Nachrichtenende, Absender siehe Signatur (NASS)

Nachrichtenende, Absender siehe Signatur (NASS)

Sehr geehrte Damen und Herren, hallo, liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte geliebte Email-Empfänger*innen, hallo Empfangende,

wir müssen reden.

In den Jahrzehnten seit der ersten Email hat sich die Begrüßungsformel stetig verändert. Viele mögen der Ansicht fröhnen, dies sei zum Besseren hin geschehen. Andere mögen da widersprechen. Tatsache ist: Wir alle haben dazu beigetragen, die Email dem Handgeschriebenen und dem Gedruckten zu entfernen.

Wären wir konsequent, so müssten wir auch in einer Email mit mehreren Empfängern eine entsprechende Begrüßungsformel wählen. Dann natürlich streng nach Hierarchie und Geschlecht absteigend, jeder Person ihrer Position und Funktion entsprechend. Oder wir müssten die Begrüßungsformel bei einem einzelnen Empfänger genauso weglassen, wie wir das oft in einer elektronischen Nachricht mit mehreren Empfängern tun. Ich jedenfalls lasse schon einmal die Begrüßungsformel weg, wenn ich ein Protokoll an viele Empfänger verschicke.

Und dann ist da noch die Grußformel am Schluss einer Nachricht. “Hochachtungsvoll” schreibt schon lange keiner mehr, auch nicht gedruckt oder handgeschrieben. “Mit freundlichen Grüßen” ist in der Email komplett out. Bleibt noch “Viele Grüße” oder “Herzliche Grüße”, “Liebe Grüße”, “Grüße”, “Gruß” oder vielleicht einmal – nö, eigentlich nicht – “Ciao”. Je nach Empfänger schreibe ich dann schon einmal ein “aus Rheinhessen”, “aus Selzen” oder “aus dem Land der tausend Hügel” hinzu – aber auch nur sehr, sehr selektiv. Eigentlich ist das auch Quatsch. Denn schließlich sende ich so eine Email auch schon mal aus Mainz oder unterwegs in der Bahn (und da habe ich meistens keinen Empfang – woher soll ich dann wissen, wo ich bin). Außerdem verwischen die Grenzen zwischen Email, Twitter Direct Message (bald auch mit 1.000 Zeichen), Facebook Nachricht, Skype (for Business) Nachricht, Yammer/Podio/Telegram… und was es sonst noch alles gibt.

Alles in Allem ist Alles ziemlicher Quatsch. Aber “man macht das halt so irgendwie”. “Man” verschickt auch anstelle einer Grußformel am Ende schon einmal ein Emoticon, Emoji oder was auch immer mehr gerade in ist.

Martin Oswald sieht keinen Sinn mehr im “Gruss”, denn

  1. Grüssen hat keine inhaltliche Bedeutung, ist bloss eine Floskel (siehe Definition oben).
  2. Ein Gruss wirkt freundlich, ohne wirklich Zuneigung zu offenbaren. Ist also die anständige Form von distanzierter Bedeutungslosigkeit. Besser: “Ich freue mich auf unser Wiedersehen!” — oder “Ich wünsche dir viel Erfolg beim Projekt.”
  3. Grüssen stirbt sowieso aus. Millenials verschicken keine Grüsse mehr, sondern Emojis, XoXo-Küsschen oder verabschieden sich aufgrund der immerdauernden Kommunikation via Whatsapp und Co. sowieso nicht voneinander.

Und Fabian Neidhardt hat vor einem halben Jahr beschlossen

… den Gruß wegzulassen und Mails mit „Lächeln, Fabian“ zu beenden. Bei Menschen, die mir am Herzen liegen, steht dann dort „Liebe, Fabian“. Manchmal auch beides.

Und ich? Bin verwirrt. Was mache ich mit der Begrüßungsformel?

So ganz ohne Begrüßungsformel am Anfang könnte mich der Empfänger als unhöflich empfinden. “Hallo” ist vielleicht ein akzeptabler Kompromiss (zumindest für mich). Und schließlich weiß der Empfänger, dass ich ihm die Nachricht schicke – ansonsten hätte er sie nicht erhalten. Seinen Namen kann ich also weglassen.

Ein “Lächeln, Frank” wäre vielleicht doch nicht schlecht.  Aber wer mich kennt, der weiß (hoffentlich) sowieso, dass ich immer irgendwie lächele (zumindest ein bisschen und innerlich). Und wer mich nicht kennt, der versteht das sowieso nicht.

O tempora, o mores

Und überhaupt: Wieso soll ich am Schluss schreiben, dass die Nachricht von mir ist? Wer soll dem Empfänger die Nachricht denn sonst geschickt haben außer dem Absender? Und der bin ich halt. Wenn ich dem Empfänger schon versichern soll, dass ich die Nachricht abgesendet habe, dann sollte ich das am Anfang machen, damit das gleich klargestellt ist:

Hallo,
(diese Nachricht ist von Frank)

Blöd, oder?

Außerdem gibt es sowieso kaum noch Emails ohne Signatur. Da steht doch alles drin (meistens sogar noch viel, viel mehr).

Vielleicht also wirklich nur “Hallo” am Anfang, dann die Nachricht und dann die Signatur. Dort angekommen sieht jeder, dass er das Ende der Nachricht erreicht hat, und wer ihm die Nachricht geschickt hat.

Für Begriffsstutzige könnte ich sicherheitshalber doch einen Hinweis hinzufügen. Ganz und gar nicht anbiedernd oder plump. Ganz objektiv:

Nachrichtenende, Absender siehe Signatur (NASS)

Wenn sich das mit der Zeit durchsetzt, hänge ich nur noch das Akronym zwischen Nachrichtenende und Signatur. Irgendwann höre ich am Ende der Nachricht einfach auf. Und später schreibe ich meine Nachrichten sowieso nicht mehr selbst, das übernimmt mein virtual entity relationship social engager (Verse).

Ich glaube zwar nicht, dass Du begriffssstutzig bist, aber sicherheitshalber…

Nachrichtenende, Absender siehe Signatur (NASS)


Frank Hamm
Chief Nexialist
Twitter: @fwhamm – Skype for Business: frank.hamm@fhkuk.de
Phone: +49 6737 715 6648 – Mobile: +49 151 2405 4553
Profile: frank-hamm.com – Blog: injelea-blog.de
Friedhofstraße 8, DE–55278 Selzen

 

6 Replies to “Nachrichtenende, Absender siehe Signatur (NASS)”

  1. Sind wir tatsächlich schon so durcheffizientisiert, dass uns eine Höflichkeitsfloskel lästig ist? Eine solche kann (und soll) einfach sein – ohne dass sie sich rechtfertigen muss. Gehört zur Menschlichkeit.

    BTW, bei Kommunikation geht es als allererstes mal um den oder die Gegenüber – nicht um das Medium und auch erst in zweiter Linie um den Inhalt. Kann man sich darauf verständigen, dann ist eine Begrüßung und eine höfliche Anrede eine Selbstverständlichkeit.

    1. Hallo Alexander,

      tatsächlich ist es bei mir so, dass ich die Begrüßungsformeln nach wie vor benutze. Auch wenn es sich insgesamt um Floskeln handelt, erleichtern Sie doch den Einstieg in die Kommunikation. Auch versuche ich gelegentlich von den Standardfloskeln abzuweichen, um auf den Kommunikationspartner einzugehen (um beispielsweise dem anderen eine Freundlichkeit zu übermitteln). In der Begrüßung zu Beginn lasse ich beispielsweise auch einmal eine Tageszeit einfließen.

      Im Ablauf des Kommunikationsstranges mit einem Partner verändern sich diese Floskeln auch, je besser „der Draht“ mit dem Kommunikationspartner wird. Bei einer kurzen Rückfrage oder Bestätigung lasse ich die Formeln schon einmal weg, aber das hängt vom Partner und dem Kontext ab. Wenn ich weiß, dass der Kommunikationspartner in Urlaub geht, dann wünsche ich ihm beispielsweise einen schönen Urlaub.

      Auch wenn das in dem Artikel nicht rüberkommt, werde ich das beibehalten. Aber wenn ich das geschrieben hätte, wäre er nicht so provokativ geworden 🙂

      Noch einen schönen Sonntag!

  2. Oh je, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Zunächst, ich habe den Humor in dem Text schon gefunden und auch verstanden 😉 – dennoch sind aber schlichtweg sehr viele Denkfehler oder Unwissenheit in dem Text hinsichtlich der Ursprünge gewisser Vorgaben im Schriftverkehr zu erkennen. Und nix anders ist elektronischer Schriftverkehr.

    • E-Mail ist nach dt. Rechtschreibung die einzig korrekte Form. Elektronische Mail abgekürzt müsste geschrieben werden elektr. M.. Wird aber in der gebräuchlichen Form hier als Komposita abgekürzt und somit werden die Worte verbunden.

    • Die generelle Frage ist doch in welchem Kontext man die E-Mail verfasst. Ist sie eher im professionellen Kontext, dann schreibe ich sehr wohl meinen Wohnungsverwalter nach den Konvention des Din-Geschäftsbriefes an, egal in welchem Medium ich mit ihm schriftlich kommuniziere. Und dann beende ich die E-Mail auch dementsprechend mit der professionellen Grußformel (IMMER OHNE Deppenkomma!)

    Ist die E-Mail privater Natur beende ich die Mail natürlich nach Lust und Laune.

    Im Übrigen habe die Vorgaben der Grußformel tatsächlich einen – auch heute noch gebräuchlichen Sinn – und nur weil heute auch „Männer” ihre Geschäftskorrespondenz selbst verfassen und nicht mehr von der Sekretärin ihre Geschäftspost alleinig erledigen lassen, hat sich daran auch nichts geändert. Sorry, das „Hochachtungsvoll” ist heute nicht mehr gebräuchlich, muss ich simpel als „der hat halt keine Ahnung von gebräuchlicher Geschäftskorrespondenz” verbuchen. 😉

    https://www.geschaeftsbrief.com/din-5008/

    „Hochachtungsvoll” (früher im Gebrauch in der Korrespondenz an höher gestellte Personen z. B. Richter) wird immer noch verwendet, als Signal für „unsere Geschäftsbeziehung befindet sich gerade auf einen nicht mehr ganz so relaxten Weg”. Es ist ein Signal. Es ist schön, wenn man dieses Signal nicht so oft verwenden muss aber als nicht mehr relevant oder nicht mehr gebräuchlich zu bezeichnen, ist schlichtweg falsch. Es ist gebräuchlich – aber es wird eben nur verwendet, wenn gerade die „Kacke am Dampfen” ist. Warum soll man sich diese feinen Sprachunterschiede selbst nehmen?

    • Eine Grußformel ist etwas sehr Schönes, sich bedient sich genau dessen, was diese in der jeweiligen Sprache kommuniziert: man grüßt freundlich und zwar auch nachdem man sein Anliegen los geworden ist! Sie wird nur dann widerlich, wenn jemand meint sie auf MfG abzukürzen zu müssen.

    • Mir ist überhaupt nicht klar, warum die in der E-Mail verwendete Signatur auf irgendetwas Einfluss haben sollte. Hat denn der Briefbogen im Brief in Deiner Korrespondenz auf irgend etwas Einfluss? Nein? Ach?

    Und last but not least zum Schlusssatz: „sicherheitshalber” LEERSCHRITT Ellipse (Auslassungszeichen), Du hast vom Wort „sicherheitshalber” kein Wortteil ausgelassen, also gehört die Ellipse nicht direkt an das Wort gesetzt. Wir kennen in der deutschen Schriftsprache die Bildung von Komposita und daher ist hier die Regelung des unterschiedlichen Gebrauches der Ellipse sinnvoll. Internationalisierung hilft hier keinen Schritt weiter. Menno!

    😉

    1. Da bin ich aber froh, dass Du den Humor gefunden und verstanden hast ;-). Interessant wäre für mich dazu, wie die deutsche Rechtschreibung die Verwendung von Smileys regeltLEERSCHRITT… (bitte den Versuch des Humors wohlwollend zur Kenntnis nehmen …)

      Wodurch ich direkt zur deutschen Rechtschreibung komme. Nach meiner Kenntnis gibt es keine verbindliche deutsche Rechtschreibung für Deutschland. Das amtliche Regelwerk „regelt die Rechtschreibung innerhalb derjenigen Institu-
      tionen (Schule, Verwaltung), für die der Staat Regelungskompetenz hinsichtlich der Rechtschreibung hat.“ Das trifft für mich seit vielen Jahren nicht mehr zu. Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung gibt lediglich Empfehlungen ab (wie die, die zur letzten Rechtschreibreform führten). Eine DIN-Norm ist keine Rechtsnorm sondern ein privat erarbeiteter Standard, auf den sich Vertragspartner einigen können.

      Solche Empfehlungen und freiwillige Normen können die Kommunikation doch sehr erleichtern, auch durch einseitige Akzeptanz. Ein „Kommunikationsprotokoll“ hilft insbesondere in den Fällen, in denen die Partner zum ersten Mal miteinander kommunizieren. Fehlen solche Normen, kann das manchmal fatale Auswirkungen haben (wie James Cook auf Hawaii erfahren musste). Andererseits ist es oft schwer, Normen an die gelebte Praxis anzupassen.

      Selbst die altehrwürdige New York Times passt jedoch von Zeit zu Zeit ihr Stylebook an die gelebte Praxis an. Vor knapp zwei Jahren gab die New York Times nach und entfernte den Bindestrich: „By popular demand, we’re removing the hyphen from email.

      Ich habe beschlossen, in meinem Stylebook (das es nur in meinem Kopf gibt) „E-Mail“ durch „Email“ zu ersetzen. Allerdings verwende ich diese Schreibweise nicht ausschließlich sondern in Abhängigkeit des Kontextes. Da fängt es dann an schwierig zu werden, denn der Kontext einer Email kann sowohl privat als auch professionell sein. Wenn ich einem Geschäftspartner eine Nachricht in einem anderen elektronischen Medium übermittle, so wird das Medium selbst ebenfalls zum Kontext für Schreibweisen und Grußformeln. Außer in wirklich sehr, sehr förmlicher Korrespondenz hat für mich die Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“ die Grußformel „Hochachtungsvoll“ zur Andeutung eines „nicht mehr so ganz relaxten Wegs der Geschäftsbeziehung“ abgelöst. Aber auch das hängt vom Kontext hab. Für einen gedruckten Brief schätze ich die Wahrscheinlichkeit der Grußformel „Hochachtungsvoll“ als wesentlich höher ein als für eine Email. Ich bin allerdings auch nur ein Einzelfall, der einige andere ähnliche Einzelfälle kennt. Wenn ich meine „Filter Bubble“ verlasse und einen anderen Kontext betrete, kann das ganz anders aussehen.

      Das mit dem Kontext ist ein sehr guter Hinweis von Dir. Für mich spielt der Kontext eine große Rolle. Die Entwicklungen der letzten Jahre haben es jedoch immer schwieriger gemacht, den Kontext zu bestimmen. Die Grenzen zwischen beruflich und privat verwischen öfters, und es kamen sehr viele neue elektronische Medien unterschiedlichster Prägung hinzu. Gerade in der beruflichen Nutzung beispielsweise hat sich der Gebrauch der Email stark verändert. Nach ein paar Emails hin und her bleiben schon mal gerne die Grußformeln zu Beginn und am Ende weg. Dann ist die Kommunikation normalerweise aber schon auf der persönlichen Ebene deutlich weiter als zu Beginn (was dann auch gelegentlich zum Wechsel des Mediums hin zu Messaging oder Telefonieren führt).

      Abkürzungen mag ich übrigens ebenfalls nicht. Ein „LG“ rutscht mir zwar doch einmal in einer Message (Facebook, Skype etc.) raus, aber dann immer nur, wenn es mir im Kontext angemessen erscheint. Auch das DEPPENKOMMA rutscht mir – wenn auch selten – schon einmal raus. Das geschieht, wenn die sprachlichen Grenzen und die Teilnehmer in einer Kommunikation im ständigen Wechsel sind. Mal schnell eine englische Nachricht an einen deutschen Empfänger weitergeleitet (der dann auch eigentlich Amerikaner ist), und schon ist das Malheur passiert (denn das Deppenkomma ist im amerikanischen Raum in der gelebten Praxis nach meiner Erfahrung noch weiter verbreitet als in Deutschland).

      Die Signatur muss keinen Einfluss haben. Das kann sie aber. Eine Email-Signatur kann die Eindeutigkeit des Absenders zwar nicht sicherstellen, aber sie kann Signale setzen. Auch wenn die Email-Adressen heutzutage oft den Vornamen und den Nachnamen beinhalten, so gibt es Email-Adressen, die einen den Absender nicht identifizieren lassen. Wenn ein größeres Unternehmen beispielsweise Schlüssel für die Email-Adresse verwendet und der Absender die Grußformel mit „Peter“ abschließt, dann hilft die Signatur herauszufinden, dass „Peter Maier“ und nicht „Peter Müller“ der Absender ist. Auch hilft mir eine Information, in welchem Medium der Absender zu erreichen ist, indem sie mir Zeit für eine Suche erspart.

      Gestern hatte ich im Kommentar in meiner Antwort an Alexander erwähnt, dass der Kontext für mich wichtig ist und dass ich die Grußformeln auch weiterhin benutze. Letzendlich ist für mich die Grußformel selbst nämlich eine Möglichkeit, einen Kontext herzustellen und auch beispielsweise die Tonalität in der Kommunikation zu wechseln. Außerdem kann die Grußformeln Freundlichkeit signalisieren oder herstellen. Und für mich ist es auch eine Möglichkeit, meinen Respekt vor der anderen Person zu zeigen.

      Insofern werde ich diesen Kommentar ganz bestimmt nicht mit „LG“ abschließen 😉 Da es in der Kommunikation und mit dem Kontext oft nicht einfach ist, versuche ich es einmal hoffnungsvoll mit

      Liebe Grüße nach Berlin

      Frank

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