Learning Apps as Apps can (SR 225)

Alles, was ein Lehrer zum Lehren benutzen kann, kann auch ein Schüler nutzen. Deswegen ist grundsätzlich alles nicht nur für Frontalunterricht geeignet sondern auch für “Flipped Learning” oder “Flipped Classroom”. Das Konzept des umgedrehten Klassenraums ist im Übrigen gar nicht so neu, es hat nur inzwischen eine größere Verbreitung erfahren.

In der Oberstufe am Gymnasium, damals, gab es Arbeitsgruppen mit Schülern, die mit ihrem Wissen manche Lehrer in Erstaunen versetzten, in manchen Kursen gab es Lehrer, die nur allzu willig wiss- und mitteilungsbedürftige Schüler ihre Position einnehmen ließen. Das ist nun schon ein paar Jahrzehnte her. Etwas hat jedoch die Möglichkeiten grundlegend verändert: Apps. Oder Software oder Applications, wie andere sagen mögen. Natürlich mit der dazu nötigen Hardware wie dem iPad.

Ich staune immer wieder über die Vielfalt und den Einfallsreichtum, die uns mit neuen Apps versorgen. Irgendwo las ich, dass mittlerweile im iOS-Store 700.000 Apps vorhanden wären. Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, aber passen täte es schon. Für mich ist die Vielfalt der Apps schon lange überwältigend. So überwältigend, dass ich nur noch bei konkretem Bedarf eine neue App ausprobiere. Seltsamerweise bin ich nicht der erste, der den Bedarf hatte, und es gibt bereits eine App dafür. Und das beziehe ich nicht nur auf die iOS-Welt sondern auch auf die Android-Welt, die Mac-Welt und die Windows-Welt. Ich vermute, in der Linux-Welt sieht es ähnlich aus.

Ich finde es faszinierend. Allerdings ist das auch eine Geldfrage. Nicht so sehr der Apps wegen, da gibt es sehr viele kostenlose oder kostengünstige Apps. Aber die Anfangsinvestition ist relativ hoch, wenn die Eltern sowieso zu knabbern haben. Und auf die Unterstützung der Schule zu hoffen ist oft wie die Hoffnung auf Regen im Death Valley. Die grundsätzlichen Überlegungen (sowas in der Schule geht doch gar nicht!) lasse ich einmal außen vor, da gibt es mit Sicherheit die üblichen Diskussionen und Widerstände. Aber für Eltern mit zwei Kindern, die mit einem gerade mal vierstelligen Netto auskommen müssen, ist so ein iPad oder auch ein Android-Pad eine Investition. Und die Schulen, die immer knapp bei Kasse waren solange ich denken kann, können sich auch nicht mal schnell ein paar Hundert solcher Geräte aus dem Hut zaubern.

Ich kann mich noch an die Diskussion in der Schule erinnern, ob denn Taschenrechner in der Matheklausur erlaubt werden sollten. Rechenschieber gab es ja schließlich schon seit ein paar Jahren. Und die Schule (oder die Lehrer in ihrem Privatbesitz) hatte ein paar Rechenschieber, um Kindern auszuhelfen, die keinen hatten. Aber bereits damals war es eine soziale Diskriminierung. Wer einen Texas Instruments hatte mit roten Leuchtzahlen und wissenschaftlichen Funktionen, der… hatte mehr Geld als jemand mit einem deutschen Billigimitat. Lacoste-Shirts waren der neueste Schrei. Adidas-Schuhe. Teure Markenjeans. All das waren Diskriminierungsplätze in der Schulklasse.

Zwischenbemerkung: Kinder können gemein sein (ich kann mich nicht wirklich richtig daran erinnern, ob ich jemals… Kind war).

Deswegen sollte die Gesellschaft eine Grundversorgung für Schüler und Studenten zur Verfügung stellen. Allein, es fehlt das Geld. Dann gibt es noch grundsätzliche Diskussionen. Und vor allem gibt es die landeshoheitliche Bildungspolitik. Damals bekam ich meine Bücher von der Schule. Mein Cousin im anderen Bundesland musste sich die Bücher kaufen. Inzwischen, nach einigen Jahrzehnten Kultusministerkonferenz gibt es große Fortschritte. Wir haben harmonische Sommerferien, harmonische Konferenzen, disharmonische Diskussionen im Hintergrund.

Zumindest die Geräte sollten zur Verfügung gestellt werden. Aber da fängt es schon an: Muss es unbedingt ein iPad sein? Egal, etwas sollte es sein.

Lehrer sollten lehren und lernen lehren. Damit die Schüler (oder Studenten oder Auszubildenden) sich eine App schnappen und ihren Lehrern zeigt, wie das oder jenes geht. Zum Beispiel eine der App, die in dem Artikel genannt sind.

Die Welt hat nicht genug. Ich schon. Schüler nicht.

P.S. Schaut Euch mal den URL an. Da steht noch etwas von 6 Apps. Auch die Übersichtsgrafik zeigt nur 6 Apps an. Anscheinend kam kurz vor Veröffentlichung noch eine dazu 🙂

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