Kategorien
Allgemein Schreibroulette

Vereine, Clubs oder Unternehmen? (SR 255)

Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.

Der Kommunikationschef und Chefredakteur der “Mitglieder”zeitung des ADACs Michael Ramstetter hat gelogen und betrogen. Wen wundert’s? Mich nicht.

Seit ein paar Jahren schon frage ich mich, was der ADAC eigentlich ist. Ein Club? Ein Verein? Eine riesige Ansammlung von Mitgliedern, die basierend auf Gegenseitigkeit einen gemeinsamen Zweck verfolgen? Ich bin vor über 25 Jahren aus dem ADAC ausgetreten. Ich war “Mitglied”. Tatsächlich aber habe ich knallhart abgewogen, was mich mein Versicherungsbeitrag (“Mitgliedsbeitrag”) kostete und welche Vorteile ich davon hatte.

Ich habe jedes Jahr meine Versicherungsprämie gezahlt und darauf gehofft, dass ich eine Panne habe. Einmal hatte ich eine Panne. Da kam dann zufällig ein Kamerad vorbei, der sich “mit Autos auskannte” und der mir den Wagen wieder flott machte. Es war eine große Enttäuschung, wieder hatte sich meine Versicherung nicht gelohnt. Ursprünglich war ich in den ADAC eingetreten (aka “hatte ich die Versicherung abgeschlossen”), weil ich in meiner Bundeswehrzeit viel mit dem Auto unterwegs sein würde. Da wäre eine solche Versicherung sicherlich hilfreich gewesen im Fall aller Fälle, der nicht eintrat.

Ich war also in diesem Club. Ich hatte dieses Versicherungsunternehmen ausgewählt, weil ich andere Mitglieder kannte, die in dem Verein waren: Meine Eltern. Jahrzehntelang haben sie einbezahlt in die Versicherung. Einmal hatte es sich gelohnt, als sie in Ungarn einen Unfall gehabt hatten. Es hätte sich mehr gelohnt für sie, kein Mitglied zu sein und dafür in dem einen Fall alles aus eigener Tasche zu zahlen. Ich bin dann ausgetreten, habe meine Versicherung gekündigt. Ich kannte in diesem Club nur ein paar… eigentlich einige andere Mitglieder: Verwandtschaft, Nachbarschaft. Alle so in der Generation über mir. Aber wir waren nie zusammen auf einer Mitgliederversammlung, haben nie zusammen abgestimmt.

Der ADAC war und ist für mich ein Wirtschaftsunternehmen, das eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt, damit einige (und das sind wirlich sehr viel einige) ihr Gehalt bekommen, ihre Prämie bekommen oder einen Vertrag mit dem Unternehmen abschließen. Da ist für mich kein Raum für Geselligkeit, Gemeinsamkeit und Verbrüderung. Da kämpft man um seine Position und um die Position des Unternehmens, damit die eigene Position gerechtfertigt bleibt.

Allie_Caulfield: 2006-11-05 Frankfurt_Eintracht-Gladbach (CC BY 2.0)
Allie_Caulfield: 2006-11-05 Frankfurt_Eintracht-Gladbach (CC BY 2.0), Ausschnitt

Bis hierhin dürften einige Leser bereits empört sein, eine Ikone der deutschen Clublandschaft derart in den Dreck gezogen zu lesen. Aber es kommt noch schlimmer: Diese Meinung vertrete ich auch über eine andere Art von Clubs. Die großen Fußballclubs sind ebenfalls nichts anderes als Wirtschaftsunternehmen. Einige sind bereits Aktiengesellschaften. Vorgeschoben wird die Unterstützung des “eigenen Vereins”. In Wirklichkeit geht es um Geld, sehr viel Geld. Es wird viel Geld eingenommen und sehr viel Geld ausgegeben. Das Geld wird sogar von Wirtschaftsunternehmen zu Wirtschaftsunternehmen hin und her geschoben. Man nennt das dann Ablösesumme.

Es geht um Geld, sehr viel Geld. Da regt es mich teilweise auf, wie diese Wirtschaftsunternehmen von uns allen gesponsort werden, die Polizei und die Rettungskräfte an Spielwochenenden ganze Züge und Städte zum Kampfgebiet machen (müssen). Aber es ist ein hartes Geschäft, und diese Unternehmen haben es geschafft, dass jedes Mal Hunderttausende darum betteln, ihr Geld an sie loszuwerden.

Damit dann andere Mitglieder und vor allem Angestellte immer weiter ihr hartes Arbeitsleben dafür einsetzen, dass das Rad und der Ball sich immer weiter drehen. Damit sie selbst mit ihrer Position gesichert bleiben und sie diese dann auch sehr wohl gerechtfertigt noch verbessern können.

In solch einem Kampf um die Rechtfertigung und die Verbesserung der eigenen Position werden dann schon einmal Steuern hinterzogen oder Zahlen gefälscht. Warum sollte es in solchen Unternehmen anders sein als in den ganzen anderen Wirtschaftsunternehmen. Wundern sollte man sich über andere Dinge.

Wer betrügt, der fliegt. Immerhin, Ramstetter hat selbst Konsequenzen gezogen. Er fliegt von selbst. Ansonsten wird kaum einer geflogen. Trotz der markigen Sprüche.

Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast.

Roulette-Gelesen in 1 Minute, Roulette-Geschrieben in 23 Minuten.

Roulette-Gelesenes

Lust auf Schreibroulette?

Bildquellen

Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen, Autor und Wanderblogger | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen), ca. 15 km südlich von Mainz. Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.