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Die Corona-Impf-Lücke: Ü80, nicht mobil und zu Hause

In der Coronavirus-Impfverordnung gibt es eine Lücke: Über 80-Jährige, die nicht mobil sind, werden nicht geimpft. Also beispielsweise Personen, die über 80 Jahre alt sind, aber zu Hause gepflegt werden. Also beispielsweise meine Mutter und meine Tante.

In der Coronavirus-Impfverordnung gibt es eine Lücke: Über 80-Jährige, die nicht mobil sind, werden nicht geimpft. Also beispielsweise Personen, die über 80 Jahre alt sind, aber zu Hause gepflegt werden. Also beispielsweise meine Mutter und meine Tante.

TL;DR: Derzeit gibt es keine Regelung zur Impfung von Personen über 80 Jahren, die nicht mobil und nicht in einem Alten- oder Pflegeheim sind.

Meine Mutter und meine Tante leben in Hessen. Beide sind über 80 Jahre alt und haben damit gemäß Coronavirus-Impfverordnung mit höchster Priorität Anspruch auf Schutzimpfung. Beide sind nicht in einem Alten- oder Pflegeheim, sondern in einem Wohnhaus. Beide sind jedoch nicht mobil, um Dutzende von Kilometer und möglicherweise verbunden mit einer längeren Wartezeit in ein Impfzentrum zu fahren. Meine Mutter ist auf einen Treppenlift angewiesen und hat aufgrund einer Vorerkrankung starke Einschränkungen und ein erhöhtes Risiko. Meine Tante hat einen Pflegegrad und wird durch den Sozialdienst versorgt. Wie also kommen die beiden zu ihrem Anspruch auf Impfung?

Den Fragen und Antworten zur COVID-19-Impfung vom Bundesgesundheitsministeriums konnte ich nicht entnehmen, wie meine Mutter und meine Tante zu ihrer Impfung kommen. Auch in der Coronavirus-Impfverordnung fand ich keine Lösung.

Leistungen […] werden in Impfzentren und durch mobile Impfteams, die den Impfzentren angegliedert sind, erbracht. Die Impfzentren werden von den Ländern oder im Auftrag der Länder errichtet und betrieben.

( §6 (1) Coronavirus-Impfverordnung – Leistungserbringung (1))

Deswegen habe ich die 116117 angerufen und mich (für Hessen) erkundigt. Eine Zusammenfassung der Auskünfte:

Es gebe zwar Ansprechpartner für mobile Teams, allerdings seien diese Teams begrenzt auf Alten- und Pflegeheime. Die mobilen Teams seien derzeit nicht für „Hausbesuche“ vorgesehen. In Hessen könne die Anmeldung zur Impfung ab dem 12. Januar erfolgen. Dann könne ich bei der Registrierung fragen, wie meine Mutter und meine Tante geimpft werden können. Bis dahin könne sich vielleicht etwas in den Regelungen ändern/tun.

Ich kann den Auskünften und den aktuellen Impfprioritäten nicht erkennen, wie jemand zu einer Impfung kommt, wenn er zu Hause und nicht mobil ist. Das dürfte viele „Ü80“ betreffen, die zu Hause vom Pflegedienst oder von Verwandten gepflegt werden. Aber eben auch jüngere, die beispielsweise besonders gefährdet und zu Hause in Pflege sind. Also beispielsweise:

  1. Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben,
  2. Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nacheiner Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht

(§3 Coronavirus-Impfverordnung – Schutzimpfungen mit hoher Priorität )

Da es sich bei der Coronavirus-Impfverordnung um eine Bundesverordnung handelt, gehe ich davon aus, dass diese „Corona-Impf-Lücke“ für alle Bundesländer zutrifft.

Quellen:

Nachtrag (5. Januar 2021)

In Rheinland-Pfalz scheint es … irgendwie irgendeine Art von Regelung zu geben

Bei den Über-80-Jährigen im Land gingen derweil am Dienstag die ersten Informationsbriefe der Landesregierung zu den Impfungen ein – einen Tag nach dem Start der Terminvergabe. Darin wird auf die kostenlose Termin-Hotline 0800-5758100 hingewiesen, sowie auf die Homepage impftermin.rlp.de. In dem Schreiben heißt es weiter, wer über 80 Jahre alt und bettlägerig sei, solle sich an seinen Hausarzt wenden, wer einen Fahrdienst brauche, solle Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen „und fragen, ob und unter welchen Umständen ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung“ bestehe.

(Mainzer Biontech-Gründer Sahin: Bis Sommer ausreichend Impfstoff für alle zur Verfügung – Impfhotline hakt weiter)

Nachtrag 6. Januar 2020: Weitere Gedanken

Gerade bei Sozialdiensten, die Personen mobil versorgen, ist die Anzahl der möglichen Infektionspunkte jedoch besonders hoch. Täglich sind das pro Mitarbeiter im mobilen Einsatz über 20 oder manchmal gar 30 Kontakte der Kategorie 1. Selbst wenn sie geimpft sind, sind die Mitarbeiter nach gegenwärtigem Stand weiterhin mögliche Infektionsträger.

In stationären Einrichtungen wird nur etwa ein Drittel der Pflegebedürftigen versorgt, die anderen zwei Drittel werden zu Hause versorgt. Zwar auch durch jüngere Angehörige, aber oft durch ebenfalls ältere Partner und zusätzlich mit einer Versorgung durch einen mobilen Dienst. Viele dieser Pflegebedürftigen sind mit einer stundenlangen Reisezeit zu einem Impfzentrum starkem, auch körperlichem Stress ausgesetzt

Nach aktuellen Meldungen sollen sich in Rheinland-Pfalz derart Betroffene an den Hausarzt wenden sowie sich bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob die Fahrtkosten übernommen werden. Sprich: Es gibt keine Regelung dafür. In Berlin gibt es übrigens eine Regelung, wonach zumindest eine Taxifahrt zum Impfzentrum bezahlt wird (auch dies wird in vielen Fällen nicht praktikabel sein.).

Die Corona-Impfverordnung legt die höchste Impfpriorität für Über-80-Jährige unabhängig von weiteren Kriterien wie der Unterbringung fest. Die Umsetzung in den Ländern trifft jedoch eine Unterscheidung und schließt viele dieser Gruppe in der höchsten Impfpriorität wieder aus.

Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Autor und Wanderführer | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen). Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur. In den Sozialen Medien ist er auf Twitter als @DerEntspannende, auf Facebook als Der Entspannende und auf Instagram als Der Entspannende.

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