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Parken in Mainz: Entweder PMG-Kreditkarte „Park & Go“ oder Preiserhöhung

Nach Jahrzehnten fällt der Parken in Mainz GmbH (PMG) auf, dass es den Datenschutz gibt. Sie beendet die Möglichkeit für „EC- und Kreditkartenzahlungen“ an den Ein- und Ausfahrten zum 31. Dezember 2020. Als Ersatz bietet sie ihre eigene Kreditkarte „Park & Go“ an – allerdings nur fürs Parken bei der PMG und nur mit Rabatt bei „Kurzpark-Tarifen“. Mir missfällt das.

Nach Jahrzehnten fällt der Parken in Mainz GmbH (PMG) auf, dass es den Datenschutz gibt. Sie beendet die Möglichkeit für „EC- und Kreditkartenzahlungen“ an den Ein- und Ausfahrten zum 31. Dezember 2020. Als Ersatz bietet sie ihre eigene Kreditkarte „Park & Go“ an – allerdings nur fürs Parken bei der PMG und nur mit Rabatt bei „Kurzpark-Tarifen“.

Ich bin kein Dauerparker und nur gelegentlich in Mainz. Dennoch und gerade deswegen bezahle ich seit den Neunzigerjahren in den Parkhäusern der PMG mit einer Kreditkarte. Das ist bequem, denn ich brauche nur die Kreditkarte bei der Einfahrt und bei der Ausfahrt an der Schranke einzuschieben. Kein Drücken eines Schalters. Kein Anstehen am Kassenautomaten bei der Ausfahrt. Bei der Ausfahrt bekomme ich direkt an der Schranke meinen Zahlungsbeleg. Lukrativ ist das Verfahren für mich auch: Es gibt einen einen Rabatt in Höhe von zehn Prozent.

Damit ist ab dem 1. Januar 2020 Schluss.

Schuld soll der Datenschutz sein

Laut PMG beendet sie das bisherige Verfahren aus „datenschutzrechtlichen Gründen“. Denn so seien

die auf den EC- und Kreditkarten gespeicherten Daten als höchst sensibel einzustufen und durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen besonders zu schützen. Da der nach den geltenden Datenschutzbestimmungen geforderte Grad der Verschlüsselung bei der Übertragung der Daten durch öffentliche bzw. nichtöffentliche Netze durch das Automatensystem nicht ganz erreicht wird, muss die PMG die Bezahlungsmöglichkeit für EC- und Kreditkarten an den Schranken beenden.

(„Park & Go-Karte ersetzt EC- und Kreditkartenzahlung“, PMG, 27.11.2019)

Anstelle eine angemessene Übertragung für das bisherige Verfahren umzusetzen, stellt die PMG es ganz ein. Als Ersatz hat sie eine neue Infrastruktur geschaffen, um eine eigene Parkkarte mit eingebauten Transponder anzubieten. PMG hebt hervor, dass das gesamte System berührungslos funktioniere (sie habe „bislang sehr gute Erfahrungen mit unseren Dauerparkern machen können“.) Als ob das bei den gängigen EC-Karten und Kreditkarten nicht möglich sei – außerdem könnte ich dann endlich mit Smartphone-App oder Smartwatch-App zahlen. Okay, die PMG-eigene Karte (mit eingebautem Transponder) kann an der Windschutzscheibe des Fahrzeugs angeklebt werden. Aber der Vorteil, sie sei umweltfreundlich, weil sie ohne Batterie funktioniere („Die Suche hat ein Ende – Parken ohne Ticket“), kann ich nicht nachvollziehen. Eine gängige Girokarte oder Kreditkarte funktioniert ebenfalls ohne Batterie. Und außerdem fällt dabei später kein zusätzlicher Müll für den Transponder an.

Apropos: Die erwähnten EC-Karten gibt es seit 2007 in Deutschland nicht mehr. Denn 2007 erfolgte die Umbenennung des deutschen Debitkartensystems in „Girocard“. Die Markenrechte an „EC“ liegen bei Mastercard.

PMG hebt die Bedienungsfreundlichkeit und die erfolgreiche Erprobung ihrer eigenen Kreditkarte hervor. Denn die „Park & Go Karte“ ist nichts anderes als eine Kreditkarte.

Abbuchung erfolgt monatlich

(Park & Go – Karte)

Die neuen Kartenleseterminals übermitteln die notwendigen Bezahldaten „direkt und verschlüsselt nach dem PCI-Datensicherheitsstand an das Kreditinstitut“. Offensichtlich wurde eine neue Infrastruktur für die eigene Karte aufgebaut, anstelle die plötzlich nach Jahrzehnten fragwürdig gewordene Übertragungstechnik von der Schranke aus zu überarbeiten. Und dass die seit vergangenem Jahr gültige Datenschutz-Grundverordnung plötzlich ganz andere Anforderungen stellt, kann ich nicht nachvollziehen. Denn es hat sich durch sie an den Grundsätzen auch des bis dahin gültigen Bundesdatenschutzgesetzes nichts geändert.

Folge ich jedoch der Argumentation der PMG, wird die PMG bis zum 31. Dezember mit dem alten Verfahren gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßen. Insgesamt wird dieser Verstoß seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai 2018 dann über eineinhalb Jahre dauern. Und das, obwohl die Datenschutz-Grundverordnung bereits am 27. April 2016 verordnet und bekannt wurde. Der PMG haben also zwei Jahre nicht gereicht, um ihr absehbar ab Mai 2018 gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßendes Verfahren zu ändern oder abzulösen. Fast vier Jahre braucht sie jedoch insgesamt für die Ablösung.

Apropos „Datensicherheitsstand“: Wie wird die Datenübertragung zwischen dem passiven Transponder (der in der Karte steckt) und den „kleinen grauen Kästen, sogenannten Lesegeräten“ verschlüsselt? Wie soll die Kommunikation zwischen den Geräten funktionieren, wenn angeblich einerseits der Transponder passiv ist, andererseits aber die Geräte Lesegeräte sind?

Unter passiven Transpondern versteht man Systeme, die zur Kommunikation und zur Abarbeitung interner Prozesse benötigte Energie ausschließlich aus dem Feld der Sende-/Empfangseinheit beziehen. Passive Transponder benötigen keine eigene Stromversorgung, können aber nur auf kurze Distanzen arbeiten.

(Seite „Transponder“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Januar 2019, 17:03 UTC. (Abgerufen: 2. Dezember 2019, 07:49 UTC))

Kosten

Mit einer Giro- oder Kreditkarte ist es wie bisher auch möglich, an den Kassenautomaten zu bezahlen. Allerdings gibt es dabei keinen Rabatt wie bisher bei der Zahlung mit Girokarten oder Kreditkarten an der Schranke.

Die „Park & Go“-Karte gibt es kostenlos. Mit der PMG-Karte gibt es einen Rabatt in Höhe von 10 Prozent „auf alle Kurzpark-Tarife“.

Einstellbedingungen / AGB und Datenschutzerklärung

Den Begriff „Kurzpark-Tarif“ habe ich jedoch auf Website und PDFs der PMG nicht gefunden. Dort ist im wesentlichen die Rede von Tagestarif, Nachttarif sowie von Kinotarif. Ob die PMG mit ihren Kurzpark-Tarifen wie Parkgesellschaften in anderen Städten womöglich das Parken innerhalb einer kurzen Zeit von 30 Minuten oder einer Stunde oder etwas anderes meint, kann ich damit nicht in Erfahrung bringen. Bekomme ich womöglich mit der angepriesenen „Park & Go“-Karte gar keinen Rabatt, wenn ich meinen Wagen einen ganzen Tag lang im Parkhaus CityPort einstelle, während ich mit der Bahn bei einem Kunden bin?

Um an die „Park & Go“-Karte zu gelangen, gibt es ein mit der Formulierung „zur Bestellung“ verlinktes Formular für „Vertragsabschluss und Registrierung“. Dort werden erhoben:

  • Zugangsdaten für spätere Anmeldung (E-Mail-Adresse, Passwort)
  • Rechnungsanschrift (vollständiger Name, Telefonnummer, Geburtsdatum, Straße, PLZ, Stadt, Land)
  • Zahlungsinformation (Kontoinhaber, IBAN, BIG)
  • Angabe der Präferenzen (Mietbeginn, Stellplätze)

Laut „Anlage I zum Mietvertrag Dauerparker der PMG Parken in Mainz GmbH“ (verlinkt als „Einstellbedingungen / AGB“) kann der Vertrag regulär „mit einer Frist von 14 Tagen zum kalendarischen Monatsende schriftlich gekündigt“ werden. Das halte ich bezüglich der Frist für okay. Fragwürdig halte ich die Bindung an die Schriftform, denn die Bestellung gebe ich online in Textform auf. Fragwürdig finde ich auch, dass die „Gebühren für die Benutzung der Parkieranlagen“ laut AGB „aus der ausgehängten Gebührenordnung ersichtlich“ sind. Doch zum Zeitpunkt der Bestellung („Vertragsabschluss und Registrierung“) habe ich keinen Zugriff auf die Gebührenordnung. Ich soll also eine Bestellung aufgeben (einen Vertrag abschließen), wobei mir die Gebühren nicht ersichtlich sind?

Interessanterweise ist im Formular eine Datenschutzerklärung verlinkt – doch in den AGBs ist ebenfalls ein Abschnitt für eine Datenschutzerklärung. Muss ich die jetzt beide überprüfen und Buchstabe für Buchstabe vergleichen? Ob die wohl identisch sind? Und wenn nicht: Welche gilt dann?

Ist das eine Bestellung, oder kann das weg?

Als ich mir das Formular und die genaue Formulierung zum Absenden genauer ansehe, wird plötzlich aus der vermeintlichen Bestellung lediglich die Anforderung eines Angebots:

Fordern Sie ein verbindliches Angebot für die hier aufgeführte Auswahl direkt an.

Doch es gibt keinerlei Information dazu, wann und in welcher Form ich ein Angebot von der PMG erhalte, und wie das Angebot dann aussehen wird – ob beispielsweise die geltenden Tarife beigefügt sind.

Vielleicht muss ich aber auch nur extra nach Mainz in ein PMG-Parkhaus fahren, um mir eine ausgehängte Gebührenordnung in Ruhe durchzulesen. Na ja, bis 31. Dezember könnte ich immerhin bequem und gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßend an der Schranke mit meiner Kreditkarte bezahlen und mit einem hämischen Grinsen noch ein Mal zehn Prozent Rabatt mitnehmen.

Klartext

Bei den Unklarheiten und Widersprüchen beantrage / bestelle / anfordere / wie auch immer keine weitere Kreditkarte (beziehungsweise „Transponder“). Und schon gar nicht, um ein bis zwei Mal im Monat in Mainz zu parken. Auch habe ich keine Lust, zukünftig womöglich für zig Städte wie Mainz, Ingelheim, Oppenheim und Nieder-Olm jeweils eine Kreditkarte mit Transponder an meine Windschutzscheibe zu kleben.

Ich empfinde für mich das neue Verfahren als Rückschritt, als umständlicher als das alte Verfahren und als versteckte Preiserhöhung.

Aber als Park-Monopolist in Mainz kann sich die PMG natürlich aussuchen, wie sie es gerne hätte.

P.S.: Danke Marko für den Tweet („Ein wahrer Fortschritt. 👋🏻💪🏻“)!

Nachtrag: Nur mit PIN?

EC- und Kreditkartenzahlungen dürfen hingegen künftig nur noch an Kartenleseterminals eingesetzt werden, an denen der Benutzer eine PIN eingeben kann.

(Neue Park & Go-Karte für Parkhäuser in Mainz ersetzt EC-Karten – Kein Rabatt mehr bei Kartenzahlung am Automat – Mainz&)

Das mag bei den Beschränkungen der PMG so sein, ist aber nicht notwendig. Gemäß EURO Kartensysteme (das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen) sind im Kontaktlosverfahren in der Regel Beträge bis 25 Euro ohne PIN oder Unterschrift möglich (wie beispielsweise mit meiner gerade eingetroffenen Girocard der MVB). Das liegt allerdings auch an dem jeweiligen Terminalbetreiber, der das zulassen muss. Gleiches gilt übrigens grundsätzlich bei Kreditkarten.

Mit der aktuellen VR Banking App kann ich mit dem jeweiligen Authentisierungsverfahren des Smartphones (beispielsweise Fingerabdruck) die Zahlung genehmigen. Doch der Betrag von 25 Euro wird bei einem Tagestarif in Mainz nicht erreicht – und die „Park & Go“-Karte mit ihrem Rabatt gilt nur für „Kurzpark-Tarife“.

Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 14. April 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Berater und Autor | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Abhängiger | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen). Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.

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