Wenn Zeitungen auf Social Media für Plus-Inhalte werben: Das Negative am Plus

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Also, ich nähere mich ja mittlerweile der zweiten Hälfte meines zweiten Social-Media-Jahrzehnts. Und seit Anbeginn gehört es zu Social Media, gelegentlich oder öfters einen Link auf eigene Inhalte oder die Inhalte von anderen zu posten.

Auch ich mache das. Täglich. Durchaus auch mehrmals täglich.

Auch Zeitungen machen das seit Jahren. Mehrmals täglich. Das finde ich voll okay. Dieses Internet gibt es je nach Zeitrechnung seit den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern oder seit den Neunzigern (das ist die Zeitrechnung der Seehofer-Kritiker). Die Zeitungen haben zwar immer noch nicht so richtig ihr Online-Geschäftsmodell gefunden, doch jetzt haben sie Paywalls, damit sie etwas verdienen. Ich finde das voll okay.

Paywalls sollen sicherstellen, dass bestimmte Artikel nur von zahlenden Kunden gelesen werden sollen. Ja, das finde ich voll okay. Oft ist es inzwischen so, dass „allgemeine“ Inhalte offen zugänglich sind und „besonders wertvolle“ Inhalte nur durch zahlende Kunden aufgerufen werden können (wie auch immer die Definition von „besonders wertvoll“ aussieht). Das finde ich voll okay. Voll echt.

Wenn ich also auf diesem Social Media, beispielsweise auf Twitter, sehe, wie ein Artikel angeteasert wird, und mir der Artikel deswegen vielversprechend erscheint – dann klicke ich schon mal auf den entsprechenden Link. Täglich. Durchaus auch mehrmals täglich.

Doch da ich die jeweilige Definition einer Zeitung oder eines Verlages für „besonders wertvoll“ nicht kenne und eben diese Eigenschaft eines Artikels an oft deutlich weniger als 280 Zeichen nicht erkennen kann, klicke ich immer wieder auf Links, die zu einem „Plus-Inhalt“ führen. Je nach Zeitung ist nach Überschrift/Titel, Untertitel, unbedeutender Einzelheit oder Lead nur noch eines: Schluss.

Das finde ich voll okay. Immerhin ist so ein geteaserter Plus-Inhalt auf der Startseite der Zeitung oder einer anderen Seite (meistens) mit einem entsprechenden Plus-Symbol gekennzeichnet. Wenn ich also so einen Teaser mit einem Plus-Zeichen beispielsweise auf Seiten von Süddeutsche, FAZ, Zeit Online oder AZ sehe, dann klicke ich nicht darauf, denn ich bin kein zahlender Kunde dieser Zeitungen. Das ist voll okay.

Doch immer wieder klicke ich auf einen geteaserten Link von ein paar Zeitungen wie FAZ oder Zeit Online auf Twitter und Co und lande: Am Schluss.

Das finde ich nicht okay. Gar nicht. Denn ich komme mir vera***** vor. Das hat nicht nur den Effekt, dass ich enttäuscht bin (je nach Teaser), sondern dass ich – eben, weil ich mir vera***** vorkomme – verärgert bin. Voll verärgert. Und es passiert immer öfter vor, dass ich voll verärgert bin.

Und weil ich es nicht mag, dass ich mich vera***** fühle und ich verärgert bin (immerhin ist mein altes Ego Der Entspannende): Klicke ich immer seltener auf Links gewisser Zeitungen. Weil ich mich nicht ärgern will.

Also, liebe Zeitungen: Kennzeichnet doch bitte auf Social Media geteaserte Links zu Plus-Inhalten. Ich bin dann nicht verärgert. Außerdem klicke ich auf andere Links zu nicht ganz so „besonders wertvollen“ Inhalten von Euch, und Ihr habt wieder eine Page Impression mehr und könnt mehr Werbung verkaufen (okay, das mit 70 Prozent Werbung und maximal 10 Prozent Inhalt auf einer Seite und mit meinem Ad-Blocker ist ein weiteres Thema, über das wir reden können …).

Ich bin glücklich, Ihr seid glücklich. Alle glücklich. Win-Win.

Ich fände das voll okay. Andernfalls entfolge ich Euch und klicke auf keinen Eurer Links mehr. No Follower, no Clicks, no Cookies.

Ich bin dann nicht mehr verärgert, aber darüber glücklich. Ihr seid unglücklich. Nicht alle glücklich. Kein Win-Win.

Ich fände das auch voll okay, aber es muss ja nicht sein. Na, wär‘ das okay?

Ach ja, nehmt Euch ein Beispiel an der Allgemeinen Zeitung auf Twitter oder der Süddeutschen auf Twitter 😉

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