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Recruiting: Robot as Robot can (SR 105)

Einstein für die Westentasche.

Wieder CIO.de in meinem Schreibroulette. Ich sollte die Zeiten, in denen ich den Artikel bestimme, mehr variieren. Zumindest das Raussuchen und die Vorbereitungen könnte ich irgendwie automatisieren:

Suche mir zu einer zufälligen Zeit zwischen 7 und 9 Uhr den jeweils aktuellsten Artikel aus meinen Feeds heraus. Fülle meine Schreibvorlage mit dem Link für Roulette-Gelesenes. Wenn ich dann den Bestätigungslink klicke: Öffne den Artikel im Browser, öffne ByWord (Mac) oder WriteMonkey (Windows) mit der Vorlage im Rechner, lege den Beitrag als Entwurf in WordPress an, öffne Focus Booster, starte die Zeiterfassung mit Toggle.

So könnte die Anweisung für eine Automatisierung, eine Robotisierung aussehen. Nichts anderes ist das als die Formulierung wiederholbarer Schritte mit klaren Entscheidungspfaden (beispielsweise auf dem Mac oder auf Windows) und Folgen (Ausgabe oder weitere Verarbeitung). Alles was automatisierbar ist, wird automatisiert, denn das entspricht dem Taylorismus.

Da geht es um Effizienz in den Prozessen, damit die Kostenrechnung dem Unternehmen ein „gutes“ Ergebnis liefert. Nicht so die Wertschöpfungsrechnung, die auf etwas anderes abzielt: Die Wertschöpfung, das Schaffen von Neuem, von Mehrwert („Marx, ick hör dir trapsen). Dennoch, Effizienz ist wichtig und heutzutage im globalisierten und digitalisieren Umfeld eine notwendige Basis. Deswegen wird automatisiert, was automatisiert werden kann.

Deswegen macht die Automatisierung vor dem Bewerberaussiebungsverfahren nicht halt. Bald, nein schon heute, werden Bewerber gesucht und ausgesiebt aufgrund von Softwareprogrammen. Also praktisch virtuelle Roboterassistenen, die die sowieso vorhandenen Kritieren gnadenlos auf die Bewerber anwenden. Das kann fatal sein. Denn da wird vielleicht der „best Fit“ gefunden, der optimial angepasst an die zu besetzende Position und das Unternehmen ist. Das bedeutet nicht, dass er der Richtige ist (oder sie, ihr wisst schon Gendergedöns und so…). Aber so funktioniert es.

Was da auf CIO berichtet wird, ist nicht die Zukunft. Es findet jetzt schon statt, beispielsweise bei Bosch. Aber es ist auch nicht die Gegenwart. Es gab, so meine Erfahrung, bereits in den Neunzigern Roboter, die Hunderte von Bewerbungen siebten. Es war die Zeit, als auf eine Bewerbung für eine SAP-Berater-Stelle zwei oder sogar drei Hundert Bewerbungen eintrudelten. Teilweise mehrere Roboter nahmen sich die Bewerbungen (auf totem Holz) vor, schließlich wollte man schnell zur Vorstellung einladen und sich entscheiden. Die Roboter hatte klare Vorgaben wie Alter, Bildungsabschluss, welche Uni ging und welche gar nicht, Berufserfahrung. Von zwei Hundert Bewerbungen blieben dann vielleicht 30 Stück übrig. Erst diese 30 ausgesiebten Bewerbungen nahmen sich die Personaler vor.

Ich habe das selbst erlebt. Ich habe mit den Robotern gesprochen. Ich war teilweise selbst einer, wenn Not an Robotern war. Ich war in einem Beratungshaus, das Personal aufbaute. Die Sekretärinnen bekamen die Stapel mit den Bewerbungsmappen und siebten sie durch. Manchmal mussten Berater mit ran. Wir waren Roboter.

Nichts anderes machen jetzt die Softwareprogramme, nur mit viel mehr Daten und Kriterien (wer dachte damals an XING oder Facebook…). Und viel radikaler. Knallhart. Kriterium erfüllt oder nicht. Wir Roboter damals haben plötzlich die Mappe eines Kandidaten in der Hand, die wir beiseite hätten legen müssen. Doch uns fiel etwas auf. Verknüpfungen von Fachgebieten. Erfahrungen mit bestimmten Kunden. Das werden die Programme heute noch nicht können.

Den Robotern fehlt noch Intelligenz. Aber irgendwann wird ein Recruiting Roboter sogar die Bewerbungsgespräche führen, weil er intelligenter als der menschliche Kollege ist. Mr. Watson kommt dann vielleicht von der IBM. Oder von einem Unternehmen oder Startup, an das wir jetzt noch gar nicht denken.

Irgendwann wird da ein investigativer R. Daneel Olivaw wie in Asimovs Foundationzyklus sein, der sich die Bewerber ansehen wird und dann doch einen mit einer Fünf in Mathe auswählen wird. Der dann vielleicht Einsteins Relativitätstheorie zum Frühstück ißt und einen noch viel intelligenteren Quantencomputer für in die Westentasche erfindet.

Aber bis dahin haben wir wohl noch etwas Zeit. Hoffe ich. Obwohl, wenn Daneel intelligent ist, warum könnten er und ich nicht Freunde werden?

Einstein für die Westentasche.

Roulette-Gelesen in 4 Minuten, Roulette-Geschrieben in 24 Minuten.

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Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Autor und Wanderführer | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen). Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur. In den Sozialen Medien ist er auf Twitter als @DerEntspannende, auf Facebook als Der Entspannende und auf Instagram als Der Entspannende.