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Automatisierung – der Beton der Unternehmen (SR 240)

Effizienz auf Teufel komm raus.

Gerade eben hat ein Automatisierungsteufel zugeschlagen. Mitten im Editieren kam der Prompt des Java-Updates und verlangte den Login eines Administrators. Blöd, dachte ich mir. Da gibt es die Automatisierung des Updates, damit immer alles schön auf dem neuesten Stand ist und damit ich Anwender mich nicht selbst drum kümmern muss, und dann zerhaut es mir meinen Fokus beim Arbeiten und damit meine Produktivität.

Und das, kurz nachdem ich mit meinem Schreibroulette begonnen hatte und Simone Jansons Artikel über die fragwürdige Automatisierung gelesen hatte. In meinem Fall ist dieses automatische Update gut gemeint für die Maschine, aber für den Menschen schlecht gemacht. Ich möchte nicht mitten in meiner Arbeit unterbrochen werden. Und einmal ehrlich: Wie oft passiert es Euch, dass mitten beim Tippen, Mauszeigern irgend so ein prompt hochkommt und Euch aus Eurer Arbeit rausreißt?

Ähnlich passiert es mir manchmal, wenn ich aufgrund einer Automatisierung überrascht werde. Ich benutze beispielsweise Buffer, um hauptsächlich Tweets über eine Warteschlange irgendwann automatisch auf Twitter zu veröffentlichen. Mein Gedanke dabei ist, meine Follower nicht mit einem Stakkato von Tweets innerhalb von wenigen Minuten zu belästigen. Andererseits gibt es Follower, die sind nicht unbedingt dann online sondern eher am Nachmittag.

Doch diese Automatisierung hat seine Tücke: Wenn ich nämlich zum Veröffentlichungszeitpunkt offline bin (beispielsweise, um konzentriert an etwas zu arbeiten). Wenn dann jemand eine Frage hat, muss er/sie lange auf meine Antwort warten. Glücklicherweise zumindest ist die Einrichtung von Buffer sehr einfach. Das ist ein weiterer Punkt bei der Automatisierung. Manchmal wird auf Teufel komm raus an der Effizienz geschraubt, da werden zig Arbeitsstunden reingesteckt, um auch noch die kleinste Aufwandeinsparung vermeintlich rauszuholen. Wenn ich bei so mancher meiner Automatisierungsversuche zur Effizienzsteigerung meinen ROI berechnent würde…Nein, diese Diskussion möchte ich jetzt nicht lostreten.

Manchmal versuche ich mich an einer Automatisierung auch gar nicht mit dem unbedingten Ziel einer Effizienzsteigerung. Es geht mir um das Lernen. Ich probiere etwas aus, mache Fehler (okay, ganz, ganz selten…) und lerne daraus. Wenn der „Return“ dann auch noch den „Invest“ übertrifft: Gut. Aber da ist die Effizienz eine willkommene Nebenwirkung.

Und was ist, wenn diese Automatisierung geändert werden muss? Wie komme ich überhaupt darauf, dass da etwas suboptimal oder sogar verkehrt läuft? Schließlich läuft der automatische Prozess einfach so vor sich hin. Irgendwann sage ich mir: Das habe ich schon immer so gemacht, so ist das gut, und so bleibt es. Ich habe ja auch einen Aufwand reingesteckt, damit irgendwelche Automaten diesen Prozess automatisch abarbeiten. Der muss sich erst einmal bezahlt machen. Das Einführungsprojekt hat einen dreistelligen Aufwand an Personentagen gekostet, das muss der Prozess erst einmal herausholen. Von den monetären Aufwänden ganz zu schweigen. Und dann kommt irgend so ein Heini und blubbert etwas von:

Chef, das sollten wir mal überdenken. Mir ist da etwas aufgefallen, als ich mich mit jemandem in meinem Netzwerk ausgetauscht habe!

So ein Störenfried! Automatisierungen sind optimierte Prozesse, die von selbst laufen. Da fließt all unser Wissen und das von Experten rein. Und dann kommt irgend so ein Besserwisser und meint, er könne alles umkrempeln.

Andererseits, vielleicht will ich genau das: Das meine Mitarbeiter mit- und nachdenken. Dass sie über den Tellerrand schauen und sich austauschen. Mir aufzeigen, wie es effizienter geht. Und außerdem: Wer sagt denn, dass die in Beton gemeißelte Automatisierung, unser liebgewonnener Prozess, überhaupt noch das Richtige macht? Vielleicht sollten wir etwas nicht schneller, besser, weiter machen sondern vielleicht ganz anders. Oder gleich: Eine ganz neue Idee mit ganz anderen Prozessen umsetzen. Dann brauche ich auch noch Mitarbeiter, die ganz anders denken können.

Jetzt bin ich also in der Unternehmenswelt gelandet. Dabei ging es Simone wohl eigentlich nur um die Hinterfragung persönlicher Automatisierungen. Aber so ist das manchmal: Über den Tellerrand geschaut, und schon hat man sich und andere in Frage gestellt.

Effizienz auf Teufel komm raus.

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Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 14. April 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Berater und Autor | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Abhängiger | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen). Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.