Management versus Leadership

Vor über 34 Jahren trat ich als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein und staunte dann an der Offizierschule der Luftwaffe, dass es Fächer wie “Führungslehre” und “Menschenführung” gab. Jahre später war ich nach meinem Wirtschaftswissenschaft-Studium in der sogenannten freien Wirtschaft und staunte, dass die “Führungskräfte” Manager waren, ohne dass sie je etwas über Führung oder Menschen gelernt haben mussten. Die Jahre gingen ins Land, und es änderte sich nichts.

Mitarbeiter wurden befördert, weil sie fachlich von etwas sehr viel Ahnung hatten und ihren fachlichen Job gut machten. Da waren sie dann plötzlich Manager und Chef und mussten Mitarbeiter führen. Mitarbeiter, die eben nicht nur Mitarbeiter sondern auch Menschen waren. Wenn die Mitarbeiter dieser Manager einen guten Job machten (oft auch trotz des Managers), dann wurden die Manager noch weiter nach oben befördert.

Je weiter oben diese Manager waren, desto erfolgreich waren sie in der klassischen Sichtweise. Und irgendwie waren sie immer auch Führungskraft – weil sie Mitarbeiter „unter“ sich hatten. Je mehr Mitarbeiter und Fachbereiche oder “Reporting Lines” sie “unter” sich hatten, desto höher war ihre Reputation, ihr Ansehen, ihre Reputation. Sie motivierten ihre Mitarbeiter (darunter auch “niedrigere” Manager) mit – um in der Sprache der Bundeswehr zu bleiben – Druck und EPa.

Einmannpackung-Inhalt
Inhalt einer Einmannpackung Typ II, Tobias Wolter (Creative Commons BY-SA 3.0)

Sehr oft überwog der Druck. Denn das EPa war vielen gar nicht so erstrebenswert sobald eine gewisse Basis in ihrer Maslowschen Bedürfnispyramide erreicht war. Sicher waren Kantine, Altersversorgung, Dienstwagen erstrebenswert. Doch diese “EPa” mussten bezahlt werden mit Zeit, Energie, Aufwand, Kröten, die man schlucken musste. Es gab aber auch Mitarbeiter (und Manager), denen es ihre Reputation, ihr Ansehen, ihre Reputation als Manager wert waren. Vielen Mitarbeiter war es dies aber nicht.

Warum war vielen dieses Managertum nicht erstrebenswert? Weil es in deutschen Unternehmen um Management ging. Ging? Nein, es geht meistens immer noch darum.

Management ist die Verwaltung von Ressourcen wie Budgets, Mitarbeiter, Geschäftseinheiten, Ziele. Doch um Mitarbeiter und Geschäftseinheiten zu führen und zu leiten geht es um mehr um das Verwalten. Es geht darum, Menschen zu führen und zu leiten. Und immer noch geht es meines Wissens nach in den Ausbildungsgängen und den Studiengängen nicht um Menschenführung sondern um Management.

Tatsächlich gibt es viele deutsche Manager, die im selben Atemzug von Leadership sprechen, wenn sie Management meinen.

Die Welt wandelt sich, aber in Deutschland dreht sich die Welt immer schon etwas langsamer und anders. Deutsche Manager müssen lernen, dass es nicht um Verwaltung von Shareholder-Interesse geht, die über Analysten und Investoren dem Unternehmen aufgedrückt werden, die dann wiederum den Mitarbeiter per Führungstechniken wie Management by Objectives aufgedrückt werden. Es geht um das Leiten von Menschen – und das können auch Investoren sein – zur Erreichung von Visionen.

Und wer nicht an Visionen glaubt und keine Visionen hat, der sollte mal zum Arzt gehen.

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Bildquelle: Inhalt einer Einmannpackung Typ II, Tobias Wolter (Creative Commons BY-SA 3.0)

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