Vorstellungen, die passen müssen (SR 120)

Meine letzte Bewerbung ist schon etwas länger her… wollte ich gerade schreiben. Tatsächlich ist dem aber nicht so. Aber gefühlt ist es schon eine Ewigkeit her. Dazu trägt vor Allem bei, dass ich meine letzte Arbeitsstellen nicht über den “Arbeitsmarkt” bekam sondern über “Vitamin B” (“B” wie Beziehungen).

Nicht, was Ihr gerade denkt. Nein, keine Bestechung und keine Vetternwirtschaft. Angefangen hat für mich mein Berufsleben mit der Bundeswehr. Das war damals eine “klassische” Bewerbung, andererseits aber auch nicht gerade typisch für “die Wirtschaft”. Meine erste Stelle nach dem Studium bekam ich klassisch über eine Anzeige. Meine Stelle in der Bank, die ich im Jahr 2000 antrat, bekam ich ebenfalls über eine Anzeige. Beides noch klassisch aus der Zeitung.

Die anderen Stellen waren Beziehungskisten. Jemand kennt jemanden, der weiß, dass da Bedarf ist. Jemand unterhält sich mit jemandem, der jemanden kennt, der auf der Suche ist oder einem Stellenwechsel nicht abgeneigt ist. Oder jemand spricht direkt jemanden an, weil er glaubt, dass er in Frage kommt. Weil er ihn (mehr oder weniger intensiv) kennt. Den Fuß in die Tür zu bekommen, also den Erstkontakt zu haben, ist mit die größte Hürde bei der Stellensuche. Das bestätigen mir auch immer wieder Freunde, Bekannte und Verwandte.

Anschließend kommt das Abklopfen. Das Abklopfen ist ein gegenseitiges Abklopfen dahingehend, ob der andere in die eigene Kultur und die eigenen Ziele passt. Wenn das Abklopfen hohl klingt, dann hilft auch kein „Vitamit B“. Das ist so für den Arbeitgeber (beziehungsweise für die Mitarbeiter, die über die Einstellung entscheiden), das ist aber genauso für den “Bewerber”. Oft bewerben sich aber beide. Bewerben ist für mich nicht das unbedingte Wollen und Ansteben zur Besetzung einer Position sondern ein Abklopfen. Erst gegen Ende des Abklopfens wird beiden Seiten klar, ob man die andere Seite für die Besetzung haben möchte. Dann geht es ans Verhandeln.

Deswegen geht es darum, zu Recherchieren und Fragen zu stellen. Auf CIO.de betrachtet Christiane Pütter diesen Vorgang während des Vorstellungstermins:

Wer zu einem Vorstellungstermin eingeladen wird, sollte Fragen über Karriere-Chancen und Arbeitsalltag, Firmenkultur und die wirtschaftliche Situation des potenziellen Arbeitgebers stellen.

Wie gesagt, es ist ein gegenseitiges Abklopfen. Ich habe mich gegen Positionen entschieden, weil dieses Abklopfen nicht gut verlief im Sinne von “die Antworten und vor allem die Gesprächspartner passten mir nicht”. Um das herauszufinden müsst Ihr Fragen stellen. Ihr befindet Euch in der Phase vor den Verhandlungen. Ihr wollt etwas, und die andere Seite möchte etwas. Weil der Gegenstand (der “Job”) mit sehr viel Zeit Eures Lebens verbunden ist, müsst Ihr nicht nur die harten Fakten wie Gehalt erfahren sondern auch die weichen Faktoren. Dazu gehört die Sympathie (oder nicht) von Chefs und Kollegen. Die Unternehmenskultur. Wie man Dinge geregelt bekommt und regelt. Die Dinge, die nicht im Vertrag stehen werden.

Ein Vorstellungstermin ist kein Verhör. Es ist ein Treffen zum Beschnuppern und Abklopfen. Ohne Fragen bekommt Ihr keine Antworten. Versucht nicht die Gesprächspartner übermäßig zu beeindrucken. Das solltet Ihr erst dann machen, wenn ihr die Position wirklich und unbedingt wollt. Vorher kann das ein Bild aufbauen, das mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Das geht in die Hose. Genauso geht es in die Hose, wenn die Unternehmensvertreter ein Corporate Image vermitteln, das mit der Corporate Identity nicht übereinstimmt. Das stellen Unternehmen immer wieder fest. In der Werbung. In der PR. Früher war das nicht sooo wichtig. Es war ein Angebotsmarkt. Genauso der Stellenmarkt: Er war ein Angebotsmarkt.

Jetzt gibt es viele Gründe, warum die Verhältnisse sich ändern. Social Media, demographischer Wandel, der Anstieg des Anteils von Wissensarbeiter. Baut dann auch nicht nur auf die Fakten sondern auch auf Euer Bauchgefühl: Wird es passen, passen der Chef, die Kollegen?

Auch dabei könnt Ihr auf die Nase fallen. Aber das Wiederaufstehen gehört dazu. Die Probezeit ist beidseitig. Es ist kein Vorrecht von Unternehmen, während der Probezeit zu kündigen. Wenn Ihr der Überzeugung seid, dass “es doch nicht passt”, dann zieht die Konsequenz. Das habe ich auch schon.

Auf Augenhöhe.

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