Lieber Pupsylotta

Pupsylotta im Bett

Lieber Pupsylotta,

irgendwie kommt es mir gar nicht so lange vor, dass wir Dich aus Hamburg abholten. Dich und HerrIdefix. Du hast uns im Auto die ganzen Stunden ganz schön auf Trab gehalten. Unverdrossen jammertest Du uns die Ohren voll bis kurz vor Schwabenheim.

Schwabenheim war eine Herausforderung, die Du stoisch ertrugst. Denn Treppen waren überhaupt nicht Dein Ding. Deswegen hast Du sicherlich HerrIdefix beneidet, der bei uns im 1. Stock übernachtete. Überhaupt: Alles, was höher als die Sitzfläche eines Sessels war, war vor Dir sicher. Wenn wir Dich aufhoben, um mit Dir auf die Waage zu steigen, hast Du Dich sehr schnell verkrampft. Dein Blick wurde unruhig, und Du wolltest vor allem eines: Runter.

Ansonsten aber hast Du Deine stoische Ruhe immer bewahrt. Als wir dann nach Selzen zogen und beispielsweise die Tochter unserer Vermieter uns “heimsuchte” – kein Problem. Dich konnte man immer knuddeln. HerrIdefix wollte immer seine Ruhe haben vor irgendwelchen hektischen Kindern, Bewegungen. Du warst die Ruhe selbst. Du warst Flausch.

Pupsylotta auf der Schreibtischdecke
Pupsylotta (Flausch)

 

Mit Deiner Stupsnase hast Du Dich an alles in Ruhe rangewagt, hast geschnuffelt und Dein Urteil gezogen. Dein weiches Fell hat Dir immer irgendwie die Sympathien versichert – denn da umgeben von diesem Fell war auch Dein famoses großes Gesicht mit den großen lieben Augen. “Können solche Augen lügen?” Nie und nimmer. Immer warst Du ehrlich, wenn Du Hunger hattest. Wir konnten uns sicher sein, dass Du als Staubsauger keinen Krümel übrig lassen würdest. In aller Ruhe ohne Hektik vertilgtest Du Dein Fressen. Nur selten hast Du beim Fressen eine Pause gemacht, das Zeug musste schließlich runter. Manchmal hast Du die Gelegenheit genutzt, wenn der HerrIdefix wieder auf der Terrasse seinen Kontroll- und Schnüffelgang machen musste, und hast ihm seine Schüssel kontrolliert. Du warst gemütlich, aber wenn es ernst wurde (und besonders wenn es um Futter ging), dann nahmst Du schnell Fahrt auf.

In der letzten Zeit wurdest Du jedoch immer langsamer. Auch Dein Appetit ließ nach. Du warst nicht mehr wie der Pupsy oder wie der Pupsel. Pupsylotta war uns manchmal etwas zu lang, und irgendwie war so eine niedliche Form für Dich niedlichen Kater genau das Richtige. In der letzten Zeit warst Du auch irgendwie anders. Deine Stoffhöhlen, in denen Du Dich so gerne reinkringeltest, hast Du plötzlich ignoriert. Auch auf Deinen Sessel, der einmal mir gehört hatte, gingst Du immer weniger. Die Couch war anfangs noch okay. Doch immer öfter lagst Du einfach nur irgendwo rum. Beispielsweise vor dem Wassernapf. Mit Deinen großen Augen. Und abgenommen hattest Du.

Pupsylotta am Wassernapf
Pupsylotta am Wassernapf

 

Und dann plötzlich die Überraschung: Irgendwann lagst Du auf dem Esstisch – wo der doch für einen Pupsy viel zu hoch war. Und dann lagst Du plötzlich auf dem Bürostuhl. Der war doch auch zu hoch.

Pupsylotta auf dem Bürostuhl
Pupsylotta auf dem Bürostuhl

 

Pupsylotta an der Tastatur
Pupsylotta an der Tastatur

 

Und immer öfter kamst Du zu mir ins Büro. Schließlich requiriertest Du sogar den Bürotisch. Du hast meine Nähe gesucht. Immer wieder kamst Du ins Büro. Kaum zu hören. Und plötzlich warst Du da. Sitzend und mich mit großen Augen anschauend. Wer konnte da widerstehen? Ich nicht. So hob ich Dich dann hoch auf den Schreibtisch und Du warst offensichtlich zufrieden. Kein Verkrampfen, kein Zappeln. So lagst Du dann auf der Business-Decke auf dem Schreibtisch schräg vor mir und blicktest mich an. Und schliefst viel. Oder zeigtest einfach nur, dass Du da bist.

Pupsylotta in der Tierklinik
Tapferer Pupsylotta in der Tierklinik

 

Wir wussten es seit ein paar Wochen, dass Du nicht in Ordnung warst. Die Tierärztin erkannte, dass Du wirklich schwer krank warst. Die Gewissheit bekamen wir in der Tierklinik. Krebs. Ohne Chemo und Bestrahlung würden 50% noch drei Monate leben. Wir hatten uns gegen Chemo und Bestrahlung entschieden und hofften auf … noch eine schöne lange Zeit mit Dir und für Dich.

Heute lagst Du wieder auf der Decke auf dem niedrigen Beistelltisch im Wohnzimmer, wo Du früher nie warst und Dich seit einiger Zeit so gerne zurückzogst. Wir wollten ja eigentlich schon gestern oder vorgestern zur Tierärztin, um dir noch eine Depotspritze geben zu lassen. Die war aber krank, und so verschob sich das auf heute. Heute hast Du mir Deinen letzten Tag gegeben. Ich habe mein Büro ins Wohnzimmer auf Deinen Sessel verlegt und mich zur Arbeit mit Nebensächlichkeiten beschäftigt. Du lagst neben mir. Meistens schliefst Du, aber gelegentlich blicktest Du auf.

Pupsylotta observiert den Saugrobot
Pupsylotta observiert den Saugrobot

 

Besonders, als dieses nervige Etwas von Saugrobot herumwuselte. Aber wir genossen den Tag. Wir unterhielten uns stumm, ich streichelte Dich ab und zu und unterhielt mich mit Dir. Du warst ja noch nie sehr gesprächig, aber Du warst immer ein guter Zuhörer. In letzter Zeit brauchtest Du viele Pausen, in denen Du döstest. So auch heute. Das Futter musste ich Dir schon in Deiner Schale auf den Beistelltisch stellen. Ein paar Leckereien dazwischen hast Du auch genommen. Aber früher … früher warst Du ein Staubsauger. Inzwischen hast Du kaum noch gefressen.

Ich spürte die letzten Tage Deine Müdigkeit, Deine Behäbigkeit, Deine Kraftlosigkeit. Ich spürte, dass der Tag früher kommen würde als wir gedacht und gehofft hatten. Aber Du hattest keine Kraft mehr. Aber Du warst Da. Der liebe große starke Pupsylotta.

Vorhin fuhren wir zur Tierärztin. Ein kauernder Pupsylotta, der gar nicht gesund und kräftig aussah. Ich hatte zwar gehofft, aber in den letzten zwei Tagen wurde es mir bewusst. Du würdest von uns gehen. Die Tierärztin sah in an…

Ich bin das nicht gewohnt, dass ein Haustier in meinen Händen stirbt. Es ist ein total ungewohntes, ein schreckliches Erlebnis. Und das Haustier, das warst Du. Und mehr. Unser Freund. Unser Schatz. Unser lieber großer kräftiger Pupsylotta. Der sich mit einer großen Kraftanstrengung an mir auf die Schulter zog. Der seinen Kopf in meine Hand legte. Und der wohl fühlte, dass die Zeit da war. Der mich mit der Nase stupste.

Pupsylotta im Bett

Wir hatten eine schöne, sehr schöne Zeit mit Dir.

Schlaf gut. Gute Nacht. Mach’s gut. Leb wohl.

P.S.: R.I.P. Pupsylotta – Allerbester Schmusekater (Die Manuela)

4 Replies to “Lieber Pupsylotta”

  1. Wie schnell das gehen kann. Ein Leben teilen mit einem Tier. Ein Tier, dass Dich morgens begrüßt. Ein Wesen, dass Dich abends umschleicht oder einfach nur in Deiner Nähe liegt, sich wohl fühlt bei seiner Familie. Und dann ist es zuerst krank und dann weg. Pupsy ist jetzt an einem Ort, an dem es keinen Schmerz gibt und an dem man seinen Essen wieder genießen kann, ohne Schmerzen, ohne Reue. Sozusagen.

    Aber, egal, in diesem Augenblick ist da der eigene Schmerz. Ohne Trost. Ich umarme euch. Und ich denke an euch und natürlich denke ich jetzt auch an Herrn Idefix, der seinen Kumpan sicher auch vermisst. Seid umarmt.

    1. Vielen Dank, Markus, für Deine tröstenden Worte.

      Irgendwie sind es solche Stunden, die das ganze Gehässige in der Welt so absurd erscheinen lassen. Und doch gibt es da Menschen wie Dich. Danke!

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