Kältebus-Aufrufe: Meist fehlerhaft und gefährlich!

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Jedes Mal, wenn es kalt wird, geht es los: Haufenweise posten Leute in den Sozialen Medien Listen mit Telefonnumern von Kältebussen und der Bitte, doch bei Bedarf und vor Allem bei Notfällen anzurufen. Doch die Telefonnummern sind meistens falsch oder nicht für Notfälle.

Hauptsache, man tut etwas Gutes. Und wenn es nur das Posten von Listen vermeintlicher Notfallnummern für Kälteopfer ist. Doch gut gemeint ist nicht immer gut getan.

In den sozialen Medien kursieren jedes Jahr zur Winterzeit diverse Nummern, die Passanten wählen sollen, wenn sie auf einen Menschen stoßen, der zu erfrieren droht. Dabei geraten häufig falsche Nummern in Umlauf. Dabei gilt deutschlandweit dieselbe Nummer für den Notfall: 112!

(Virale Kältebus-Aufrufe sind oft fehlerhaft – Yahoo Nachrichten Deutschland)

Bitte solche Listen nicht einfach verbreiten. Kältebusse sind meistens entweder stationär, oder sie fahren ihre festen Routen ab. Nur wenige weichen von ihrer Route ab, und das ist immer spezifisch je Organisation und Stadt. Für Hilfe in Notfällen sind die entsprechenden Vereine oder Organisation dann weder zuständig, noch können sie die Hilfe leisten. Für Notfälle verweisen fast alle Kältebusse auf die 112. So wie Berthold Troitsch vom Kältebus München:

Was wir ausdrücklich nicht machen, entgegen von diesen unsinnigen Posts, die immer rumgehen, ist, dass wir Leute aufsammeln. Der Kältebus ist definitiv keine 24-Stunden-Nothilfe. Wir können keine medizinische Versorgung leisten und wir können und dürfen auch niemanden irgendwo hinbringen. Abgesehen davon, dass die Leute sich bei den vorhandenen Unterkunftsmöglichkeiten oft vorher anmelden müssten.

(Kältebus rufen? Wie man Obdachlosen bei Kälte helfen kann – Bayerischer Rundfunk)

In manchen Listen wird beispielsweise die Hotline einer städtischen Sozialhilfe genannt, die nur werktags und tagsüber besetzt ist und und nicht für Notfälle geeignet ist. Oder so wie hier fälschlicherweise die Nr. der Hamburger Diakonie.

Auf Facebook kursieren derzeit wieder Falschmeldungen: Wenn man nachts einen Obdachlosen draußen schlafen sehe, könne man telefonisch einen „Kälte/Mitternachtsbus“ rufen. Fälschlicherweise genannt ist für Hamburg die Büro-Nummer des Mitternachtsbusses.

Der Mitternachtsbus ist zwar 365 Nächte im Jahr unterwegs und die Ehrenamtlichen an Bord kümmern sich um obdachlose Menschen – mit heißen Getränken, Brötchen und Gesprächen. Doch der Bus fährt eine feste Route und ist nicht für Notfall-Einsätze ausgestattet. Unter der auf Facebook genannten Büro-Nummer des Mitternachtsbusses ist nachts niemand erreichbar.

(Mitternachtsbus: Hotline-Falschmeldung auf Facebook – Diakonisches Werk Hamburg)

Oder es wird die Hotline der Hamburger Sozialbehörde genannt. Es ist aber keine Telefonnumer für einen Notruf, und es geht nicht um Hilfe gegen das Erfrieren, dafür gibt es ausschließlich die 112 (oder 110). Die genannte Nummer ist die Hotline gegen Verfestigung sozialer Brennpunkte.

Hier ist beispielsweise ein entsprechender Tweet von Torwartsson:

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Die Berliner Nummer stimmt wohl. Doch der Bus fährt nur drei Mal in der Woche von 21 bis 3 Uhr. Und die Dresdner Telefonnummer ist vom Pressesprecher Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit Sachsen e. V.

Also nicht wild und ungeprüft irgendwelche Telefonnummerlisten posten oder reposten/retweeten. Im wirklichen Notfall kann wertvolle Zeit vergehen. Wenn Du den genauen Hintergrund und Einsatzzweck einer „Kältebus-Notfallnummer“ nicht kennst, dann ist dessen Telefonnummer die falsche Wahl. Dann gibt nur eine und genau eine Wahl:

112

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