Java gefährlich? Das Finanzamt auch. (SR 210)

Mein heutiges Schreibroulette führte mich zu Silicon.de, wo einer total repräsentativen Untersuchung zufolge die Gefährlichkeit von Java attestiert wird. Und demzufolge sich immer mehr Kriminelle auf Java stürzen. Kein Wunder, setzen doch noch – und gerade – Unternehmen die nicht mehr unterstützte Version 6 ein. Solche Unternehmen setzen sicherlich auch noch Windows XP und den Internet Explorer 6 ein.

Genauso vermutlich wie die – oder viele – Finanzämter. Denn als Selbstständiger muss man je nach Zeitraum monatlich seine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt abgeben. Seit einiger Zeit darf diese Abgabe nur noch elektronisch erfolgen. Dafür gibt es ein spezielles Portal – das mich als Kunden zur Verwendung von Java zwingt. Denn sonst ist vom Finanzamt erst einmal nichts anderes vorgesehen.

Das Finanzamt zwingt also eine offensichtlich sehr unsichere Software seinen Kunden auf. Der Kunde scheint also dort kein König zu sein. Immerhin zahle ich die Gehälter der Mitarbeiter der Finanzämter. Ich könnte mich natürlich einem Steuerberater anvertrauen, der das mit einer anderen Software macht (habe ich sogar). Aber jede Wette, es gibt viele Selbstständige, die können oder wollen diesen Weg nicht einschlagen. Verständlich. Immerhin bietet das Finanzamt ja ein Portal an, nein, zwingt zunächst seinen Kunden ein total veraltetes jeglicher Benutzerfreundlichkeit hinterherhinkendes Portal auf. Und dann auch noch Java, das in IT-Kreisen seit Jahren dafür bekannt ist für seine Lücken.

Aber das Risiko zwingt das Finanzamt (ich weiß, Finanzämter sind Ländersache) damit seinen Kunden auf. Wenn’s schief geht: Ihr habt nicht aufgepasst. Das ist so wie eine Autobahn zu bauen, sie dann verkommen zu lassen mit haufenweisen Schlaglöchern, alten Belägen, miserabler Beschilderung. Oder noch besser: Gleich Schilder aufstellen: „80 Km/h – Schlechter Fahrbahnbelag“. Ach ja, das haben wir ja auch…

Also bei den Ämtern und den Behörden, da sind wir, der Souverän, keine Kunden. Wir sind Gefangene rückständiger Willkür.

Im Übrigen war ich erstaunt im Artikel zu lesen, dass Java ein Unternehmen war, das von Oracle übernommen wurde. Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, Java wäre eine Lösung von Sun gewesen. Und Sun wäre von Oracle übernommen worden. Genauso wie MySQL (diesmal sowohl Unternehmen als auch Lösung) von Oracle übernommen wurde. Von Oracle übernommen zu werden ist nicht unbedingt das, was ich einem Unternehmen wünschte, dessen Lösungen ich einsetzte (oh, immer noch einsetze…). Aber das ist eine andere Geschichte.

Noch auf ein Wort zu Silicon.de: Beim Aufruf des Links aus meinem Feedreader heraus landete ich auf einem Template/Theme, das für Mobilzugriffe optimiert ist. Obwohl ich das “Handy-Theme” in der Fußzeile ausschaltete, landete ich immer dort. Auch der URL (nein, für mich heißt es DER Uniform Resource Locator) zeigte keine Parameter für ein “Handy-Theme”. Wer benutzt übrigens noch ein Handy von den Lesern Silicon.des? Ich benutze ein Smart.

Wenn Kunden zum Gefangenen werden.

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Bildquelle

  • Screenshot Silicon.de

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