieder hatte sich meine Versicherung nicht gelohnt. Ursprünglich war ich in den ADAC eingetreten (aka “hatte ich die Versicherung abgeschlossen”), weil ich in meiner Bundeswehrzeit viel mit dem Auto unterwegs sein würde. Da wäre eine solche Versicherung sicherlich hilfreich gewesen im Fall aller Fälle, der nicht eintrat.

Ich war also in diesem Club. Ich hatte dieses Versicherungsunternehmen ausgewählt, weil ich andere Mitglieder kannte, die in dem Verein waren: Meine Eltern. Jahrzehntelang haben sie einbezahlt in die Versicherung. Einmal hatte es sich gelohnt, als sie in Ungarn einen Unfall gehabt hatten. Es hätte sich mehr gelohnt für sie, kein Mitglied zu sein und dafür in dem einen Fall alles aus eigener Tasche zu zahlen. Ich bin dann ausgetreten, habe meine Versicherung gekündigt. Ich kannte in diesem Club nur ein paar… eigentlich einige andere Mitglieder: Verwandtschaft, Nachbarschaft. Alle so in der Generation über mir. Aber wir waren nie zusammen auf einer Mitgliederversammlung, haben nie zusammen abgestimmt.

Der ADAC war und ist für mich ein Wirtschaftsunternehmen, das eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt, damit einige (und das sind wirlich sehr viel einige) ihr Gehalt bekommen, ihre Prämie bekommen oder einen Vertrag mit dem Unternehmen abschließen. Da ist für mich kein Raum für Geselligkeit, Gemeinsamkeit und Verbrüderung. Da kämpft man um seine Position und um die Position des Unternehmens, damit die eigene Position gerechtfertigt bleibt.

Allie_Caulfield: 2006-11-05 Frankfurt_Eintracht-Gladbach (CC BY 2.0)
Allie_Caulfield: 2006-11-05 Frankfurt_Eintracht-Gladbach (CC BY 2.0), Ausschnitt

Bis hierhin dürften einige Leser bereits empört sein, eine Ikone der deutschen Clublandschaft derart in den Dreck gezogen zu lesen. Aber es kommt noch schlimmer: Diese Meinung vertrete ich auch über eine andere Art von Clubs. Die großen Fußballclubs sind ebenfalls nichts anderes als Wirtschaftsunternehmen. Einige sind bereits Aktiengesellschaften. Vorgeschoben wird die Unterstützung des “eigenen Vereins”. In Wirklichkeit geht es um Geld, sehr viel Geld. Es wird viel Geld eingenommen und sehr viel Geld ausgegeben. Das Geld wird sogar von Wirtschaftsunternehmen zu Wirtschaftsunternehmen hin und her geschoben. Man nennt das dann Ablösesumme.

Es geht um Geld, sehr viel Geld. Da regt es mich teilweise auf, wie diese Wirtschaftsunternehmen von uns allen gesponsort werden, die Polizei und die Rettungskräfte an Spielwochenenden ganze Züge und Städte zum Kampfgebiet machen (müssen). Aber es ist ein hartes Geschäft, und diese Unternehmen haben es geschafft, dass jedes Mal Hunderttausende darum betteln, ihr Geld an sie loszuwerden.

Damit dann andere Mitglieder und vor allem Angestellte immer weiter ihr hartes Arbeitsleben dafür einsetzen, dass das Rad und der Ball sich immer weiter drehen. Damit sie selbst mit ihrer Position gesichert bleiben und sie diese dann auch sehr wohl gerechtfertigt noch verbessern können.

In solch einem Kampf um die Rechtfertigung und die Verbesserung der eigenen Position werden dann schon einmal Steuern hinterzogen oder Zahlen gefälscht. Warum sollte es in solchen Unternehmen anders sein als in den ganzen anderen Wirtschaftsunternehmen. Wundern sollte man sich über andere Dinge.

Wer betrügt, der fliegt. Immerhin, Ramstetter hat selbst Konsequenzen gezogen. Er fliegt von selbst. Ansonsten wird kaum einer geflogen. Trotz der markigen Sprüche.

Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.

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