Die eigene Zerstörung der CDU: Die PDF-Antwort ist stümperhaft und nicht barrierefrei

CDU: Wie wir die Sache sehen (PAC Report, Screenshot)

Die CDU liefert eine elfseitige professionelle und mit Adobe InDesign erstellte PDF-Datei als Antwort auf Rezos „Die Zerstörung der CDU“. Die Partei, die laut „AG Digitale Agenda“ ihrer CDU/CSU-Faktion die „Digitalisierung als Erfolgsgeschichte für Deutschland“ sieht.

Das Bundeskabinett hat Mitte November 2018 unter dem Thema „Digitalisierung gestalten“ eine neue Digitalstrategie beschlossen. Aus dem Bundestag heraus wird die AG Digitale Agenda die Umsetzung aller Vorhaben auf diesem Gebiet eng begleiten.

Zum Verständnis hier noch das Video von Rezo, um das es geht:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ

Weil ich grundsätzlich neugierig bin, lade ich mir das digitale PDF-Dokument der CDU herunter und schaue es mir an. So schwer kann es für eine Regierungspartei Deutschlands,

  • die die Digitalisierung als eine Erfolgsgeschichte in Deutschland sieht,
  • und die von der AG Digitale Agenda bei der Umsetzung aller Vorhaben eng begleitet wird,

schließlich nicht sein, erfolgreich eine valide PDF-Datei zu erstellen. Doch was mir bereits mit dem PDF-Betrachter Sumatra und ohne intensive Prüfung sofort auffällt (außer, dass Seite 1 für ein Titelbild und Seite 2 für Geschwafel und Selbstdarstellung verbraten werden): Das Dokument hat keinen Titel, keine Tags.

CDU: Wie wir die Sache sehen (Dokumenteigenschaften nach Sumatra, Screenshot)

Als ambitionierter Dilettant achte ich beim Erstellen von PDF-Dateien mit Office 365 oder LibreOffice lediglich auf ein paar einfache Dinge wie beispielsweise, ob mein Dokument einen Titel oder eine Beschreibung hat. Ich arbeite eben mit Office-Paketen und nicht mit Profi-Tools für PDF wie beispielsweise Adobe InDesign.

Wenn eine PDF-Datei gut gemacht ist, dann kann sie von Programmen gut „gelesen“ und interpretiert werden. Das entscheidet beispielsweise darüber, ob Suchmaschinen (im Internet oder auf dem lokalen Rechner) mit so einer Datei etwas anfangen können. Oder ob ein Screen Reader etwas damit anfangen kann. Kurz: Eine handwerklich gut gemachte PDF-Datei ist barrierefrei.

Doch wie prüft man valide, ob eine PDF-Datei barrierefrei ist? Nach einer kurzen Recherche lande ich bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Sie meint zur Prüfung der Barrierefreiheit von PDF-Dateien:

Der internationale Standard für die barrierefreie Gestaltung einer PDF ist die ISO 14289-1:2016-12. Praxistipps zur Umsetzung gibt die Internetseite Barrierearme PDF-Dokumente und -Formulare der Justus-Liebig-Universität Gießen. Hier finden sich Anleitungen und Beispiele, wie man barrierearme PDF-Dateien erstellt.

Die Schweizerische Stiftung zur behindertengerechten Technologienutzung hat einen PDF-Accessibility-Checker (PAC 3) entwickelt, mit dessen Hilfe Sie Ihr Ergebnis testen können.

Anschließend lade ich den PAC 3 der schweizerischen Stiftung zur behindertengerechten Technologienutzung herunter, starte ihn und prüfe damit die PDF-Datei der CDU. Als ambitionierter Dilettant brauche ich für Recherche, Herunterladen des PAC 3 und Prüfung des Dokuments insgesamt etwa zehn Minuten.

PAC 3 kommt zu dem Ergebnis:

Diese PDF-Datei ist nicht PDF/UA-konform.

Bei fünf der elf Prüfpunkten sind Prüfpunkte nicht erfüllt.

CDU: Wie wir die Sache sehen (PAC Report, Screenshot)
CDU: Wie wir die Sache sehen (PAC Report, Screenshot)

Herunterladen des Reports als PDF-Datei: CDU: Wie wir die Sache sehen (PAC Report).

Im Vergleich die Dokumenteigenschaften des PAC Reports:

PAC Report zu „Wie wir die Sache sehen“ (Dokumenteigenschaften nach Sumatra, Screenshot)

Kurz: Die PDF-Datei ist handwerklich stümperhaft gemacht.

Soweit zur Professionalität und Digitalisierung der CDU. Ach, gab es da nicht einen Punkt in Rezos Video über die fehlende „Kompetenz“ der CDU …

Edit: Screenshots der Dokumenteigenschaften aus Sumatra hinzugefügt.

Nachtrag: Warum keine inhaltliche Kritik?

Es gab kritische Kommentare (nicht nur hier sondern auch z.B. auf Xing) daran, dass ich mich öffentlich nicht inhaltlich mit dem Dokument beschäftigt hätte. Sicherlich hätte ich wie viele andere öffentlich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Dokument vornehmen können. Dann machen halt alle nur eine inhaltliche Auseinandersetzung, und andere Punkte werden nicht analysiert.

Doch gerade unter dem Aspekt, dass sich die CDU als „Volkspartei“ bezeichnet und sich

an Menschen aus allen Schichten und Gruppen unseres Landes

wendet, halte ich meine Betrachtung für notwendig. Denn mit ihrer stümperhaften Arbeit schließt die CDU Gruppen von Leuten mit bestimmten Behinderungen davon aus, sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen. Das empfinde ich im Kontext durchaus als eine inhaltliche Kritik.

Hinzu kommt, dass diese Stümperhaftigkeit offensichtlich kein Einzelfall nur mit der PDF-Datei mit der Antwort an Rezo ist. So ist beispielsweise sogar das Dokument zu den „Beschluss:Leitfragen zum neuen Grundsatzprogramm der CDU“ (das bereits seit Monaten online ist!) zwar nicht ganz so stümperhaft, hat aber auch keinen Titel und fehlende Metadaten.  Der Bericht über die „Rechtspolitische Konferenz des BADCJ am 29. und 30. März 2019 ‚Plurale Gesellschaft –Gleiches Recht!‘“ immerhin Tags, aber hat ebenfalls keinen Titel und keine validen Metadaten. Das Flugblatt Wirtschaft „Leistungsfähige Wirtschaft für unser Land“ hat immerhin einen Titel – Auch wenn er „Flugbl_Wirtschaft_090913.indd“ lautet. Zugegeben eine zufällige Auswahl, aber anscheinend sind es nicht gänzlich unwichtige Themen, um die sich die Dokumente drehen.

2 Replies to “Die eigene Zerstörung der CDU: Die PDF-Antwort ist stümperhaft und nicht barrierefrei”

  1. Lieber Frank
    Es ist immer einfach und wohlfeil, die Form zu kritisieren. Sicher auch ein nicht unwichtiger Aspekt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung hingegen hätte ich spannender gefunden.
    Beste Grüße F

    1. Lieber Florian,

      sicherlich hätte ich wie viele andere öffentlich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Dokument vornehmen können. Dann machen halt alle nur eine inhaltliche Auseinandersetzung, und andere Punkte werden nicht analysiert.

      Doch gerade unter dem Aspekt, dass sich die CDU als „Volkspartei“ (die sich „an Menschen aus allen Schichten und Gruppen unseres Landes“ wendet) bezeichnet, halte ich meine Betrachtung für notwendig. Denn mit ihrer stümperhaften Arbeit schließt die CDU Leute bestimmten Behinderungen davon aus, sich damit auseinanderzusetzen. Das empfinde ich im Kontext durchaus als eine inhaltliche Kritik.

      Hinzu kommt, dass diese Stümperhaftigkeit offensichtlich kein Einzelfall nur mit diesem Dokument ist. So ist beispielsweise sogar das Dokument zu den „Beschluss:Leitfragen zum neuen Grundsatzprogramm der CDU“ (das bereits seit Monaten online ist) zwar nicht ganz so stümperhaft, hat aber auch keinen Titel und fehlende Metadaten.

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