Xing: Guten Tag Herr Hamm

Früher, damals, als das noch Spaß machte, war ich bei OpenBC. Später auch noch, nach dem Namenswechsel zu Xing. Besser wurde es lange Zeit nicht. Aber es blieb gut.

Inzwischen habe ich die Lust an Xing verloren. Die Gruppen sind langweilig, es gibt fast nur noch irgendwelche Links zu angeblich super Artikeln, Stellenanzeigen und Veranstaltungshinweise.

Ach ja, und dann gibt es noch diese Kontaktanfragen, die sogar mit einem Text verschickt werden. Sie folgen irgendwie alle einem ähnlichen Script. Üblicherweise beginnen sie mit

Guten Tag Herr Hamm,

Meistens kommt dann irgendein nichtssagender Allgemeinplatz über irgendeinen Hype. Beispielsweise:

Influencer Marketing zählt aktuell zu den wichtigsten Werbestrategien.

Dann folgt ein logischer aber üblicherweise falscher Schluss auf mich:

Wie ich sehe, sind Sie auch in diesem Bereich tätig.

Wieder folgt ein nichtssagender Allgemeinplatz, diesmal über ein Übel der Welt und wie schlimm das doch ist:

Die Suche nach relevanten Künstlern ist meist sehr zeitaufwendig.

Dann aber kommt’s. Der Apfel im Paradies lockt – obwohl ich wohl kaum einen solchen wünschenswerten Künstlerapfel möchte. Was klar wäre, hätte der Kontaktanfragende auch nur irgendwie einigermaßen recherchiert:

Zugleich wären höhere Buchungszahlen für die Künstler aus Ihrem eigenen Pool sicher auch wünschenswert.

Doch diesen Apfel würde sicher jeder haben wollen. Falls nicht, ist hier der Punkt erreicht, an dem es darum geht, Schuldgefühle zu wecken. Auch wenn es wieder nur Allgemeinplätze sind, die mir egal sind und die ich dem mir unbekannten Absender auch gar nicht verraten würde:

Was tun Sie aktuell in puncto Lead Generierung und Erhebung von Mediadaten?

Natürlich hat der Kontaktanfragende einen Wunsch oder sogar mehrere Wünsche, die er mir ganz ehrlich und platt präsentiert. Da ist also die Win-Situation für den Anfragenden:

Gerne würde ich mehr über Ihre Erfahrungen und Schwerpunkte im Bereich Influencer Marketing erfahren.

Genau jetzt würde ich den wirklichen Apfel für mich erfahren. Für so einen Marketing-Guru wäre es an der Zeit, meine Win-Situation zu verdeutlichen und den Angelhaken „Call-to-Action“ auszuwerfen.

Viele Grüße

Der dann nicht kommt.

Interessanterweise kommt so ein Spam bei Xing unter dem Navigationspunkt „Meine Kontakte“.

Ganz bestimmt nicht.

Aber da ist er ja, der Call-to-Action: „Als Spam melden“

4 Antworten auf „Xing: Guten Tag Herr Hamm“

  1. Die Kontaktesammelfanatiker bei XING machen sich ja nicht mal ansatzweise die Mühe, sich die Profile ihrer potentiellen Vernetzungsopfer anzugucken. Bei mir steht bspw. unter „Ich suche“: KEINE HEADHUNTER
    Nun darfst Du raten, aus welchem Business ich die meisten Anfragen bekomme. Ich bin zwar auch seit OpenBC Zeiten dabei, kann aber bislang keine postiven Auswirkungen auf mein Business feststellen. Gehört wohl zum guten Ton, dort irgendwie vertreten und zumindest sichtbar zu sein.
    Viele Grüße (wir sollten uns bei XING vernetzen, weil wir ja den gleichen Namen haben)

    1. Eine ganze Zeit war bei mir Ruhe, doch irgendwie fangen die Kontakt-Hunter wieder an, unqualifiziert rumzuspammen. Vermutlich reicht es denen, wenn einer von Hundert anbeißt.

      Genauso wenig wie Dir hat mir Xing bei meinem Geschäft wirklich geholfen. Daher habe ich vor ein paar Jahren meinen Premium-Account gekündigt und mich auf wenige Gruppen beschränkt. Doch auch da finde ich sein einiger Zeit keinen Mehrwehrt mehr.

      Viele Grüße von Hamm zu Hamm 🙂

      P.S. ob wir vielleicht verwandt sind…

  2. Xing hat sich in die verkehrte Richtung weiter entwickelt, weil Burda die Lenkung übernommen hat. Geschäftlich sogar erfolgreich, aber der Nutzwert ist so verzichtbar wie die Gala oder der Focus.
    Mir kommt Xing wie ein Musterbeispiel für unterlassenes digitales Denken vor. Man kann zwar schon seine Xing-Kontakte in Outlook importieren, aber viel mehr an Business-Integration gibt es nicht. Kein Messaging, kein Websession-Angebot. Stattdessen wird mehr von dem, was es sowieso schon zu viel gibt: Content. Die technologische Beschränktheit dürfte mEn. richtig sichtbar werden, wenn Linkedin sich tiefer in die Software-Lösungen von Microsoft integriert.

    1. Das stimmt: Geschäftlich ist Xing bisher erfolgreich. Aber die Zukunftsperspektive ist aufgrund der Einschränkungen eher mau. Xing wurde zwar schon immer mal ein schleichender Tod vorhergesagt, aber funktional ist seit Jahren so gut wie nichts passiert. Dann die mäßige und schneckenmäßige Integration von Diensten wie Amiando oder Kununu. Die Seitenadministration bei Xing ist hahnebüchend, insbesondere scheint es nach wie vor kein passables Benutzer-
      und Rechtemanagement zu geben. Irgendwie das klassische Verhalten von lokalen Platzhirschen: Die Cashcow melken, solange es geht. Und Entwicklungen drücken nur die Rendite.

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