Kategorien
Geschriebenes

Keine Mobilitätswende in Neubaugebieten – Auto geht vor!

Bewege ich mich durch neue Wohngebiete (aka Neubaugebiete), die in den letzten Jahren erschlossen und bebaut wurden, so bemerke ich keine, aber auch wirklich keine Mobilitätswende. Eine Betrachtung und ein Vorschlag, wie es sein könnte.

Bewege ich mich durch neue Wohngebiete (aka Neubaugebiete), die in den letzten Jahren erschlossen und bebaut wurden, so bemerke ich keine, aber auch wirklich keine Mobilitätswende. Das Auto bestimmt die Nutzung von Flächen.

Am Morgen des Fronleichnam-Feiertages joggte ich durch Hahnheim und nahm diesmal einen Abstecher durch das Neubaugebiet, in dem seit letztem Jahr kräftig gebaut wurde. Das Neubaugebiet liegt am südwestlichen Rand von Hahnheim an der L432, gegenüber vom Friedhof. Was mir auffiel, bemerkte ich bereits in vielen anderen Neubaugebiete, durch die ich in den letzten Jahren lief oder fuhr.

Die Einfamilienhäuser haben eine Garage und davor eine Zufahrt auf dem eigenen Grundstück, die zum Parken eines Autos reicht. Am Feiertag stand praktisch auf jedem Zufahrtsparkplatz ein Auto, die Garagentür war geschlossen. Die gegenüberliegende Straße war von Anfang bis Ende nahezu komplett mit parkenden Autos belegt.

Ich gehe fast jede Wette ein, dass in den Garagen kein Auto war, sie jedoch als Stellplatz diente oder leer war. Heutzutage hat eine Familie in Neubaugebieten typischerweise 2 oder gar 3 Autos (zwei Partner, ein oder zwei Kinder). Ein Auto in die Garage zu fahren und das andere Auto auf den eigenen Zufahrtsparkplatz zu stellen, ist absolut unpraktisch. Ständig wird genau das Auto benötigt, das in der Garage steht. Also eines rausfahren, das andere wegfahren, das erste wieder reinfahren, mit dem anderen die Besorgung oder Fahrt erledigen. Das führt dazu, dass die anderen Autos eben auf der Straße geparkt werden. In Hahnheim funktioniert das wunderbar, denn die Häuser der anderen Straßenseite haben ihre Vorderseite auf ihrer anderen Seite, mit ihrer eigenen Fahr- und Parkstraße.

Hier werden wie oft die Neubaugebiete so angelegt, dass nur ein Auto auf dem eigenen Grundstück geparkt wird. Das andere (oder auch die anderen) Auto wird in der Planung schon für die Straße vorgesehen. Die Straße wird – so wie hier in Hahnheim – so breit gemacht, dass auf der Straße reichlich Platz ist.

Autofreundliches Neubaugebiet in Hahnheim
Autofreundliches Neubaugebiet in Hahnheim

Ich kenne das aus meiner Heimat im Odenwald auch von älteren Neubaugebieten. Inzwischen leben dort schon mal zwei Familien (Eltern und Sohn/Tochter mit Partner(in) sowie ggf. Kinder. Ein solches „Mehrgenerationenhaus“ verfügt dann schon einmal über 5 oder 6 Autos. Keines davon parkt in der Garage, die im Laufe der Jahrzehnte umgewidmet wurde, beispielsweise zum Hobbyraum.

Die Gemeinden finanzieren den Neubürgern kostenlos zusätzliche Parkplätze, denn die Neubürger zahlen keine Anwohnerparkgebühr – zumindest ist mir kein solcher Fall bekannt. Mit dieser kostenlosen Fremd-Finanzierung von Parkplätzen und der Bequemlichkeit weiterer Autos nur ein paar dutzend Meter vom Haus entfernt wird das nichts mit der Mobilitätswende.

Zu meiner Kinder- und Jugendzeit spielten wir auf der Straße beispielsweise Federball. Selbst ohne Durchgangsstraße sehe ich derartiges quasi gar nicht mehr. Schaue ich mir die Straße in Hahnheim an, dann würde ich da auch nicht spielen wollen, denn es gibt keinen Bürgersteig, die Straße ist durch die parkenden Autos beengt.

Was könnten Gemeinden besser machen? Eine spontane Liste von Ideen:

  • Eine Anwohnerparkgebühr einführen. Und zwar eine, die nicht nur eine symbolische Höhe hat, sondern sich an dem Quadratmeterpreis des Neubaugebiets orientiert. Dann sollten die Parkstreifen auch entsprechend markiert sein.
  • Bleibt das Problem von Gästen, Handwerkern etc. Man könnte den Parkstreifen wechselnd als Anwohnerparkplatz oder Kurzzeitplatz markieren. Handwerker, die länger in einem der Häuser zu tun haben, könnten sich eine „Gästeparkkarte“ kaufen und die in ihrer Rechnung an die Hauseigentümer weitergeben.
  • Besser fände ich es, wenn es separate und abgetrennte Parkplätze für Anwohner gäbe. Also beispielsweise für einen Straßenabschnitt einen Parkplatz, in den man von der Straße aus einfährt. Anwohner können sich entsprechende Plätze dort mieten.
  • Auf der Straße gibt es Parkbuchten für Kurzzeitparker und Besucher.
  • Diese Parkplätze pro Straße(n) oder  Straßenabschnitt (je nach Länge der Straßen und Anzahl der Wohnungen/Häuser) verringern mit Wohnhäuser bebauter Fläche. Damit entgehen der Gemeinde Einnahmen. Die Parkgebühren sollten sich genau daran orientieren und damit einen realistischen Preis für die Nutzung gemeinschaftlicher Flächen erzielen.

Was meinst Du dazu?

Keinen Beitrag verpassen: Abonniere meinen Newsletter und erhalte eine Mail bei neuen Blog-Beiträgen.
Datenschutzbestimmungen *
Um die Anmeldung abzuschließen, erhältst Du noch eine Email (das kann 10 - 15 Minuten dauern). Bitte bestätige die Anmeldung mit einem Klick auf den entsprechenden Link in der Email.

Lies die Datenschutzbestimmungen.

Von Der Schreibende (Frank Hamm)

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen, Autor und Wanderblogger | #Blogger, #Jogger, #SunriseRun & #Wandern | #Rheinhessen & #Hawaii Fan. Ich lebe in der Ortsgemeinde Selzen in #Rheinhessen, ca. 15 km südlich von #Mainz. Beiträge dieses Blogs werden automatisch im Fediverse als @frank@derschreiben.de geteilt. Kommentare erscheinen nach Freischaltung beim Blogartikel. Als Person findest Du mich im Fediverse unter DerEntspannende@Digitalcourage.social. Im Blog Der Entspannende berichtet ich über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.

Eine Antwort auf „Keine Mobilitätswende in Neubaugebieten – Auto geht vor!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert