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Im Spätherbstblues einfach so vor mich hinschreiben

Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht: Einfach vor mich hinschreiben. Im Weihnachtsradio läuft Klassik. Die Augen habe ich geschlossen. Zehnfingertippen habe ich mal gelernt. Als Jugendlicher für Schreibmaschinenschnellschreibwettbewerbe. In den Siebzigerjahren. Später, seit den Achtzigerjahren hatte ich dann plötzlich immer irgendwie eine Tastatur vor mir, die per Kabel oder Blauzahn an einem „Rechner“ hing. So wie jetzt.

Okay, das mit den Augen geschlossen halten funktioniert jetzt dann doch nicht so gut. Denn irgendwie kam ich auf das „einfach so vor mich hinschreiben“ durch das LandLebenBlog. Ihr wisst schon, aus dem Odenwald.

Und da dachte ich mir, ich lese mir den neuen Beitrag von der Odenwälderin durch und schreibe einfach (hach, schon wieder dieses Wort) dazu, was (und falls) mir etwas einfällt dazu. Heute ist anscheinend „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt“. Egal, ich schreib mal.

Schnee. Schneeschippen musste sie („Muss ja“). Wir hier mussten schon mal gar nicht. Müssen wir eigentlich so gut wie gar nicht mehr. Ganz früher musste ich das schon irgendwie öfters. Ganz schlimm kam es mal bei einem Schneeeinbruch, als ich an der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck war. Da musste ich dann zusammen mit ein paar hundert anderen Offiziersschülern Schippen in die Hand nehmen und die Start- und Landebahn vom Fliegerhorst freischippen. Reihe in Reihe schippten wir und schippten wir und schippten wir in der Kälte.

Lieber […] küssen,
als Schnee schippen müssen.

(Insider)

Lang ist’s her. So um die, vielleicht sogar ziemlich genau 40 Jahre. Inzwischen gibt es den Fliegerhorst als Militärflugplatz nicht mehr. In ein oder zwei Jahren soll die berühmteste Aral-Tankstelle Deutschlands (ha, noch ein Insider), die #OSLw, nach Roth umziehen. Die Kaserne wird dicht gemacht. Bleibt zu wünschen, dass daraus kein Rhein-Selz-Park von Fürsti wird.

Ach ja, Schnee. Als ich im Gymnasium Michelstadt (ja, im Odenwald) in der Oberstufe war, rannte ich (möglicherweise eher weniger als mehr) in einer AG Orientierungslauf. Im Winter sind wir dann tatsächlich mit Langlaufskiern durch den verschneiten Odenwald. Und davor, in der Mittelstufe sind wir nachmittags, nach der Schule, in Höchst den Hang hinauf und selbigen mit dem Schlitten runtergebrettert.

Supermarkt. Leute, die ausgerechnet Samstagvormittags in den Supermarkt gehen? Gibt es immer. Oder ausgerechnet dann, wann ich gehe? Immer wieder. Ich versuche ja der Rush Hour im Supermarkt zu entgehen. Aber gefühlt machen das genau dann auch die anderen. So wie wir einmal (ja, in den Siebzigerjahren) kurz vor Mitternacht nach Griechenland zu unseren Freunden und in Urlaub losfuhren. Um dann die Nacht im Stau auf der A 3 und der A 9 bis München verbrachten. Zusammen mit all den anderen, die so wie wier dem Stau entgehen wollten. Ist also alles wie immer. Die Welt dreht sich weiter, und so manches bleibt, so manche Leute bleiben doch stehen.

Rotkrautröcheln. Gibt’s demnächst auch hier bei uns. Früher habe ich Rotkraut gehasst. Das lag an den ganzen Nelken. Gefühlt waren in jedem Rotkrautröcheltopf so um die 20 bis 30 Nelken, von denen ich dann gefühlt auf 35 draufbiss. Inzwischen liebe ich Rotkraut. Als einem der Gemüse in der Gemüsepfanne. Oder als Rotkraut im Topf. Ja, ich weiß. Man sagt Rotrautköcheln. Aber ein Topf, der muss röcheln.

Das Internet. Kann so hässlich und so schön sein. Ich habe so viele schöne Erlebnisse erlebt und so viele liebe Menschen dadurch kennengelernt. Leider haben bereits einige von den lieben Menschen so wie Johannes oder Marcel oder Robert nicht nur dieses Internet, sondern diese Erde verlassen. Die Schreihälse sind immer so laut, dass man die feinen Zwischentöne der Nachdenklichen, oft Introvertierten, oft überhört. Und manchmal hört man sie doch, die Zwischentöne. Die wichtigen Töne. So wie von Schafzwitschern über sein Wollprojekt. Jetzt ist die Kuscheldecke da.

Eine Kuscheldecke von Paula und Konsorte. Also von Wanderschäfer de Vries
Eine Kuscheldecke von Paula und Konsorte. Also von Wanderschäfer de Vries

Rausgehen. Das habe ich in letzter Zeit viel zu wenig gemacht. Zu sehr rumsinniert, rumgegrübelt, rumbefürchtet. Vor lauter Grübelei nicht aus dem Haus herausgekommen. Vielleicht habe ich den Spätherbstblues. Winter mit richtigem Schnee gibt’s ja nicht mehr, dafür dieses scheinbar ewige Mischmasch aus Nebel, Regen, Dunkelwolken. Schluss damit.

Jetzt erst mal ein wenig Meditation, dann in die Küche zum Röcheln … ähm … Köcheln.

Von Der Schreibende

Der Schreibende (* 1961 in Ingelheim am Rhein als Frank Hamm) ist Kultur- und Weinbotschafter Rheinhessen, Autor und Wanderblogger | Blogger, Jogger, SunriseRunner & Wanderer | Rheinhessen & Hawai'i Fan | Science Fiction Fan, Philosoph & Trekkie. Der Schreibende lebt in der Ortsgemeinde Selzen (Rheinhessen), ca. 15 km südlich von Mainz. Im Blog Der Entspannende berichtet er über das Entspannen bei Wandern, Genuss und Kultur.