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Wie Ihr den idealen Blogartikel schreibt

Vor neun Jahren startete ich mein erstes Blog. Zu Beginn wusste ich nicht, wie man den idealen Blogartikel schreibt. Jetzt bin ich ein wenig schlauer.

Frank Hamm (Blogger)
Frank Hamm (Blogger)

Vor neun Jahren startete ich mein erstes Blog, das INJELEA-Blog. Es war mehr ein technisches Experiment denn der bewusste Start ins Bloggen. Zu Beginn wusste ich noch nicht einmal, was Bloggen ist. Geschweige denn, wie man den idealen Blogartikel schreiben sollte. Neun Jahre später bin ich ein wenig schlauer.

Glücklicherweise gibt es nämlich Leute, die noch schlauer als ich sind. Kevan Lee schreibt in “The anatomy of the perfect blog post: Length, headline, images and more”, dass ich dazu eigentlich nur sieben Elemente benötige:

  1. Der Titel (Headline) mit sechs Wörtern
  2. Die Geschichte zum Einstieg
  3. Weniger Zeichen pro Zeile am Beginn
  4. Ein Bild
  5. Untertitel, Untertitel, Untertitel
  6. Inhalt und 1.500 Wörter
  7. O-Töne (Soundbites)

Also probiere ich das einmal mit meinen Worten und meiner Art aus. Ich erwarte Page Impressions wie verrückt, Verlinkungen und Social Mentions wie wahnsinnig. Ich weiß, das werdet Ihr mir gönnen und mir dabei helfen.

Titel mit sechs Wörtern

Der Titel soll, nein muss einprägsam sein und aus maximal sechs Wörtern bestehen. Drei zu Beginn, drei am Ende, dazwischen am besten keine (die werden sowieso ignoriert). Unnötige Füllwörter und langatmige Beschreibungen gehören nicht in den Titel. Außerdem habe ich sowieso nur etwa 55 Zeichen, denn mehr zeigt Google auf einer Suchergebnisseite vom Titel sowieso nicht an.

Der Titel sollte einer von acht Titelstrategien folgen. Eine davon verwende ich für diesen Artikel:

5. How to – “How to Create a Perfect Blog Post”

Erfüllt und abgehakt (auch wenn es im Englischen einfacher ist). Den URL (ja, den URL, denn es heißt nicht die Uniform Resource Locator) halte ich kurz. Und ich verspreche viel (wovon ich weiß, dass ich es wahrscheinlich sowieso nicht halten werde, aber das Versprechen klingt gut).

Die Geschichte zum Einstieg

Storytelling” ist wichtig, das war auch schon vor “Content Strategy” so. Das Storytelling macht neugierig und verbindet den Leser mit dem Schreiber. Ich erzähle von meinen Anfängen, von meiner Unkenntnis. Das macht mich schwach und Euch mitleidend.

Ich setze darauf, dass Ihr nach der ergreifenden Anfangsgeschichte aus lauter Mitleid weiterlest. Der persönliche Draht des Lesers zum Schreiber ist wichtig, deswegen füge ich auch noch ein Foto von mir gleich zu Beginn in den Artikel ein. Dieses Foto hat aber noch einen weiteren Zweck.

Weniger Zeichen pro Zeile am Beginn

Der erste Absatz entscheidet über Wohl und Wehe des Artikels. Darüber, ob Ihr, die Leser, weiterlest. Das Foto ist ein visuelles Element. Visuelles zieht immer (mehr als reiner Text).

Doch wichtig ist dabei besonders, dass damit im ersten Absatz weniger Zeichen pro Zeile sind als im Rest des Artikels. Das Foto macht die Spalte schmaler und die Zeilen kürzer. Außerdem verwende ich Fettschrift für den ersten Absatz. Fette Buchstaben benötigen mehr Platz. Also noch weniger Zeichen pro Zeile.

Damit könnt Ihr viel schneller entscheiden, ob Ihr weiterlesen wollt. Kürzere Zeilen sind schneller zu scannen und helfen Euch bei Eurer Entscheidung. Dass Ihr diesen Absatz lest, beweist mir, dass ich Erfolg damit habe.

Ein Bild

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte (zu der Wortanzahl komme ich gleich). Lee geht nicht mehr explizit darauf ein auf dieses Element für den idealen Blogartikel. Das macht aber nichts. Visuelles zieht immer, also pappe ich einfach das Foto von meinem Macbook und dem Artikelentwurf in WordPress noch einmal hinein.

Der ideale Blogartikel
Der ideale Blogartikel (Frank Hamm)

Das verbindet uns (hoffentlich), denn ihr bemitleidet mich bei der Monsteraufgabe des idealen Blogartikels noch mehr, weil Ihr mich mitten bei der Arbeit erwischt.

Untertitel, Untertitel, Untertitel

Untertitel (oder auch Überschriften) helfen dem Leser (also Euch), den Inhalt zu scannen. Gerade in diesem Online-Internet scannen die Menschen einen Artikel, auch wenn sie ihn eigentlich lesen wollen. Doch Überschriften (oder auch Untertiel) helfen Euch bei der Entscheidung, ob Ihr die nächsten Absätze lest oder gleich zum nächsten Abschnitt springt. Möglicherweise verschafft Ihr Euch auch einen ersten Überblick und springt dann genau zu dem Abschnitt, der Euch wichtig und/oder interessant erscheint.

Inhalt und 1.500 Wörter

So ganz ohne Inhalt geht es denn doch nicht. Wenn ich Euch einen Artikel mit 100 Wörtern hinwerfe, dann… konkurriere ich vielleicht mit der Bild. Oder ich müsste gleich eine Klickstrecke mit “KlickiBuntiFotos” oder etwas wie heftig.co machen. Doch ich unterstelle Euch, dass Ihr

  • wirklich an fachlichem Inhalt interessiert seid
  • strukturiert lesen wollt
  • gleich unterschiedliche Inhaltstypen erkennen wollt

Dazu helfe ich Euch mit

  • Listen
  • Zitaten
  • Fettschrift
  • Kurzen Absätzen
  • Visuellen Elementen (okay, da hapert es hier etwas)

Lee führt an, dass es schon 1.500 Wörter in einem Blogartikel sein sollten, damit er wirklich bis zum Ende gelesen und geteilt wird. Ich dachte bislang, dass gerade längere Artikel nicht gelesen und vor allem nicht geteilt werden. 700 Wörter sollten es auf jeden Fall sein – und die habe ich bis hierhin.

O-Töne (Soundbites)

Seid Ihr noch da? Dann bekommt Ihr jetzt von mir einen O-Ton.

Längere Artikel werden eher verbreitet und in den sozialen Medien geteilt als kürzere Artikel.

Dieser O-Ton und die Länge dieses Artikels verleiten Euch daher jetzt, einem CTA (“Call To Action”) nachzugeben und den zweiten O-Ton als Tweet abzusetzen (bitte!):

[Tweet “Es gibt ein einfaches Rezept für den idealen Blogartikel!”]

Extras

Lee geht noch auf vier weitere Punkte ein:

  1. In einen Blogartikel gehört ein “Call To Action” (siehe oben)
  2. Visueller Inhalt ist essentiell (hatten wir auch schon, siehe oben)
  3. “Sharing Buttons” müssen sein, also Buttons, um den Artikel auf Twitter, Facebook etc. zu teilen (siehe unten)
  4. Der Pfad in dem URL muss kurz und lesbar sein (ist er, ich habe ihn gekürzt)

Ein weiteres Extra ist für Lee der Tag, an dem der Blogartikel veröffentlicht wird. Blogartikel werden am Wochenende wesentlich öfter geteilt als Blogartikel unter der Woche. Klar, weil am Wochenende die Konkurrenz kleiner ist. So wie heute.

Finaler Call To Action

Kevan Lee schreibt in seinem idealen Blogartikel wesentlich mehr Wörter und hat wesentlich mehr visuelle Elemente. Trotzdem hoffe ich, dieser Blogartikel gefällt Euch und kommt Eurem Ideal vom idealen Blogartikel einigermaßen nahe.

Trotzdem solltet Ihr den originalen, idealen Blogartikel nicht versäumen:

Kevan Lee: The anatomy of the perfect blog post: Length, headline, images and more

P.S. Den Link zu Lees Artikel habe ich natürlich absichtlich erst am Ende gebracht. Denn so ideal ist mein Blogartikel wahrscheinlich doch nicht, und Ihr wärt bestimmt schon vorher abgesprungen. Oder?

Finaler finaler CTA: Und wenn Ihr schon einmal hier unten angelangt seid, dann könnt Ihr den Artikel gleich noch teilen. Denn “Sharing is caring!” 🙂

Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen, Autor und Wanderblogger | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen), ca. 15 km südlich von Mainz. Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.

3 Antworten auf „Wie Ihr den idealen Blogartikel schreibt“

Vielen Dank für deinen idealen Blogbeitrag. Die Überschrift hat mich direkt gefangen, denn wer möchte nicht den idealen Blogbeitrag schreiben?! Ich schon, vor allem, da ein kompletter Relaunch meines Blogs läuft. Was auch mehr als nötig ist.

Beim Lesen drängte sich mir doch hin und wieder der Verdacht auf, dass du deinen Artikel mit mehr als einem zwinkernden Auge geschrieben hast. Oder doch nicht?
Lässt sich der ideale Blogbeitrag so einfach anhand einer Checkliste abarbeiten? Es muss aber etwas dran sein, denn die formale Struktur begegnet mir öfters. Zum Beispiel bei Ivan Blatter.
Was den berühmten CtA angeht, ist ja auch die Frage an den Leser (“Was denkt ihr, sieht so der ideale Blogbeitrag aus? “) sehr beliebt.

Ich bin gespannt, wie sich dein Experiment entwickelt. Aber ob nun ‘ideal’ oder einfach nur ‘gut’; ich freue mich auf weitere interessante Beiträge hier bei dir.

Hallo Frank,
in der Tat war da mindestens ein zwinkerndes Auge dabei. Ich glaube, dass die Punkte alle hilfreich sind. Ob sie auch wirklich helfen, entscheidet sich dann wahrscheinlich am Schreibstil (z.B. zwinkernd…) und auf die Dauer an der Nachhaltigkeit eines Blogs.

Wer ein paar Jahre bloggt (und dazu gehört auch das Lesen anderer Blogs), wird sich viele dieser Punkte mehr oder weniger automatisch aneignen. Aber wenn dann alle Blogartikel immer in demselben Muster sind… dann fehlt irgendwas. Ich vermute, für einzelne Besucher (z.B. über Suchmaschine, Social Media) kommt so ein Artikel dann gut hin. Aber wenn der Geist eines Blogs fehlt, dann vibriert auch nix.

Wahrscheinlich ahnst Du es schon: Das wird nicht der monstergigantische haufenweise geteilte Artikel. Aber es hat mir einfach Spaß gemacht ihn zu schreiben, und für mich war es wie ein Knoten im Taschentuch, den ich wieder ein bisschen straffer gezogen habe 🙂

Eben habe ich mal über die Startseite des Blogs von Ivan Blatter gescannt. Für sich betrachtet scheint die Aufmachung der Artikel stimmig. Aber irgendwie weiß ich nicht, ob ich dadurch Lust bekomme, das Blog zu abonnieren… Klinkt mir zu gleichförmig – auch wenn mir die einzelnen Artikel (zumindest vom Abstrakt und Titel her) hilfreich erscheinen. Wahrscheinlich würde ich es abonnieren, wenn ich konkreten Bedarf an Antworten hätte. Und irgendwann würde ich es wieder aus meinem Abo rauswerfen… Aber das ist halt nur meine Meinung 🙂

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