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Wenn Rituale zu Routinen werden

Heute morgen steht im Kalender etwas von “Blogartikel schreiben”. Eigentlich meinte ich damit ja ein Schreibroulette, das ich schon lange nicht mehr mache. Buh!

Heute morgen steht im Kalender etwas von “Blogartikel schreiben”. Eigentlich meinte ich damit ja ein Schreibroulette, das ich schon lange nicht mehr mache. Buh!

Heute morgen aber will ich wieder. Rituale (oder auch Routinen) sind für mich etwas Wichtiges, was mit beim Konzentrieren hilft, und das mir hilft, nichts zu vergessen. In letzter Zeit jedoch klicke ich Erinnerungen an Rituale einfach mal weg. Dieses Wegklicken wurde selbst zum Ritual. Nein, eigentlich nur zur Routine. Denn ein Ritual ist für mich etwas, das ich bewusst und konzentriert tue. Eine Routine ist für mich etwas, was ich so nebenbei erledigt, weil es auf einer “To-Do-Liste” steht.

Mein Schreibroulette sieht eigentlich vor, dass ich mir den neuesten Artikel in meinem Feedreader vornehme und etwas dazu “runterschreibe”. Doch heute nehme ich mir meine Pocket vor, denn genau darin befindet sich als neuester Artikel “Tony Robbins’ Morning Routine” von Stephanie Postles. Wie gesagt, mir ist die Bezeichnung “Rituale” lieber. Stephanie hat eine Routine, mit dem sie bewusst in den Tag startet. Ich habe mein Morgenritual, das bei mir in letzter Zeit zur Routine verkam. Ein paar Punkte zum Abhaken, Denken ausgeschaltet.

Grübeln an der Bahnböschung bei Braunschweig
Grübeln an der Bahnböschung bei Braunschweig

Rituale erleichtern mir, nichts zu vergessen. Aber eigentlich will ich damit auch Dinge, Handlungen bewusster und regelmäßig tun – damit sie zur Haltung werden. Und da habe ich doch mehr und mehr versagt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in letzter Zeit zu viel grübelte (nein, keine Angst …) über den Sinn des Lebens. Die Antwort kenne ich, natürlich. Aber sie verschleiert mir die Frage(n). So ist das auch mit den Ritualen, die zur Routine verkommen. Die Antwort steht da irgendwie, aber der Sinn von Frage und Antwort steht da nicht.

Das Meditieren habe ich irgendwann einmal “versucht”, aber so richtig intensiv und ernsthaft dann doch nicht. Vielleicht sollte ich doch … dieses Wochenende einfach einmal meine Rituale und Aufgaben hinterfragen, neu aufsetzen. Und wenn ich schon dabei bin, dann auch einmal über ein paar andere Dinge grübeln. Mein “fachliches Profil” empfinde ich als nicht scharf genug. Als nicht wirklich aussagekräftig. Anderen geht es vermutlich auch so, das scheint sich mir aus Fragen zu erschließen.

Gerade lese ich “How (and Why) SpaceX Will Colonize Mars von Tim Urban (bitte, bitte alle Teile lesen, auch die anderen über Tesla und Elon Musk!). Ein Monsterartikel über SpaceX und vor allem Elon Musk dahinter. So sehr Monster, dass ich mir den Artikel als Ebook gönnte und ihn mir herunterludt. Tim stellt in Frage, dass Neil Armstrong wirklich einen ”giant leap for mankind“ unternahm, als er da so auf den Mond stolperte. Es ist eher ein ”Step”, ein Schritt auf dem Weg zu einem wirklichen Leap.

Das Laufen lernt man durch einzelne Schritte und durch das Wiederaufstehen nach dem Hinfallen. Momentan fühle ich mich als etwas hingefallen oder zumindest als gestolpert. Also werde ich wieder ein paar Schritte machen und wieder ausprobieren, wie das so mit dem Laufen geht. Ein Schritt nach dem anderen.

Und nach dem Lesen von Stephanies Artikel schreibe ich jetzt als ersten Schritt eine Beta meines Morgenrituals:

  • Aufwachen, jeden Tag von Montag bis Freitag zur selben Uhrzeit und jeden Samstag/Sonntag zur gleichen Uhrzeit
  • Den Wecker weg vom Bett
  • Meine Gymnastik nehme ich wieder auf, direkt nach dem Aufstehen und den ersten Minuten im Bad
  • Ein paar Minuten der entspannten Konzentration (als Autogenes Training oder als Meditation, mal sehen)
  • Den Kalender checken, damit ich keinen Termin am Morgen verpasse
  • Mein Journal schreiben mit Gedanken über Erlebnisse und den vergangenen Tag
  • Meine Inboxen (Gmail, Outlook, Messenger etc.) durchgehen und abarbeiten (LASAA: Löschen, Archivieren, Spam, Antworten, Aufgabe)
  • Meine Tagesplanung machen
  • Timeboxes im Kalender einrichten und später mit Pomodoros fressen
  • Eat the Frog

Am Abend stelle ich mir bewusst den Wecker und lege ich mir die Klamotten für den nächsten Morgen bereit. Meinen Workout (Joggen) plane ich nicht nur sondern ziehe ich ihn durch. Gyms waren noch nie mein Ding. Ich habe das zwar mal probiert, aber ich ziehe die freie Natur vor – und die Möglichkeit, direkt vor Ort, zu Hause oder wo auch immer, zu joggen. Mein Ritual am Wochenende … werde ich wohl so ähnlich wie diese erste Beta gestalten.

Was mich übrigens an Todoist stört (obwohl ich das Teil an sich für meine persönliche Aufgabenplanung und -abarbeitung schätze), ist, dass ich den Erfolg so nicht jederzeit sehe. Also, welche Aufgaben ich heute schon erledigt habe. Die Aufgaben werden abgehakt und verschwinden. Da fehlt mir das unmittelbare Erfolgserlebnis.

Habt Ihr Rituale oder Routinen? Wie sehen die aus?

P.S. Zeitlich habe ich angesichts der eingeplanten Zeit für einen Blogartikel fast eine Punktlandung hingelegt. Und das, obwohl ich keinen Timer oder Pomodoro-Timer laufen ließ. Benutzt Ihr Timer/Pomodoro-Timer für Aufgaben?

Von Der Schreibende (Frank Hamm)

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen, Autor und Wanderblogger | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen), ca. 15 km südlich von Mainz. Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.

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