Über die Digitale Inkompetenz

Wenn man keine Ahnung hat (Screenshot FAZ.net)

Martin Gropp, Redakteur für die FAZ, berichtet in „Land des digitalen Stillstands“ über die Studie „Digital-Index 2014“ der Initiative D21.

Zwar nutzen laut einer Studie wieder einmal mehr Deutsche das Internet, doch gibt es weiter viele Außenstehende. Vor allem nimmt die Kompetenz im Umgang mit dem Netz ab.

Unter „Digitale Kompetenz hat abgenommen“ beschreibt Gropp die mangelnde digitale Kompetenz unter anderem damit, dass:

Weniger als die Hälfte der Deutschen weiß, dass Cookies Programmschnipsel sind, mit denen das Surfverhalten von Internetnutzern nachverfolgt werden kann. Und lediglich 43 Prozent können erläutern, dass sich hinter der Datenwolke Cloud die dezentrale Datenspeicherung in Rechenzentren verbirgt.

Programmschnipsel

Cookies sind also Schnipsel von einem Programm? Also Programm ist einfach:

[…]

4. (EDV) Folge von Anweisungen für eine Anlage zur elektronischen Datenverarbeitung zur Lösung einer bestimmten Aufgabe

[…]

[ Duden Online: Programm ]

Und Schnipsel ist lustig aber noch einfacher:

kleines, abgeschnittenes oder abgerissenes Stück von etwas

[ Duden Online: Schnipsel ]

Doch Cookies sind eben keine kleinen, abgeschnittene oder abgerissene Stücke von Programmen. Programme legen Daten ab, und diese Daten sind Cookies. Cookies sind weder Teile von noch sind sie Programme. Cookies sind Daten, Daten, Daten! Vielleicht rege ich mich darüber deswegen so auf, weil ich das vor über zehn Jahren schon gemacht habe: Programme schreiben, die Cookies ablegen und sie abrufen.

Lieber Herr Gropp, bitte schreiben Sie nicht in einem Artikel über digitale Kompetenz, wenn Sie darin mit einer Definition Ihre eigene digitale Nicht-Kompetenz demonstrieren.

„können erläutern“

Kompetenz: Kenntnis von Begriffen (Quelle: Studie D21-Digital-Index, CC BY 2.0)
DigitalIndex2014_KompetenzBegriffkenntnis (Studie D21-Digital-Index, CC BY 2.0; Kompetenz: Kenntnis von Begriffen)

Interessanterweise geht aus der Studie eben nicht hervor, dass die Teilnehmer die Begriffe erläutern können. Die Aufgabestellung an die Teilnehmer zu Begriffen wie Cookies, Cloud, Apps oder Internet der Dinge lautete nämlich (Hervorhebung von mir):

»Bitte geben Sie an, welche dieser Begriffe Sie erklären könnten

Die Teilnehmer haben durch ihre Antwort lediglich behauptet, dass sie es könnten. Weder haben Sie die Begriffe dann erläutert (wie Gropps Formulierung suggeriert) noch prüfte die Studie, ob sie die Begriffe richtig erläutert hatten (klar, hatten sie ja gar nicht – weder richtig noch falsch).

Und interessanterweise wirft die Studie mit diesen Begriffen um sich, ohne ihre eigene Kenntnis davon oder gar Kompetenz (wobei das für mich mehr als Kenntnis von Begriffen ist) auch nur anzudeuten. Geschweige denn sie zu demonstrieren.

Auf Audioboom

Zum Nachhören gibt es den knapp fünfminütigen Boo von mir auf Audioboom.

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