Die Desäkularisierung Bayerns – Über Kreuz und Kruzifix

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Markus Söder: Kreuz

Offizielle Zahlen der Religionszugehörigkeit gibt es zuletzt vom Zensus 2011. Da haben die beiden größten christlichen Religionen zusammen 76 Prozent der religionszugehörigkeit von Bayerns Bürger:

  • 55 Prozent Römisch-katholische Kirche
  • 21 Prozent evangelische Kirche 21

Religionszugehörigkeit aus dem Zensus, vereinfacht ausgedrückt: Kombination aus Befragungen und Register (was über „Kirchensteuer zahlen“ entscheidet).

Soweit die offiziellen Zahlen von vor der „Einwanderungswelle“, die von Söder, Seehofer und Co. ständig beschworen wird.

Allerdings sehe ich in den Zahlen auch, dass 6 Prozent der Bayern geschieden waren (die wohl kaum alles den restlichen 45 Prozent Nicht-Römisch-Katholiken zuzurechnen sind), was nach römisch-katholischer Sichtweise nicht mit eigenen Grundwerten vereinbar ist. Die Zahlen geben halt nicht her, wie eine Religion tatsächlich „gelebt“ wird.

Außerdem reden wir hier nicht über das Anbringen eines zentralen Zeichens einer Religion an öffentlichen Orten, sondern von einigen Religionen in staatlichen Behörden (des Freistaats Bayern).

Interessant finde ich, dass gerade das publikumswirksame Aufhängen des Zeichens vom evangelisch-lutherisch Ministerpräsidenten Söder nicht mit einem Kreuz, sondern mit einem Kruzifix erfolgte. Und das ist eindeutig kein Zeichen aller christlichen Religionen, es spielt bespielsweise in der evangelischen Kirche eine ganz andere Rolle als in der katholisch-römischen Kirche. Und soweit ich weiß, benutzen die reformierten Kirchen weder Kreuz noch Kruzifix.

Ministerrat beschließt das Aufhängen von Kreuzen in Dienstgebäuden des Freistaats

Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen. Der Ministerrat hat heute eine entsprechende Änderung der allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats Bayern beschlossen. Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung.
Die Verpflichtung gilt für alle Behörden des Freistaats Bayern ab dem 1. Juni 2018. Gemeinden, Landkreisen und Bezirken wird empfohlen, entsprechend zu verfahren.

(Bayerische Staatsregierung: Bericht aus der Kabinettssitzung vom 24. April 2018)

Ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen„, das halte ich für ziemlich unverfroren. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Staates BRD und damit (davon ging ich bislang aus) auch des Freistaats Bayern basiert auf Freiheit und Demokratie.

Die Grundordnung der römisch-katholischen Religion (der nach dem Zensus in Bayern 55 Prozent zugehören) basiert auf Hierarchie.

Aber vielleicht will Söder als neuer Ministerpräsident eher Letzteres vermitteln.

Ich stelle mir gerade vor, wie ich am 1. Juli als einer von über einer halben Million Muslimen Bayerns in den Eingangsbereich einer Dienststelle der bayerischen Polizei taumele, um eine Anzeige gegen ausländerfeindliche Parolen schwingende und mich vermöbelnde Christen zu erstatten.

Dann würde ich das Kreuz grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung sehen.

Das mit den „Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern“ würde ich voll verstehen.

Siehe auch:

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