Blind schreiben

Ich werde jetzt blind schreiben. Es ist ein Experiment, zu dem mich Ygor H. Speranzas Artikel “Blindwriting – An article on how to write without looking back” motiviert. Ich will es wissen. Jetzt.

Gerade habe ich den Bildschirm ausgeschaltet. Eine schwarze Fläche schaut mich an. Ich schaue zurück. Unter Blind schreiben verstehe ich üblicherweise eetwas anderes: Das Zehnfinger-Schreibsystem, mit dessen Hilfe Mann und Frau schreiben kann, ohne auf die Tastatur zu schauen. Normalerweise hilft dies, den Blick auf Texte, Abbildungen, Materialien zu halten. Doch es bleibt ein Rest Unsicherheit: Ist das, was ich da gerade schrieb, auch „richtig“? Korrekt? Und der letzte Satz, ist er richtig geschrieben? Sind meine Gedanken gut formuliert? Ist da auch kein Schreibfehler? Moment, da im vorletzten Satz…

So jedoch verfliegen die Gedanken mit den Sätzen, nur ein Faden bleibt, von dem ich besonders jetzt nicht weiß, wohin er mich führt. Vielleicht ist aber genau dieses Blind schreiben ein guter Weg, um von Schreibblockaden weg zu kommen.

Denn bei Schreibblockaden wird – zumindest bei mir – die Unsicherheit immer größer, jew mehr Zeichen, Wörter, Sätze und Absätze ich geschrieben habe. Vorausgesetz, ich habe überhaupt damit angefangen.

Aber auch das Anfangen fiel mir soeben erstaunlich leicht. Ich bin ein Verfechter des Fokussierens, des Konzentrieren auf eine Tätigkeit. Jetzt fokusisiere ich mich auf meine Gedanken. Ich schließe sogar meine Augen, denn sie helfen mir nicht. Ich sehe schwarz – egal ob ich die augen auf oder geschlossen habe. Und es tut nicht weh.

Wenn ich es mir genau überlege, so ist es eine einmalige Möglichkeit, sich zu befreien. Eine Voraussetzung sehe ich jedoch (im übertragenen Sinne, denn gerade eben sehe ich nichts): Das Zehn-Finger-Schreibsystem sollte ein Blindschreiber beherrschen. Zwar könnte ich auch mit dem Ein-Finger-Adler-Suchsystem blind schreiben, aber auch das Suchen lenkt mich ab. Bereits beim Suchen – so vermute ich- schweifen meine Gedanken wieder ab. So jedoch – mit geschlossenen Augen – schweifen meine Gedanken zwar, aber sie schweifen nicht um mechanische Tätiigkeiten oder irgendwelche Artikel sondern um das Blind schreiben.

Ich finde es faszinierend, dass ich nicht abgelenkt werde, sondern dass ich es immer ncoh schaffe, einigermaßen mich auf das Blind schreiben zu konzentrieren.

Blind schreiben lässt mich in einen „Schreib-Flow“ kommen. Ich hatte erwartet, dass ich über mich selbst und dmeine Gedanken stolpere, doches funktioniert.

Ich bin bereits gespannt darauf, wie mein Geschreibsel aussieht, wenn ich das Display wieder anschaltee. Doch noch zögere ich. Ich bin alleine. Ich bin alleine mit meinen Fingern, meinen Gedanken und meiner Tastatur. Zum Anschalten des Displays müsste ich die Augen öffenn und meineHand und meine Finger zum Schalter des Displays führen. Es ist verführerisch, nicht die Augen zu öffnen. Ich bleibe gelassen und schreibe einfach weiter.

Bei meiner nächsten Schreibblockade werde ich wieder Blind schreibne. Einfach machen. Einfach schreiben.

Die Neugier siegt. Ich öffne die Augen und …

3.178 Zeichen. Viele Schreibfehler. Doch ich stehe dazu. Ich werde dieses Dokument unkorrigiert veröffentlichen.

Anmerkung: Dieser Artikel erschien zuerst auf Medium als Beitrag zur Blockparade vom PR-Doktor Kerstin Hoffmann: “Blogparade gegen die Schreibblockade”. Doch dort ist er nicht gut aufgehoben, denn Medium versieht externe Links mit einem „nofollow„. Die Blogparade verdient das nicht.

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